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Qualitative Sozialforschung

Studienarbeit 2001 35 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Weshalb überhaupt Sozialforschung?
1.2 Die Möglichkeiten innerhalb der Sozialforschung

2 Quantitative Sozialforschung (Anriß)

3 Qualitative Sozialforschung
3.1DieEntstehungsgeschichte
3.2 Das Vorgehen in Methodik und Schrittfolge
3.2.1 Das Forschungsdesign
3.2.2 Die Erhebungsverfahren
3.2.3 Analytische Verfahren (mit integrierter Erhebung)
3.2.4 Analyse (nach der Erhebung oder anhand fremden Textmaterials)
3.3 Differenzierung eines Ablaufes anhand des qualitativen Interviews
3.4 Moderner Computereinsatz in der qualitativen Sozialforschung
3.4.1 Ansatzpunkt für den Computereinsatz
3.4.2 Überblick über die gängigsten Programme

4 Abschließend

5 Anhang - Gütekriterien qualitativer Forschung

6 Interviewtypen
6.1 Teilstandardisierte Interviews
6.1 Nichtstandardisierte Interviews

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Weshalb überhaupt Sozialforschung?

Es gibt viele Gründe, warum Forschung betrieben wird. Der ursprünglichste ist wohl die Neugierde, doch hat sich die Wissenschaft auch in anderen Bereichen als hilfreich erwiesen, wie z. B vorteilsorientierte Neigungen, aber auch das notgetriebene oder solidarisierende Handeln. Die Verwendung wissenschaftlicher Argumentationsweisen hat zu massiven Veränderungen des Weltbildes über die Menschengeschichte hinweg geführt. So dienten "wissenschaftlich fundamentierte" Vorstellungen dem Sturz von religiöser Herrschaften, der Verfolgung von Rassen, dem Rüstungswahn etc. Die heutige Wirtschaft bedient sich ihrer, um der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus zu sein und die politische Opposition sucht nach Wegen, den Entwicklungen entgegenzuwirken, Schäden zu beseitigen und eine "heile Welt" nach ihrer Ansicht zu errichten.

Bei all jenem zeigt sich die Forschung nicht als Antrieb, sondern stets der Mensch selbst, getrieben vom eigenen Selbst und seiner Auseinandersetzung mit der Umwelt, seinem sogenannten Lebensraum. Der für den Menschen erfahrbare Lebensraum, und für ihn somit entscheidende, wird seine Lebenswelt genannt. Der Begriff Lebenswelt geht ursprünglich auf den phänomenologischen Ansatz von Husserl[1] zurück ( vgl. Flick 1991, S. 18). Er sieht darin die nicht weiter hinterfragbare Evidenz für den Menschen in der Welt. Sie ist also das Begreifbare und Erlebbare in unserem Umfeld, dem Raum, in dem wir uns aufhalten und in dem wir unsere Eindrücke und Erkenntnisse sammeln.

Ein dazu sehr interessantes Gesellschaftsmodell wurde von Pierre Bourdieu[2] entwickelt. Ein Abriss seines Modells findet sich im Aufsatz zum Habitus. Wie sich nun der Mensch in seiner Lebenswelt zurechtfindet, und welche Auswirkungen dies wiederum auf seinen Lebensraum hat, jenes zu entschlüsseln haben sich seit jeher Denker und Wissenschaftler zur Aufgabe gesetzt (vgl. Heinze 1992, S. 15). Ausgehend

von sowohl physiologischen als auch philosophischen Ansätzen wird versucht, die Mechanismen herauszufiltern, welche dem Ganzen zugrunde liegen. Die Sozialforschung, als speziell auf das Zusammenleben von Menschen ausgerichteter Forschungszweig, wählt dabei den Weg der Differenzierung einer für soziale Beziehungen relevanten Fragestellung, zu der eine entsprechend geeignete Personengruppe ausgewählt wird. Anhand dieser Personengruppen, werden Techniken wie: Beobachtung, Erfragung und Bewertung, Erhebung und Analyse von Daten angewandt.

1.2 Die Möglichkeiten innerhalb der Sozialforschung

Um einer Fragestellung nachgehen zu können, wird sie thematisch-räumlich Eingeschränkt, damit die Untersuchung überschaubar und vor allem vergleichbar bleibt. Dies geschieht zum einen tatsächlich räumlich im Sinne einer physikalischen Bereichsbegrenzung, in der sich zur Frage spezifisches ereignet, und zum anderen inhaltlich, d. h. es werden nur gewisse, als relevant bewertete Komponenten in Betracht gezogen. Dies äußert sich z. B. folgendermaßen:

Die zu erörternde Frage lautet: "Wie erfolgt die Eingliederung eines ausländischen Kindes in eine Kindergartengruppe?"

- Der physikalische Raum beschränkt sich auf die Orte, an denen die untersuchte

Kindergartengruppe als Gruppe auftritt und somit ein soziales

Beziehungsgeflecht aktiv auslebt.

- Der thematische Raum wird eingegrenzt auf die Dynamiken, welche speziell die Eingliederung des ausländischen Kindes betreffen, d.h. das Bestreben des Kindes selbst, der Pflegeperson, der weiteren Kinder sowie das Zuwiderhandeln durch dieselben, verbal als auch nonverbal.

Dies klingt nicht sehr komplex, doch muss z. B. zunächst durchdacht werden, wie überhaupt erkannt werden kann, welches Verhalten dem Thema angehört und welches nicht. Sicher gibt es eindeutige Verhaltensweisen, wie z. B. wenn die Pflegeperson konkret die Gruppe anspricht, das betroffene Kind mitspielen zu lassen. Doch gibt es auch mehrdeutige Verhaltensäußerungen, welche nicht auf Anhieb einem bestimmten in Lille. Seit 1981 ist er Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie am "Collège de France"(vgl. WDR 2000 im Internet).

Anlass zugeschrieben werden können. Für die Erforschung der Frage ist es allerdings notwendig, dies bestimmen zu können. Also muss man sich überlegen, wie vorzugehen ist, um ein möglichst genaues Ergebnis zu erhalten. Dazu hält die Sozialforschung etliche Methoden bereit, welche sowohl ihre Vorteile als auch ihre Nachteile haben.

Zu den Methoden der Sozialforschung sei vorweg zu sagen, dass sie keine Neuerfindungen sind, sondern bereits vorher in anderen Bereichen ihre Bedeutung hatten, so wie sie auch heute nicht nur von den Sozialwissenschaften verwendet werden. Der Unterschied liegt in der besonderen Thematik: "Individuum in der Gesellschaft", welche sich bis heute kaum unangefochten erforschen läßt, und somit zu speziellen Auslegungen der Methoden geführt hat.

- Die einfachste Methode ist die Beobachtung. Das Vorgehen bei der Beobachtung ist bereits entscheidend für die Qualität des Ergebnisses. Zunächst muß der Beobachtende sich gut in die Thematik eingearbeitet haben, um kritisch an seine Arbeit herangehen zu können. Zusätzlich ist entscheidend, wie gewissenhaft der Beobachter sein Beobachtungsfeld auswählt und abgrenzt. Zudem muß der Beobachtende sich über die Situation bei der Beobachtung bewußt sein. Eine neutrale Beobachtung als unentdeckter Anwesender ist für die Güte des Ergebnisses die beste Vorgehensweise. Wenn sich die beobachtete Person beobachtet fühlt, weicht ihr Verhalten voraussichtlich von ihrem Normalverhalten ab (vgl. Heinze 2000, S 1 ff).
- Oft reicht die Beobachtung allein nicht aus, da nicht jeder

Untersuchungsgegenstand sich öffentlich Preis gibt, wie z. B. bei Tabuthemen, aber auch bei Themen, bei denen personeninterne Vorgänge für die Aussage relevant sind. Dabei berücksichtigt werden müssen Abstrakta, wie die persönliche Einstellung, Haltung, also Gedanken, Gefühle und dergleichen, welche sich äußerlich nicht oder nicht sicher ablesen lassen. Für diesen Fall bedarf es der direkten Konfrontation durch die Schaffung von Situationen, das Durchführen von Tests oder das Befragen. Die verwendeten Orte und Medien sind vielfältig. Situationen können im Alltag, aber auch in Studios provoziert werden (Laborversuche). Tests können der Thematik entsprechend mündlich, schriftlich und/oder mit Hilfsmitteln (Einrichtung, Karten, Computer, Kameras, Tonbänder...) erfolgen. Ebenso unterschiedlich können Befragungen angegangen werden.

- Hat man die Informationen erhalten, bedarf es schließlich noch der Aufarbeitung. Die bekannteste Methode ist die Statistik und ihre graphische Aufbereitung. Sie kommt allerdings nur zum Tragen, wenn vergleichbare Daten fur eine Durchführungen vorliegen. Bei zu geringen Durchführungen wird anhand der Einzelbetrachtungen das differenzierte Ergebnis in Aufsatzform mit Beispielen und Zitaten festgehalten.

Alles in allem sind all die genannten Methoden schwierig zu handhaben, da es sich bei den Versuchspersonen nicht um statische Objekte und somit konkret ermittelbare Größen handelt, wie in der Physik oder der Mathematik, sondern um Individuen, welche sich voneinander auf nur schwer einsehbare Weise unterscheiden, Launen unterliegen und zudem teils innerhalb Gruppen betrachtet werden, deren Zusammenhalt und Funktionieren wiederum eigenen Gesetzen folgen. Die natürlichen Gegebenheiten hängen von weitaus mehr Faktoren ab, als daß ein unanfechtbar abgesichertes Arbeiten gesichert wäre. Daher gibt es sehr unterschiedliche Positionen zu der derzeitigen Reife der Sozialforschung und ihren natürlichen Grenzen und eine schier unüberschaubare Literatur, welche mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte. Diesem Problem der Qualität des Ermittelten entspringt auch die betrieben, bei denen ein großer Stichprobenraum zu Pro und Contra Stellung nehmen soll. Die letztendlichen Schwierigkeiten bei dieser Vorgehensweise sind allerdings die Aussagekraft der Fragen und Antworten und die Repräsentanz der Befragten. Sehr in Mode gekommen ist das Ankreuzverfahren. Man findet es in Zeitschriften, auf Formularen der Behörden, in Restaurants und an vielen anderen Orten. Die Fragen werden nach dem Prinzip der möglichst genauen Einrahmung und Führung der Thematik und der Abgrenzung auf die wichtigsten Standpunkte erstellt. Doch wer hat sich noch nicht irgendwie bei einer solchen Erhebung nicht verstanden gefühlt? Dieses Problem, das seit den 80ern auch unter den Sozialforschern selbst immer kritischer betrachtet wurde, hängt mit dem Phänomen der Individualität zusammen: Kann man auf eine derart vorstrukturierte Weise noch Wahrheit ermitteln, oder übergeht man wichtige persönliche Aspekte zugunsten der Handhabbarkeit, schafft man somit also eine allgemeine Aussage, welche sich in der Welt so nicht wiederfinden läßt? Wie steht es also mit der Lebensnähe und der Verwertbarkeit solcher Erhebungen? Die Auswertung im Sinne von Statistiken ist sehr beliebt. Bunte Grafiken sind heutzutage allgemein üblich in jeder renommierten Zeitschrift, im Fernsehen und ebenso in der Fachliteratur. Doch die Ermittlung der Daten ist oft nicht einsichtig, manches völlig schleierhaft. Ob man solchen Statistiken trauen darf, ist eine berechtigte Frage, denn ob jeder Statistiker genügend Verantwortung und Pflichtgefühl dabei aufbringt, Menschen mit meinungsfördernden Daten zu füttern, ist tatsächlich längst gegen diesen Fakt bewiesen. Oft ist das Interesse des Auftraggebers entscheidender. Man denke an die Werbung, bei der es stets darum geht, das Rennen zu machen. Informationen, welche dort verbreitet werden, müssen nicht einmal falsch sein, doch können sie im Kontext als einzig wichtig erscheinen gegenüber erheblich wichtigeren Informationen, welche bei der Erhebung oder der Auswertung unterschlagen wurden. Durch die Einprägsamkeit und den schnell verinnerlichten Status der Allgemeingültigkeit von Statistiken bekommen solche Fragen ein großes ethisches Gewicht, wie es durch Einzelinterviews nicht so einfach der Fall ist. Desweiteren bleibt das sich Stützen auf den Durchschnittswert ebenfalls oft eine Glaubenssache für den Informierten. Durchschnitt ist nicht gleich Durchschnitt, sondern manchmal nur das Mittel völlig extremer Aussagen. Und vieleicht haben Personen nur der Eile wegen, oder da sie die Fragen nicht richtig verstanden, sie keine passende Antwort fanden, ihnen die Antwort in den Mund gelegt wurde, also durch Einwirkung über den Fragebogen oder den Fragenden suggeriert wurde etc., einfach irgendetwas angegeben, das sie schon kurz darauf oder in einem anderen Zusammenhang nie gesagt haben wollten. Die Kritik kann beinahe endlos weitergeführt werden und wird dieses durchaus auch vehement, in der Bevölkerung, wie auch in der Forschung selbst. Das Spiel mit den Zahlen bleibt ein fragliches. Also wandte sich ein großer Teil der Sozialforscher in den 80ern einem anderen Erhebungsvorgehen zu.

3 Qualitative Sozialforschung

3.1 Die Entstehungsgeschichte

Philipp Mayring [3], einer der Hauptvertreter im deutschen Raum, bezeichnet die Wende zur qualitativen Sozialforschung als eine tiefgreifende Veränderung der Sozialwissenschaften in diesem Jahrhundert. Diesen Prozeß weist er vor allem den Soziologen (Ch. Hopf & E. Weingarten 1979; S. Lamnek 1988, 1989; W. Spöhring 1989) und Erziehungswissenschaftlern (P. Zedler & H. Moser 1983; Th. Heinze 1987) zu. Sie beklagten sich über die Kategorisierung des Erhebungsobjektes und wollten die Personen wieder zu Wort kommen lassen. Das qualitative Denken in der Sozialforschung sei wieder gefragt.

Als Begründer des qualitativen Denkens wird gerne bereits Platons[4] Schüler Aristoteles[5] (384-322 v.Chr.) angeführt, welcher die Dinge in ihrem Entstehen und Werden nicht nur oberflächlich erfassen, sondern aufgrund ihrer historischen Entwicklung und ihres inneren Antriebes eindeutige Beweisführung betreiben wollte (vgl. Mayring 1999, S. 3). Eine solche Haltung läßt sich allerdings schon in Sokrates[6],

Platons Lehrer, entdecken. Und sicher gab es auch davor schon Denker, welche den Anspruch Aristoteles auf ihre Weise vertraten. Die Idee der qualitativen Forschung ist also nichts Neues. Daß sie sich in Deutschland erst so spät wieder behaupten konnte läßt sich nur historisch erklären. Aristotles gilt als Vertreter einer Haltung, welche auf das Erfassbare und durch Regelmäßigkeit als gesetzmäßig Feststellbare aus ist. Darin liegt der praktische Bezug für den Menschen, der, durch seine Subjektivität bedingt, solche Richtlinien benötigt, um sich in dem ihn umgebenden Chaos orientieren zu können. In diesem Punkte zieht Aristoteles im Grunde mit den Sophisten Protagoras und Gorgias gleich, deren Lehren er allerdings verurteilte. In seiner Haltung zeigt sich sowohl der Hang zur genaueren Untersuchung als auch zur Unterschlagung der Ausnahme zugunsten der Allgemeingültigkeit. Diese Allgemeingültigkeit ordnete er allerdings nur eingeschränkten Geltungsbereichen zu. Ihm lag schlußfolgernd eher eine Mischform der quantitativen und der qualitativen Forschung nahe. Wer sich in den Texten des antiken Griechenland nicht auskennt, sollte also besser eine Zuordnung Aristoteles zu einer der beiden Methoden vermeiden.

Das durch Galileo Galilei[7] neu vertretene Denken, daß sich alles auf allgemeine Naturgesetze reduzieren ließe, löste nach Ansicht einiger Sozialforscher Aristoteles Einfluß ab und blieb bis in das zwanzigste Jahrhundert erhalten. Auch bei Galilei muß vorsichtig gewaltet werden (vgl. Mayring 1999, S. 4). Zunächst suchten schon die ionischen Naturphilosophen seit dem 8. Jhd. v.Chr. nach der Reduzierung allen Lebens auf den im Wasser enthaltenen Urstoff Hyle, aus dem sich alles kombiniert habe, und gründeten dabei bereits die Theorie von den Atomen, der Entstehung des Lebens im Wasser und der Allgemeingültigkeit von Naturgesetzen. Auch suchte Galilei in seinem Wissensdrang nicht nur nach einer Orientierung für den Menschen, sondern nach dem Geheimnis des Unbekannten. Er wollte also nicht ausschließlich Regelmäßiges für die Handhabbarkeit, sondern eine Möglichkeit der Beschreibung von Gegebenem. Dabei schloß er auch den Einzelfall nicht aus seiner Betrachtung aus, denn auch dieser folgt einem Gesetz. Daß er also nach allgemeinen Naturgesetzen suchte, bedeutet nicht gleich die Verallgemeinerung von Tatbeständen und somit einen Widerspruch zu Aristoteles, sondern schlicht einen anderen Ansatz.

Auch hierbei sollte sich der Laie zunächst ein eigenes Bild von Galileis Gedankengut schaffen, bevor er sein Denken einer der beiden Varianten der Sozialforschung zuweist. Über die letzten zwei Jahrhunderte hinweg gab es zunehmend eine größere Anzahl von Denkansätzen, welche sich alle vor der Öffentlichkeit vertreten ließen, doch setzte sich die quantitative Denkweise weiterhin durch. Das Interesse am Individuum war nicht genügend, wie die Entwicklung des deutschen Staates hinreichend belegt. Im 19. Jh. herrschte die konservative Grundhaltung vor, welche dem Willen des Einzelnen nur wenig Raum lies. Der Versuch der Weimarer Republik, die Monarchie abzulösen, endete im Faschismus. In der Nachkriegszeit galt die politische und ökonomische Emanzipation als vorrangig. So war kein Platz für das qualitative Denken. Der Durchbruch kam erst nach dem radikalen Gesinnungswechsel in den 70ern ( vgl. Mayring 1999, S. 8).

Amerika spielte dabei wieder einmal den Vorreiter. Doch auch dort wurde erst in den 70ern die qualitative Sozialforschung nicht mehr niederwertig gegenüber der quantitativen Sozialforschung behandelt. Dies liegt zum einen an der materialistischen Grundhaltung des "American Way Of Life", wobei Leistungen grundsätzlich als meßbar gelten. Bereits in den ersten Schulwochen werden die Kinder Tests ausgesetzt. Die Test­Manie zieht sich fort bis in das Erwachsenenalter und verfolgt die Amerikaner bei Einstellungstests, Leistungskontrollen und so fort. Mehrere Millionen Tests jährlich werden von Amerika aus in aller Welt durchgeführt. Dabei war die Ausrichtung der amerikanischen Sozialforschung seit Anbeginn sehr breit gefächert. Bereits in den Dreißigern führte Kurt Lewin, ein jüdischer Deutscher, der seine Theorien während der angespannten Vorkriegszeit an der Universität Berlin mit seinen Studenten entwickelte und später nach Amerika immigrierte, dort Gruppendiskussionen im Rahmen der Feldforschung durch, dessen Namen er aus der Physik entnahm. Seine Ansätze sind vielerlei kopiert und verfremdet und schließlich nach Deutschland zurück exportiert worden.

3.2 Das Vorgehen in Methodik und Schrittfolge

Das Vorgehen ist abhängig von der Zielsetzung und dem Erhebungsraum. Mayring unterscheidet fünf Verfahrensklassen:

3.2.1 Das Forschungsdesign

- Dokumentenanalyse:

Sie wird vor allem dort verwendet, wo ein direkter Zugang nicht möglich ist, dient allerdings auch anderen Methoden zur Vorbereitung. Die Auswahl des Materials betrifft jegliches auffindbare Werk, welches der Aufklärung der Fragestellung dienen kann. Neben möglichst genauer Beantwortung der Frage gehört auch die Quellenkritik zur Aufgabe der Dokumentenanalyse. Sie kann ausschlaggebend für die Neufassung der eigenen Fragestellung aber auch für weitere Forschungen sein (vgl. Mayring 1999, S. 32 ff).Die Dokumentenanalyse ist immer dann wichtig, wenn es sich um historische Ereignisse handelt. Das ist auch der Grund, warum das Prinzip der Vorgehensweise aus der Geschichtswissenschaft stammt (Mayring 1999, S. 33)

- Einzelfallanalyse (approach):

Sie steht im Mittelpunkt qualitativer Forschung, da sie den Menschen als Individuum direkt als Forschungsgrundlage begreift (vgl. Arbeitskreis Qualitative Sozialforschung 1994, S. 52). Ziel ist es dennoch, typisches herauszufiltern, also nicht auf der Ebene einer Bibliographie zu walten, sondern vergleichbares zu erheben. Über die Möglichkeiten bei der Analyse wird noch berichtet (vgl. Mayring 1999, S. 28 ff).

- Deskriptive Feldforschung:

Sie richtet sich daran aus, die zu beobachtenden Personen möglichst unbefangen in natürlicher Umgebung zu belassen und deren Verhalten und Äußerungen festzuhalten. Sie ist also weniger als die Einzelfallanalyse an der Meinung des Individuums, als an der Beschreibung, Deutung und Allgemeingültigkeit seiner Eigenart interessiert. Dafür eignet sich am ehesten die teilnehmende Beobachtung, doch auch andere Methoden sind denkbar (vgl. Mayring 1999, S. 39 ff).

[...]


[1] Husserl (1859 - 1938) Geboren in Proßnitz.Husserl studierte ab 1876 in Leipzig und besuchte Vor­lesungen in Mathematik, Philosophie, Physik und Astronomie(vgl. Philosophenlexikon 2000 im Internet).

[2] Pierre Bourdieu wird 1930 in Denguin/Basses Pyrénées geboren. Nach dem Studium der Philosophie an der Elitehochschule "École normale supérieure" in Paris arbeitet er zunächst als Lehrer, bevor er 1958 wissenschaftlicher Assistent an der philosophischen Fakultät in Algier wird. Später lehrt er in Paris, dann

[3] Prof. Dr. Phillipp Mayring (Geboren 1952) Dozent an der Hochschule Ludwigsburg (vgl. Mayring 1999, Impressum).

[4] Platon (428 - 348 v. Chr.) Der griechische Philosoph Platon stammte aus vornehmer Familie. Längere Reisen führten ihn u. a. nach Sizilien. Er gründete in Athen seine eigene Schule, die Akademie. Platon kannte Sokrates von früher Jugend auf und stand ihm in den letzten Jahren vor dessen Hinrichtung sehr nahe (vgl. Philosophenlexikon, 2000 im Internet).

[5] Aristoteles (384 - 322 v. u. Z.) Der griechische Philosoph, Logiker und Naturforscher Aristoteles wurde im makedonischen Stagira geboren. Daher wird Aristoteles auch der Stagirite genannt. Aristoteles ging 367 nach Athen, um an Platons Akademie zu studieren. In den 20 Jahren, die er dort blieb, entwickelte er eigene philosophische Auffassungen, die von denen des Lehrmeisters immer weiter abwichen (vgl. Philosophenlexikon, 2000 im Internet).

[6] Sokrates (470 - 399 v. Chr), lebte arm u. bedürfnislos in Athen u. lehrte ohne Entgelt auf den Straßen u. in Gymnasien; durch eindringliche Fragen u. angebliches Nichtwissen (sokrat. Methode, Mäeutik) versuchte er, die Menschen vom Scheinwissen zum echten Wissen zu bringen. Dabei ging es S. um das allen Handlungen zugrunde liegende sittl. Wissen. (vgl. Hoeworx , 2000 im Internet)

[7] Galileo Galilei (1564 - 1642) Galilei kommt am 15. Februar in Pisa zur Welt; sein Vater, Vincenzo Galilei, ist Musiker und Musiktheoretiker. Student der Philosophie und Medizin an der Universität von Pisa, die er ohne Abschluss wieder verlässt. Galilei widmete sich der Mathematik, vor allem Archimedes. Galileis Zeit hatten die Wissenschafter verschiedene Modelle des Universums ausgearbeitet, die zueinander in komplizierten Beziehungen standen und damals Weltsysteme genannt wurden. Vor allem in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entfesselte sich ein bitterer Konflikt zwischen den Vertretern des kopernikanischen Systems (allen voran Kepler und Galilei) und den Verteidigern des geozentrischen Gedankens, die sich nicht nur nach dem antiken Vorbild sondern auch nach dem neuen Weltsystem von Tycho Brahe richteten. (vgl. ETH Bibliothek, 1999 im Internet).

Details

Seiten
35
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783656032038
ISBN (Buch)
9783656032106
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180175
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,5

Autor

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Titel: Qualitative Sozialforschung