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Konrad III. auf Kreuzzug (Der Zweite Kreuzzug)

Herausforderungen einer königlichen Kreuzzugsteilnahme

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 20 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangssituation
2.1 Situation in der Levante nach dem Ersten Kreuzzug
2.2 Konrad III. und die Welfen
2.3 Konrad III. und Papst Eugen III.

3. Vom Aufruf zur Kreuznahme
3.1 Kreuzzugsbulle
3.2 Bernhard von Clairvaux
3.3 Kreuznahme und diplomatische Vorbereitungen

4. Verlauf des Kreuzzuges

5. Ergebnis des Kreuzzugs und Reaktionen

6. Konrads Verhältnis zu Eugen III. und Welf VI. nach dem Kreuzzug

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Konrad III. war der erste deutsche König, der das Kreuz nahm: Zusammen mit dem französischen König Ludwig nahm er am Zweiten Kreuzzug von 1147-1149 teil. Im Gegensatz zum gemeinen Kreuzfahrer hatte er sich nicht nur um die üblichen Kreuzzugsvorkehrungen zu kümmern, sondern auch um die Verflechtung eines Kreuzzuges mit der Innen- und Europapolitik.

Mit Welf VI. hatte er sich einen Feind gemacht, der seine Abwesenheit sicherlich ausnutzen würde und falls er im Osten sterben sollte, konnte er sich auch nicht mehr um eine Nachfolgeregelung kümmern. Zudem benötigte Papst Eugen III. in Italien seine Hilfe, da er aus Rom vertrieben worden war. All diese Dinge musste er vor seiner Abreise klären, sodass diese Zeit die eigentliche Herausforderung darstellte. Was auf dem langen Weg ins Heilige Land passieren würde, das lag ganz allein in Gottes Hand - doch für sein Reich war er verantwortlich.

In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, was Konrad zur Kreuznahme veranlasste, wie der Konflikt mit Welf VI. entstanden war und sich entwickelt hatte, und was der König unternahm, um sein Reich trotz dieser Fehde und trotz des Anliegens des Papstes mit gutem Gewissen verlassen zu können. Dabei soll auch die diplomatische Rolle Bernhard von Clairvaux’ näher untersucht werden, der sowohl Welf als auch Konrad zur Kreuznahme bewegte.

Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf Konrad bzw. auf der Zeit vor der Abreise liegt, werden der Verlauf des Kreuzzugs, sein Ausgang und die Folgen und der Anteil Ludwigs VII. keine zentralen Themen sein.

Bei der Quellenarbeit wurde sowohl eine Stauferchronik als auch eine der Welfen berücksichtigt, zudem eine Schrift von Bernhard von Clairvaux. Die Quellen sollen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden.

Es liegen uns zunächst die Gesta Frederici von Otto von Freising vor, der selbst am Zweiten Kreuzzug teilgenommen hat und diese Chronik auf Wunsch von Friedrich Barbarossa schrieb. Sie enthält unter anderem den Kreuzzugsaufruf von Bernhard von Clairvaux, der in dieser Arbeit der Kreuzzugsbulle von Papst Eugen III. gegenüberstellt werden soll, die nach ihren Anfangsworten Quantum praedecessores benannt ist.

Die von Bernhard von Clairvaux selbst verfasste fünfbändige Schrift De consideratione wurde auf Drängen von seinem Ordensbruder Papst Eugen III. von 1149 bis 1153 verfasst und sollte dem Papst zur Gewissensforschung dienen.

Die Historia Welforum, um 1170 entstanden, zeigt die Geschichte aus der Perspektive des welfischen Adelgeschlechts, welches sich oft in Konflikt mit den Staufern befand.

2. Ausgangssituation

2.1 Situation in der Levante nach dem Ersten Kreuzzug

Ein Kreuzzug sollte immer in Verbindung mit den Ergebnissen der vorigen Kreuzzüge betrachtet werden, damit man die Ausgangssituation verstehen kann. Der Erste Kreuzzug war zwar von chaotischen Verhältnissen geprägt gewesen, da das heterogene Kreuzfahrerheer schwer zu leiten und zu disziplinieren war, doch er endete erfolgreich mit der Eroberung Jerusalems 1099. Mit der Grafschaft Edessa wurde der erste der vier Kreuzfahrerstaaten gegründet. Die muslimischen Stämme, die die Kreuzfahrer zunächst unterschätzt hatten, arbeiteten nun wieder enger zusammen und attackierten die Kreuzfahrerstaaten fortan. Hinzu kam, dass auch innerhalb der Kreuzfahrerstaaten Konflikte zutage kamen, die z.B. im Falle Raimunds von Antiochia und Radulfs mit Intrigen gelöst wurden. Im April 1143 starb der Kaiser von Byzanz, Johannes II. Komnenos, bei einem Jagdunfall, das gleiche Schicksal ereilte auch König Fulko von Jerusalem im November desselben Jahres. Seine Frau, auf die sich seine Herrschaft gestützt hatte, wurde die neue Regentin. Diese Lage nutzte Imad ad-Din Zengi, der Herrscher von Mosul und Aleppo, aus und eroberte die ohnehin schlecht verteidigte Hauptstadt Edessas im Dezember 1144 nach vier Wochen Belagerung. Den vollständigen ersten Untergang eines Kreuzfahrerstaates erlebte Zengi nicht mehr. Aleppo fiel an seinen jüngeren Sohn Nur ad-Din (1146-1174), der sich nun um den Kampf gegen die Franken kümmern sollte.1

2.2 Konrad III. und die Welfen

Konrad III., der Sohn von Friedrich I. (Herzog von Schwaben) und Agnes (Tochter Heinrichs IV.) wurde am 7. März 1138 in Koblenz zum König gewählt – von einer kleinen Gruppe von Fürsten, denen die Macht Heinrich des Stolzen aufgrund seiner zahlreichen Besitztümer zu groß war.

So schreibt Otto von Freising über seine Krönung:

„Auch das trug zum Erfolg dieses Vorgehens [die Krönung Konrads] bei, dass sich Herzog Heinrich von Bayern wegen seines Stolzes fast bei allen, die mit Kaiser Lothar an dem Zuge nach Italien teilgenommen hatten, verhasst gemacht hatte.“2

In der Historia Welforum werden nicht der Stolz Heinrichs und den Hass ihm gegenüber in den Mittelpunkt gerückt, sondern die durchaus selbstbezogenen Interessen der Fürsten:

„Einige Fürsten jedoch, die fürchteten, Herzog Heinrich könnte vermöge seines besonderen Ansehens und der Würden, die er damals im Reich innehatte, eine übermächtige Stellung erlangen […] wählten […] Konrad, den Bruder Friedrichs, zum Könige.“3

Konrad wusste, wie er seine Position noch weiter stärker konnte. So heiratete er Gertrud von Sulzbach, deren Familie im ostfränkisch-bayrischen Raum beheimatet war und dort auch Einfluss hatte. Weiterhin vergab er Ämter und Würden vornehmlich an Mitglieder der staufischen Familie, die ihm dann verpflichtet waren. Auf diese Unterstützung war Konrad auch angewiesen, da er wie bereits erwähnt nicht die Macht eines Heinrich des Stolzen aufzuweisen hatte. Dieser übergab zwar dem König auf dem Regensburger Hoftag 1138 die Reichsinsignien, doch war nicht bereit, Teile dessen, was Kaiser Lothar ihm an Besitztümern übergeben hatte, abzugeben. Schließlich wurden ihm beide Herzogtümer aberkannt. Bevor es zu einer friedlichen Einigung kommen konnte, verstarb Heinrich der Stolze 1139. Heinrich der Löwe, der noch minderjährige Sohn Heinrichs, wurde Herzog von Sachsen, Heinrich II. Jasomirgott, ein Halbbruder Konrads, erhielt Bayern und heiratete die Witwe Heinrichs des Stolzen. Diese verstarb jedoch schon 1143 und man befürchtete nun, dass Heinrich der Löwe nach Bayern trachtete. Doch es war Welf VI., der Bruder Heinrichs des Stolzen, der mit dem Herzogtum Bayern seine Position stärken wollte. Er führte den Titel des Herzogs ohne jegliche Erhebung und hatte zwar einen vorzeigbaren Besitz in Süddeutschland, jedoch eben kein Herzogtum. Es gab also auch Rivalitäten innerhalb der welfischen Familie. Da Konrad III. selbstverständlich keine Veranlassung dazu sah, den Welfen Bayern zuzusprechen, eröffnete Welf VI. die Fehde gegen ihn und es kam zu ersten Kampfhandlungen um die Burg Weinsberg, die von Konrad belagert wurde. Nach einem missglückten Angriff Welfs musste sich dieser geschlagen geben und drang daraufhin in Bayern ein „und zog erst wieder ab, als er alles weit und breit zerstört hatte“4. Als sich nun auch noch Heinrich II. Jasomirgott einschaltete, war der Krieg in vollem Gange. 5

Welf erhielt im weiteren Verlauf auch Unterstützung von anderen Herrschern, was Konrads Position schwächte:

„König Roger von Sizilien hörte von diesen Zusammenstößen zwischen Welf und dem Könige. Da er fürchtete, Konrad könnte nach Beendigung des Krieges eines Tages in Italien erscheinen […], hetzte er Welf durch verlockende Geschenke zum weiteren Kampfe gegen ihn auf und verpflichtete sich eidlich, ihm dafür jährlich tauend Mark zu zahlen. Ebenso rief auch der König von Ungarn […] Welf zu Hilfe […].“6

Jedoch zogen die zwei Kontrahenten schon wenig später gemeinsam nach Edessa, nachdem Papst Eugen III. den Zweiten Kreuzzug ausgerufen hatte.

2.3 Konrad III. und Papst Eugen III.

Eugen III. wurde 1145 während einer schwierigen Zeit des Papsttums gewählt. Die Römer hatten sich im Gegensatz zu anderen norditalienischen Städten nie ihrer geistlichen Stadtherren entledigt, da der Papst im Gegensatz zu einem Bischof als direkter Nachfolger von Petrus sehr mächtig war und aufgrund dieser Autorität auch weltliche Herrscher um Hilfe bitten konnte. Trotzdem hegten die Römer den Wunsch nach Selbstbestimmung. Auslöser für den Aufstand war Innozenz’ II. schonende Behandlung des eroberten Tivolis, welches die Römer hassten und für dessen Niederlage sie hart gekämpft hatten. Sie besetzten daraufhin das Kapitol und setzten einen Senat als Stadtregierung ein. Da sich Eugen III. nach seiner Wahl, die wegen der Besetzung nicht in der Stadt selbst stattfinden konnte, ebenfalls weigerte, den Senat anzuerkennen, kam es zu militärischen Auseinandersetzungen. Diese endeten zwar mit einem Friedensschluss, doch es gab immer wieder neue Konfliktherde.7

Otto von Freising schreibt über diese Konflikte, in diesem Fall mit Arnold:

„„[…] aus Hass gegen das Ansehen der Kirche ging er [Arnold] nach Rom, und in der Absicht, die Senatorenwürde und den Ritterstand nach antikem Muster wiederherzustellen, wiegelte er fast die ganze Stadt und vor allem das Volk gegen den Papst auf.“8

Die Aufständischen schrieben auch einen Brief an Konrad:

„[…] die Türme und Paläste der Mächtigen dieser Stadt. die sich anschickten, zusammen mit dem Sizilier [König Roger II.] und dem Papst [Papst Eugen III.] eurer Regierung Widerstand zu leisten, haben wir erobert […] Möge deshalb das kaiserliche Machtaufgebot rasch zu uns kommen, denn ihr könnt in dieser Stadt alles erreichen, was ihr wollt […].“9

Doch Konrad III. widerstand diesem Angebot und entschied sich klar für die Seite des Papstes:

„Indes lehnte es der allchristlichste König ab, diesen Worten, diesem Geschwätz, sein Ohr zu leihen […]“.10

Die Beziehung von Eugen und Konrad wurde jedoch weiterhin durch diese politische Situation bestimmt: Eugen wollte Konrad nicht im Osten kämpfen sehen, sondern zu einem Italienzug überreden. Konrad lehnte jedoch ab, da seine Machtposition in Deutschland wie oben bereits erwähnt durch die Welfen eher instabil war. Trotz Konrads ablehnender Haltung war Papst Eugen um gute Kontakte zum König bemüht. In diesem Kontext kann auch die Heiligsprechung von Konrads Vorgänger Kaiser Heinrich II. (978-1024) im Jahr 1146 gesehen werden.11

Die Forschermeinungen sind hier jedoch nicht einhellig. So glaubt Phillips nicht, dass Eugen gegen eine Kreuzzugsteilnahme Konrads war. Zwar habe Eugen Konrad um Hilfe gebeten, und Roger II. von Sizilien hätte in Konrads Abwesenheit gefährlich werden können, aber 1144 habe Papst Lucius II. einen siebenjährigen Waffenstillstand mit Roger unterzeichnet und dieser sei auch an einem Einhalten dieses Vertrages interessiert gewesen – Phillips unterstellt Roger eine späte Einsicht.12

Über Rogers wahre Absichten können wir letztendlich nur spekulieren.

3. Vom Aufruf zur Kreuznahme

3.1 Kreuzzugsbulle

Es ist Gegenstand historischer Debatten, ob der Impuls zum Zweiten Kreuzzug von König Ludwig VII. oder Papst Eugen III. ausging. Wenn man den Gesta Frederici Glauben schenkt, so war es Ludwig, der den entscheidenden Schritt tat:

„[…] Ludwig [hatte] insgeheim den Wunsch, nach Jerusalem zu ziehen, und weil sein Bruder Philipp, der sich dazu durch ein entsprechendes Gelübde verpflichtet hatte, vorher gestorben war, wollte er sein Vorhaben nicht länger hinausschieben […]. Der Abt [Bernhard von Clairvaux] wurde also berufen, und man forderte von ihm einen Rat betreffs der erwähnten Absicht des Königs. Jener aber hielt es für anmaßend, über eine so wichtige Angelegenheit eine Antwort nach seinem persönlichen Gutdünken zu erteilen, und erklärte, es sei das Beste, sie dem Papst mitzuteilen und zur Prüfung vorzulegen. […] Dieser erwog das Vorbild seiner Vorgänger […] und stimmte daher um der Ausbreitung der christlichen Religion willen dem Wunsche des Königs zu; dem genannten Abt, der bei allen Franzosen und Deutschen als Prophet und Apostel galt, erteilte er die Vollmacht, zu predigen und die Herzen aller für diesen Zug zu begeistern.“ (36, S. 201)

Hier wird deutlich, dass Bernhard von Clairvaux erkannte, dass es allein in der Autorität des Papstes liegen sollte, einen Kreuzzug auszurufen. Das heißt, selbst wenn Ludwig Eugen III. zuvorgekommen sein sollte, lag es im Interesse des Papstes, schnell eine Kreuzzugsbulle zu verfassen. Diese Bulle überlappte in jedem Fall zeitlich mit Ludwigs Kreuzzugsaufruf an Weihnachten 1145 in Bourges, weswegen man nicht weiß, welches Ereignis dem anderen vorausging. Ludwig gelang es jedoch nicht, den Adel zu mobilisieren. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Bulle, die am 1. Dezember 1145 veröffentlicht wurde, es höchstwahrscheinlich nicht schaffte, innerhalb von drei Wochen den Weg von Vetrella nach Bourges über die Alpen und im tiefsten Winter zurückzulegen.13 Diese Ansicht vertritt auch Phillips, der der Kreuzzugsbulle eine enorme Bedeutung zuweist:

„The content of Eugenius’ bull represented, therefore, a landmark in the development of crusading. It was a drawing together and clarification of ideas and privileges, many of which had been expressed before but do not survive in a formal document and, for Eugenius’s contemporaries and successors, were best combined in Quantum praedecessores.”14

[...]


1 Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart u.a. 71989, S. 84-87. [Im Folgenden zitiert als: „Mayer“.]

2 Otto von Freising und Rahewin: Die Taten Friedrichs oder richtiger Chronica, übers. v. Adolf Schmidt, hrsg. v. Franz-Josef Schmale, Darmstadt 1965 (Ausgewählte Quellen zur Geschichte des Mittelalters 17), 23, S. 169. [Im Folgenden zitiert als: „Gesta Frederici“.]

3 Historia Welforum, hsrg. u. übers. v. Erich König, Sigmaringen 1978 (Schwäbische Chroniken der Stauferzeit 1), 24, S. 47. [Im Folgenden zitiert als: „Historia Welforum“.]

4 Historia Welforum, 25, S. 53.

5 Vgl. Knut Görich: Die Staufer. Herrscher und Reich, München 2006, S. 28-33. [Im Folgenden zitiert als: „Görich“.] Vgl. Historia Welforum, 25, S. 49-53.

6 Historia Welforum 26, S. 53.

7 Vgl. Michael Horn: Studien zur Geschichte Papst Eugens III., Frankfurt a. Main u.a., 1992 (Europäische Hochschulschriften 3), S. 175f. [Im Folgenden zitiert als: „Horn“.]

8 Gesta Frederici, 29, S. 183.

9 Gesta Frederici, 30, S. 186f.

10 Ebd., S. 189.

11 Vgl. Horn, S. 47-49.

12 Vgl. Phillips, S. 91.

13 Vgl. Phillips, S. 63.

14 Phillips, S. 37.

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656026556
ISBN (Buch)
9783656026204
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v180016
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Historisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Kreuzzug Kreuzzüge Staufer Konrad Welf

Autor

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Titel: Konrad III. auf Kreuzzug (Der Zweite Kreuzzug)