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Nahrung als Ursprung des menschlichen Lebens

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der Nahrung für den Menschen
2.1 Der Anspruch der sozialen Gerechtigkeit und Hungerunruhen
2.2 Die Verbindung von Nahrung und Bevölkerungswachstum
2.3 Das Wunschbild Schlaraffenland
2.4 Die Demonstration sozialer Ungleichheit durch die Aufteilung der Nahrung

3. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sich in einer Hausarbeit dem Thema Nahrung zu widmen, wirkt auf den ersten Blick etwas kurios, dabei ist doch Nahrung eines der wichtigsten Grundbedürfnisse des Menschen. Der Mensch investiert viel Zeit mit den Verzehr seiner Mahlzeiten während seines Lebens. Darüber hinaus ist die Zeit nicht zu vergessen, die der Mensch mit dem Betrachten von diversen Kochsendungen, dem Lesen von Koch- und Backbüchern, Diätplänen und Ernährungstabellen, der Beschaffung von Lebensmitteln, dem Backen und Kochen an sich und mit der Vorbereitung von Festmählern gestaltet. Ohne weiteres wäre diese Zusammenstellung zu ergänzen. Zudem sind Nahrung, Ernährung und die Lebensmittel- versorgung zentrale Themen in Debatten der Politik und Gesellschaft, beispielsweise in Beiträgen des Verbraucherschutzes oder Diskussionen in der Gesundheits- und Ernährungspolitik. Dies zeigt, dass der Thematik Nahrung tatsächlich Beachtung zusteht.1 Nahrung ist das wichtigste Grundbedürfnis des Menschen, das vor allen anderen Sehnsüchten und Miseren zu befriedigen ist. Die Verpflichtung sich jeden Tag aufs Neue Nahrung zu beschaffen, ist der Ursprung der kontinuierlichen Arbeit und jeder Form des Wirtschaftens. Max Weber war der Meinung, dass „die Entfaltung des rationalen Wirtschaftens aus dem Schoße der instinktgebundenen reaktiven Nahrungssuche“2 entsprang. Die Methoden der Bedürfnisbefriedigung bleiben Indikatoren für die grundlegende Konstruktion der Gesellschaft. Der französische Autor Jean-Anthelme Brillat- Savarin beschrieb in seinem Werk „Physiologie des Geschmacks“ (1825) mit dem populären Spruch: „Sage mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist.“3 die Wertigkeit der ausgewählten Nahrung. Ludwig Feuerbach griff den Gedanken auf in der Gestalt: „Der Mensch ist, was er isst.“4. Dieses Zitat wird heutzutage oftmals gebraucht „um darauf aufmerksam zu machen, daß Nahrung in viele, ja die meisten Dimensionen menschlichen Lebens hineinwirkt: körperliche, psychische, soziale, wirtschaftliche und politische.“5

Der Mensch benötigt die tägliche Nahrung nicht nur für den Erhalt seiner körperlichen Physis, sondern auch für seine gesunde psychische Verfassung, denn die Befriedigung von Nahrung und Lust bilden eine Einheit. Die Tischgemeinschaft, als eine Organisation konzentriert, galt einst als Vertreter für die gesamte gesellschaftliche Ordnung, da sich in ihr das grundlegende soziale Konzept des „integrieren und differenzieren“6 widerspiegelte.

Eine unzureichende und unzuverlässige Nahrungsversorgung lähmt kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt. Zum Erhalt und zur Legitimation der politischen Macht eines Staates ist die Sicherung der Nahrung unverzichtbar. Staatssysteme gelten nur dann als stabil, wenn die Bevölkerung nicht hungern muss.

Das Hauptinteresse der vorliegenden Hausarbeit ist es anhand von vier gesellschaftlichen Kriterien aufzuzeigen, welche Bedeutung die Nahrung tatsächlich für den Menschen hat und einen Anstoß geben dem Forschungsgegenstand in der Wissenschaft mehr Beachtung zu schenken.

2. Die Bedeutung der Nahrung für den Menschen

Im Folgenden soll an vier Kriterien, wie den Hungerunruhen mit dem Anspruch der sozialen Gerechtigkeit; der Verbindung von Nahrung und Bevölkerungswachstum; dem Wunschbild des Schlaraffenlandes, das die Erlösung von Not und Arbeit suggerierte; die Demonstration sozialer Ungleichheit durch die Aufteilung der Nahrung, beispielhaft der Stellenwert der Nahrung aufgezeigt werden.

2.1 Der Anspruch der sozialen Gerechtigkeit und Hungerunruhen

Das Recht auf Nahrung7, die den Fortbestand des menschlichen Lebens garantiert, hat „ein nahezu universaler und selbstverständlicher Anspruch zu sein“8. Sobald für die Bevölkerung nicht mehr ausreichend Nahrung bereit gestellt werden kann, „verliert jede Art von Herrschaft ihre Legitimität und wird instabil“9. Ebenso verlieren andere zwischenmenschliche Beziehungen und Gemeinschaften, auf einer nichtstaatlichen Ebene, wie Freundschaften, Genossenschaften und Familien, ihre Geltung, „wenn die Nahrung nicht mehr miteinander geteilt wird und der «copain»,

(…) dem Hunger überlassen wird“10.

Grundsätzlich betrachtet ist Widerstand zulässig, wenn die Nahrungsversorgung nicht gewährleistet ist, da das Recht auf Nahrung ein widerspruchsloses Element jeglicher sozialen Beziehungen mit beiderseitigen Verpflichtungen darstellt. Die Verpflichtung der Selbstver- sorgung und das Recht auf Widerstand bilden dann eine zwingende Einheit, wenn die Subsistenz nicht befriedigt ist. Daher gelten Hungerunruhen und Hungerrebellionen in der Politik und Gesellschaft als ein allgemein legitimiertes Mittel um „Widerstand und Druck auf die Obrigkeiten auszuüben“11 und sie zu Schritten der Nothilfe zu drängen. Oftmals ist der Hunger-protest die einzig mögliche Maßnahme für Widerspruch, ohne harte Bestrafungen erwarten zu müssen, in diktatorischen Herrschaftsverhältnissen.

Demzufolge versteckt sich hinter dem Protest für eine bessere Nahrungsmittelversorgung ein sozialer Kampf, der sich weit über das bloße Recht der Selbstversorgung erstreckt. Der Kampf formulierte grundsätzlich Visionen von Gerechtigkeit und Recht. Daher ist die Annahme zulässig, dass noch vor der expliziten Formulierung der Forderung, in den Hungerunruhen oftmals der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit bereits eingeschlossen war. Die Kontroverse um Nahrung ist so gesehen ein „ungewöhnlich aussagekräftiger Kristallisierungspunkt im Beziehungsgefüge ökonomischer Prozesse, sozialer Zusammenhänge und politischer Macht-verhältnisse“12. Eva Barlösius beschrieb, dass die Forderung nach Lebensmitteln „in erster Linie der Brotversorgung und dem Brotpreis galt und von der Antike an das ganze Mittelalter hindurch andauerte, die Besitzlosen zusammen(scharte( und oft ein Motor war, Klassenhandeln zu erzeugen“13.

Vor dem Hintergrund, dass das Recht auf Nahrung, eng verbunden mit dem Recht auf Widerstand, als Ursprung für die gemeinschaftliche Organisation der Bevölkerung war und in dessen Folge sich der Terminus einer sozialen Gerechtigkeit entwickeln konnte, ist es nicht erstaunlich, dass die meisten Hungerunruhen in Deutschland in den Jahren von 1790 bis 1850 zu verzeichnen sind. In dieser Hauptphase der Umgestaltung Deutschlands von einer ständischen zu einer bürgerlichkapitalistischen Gesellschaft war der „Nahrungsprotest die Hauptform des sozialen Protestes“14. Das traditionelle Versorgungsrecht wurde ungebräuchlich, sowie auch der alte Wirkungskreis der Obrigkeit den verpflichteten Wesenszug einbüßen musste.

Bei der Weigerung sich zu ernähren, dem Hungerstreik, wird die Verknüpfung des Rechts auf Nahrung und das Recht auf Protest „in umgekehrter Weise eingesetzt“15. Oftmals wird mit der Verweigerung der Nahrung gegen ein Regime demonstriert, das in der Wahrnehmung überlegen und unbezwingbar wirkt und wegen prinzipieller Willkür beschuldigt wird. Die Demonstranten, die in einen Hungerstreik treten, sehen keine andere Möglichkeit sich gegen die Willkür des politischen Systems durchsetzen zu können, als durch die bedingungslose Verneinung des Staates. Diese ablehnende Haltung ist so tief, dass sie bereit sind ihr Leben zu riskieren, da sie unter den gegebenen Voraussetzungen ihr Leben nicht als lebenswert einschätzen. Aufgrund dessen erklären die Streikenden den Staat für ihr Weiterleben oder ihren Tod als zuständig. Damit verpflichten sie den Staat eine ausreichende Versorgung mit Nahrung zu garantieren und den Erhalt des physischen Lebens sicher zu stellen.

[...]


1 Vgl. Orlamünder; 2009: S.7.

2 Weber, Winkelmann; 1980: S.35.

3 Brillat-Savarin; 1865: S.XV.

4 Reitemeyer, U./ Shibata, T./ Tomasoni, F. (Hrsg.); 2006: S.143.

5 Barlösius: 1999: S. 10.

6 Ebenda.

7 United Nations; 1976: S.3.

8 Gailus/ Volkmann; 1994: S.14.

9 Barlösius; 1999: S. 15.

10 Ebenda.

11 Barlösius; 1999: S.15.

12 Gailus/Volkmann; 1994: S.10.

13 Barlösius; 1999: S.15.

14 Gailus/Volkmann; 1994: S.14.

15 Barlösius; 1999: S.16.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656030294
ISBN (Buch)
9783656030676
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180266
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Schlagworte
nahrung ursprung lebens

Autor

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Titel: Nahrung als Ursprung des menschlichen Lebens