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Der Junge Deutsche Film - Vom Oberhausener Manifest 1962 bis zu seinem Ende

Seminararbeit 2003 22 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Jungen Deutschen Films
2.1 Die Gründe
2.2 Die Nouvelle Vague
2.3 Das Oberhausener Manifest
2.4 Andere Erklärungen und Manifeste
2.4.1 Mannheimer Erklärung vom 11. Oktober 1967
2.4.2 Hamburger Erklärung vom 22. September 1979
2.4.3 Manifest der Filmarbeiterinnen vom Dezember 1979
2.4.4 Münchener Erklärung vom 22. Juni 1983

3. Die Filme
3.1 Der Autorenfilm
3.2 Ein Beispiel des Jungen Deutschen Films: „Abschied von gestern“ von Kluge
3.2.1 Inhalt
3.2.2 Hintergrund

4. Die Regisseure
4.1 Alexander Kluge
4.1.1 Biographie
4.1.2 Charakteristika seiner Filme
4.2 Die anderen Regisseure

5. Das Ende des Jungen Deutschen Films

6. Zusammenfassung

1. Einleitung:

Meine Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Jungen Deutschen Film, angefangen bei der Entstehung über die Entwicklung, seinen Filmen und Regisseuren bis zu seinem Ende. Wenn man an den Jungen Deutschen Film denkt, fällt einem wohl zuerst Rainer Werner Fassbinder ein. Ist ja auch kein Wunder, denn Fassbinder war einer der fleißigsten und engagiertesten Regisseure dieser Zeit und ist bis heute der wahrscheinlich bekannteste Vertreter des Jungen Deutschen Films. Ich beschäftige mich jedoch in meiner Hausarbeit nicht mit Fassbinder, sondern richte mein Augenmerk auf andere Regisseure und deren Filme.

Ich beginne mit einem kurzen Überblick über die Entstehung des Jungen Deutschen Films, die Gründe für die Entstehung, den Zusammenhang mit der Nouvelle Vague und das Oberhausener Manifest. Danach gehe ich auf die Filme ein. Zuerst erkläre ich den Begriff des Autorenfilms und erläutere daraufhin den Film „Abschied von gestern“ von Alexander Kluge. Später beschäftige ich mich mit den herausragendsten Regisseuren neben Fassbinder. Alexander Kluge soll hier am ausführlichsten vorgestellt werden. Abschließend zeichne ich den Untergang des Jungen Deutschen Films und die Gründe hierfür nach. Das Ziel meiner Hausarbeit ist es, die Epoche des Jungen Deutschen Films einzufangen und zu charakterisieren. Dass Kunst auch immer ihren Anfang in der Rebellion findet, sich aber nicht immer durchsetzen kann, ist ein weiterer Aspekt, auf dem der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt.

2. Die Entstehung des jungen deutschen Films

„Der Junge Deutsche Film entstand als eine simple Bündelung von Leuten, von einem halben Dutzend Verrückter, die dem Schnulzenkartell Paroli boten.“(Volker Schlöndorff)[1]

„Heintje - Ein Herz geht auf Reisen“, „Lass jucken Kumpel“ und „Deine Frau, das unbekannte Wesen“: das sind einige der deutschen Filme, die in den siebziger Jahren eine goldene Leinwand für 3.000.000 Besucher erhielten. Auch das US-Kino drängte sich immer weiter in den Vordergrund mit Filmen wie „Der Pate“ und „Der Exorzist“.

„Er ist schlecht. Es geht ihm schlecht. Er macht uns schlecht. Er wird schlecht behandelt. Er will auch weiterhin schlecht bleiben.“ (Joe Hembus über den deutschen Film zu Beginn der sechziger Jahre)[2]

Man kann nicht leugnen, dass der deutsche Film in eine Bedeutungslosigkeit versunken war. In den Kinos liefen viele dieser Heimat- und Klamaukfilme, die dem Zuschauer eine „bequeme Sicherheit des Wirtschaftswunders“ vorgaukelten.[3]

1962 beschlossen 26 junge Filmemacher dieser „intellektuellen Misere“ den Kampf anzusagen und unterzeichneten das Oberhausener Manifest, in dem sie bekannt gaben, „den neuen deutschen Film zu schaffen“. Dies war die Geburt des „Jungen deutschen Films“.[4]

Um jungen Nachwuchsfilmern eine Chance zu geben, wurde 1965 das Kuratorium Junger Deutscher Film gegründet.[5] Diese Stiftung sollte Nachwuchsregisseuren den ersten Spielfilm ermöglichen, sofern sie einen Kurzfilm gedreht hatten, der sich vor einer Fachjury bewährte.[6]

2.1 Die Gründe

Angetrieben und motiviert von der Nouvelle Vague der Franzosen schließen sich junge Regisseure zusammen und beschließen etwas „gegen die unkreative und realitätsferne Stagnation von Papas Kino[7] zu tun.[8] Der von ihnen gehasste Heimatfilm, der „das Gespenst der Geschichtslosigkeit (…) seit den 50er Jahren in der bundesdeutschen Filmlandschaft verbreitete“, sollte endgültig begraben werden, damit „eine neue Filmära in Deutschland anbräche“.[9] Die „banalen Schmuddel- und Lederhosenfilmen“[10], die „Melodramen und Bergfilmschinken“ seien sozialpolitisch anspruchsloses Kino und höchstens als seichte Unterhaltung zu beschreiben. In ihnen sahen die Regisseure nichts weniger „als die Leugnung der Gräuel des Zweiten Weltkrieges und des NS-Regimes“. „In seiner aseptischen Sexualfeindlichkeit, der allenfalls rudimentär abgebildeten Klassenunterschiede und dem Insistieren auf dem Heimat-Begriff (der dem des nazistischen Blut-und-Boden-Begriffs unendlich nah zu stehen schien) sahen die jungen Regisseure Substanz genug, um sich künstlerisch daran abzuarbeiten“. Dies bedeutet, dass alles was bisher nie auf die Leinwand gebracht wurde, wie die Konfrontation mit dem Krieg, politische Unklarheiten oder auch einfach die soziale Isolation, jetzt nun umso öfter zu sehen war. Eine Kritik an der politischen Situation und der Versuch, die Menschen mit ihren Filmen zum Denken anzuregen, waren den jungen Filmemachern wichtig. Eine neues Filmpublikum, ein politisch emanzipiertes und junges,[11] die neue Generation beanspruchte das Wort. Die Studentenrevolte 1968, der Protest gegen den Vietnamkrieg und die Suche nach alternativen Lebensstilen gab dem Neuen Deutschen Film Auftrieb.[12] Die Anspielungen in den Filmen, teilweise waren es auch „bissige Attacken“, wie z. B. „Fassbinders auf die Biederkeit der Deutschen (Katzelmacher und Warum läuft Herr R. Amok? Beide von 1969), Schlöndorffs Parabeln auf die NS-Ideologie in den Köpfen (sein Debut Törless von 1965 und später seine Kleist-Adaption von Michael Kolhaas von 1969)“, kamen bei dem neuen Publikum sehr gut an.[13]

2.2 Die Nouvelle Vague

„Der Film von morgen wird ein Akt der Liebe sein.“ Dies schrieb Francois Truffaut 1957 in einem Artikel für die renommierte Pariser Filmzeitschrift „Cahiers du Cinéma“. Es war der „Schlachtruf der Nouvelle Vague“, der wahrscheinlich wichtigsten europäischen Filmbewegung.[14]

Die Nouvelle Vague, übersetzt die Neue Welle, war eine Stilbewegung in Frankreich, die in den späten 50er Jahren auftauchte.[15] Die Regisseure Francois Truffaut, Jean-Luc Godard und Claude Chabrol waren alle drei in den fünfziger Jahren Filmkritiker. Doch dies war nicht ihre einzige Gemeinsamkeit: Alle drei waren der Meinung, dass am französischen Kino einiges grundlegend geändert werden müsse.[16] Sie „wandten sich gegen die zunehmende Verbiederung der Filme und die formale wie inhaltliche Vorhersehbarkeit im damaligen Kino“.[17] Auch waren sie es, die den amerikanischen Film in Europa bekannt und anerkannt gemacht haben. Zum Beispiel waren die Filme von Alfred Hitchcock zuerst nichts als „belangloser Schund“. Was die Nouvelle-Vague-Filme auszeichnet ist, dass man ihnen anmerkt, dass ihre Macher das Kino lieben und eine Menge darüber wissen.[18]

Die wichtigsten Vertreter dieser Zeit sind Claude Chabrol (mit „Die Enttäuschten“ von 1958, allgemein gesehen der erste Film dieser Neuen Welle), Francois Truffaut (mit „Sie küssten und sie schlugen ihn“ von 1959 und „Schießen Sie auf den Pianisten“ von 1959), Louis Malle (mit „Zazie“ von 1960) und Jacques Rivette (mit „Die Nonne“ von 1965). Ein anderer Schlüsselfilm der Nouvelle Vague ist „Außer Atem“ von Jean-Luc Godard,[19] der in zwei Wochen illegal auf den Straßen von Paris gefilmt und nahezu völlig improvisiert war.[20]

Kennzeichnend für fast alle Filme der Nouvelle Vague war das „Desinteresse an klassischen Erzählstrukturen“, die „neuartige Schnitttechnik“ und „ungewöhnliche, zum Teil surrealistische Bilder“. Sie entstanden nicht in gut ausgestatteten Studios, sondern „auf der Straße“ mit Handkameras.“ Im Vordergrund der Filme der Nouvelle Vague stand das „Filmische“.[21] Jeder Regisseur hatte seinen eigenen unverkennbaren, individuellen Stil. Er sollte so viel wie möglich von seiner Persönlichkeit einbringen. Es sollte eine „eigene Handschrift“ entstehen.

Ziemlich rasch wurde die Nouvelle Vague populär und verbreitete sich über die Grenzen Frankreichs in andere Länder. Während nun in anderen Ländern die Kinorevolution erst langsam begann, zerfiel auch schon die Nouvelle Vague an Streit und verschiedenen Vorstellungen.[22]

2.3 Das Oberhausener Manifest

Am 28. Februar 1962 wurde bei den 8. Westdeutschen Kurzfilmtagen das Oberhausener Manifest veröffentlicht.[23][24] Mit diesem Manifest, das von 26 jungen Regisseuren, darunter Kluge und Schamoni, unterzeichnet wurde, wurde nun endlich „Opas Kino“ für tot erklärt und die Ankündigung gemacht, den „neuen deutschen Film zu schaffen“.[25] Der Zeitpunkt dieser Erklärung ist heute der historische Ausgangspunkt des Neuen Deutschen Films[26], da kurz darauf die ersten Filme wie beispielsweise „Der junge Törless“ (Volker Schlöndorff), „Abschied von gestern“ (Alexander Kluge) und „Es“ (Ulrich Schamoni) gezeigt wurden.[27] Auch wenn nicht alle Unterzeichner des Manifests später als Spielfilmregisseure tätig waren, so ist doch dieses Dokument ein Markenstein der Erneuerungsbewegung.[28] In den sechziger und siebziger Jahren gelang den Initiatoren des Manifests und über hundert anderen Filmemachern und Filmemacherinnen eine „künstlerische und politische Erneuerung des westdeutschen Films“.[29]

[...]


[1] www.f-lm.de/frame25/Ausgaben/03_00/abschied.html

[2] www.bildung.hessen.de/mversuch/tv-weiser/lex_gesch/fl_autorenfilm.htm

[3] www.bildung.hessen.de/mversuch/tv-weiser/lex_gesch/fl_autorenfilm.htm

[4] http://www.hausarbeiten.de/rd/suchmaschine?op=1&nh=0&searchstring=junger+deutscher+film „Filmgeschichte und –ästhetik im Überblick“

[5] http://www.hausarbeiten.de/rd/suchmaschine?op=1&nh=0&searchstring=junger+deutscher+film

„Die Geschichte des deutschen Films“

[6] Prinzler, Hans Helmut & Reutschler; Eric (Hgg.): Der alte Film war tot. 100 Texte zum westdeutschen Film 1962-1987, Frankfurt am Main, 2001, S. 30

[7] www.bender-verlag.de/lex-k-q.html

auch Opas Kino: Boshafte Bezeichnung des deutschen Films im Oberhausener Manifest, das die Filme der Fünfziger Jahre als Unterhaltungskino verstand, die nicht die kritische Auseinandersetzung der direkten Nachkriegsfilme fortsetzen, sondern eher in die Nazizeit verwickelt waren.

[8] http://www.hausarbeiten.de/rd/suchmaschine?op=1&nh=0&searchstring=junger+deutscher+film

„Die Geschichte des deutschen Films“

[9] www.f-lm.de/frame25/Ausgaben/03_00/abschied.html

[10] http://www.hausarbeiten.de/rd/suchmaschine?op=1&nh=0&searchstring=junger+deutscher+film

„Die Geschichte des deutschen Films“

[11] www.f-lm.de/frame25/Ausgaben/03_00/abschied.html

[12] www.epd.de/film/2002/02ober.htm

[13] www.f-lm.de/frame25/Ausgaben/03_00/abschied.html

[14] http://moviecollege.de/filmschule/filmtheorie/nouvelle_vague.htm

[15] http://www.prisma-online.de/tv/thema.html?wid=_nouvelle_vague

[16] http://moviecollege.de/filmschule/filmtheorie/nouvelle_vague.htm

[17] http://www.prisma-online.de/tv/thema.html?wid=_nouvelle_vague

[18] http://www.hausarbeiten.de/rd/suchmaschine?op=1&nh=0&searchstring=junger+deutscher+film „Filmgeschichte und –ästhetik im Überblick“

[19] http://www.prisma-online.de/tv/thema.html?wid=_nouvelle_vague

[20] http://www.hausarbeiten.de/rd/suchmaschine?op=1&nh=0&searchstring=junger+deutscher+film „Filmgeschichte und –ästhetik im Überblick“

[21] http://www.prisma-online.de/tv/thema.html?wid=_nouvelle_vague

[22] http://moviecollege.de/filmschule/filmtheorie/nouvelle_vague.htm

[23] www.fh-wuerzburg.de/petzke/ober79.html: Oberhausen, die graue Revierstadt, ist seit 1954 das internationale „Mekka des Kurzfilms“.

[24] http://www.dhm.de/cgi-bin/mfs/01/lemo/html/dokumente/KontinuitaetUndWandel_erklaerungOberhausenerManifest/index.html

[25] www.fh-wuerzburg.de/petzke/ober82.html

[26] www.bonnerkinemathek.de/variabel/reihen/oberhausener_manifest.htm

[27] www.epd.de/film/2002/02ober.htm

[28] www.bonnerkinemathek.de/variabel/reihen/oberhausener_manifest.htm

[29] Hans Helmut Prinzler & Erich Rentschler: „Glaube, Liebe, Hoffnung, Wut“. In: Der alte Film war tot. 100 Texte zum westdeutschen Film 1962-1987, Frankfurt am Main, 2001, S. 11

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638224628
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18037
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Literaturwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Junge Deutsche Film Oberhausener Manifest Ende Proseminar Rainer Werner Fassbinder Leben Werk

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