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Die historische Entwicklung des Verhältnisses beruflicher und allgemeiner Bildung. Ausarbeitung zu Texten von P. Sextro und J. H. Pestalozzi

Hausarbeit 2002 17 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Exkurs Industrieschulen

3. Philipp Sextro: Über die Bildung der Jugend zur Industrie
3.1 Philipp Sextro.
3.2 Über die Bildung der Jugend zur Industrie

4. J.H. Pestalozzi: Über Volksbildung und Industrie
4.1 Johann Heinrich Pestalozzi
4.2 Über Volksbildung und Industrie

5. Vergleich der Sichtweisen der Autoren zu Berufsbildung und Allgemeinbildung

6. Schlusswort.

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Differenzen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Berufsbildung und Allgemeinbildung sind nicht nur in unserer Zeit Ausgangspunkt wissenschaftlicher und allgemeinpolitischer Diskussion. Seit durch die aufkommende Industrialisierung zum Ende des 18. Jahrhunderts zuerst in England, dann in ganz Europa der Bedarf an industriellen Arbeitskräften steigt, setzen sich eine Vielzahl von Forschern teils streng wissenschaftlich, teils aus finanziellen Gründen für Reformen und Neuorientierungen der bestehenden Lehrpläne ein. Der allgemeine Verfall der Sitten und die enormen Zuwachsraten der armen und ärmsten Schichten gerade in industriellen Zentren bilden dabei zumeist die Ausgangsposition für die Kritik am bestehenden Lehrplan, manchmal auch am bestehenden Schulsystem. Einen möglichen Ausweg aus dieser Misere sollen die sogenannten Industrieschulen darstellen, in denen auf die eine oder andere Weise neben den normalen Grundlagen der Volksbildung auch handwerkliche Fertigkeiten und Werte der aufkommenden Industriegesellschaft vermittelt werden. Zwei Vertreter, die am Ende des 18. und zu Beginn des 19.Jahrhunderts die Einrichtung dieser Schulen fordern, sind Heinrich Philipp Sextro und Johann Heinrich Pestalozzi, die hier auch näher beleuchtet werden sollen. Grundlage dieser Ausarbeitung sind zwei Aufsätze von Sextro und Pestalozzi aus den Jahren 1785 und 1806, die im Rahmen eines Referates vorgestellt wurden. Ihre Kritik am Schulwesen ihrer Zeit soll hier dargestellt und bewertet werden, um sich anschließend ihren Verbesserungsvorschlägen und Lösungen zuzuwenden. Dazu soll kurz das Prinzip der Industrieschulen dargestellt werden, wie es uns in der mitteleuropäischen Vergangenheit begegnet, ein kurzer Abriss über die Autobiographien der beiden Autoren erfolgen und nach der Darstellung und Diskussion ihrer Arbeiten auf das Verhältnis von beruflicher und allgemeiner Bildung näher eingegangen werden.

2. Exkurs Industrieschulen

Das Prinzip der Industrieschule entsteht in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Als solche bezeichnen sich Schulen, in denen Kindern Schulwissen vermittelt wird und sie mit Handarbeiten aller Art zusätzlich auf handwerkliche, industrielle und gewerbliche Berufe vorbereitet werden, eben solche Berufe, die zu dieser Zeit neu entstehen. Die ersten Industrieschulen entstehen 1779 in Böhmen, weitere folgen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insbesondere Kinder der unteren sozialen Schichten sollen in den Industrieschulen zur Arbeit erzogen werden, um auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt bestehen zu können. Gleichzeitig glaubt man so moralischen Verfall und Müßiggang unterbinden zu können.[1] Wenn die Kinder der Armen und Verdorbenen in solchen Schulen zur „Industrieosität“[2], d.h. zu Fleiß und Tüchtigkeit erzogen werden, nimmt im Lauf der Jahre auch die Zahl der Armen und sozial Schwachen ab. Kernproblem der Industrieschulen bleibt aber die Finanzierung: Um die Schulen zu finanzieren, sollen die im handwerklichen Unterricht produzierten Waren auf dem freien Markt verkauft werden und so den Unterhalt der Schule tragen sowie den ärmsten Kindern ein Verdienst zum Kauf neuer Kleidung etc. einbringen. Damit sind die Industrieschulen aber auch der ökonomischen Konkurrenz ausgesetzt, was die Produktion auf wenige Hauptgüter im Kernunterricht beschränkt. Zusätzliche, weitergehende Ausbildungsschritte werden so an den Rand gedrängt bzw. fallen ganz aus. Der ganzheitliche Ansatz, der von Wissenschaftlern und Gelehrten gefordert wird, entfällt somit. Da in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Fach-, Gewerbe- und Handwerkerschulen gegründet werden und die Kinderarbeit sich zunehmend in Grossbetriebe verlagert, wird den Industrieschulen mehr und mehr die Grundlage ihrer Tätigkeit entzogen.

3. Philipp Sextro: Über die Bildung der Jugend zur Industrie

3.1 Philipp Sextro

Heinrich Philipp Sextro wird 1746 im Raum Osnabrück als Sohn eines Pastors geboren und beginnt 1765 ein Theologiestudium in Göttingen. Bereits 1767 wird er in Hameln Konrektor der Schule, 1772 Rektor des Hannoverschen Lyceums. 1779 nimmt er eine Stellung als Pastor in Göttingen an, gleichzeitig setzt er sich mit dem Phänomen zunehmender Armut in Stadt und Land aus. 1785 erscheint in Göttingen sein Buch „Über die Bildung der Jugend zur Industrie, in dem er eine Reform der Schule vorschlägt. 1788 wechselt er als Professor für Theologie an die Universität Helmstedt und wird gleichzeitig dort Pastor. 1790 bittet er den Herzog von Braunschweig um die Erlaubnis zur Einrichtung einer Arbeitsschule, die er 1791 in Helmstedt errichtet. Er verfasst mehrere Schriften, in denen Sextro jährlich über die Arbeit in seinen Arbeitsschulen berichtet. Heinrich Philipp Sextro stirbt 1836 in Hannover.[3]

3.2 Über die Bildung der Jugend zur Industrie

Sextro stellt zu Beginn seines Textes eine übermäßige Hilflosigkeit der Menschen in sozial schwachen Schichten fest. Sie sind nämlich nicht in der Lage, neben ihrem normalen Arbeitspensum auch noch weitergehende – handwerkliche – Tätigkeiten auszuüben. Ob es nun das Anfertigen von Kleidungsstücken oder Nahrungsmitteln ist, sie brauchen dazu die Hilfe anderer, weil sie zu sehr auf den eigenen Broterwerb spezialisiert sind. Nachteil dieser Spezialisierung ist allerdings, dass sie dort, wo sie ihren Broterwerb nicht ausführen können (z.B. der Landarbeiter in der Stadt), keine Möglichkeit mehr haben, durch redliche Arbeit Geld zu verdienen.[4] Selbst wenn einige in späteren Jahren noch in anderen Bereichen arbeiten wollen, fehlt ihnen die Befähigung aufgrund ihrer ungenügenden Erziehung und Ausbildung. Ursache der zunehmenden Armut in Stadt und Land ist demnach die „(...) Unwissenheit, Dummheit, Langsamkeit, (...) [der] Mangel der Zeitökonomie, der Geschicklichkeit und Kraftübung an mehreren Gegenständen (...)“[5]. Dazu kommt noch die Verschwendungssucht gerade der armen Teile der Bevölkerung, und diese Entwicklung bezeichnet Sextro als „Verfall der Menschheit in jedem großen und kleinen Staat.“[6] Allerdings beklagt er nicht allein die Existenz dieser Bevölkerungsschichten, vielmehr macht er die „Mächtigen im Staat“[7] und ihre Untätigkeit für diese Entwicklung verantwortlich. Insbesondere die Lehre zur Arbeit, die er als „unvollständig an sich und wie mangelhaft und unrichtig“[8] bezeichnet, hat ihren Anteil an der bestehenden Misere, da sie zwar – dem Katechismus folgend – die religiöse Pflicht zur Arbeit lehrt, die Kinder praktisch aber im Gegenteil täglich stundenlang ohne Beschäftigung in der Schule sitzen lässt. Die Lehrer wiederum nimmt er aus dieser Schuldzuweisung heraus, ebenso wie die Religion an sich. Sein Vorwurf richtet sich allein gegen die politischen Machthaber[9].

[...]


[1] GRUNDER, H-U.: Industrieschulen.

Internet unter: Historisches Lexikon der Schweiz. www.snl.ch/dhs/externe v. 26.01.2003.

[2] Ebd.

[3] HEYDORN; H.-J./KONEFFKE, G.: Studien zur Sozialgeschichte und Philosophie der Bildung. I Zur Pädagogik der Aufklärung. München 1973, S. 58 ff.

[4] Vgl. SEXTRO, P. : Über die Bildung der Jugend zur Industrie. In: NIETHAMMER, A. (Hrsg.): Berufsbildung und Allgemeinbildung. Neuburgweier 1973, S. 38.

[5] Ebd., S. 38.

[6] Ebd., S. 39.

[7] Ebd., S. 39.

[8] Ebd., S. 39.

[9] Die er hier als „erste Aufseher im Lande“ bezeichnet, vgl. ebd., S. 39 f.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638224482
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18023
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Berufs- und Arbeitspädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Entwicklung Verhältnisses Bildung Ausarbeitung Texten Sextro Pestalozzi

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