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Die Theorie der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg

Referat (Ausarbeitung) 2011 8 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung

3 Kohlbergs Theorie der moralischen Entwicklung
3.1 Das präkonventionelle Niveau
3.2 Das konventionelle Niveau
3.3 Das postkonventionelle Niveau

4 Das methodische Vorgehen Kohlbergs

5 Kritik an Kohlbergs Stufentheorie

6 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es gibt viele Gelegenheiten, die es erfordern, das eigene Verhalten vor dem Hintergrund der Bedürfnisse der Gesellschaft zu beurteilen und nicht lediglich die eigenen Bedürfnisse als Grundlage heranzuziehen. Diese Verfahrensweise bildet gewissermaßen die Grundlage moralischen Verhaltens. Daher ist es für jede Gesellschaft von erheblicher Bedeutung, dass aus Kindern und Jugendlichen erwachsene Persönlichkeiten werden, die bereit und in Lage sind, bestimmte moralische Werte zu verinnerlichen und daraus Prinzipien für ihr eigenes Verhalten zu entwickeln. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass bisweilen oft Uneinigkeit darüber herrscht, inwieweit ein Verhalten in einer bestimmten Situation als moralisch bzw. unmoralisch gefasst werden kann, die nicht selten zu kontroversen Diskussionen führt (vgl. Zimbardo/Gerrig 2004: 493). Ähnlich erging es daher auch den gegenwärtigen Theorien zur moralischen Entwicklung, die ebenfalls zum Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen wurden. Eine solche Theorie, die im Folgenden vorgestellt werden soll, stellt die Theorie der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg dar.

2 Begriffsbestimmung

Bevor nun auf die Forschungsarbeit Kohlbergs auf dem besagten Gebiet der Moralent- wicklung näher eingegangen werden soll, erscheint zunächst eine genauere Betrachtung des Begriffs der Moral sinnvoll. Vor allem die Begriffsauffassung Kohlbergs ist außerordentlich bedeutsam für ein tieferes Verständnis seiner Theoriebildung. So können unter Moral

„Urteile, Regelungen, Weisungen, Anleitungen sowie Denkweisen und Einstellungen zusammen [gefasst werden, C.S.], die dem Einzelnen als Orientierung im Hinblick auf die Frage dienen, wie Menschen sich in bestimmten Situationen, verhalten, entscheiden oder - allgemeiner - handeln sollen“ (Herzig 1998: 29).

Darüber hinaus umfasst der Moralbegriff eine kognitive sowie eine motivationale Dimension. Während sich die kognitive Dimension auf die Begründung der Geltung moralischer Normen bezieht, gelangt die motivationale Dimension in den Motiven, die zur Befolgung einer Norm führen, zur Ausprägung (vgl. Nunner-Winkler/Meyer-Nikele/Wohlrab 2006: 29). Kohlberg verfügt jedenfalls über eine vergleichsweise eng angelegte Konzeption von Moral als „Gerechtigkeit, d.h. die Wechselseitigkeit von Rechten und Pflichten“ (Garz 1996: 10).

Folglich ging es Kohlberg im Rahmen seiner Forschungen um die Frage, inwieweit eine Handlung als gerecht angesehen werden kann oder nicht.

3 Kohlbergs Theorie der moralischen Entwicklung

Kohlberg gründete seine Theorie der moralischen Entwicklung auf die Analyse des moralischen Urteils, das Aufschluss darüber gibt, welche Verhaltensweisen, die in einer bestimmten Situation gezeigt werden, als richtig oder falsch bzw. als gerecht oder nicht gerecht beurteilt werden können. Maßgeblich beeinflusst wurde er dabei durch die zuvor erfolgten Untersuchungen von Jean Piaget, der auf der Grundlage seiner kognitiven Entwicklungstheorie Stadien des moralischen Denkens bei Kindern beschrieben hatte (vgl. Kohlberg 1987: 25 ff.). Kohlberg griff nun Piagets Ansatz auf und definierte ein eigenes Stufenmodell der moralischen Entwicklung, welches auf jeder Stufe durch eine andere Begründung für moralische Urteile gekennzeichnet ist und sich folgendermaßen darstellen lässt:

Abb. 01 Stufen des moralischen Urteils nach Kohlberg (übernommen aus Zimbardo/Gerrig 2004: 495)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Stufenmodell setzt sich aus drei Stadien der moralischen Entwicklung zusammen, die jeweils zwei bzw. drei Stufen beinhalten. Der Übergang zwischen den einzelnen Stadien ist dabei von größerer Bedeutung als der Übergang zwischen den einzelnen Stufen (vgl. Weyers 2004: 41). Während auf der untersten Stufe moralische Urteile im Hinblick auf den persönlichen Vorteil gefällt werden, spielt auf den höheren Stufen zunehmend das Wohlergehen der Gesellschaft eine Rolle (vgl. Zimbardo/Gerrig 2004: 494). Kohlberg nahm an, dass jede Person die entsprechenden Stufen der Reihe nach durchläuft und ein Urteil jeweils nur auf der Grundlage einer bestimmten Stufe bildet. Außerdem war er davon überzeugt, dass sich jede Stufe umfassender und komplexer als die vorhergehende darstellt und dass die gleichen Stufen in jeder Kultur auftreten (Drenkhahn 2007: 14). Hier zeigt sich schließlich der Universalitätsgedanke Kohlbergs, der mit dem Anspruch auf Gültigkeit der Stufen in allen Kulturen verbunden ist. Im Folgenden sollen die einzelnen Stadien der moralischen Urteilsfähigkeit näher beleuchtet werden.

3.1 Das präkonventionelle Niveau

Auf dem präkonventionellen Niveau orientiert sich das Individuum primär an den möglichen Folgen einer Handlung. Die Stufe 1 ist geprägt durch eine Orientierung an Bestrafung und Gehorsam. Strafe im Sinne der Erfahrung körperlichen Leids soll vermieden werden. Das eigene Verhalten wird an den Autoritätspersonen sowie ihren Sanktionen ausgerichtet. Auf der Stufe 2 ist eine naive instrumentelle Orientierung vorherrschend.

„Maßstab für Gegenseitigkeit und gerechtes Teilen sind die eigenen Bedürfnisse, nicht Loyalität oder das Prinzip der Gerechtigkeit, insofern kann man von Hedonismus sprechen“ (Gudjons 2008: 124).

Die beiden Stufen des präkonventionellen Niveaus zeichnen sich durch daher durch Strafvermeidung bzw. Bedürfnisbefriedigung aus, wobei auf Stufe 2 erstmals auch die Interessen anderer Personen Berücksichtigung finden.

3.2 Das konventionelle Niveau

Hat man das konventionelle Niveau erreicht, hängt die Steuerung des Verhaltens zunehmend von der Gesellschaft ab. Das Handeln erfolgt hier erstmals auf einer normativen Grundlage.

[...]

Details

Seiten
8
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668176003
ISBN (Buch)
9783668176010
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180183
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Schlagworte
theorie entwicklung lawrence kohlberg

Autor

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Titel: Die Theorie der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg