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Comics im Geschichtsunterricht

Seminararbeit 2009 18 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhalt

Einleitun

1. Das Comic
1.1. Was ist ein Co
1.2. Aufbau und Funktion des Comics
1.3. Narrativer Aufbau des Comics

2. Comics im Geschichtsunterricht
2.1. Typologie von Geschichtscomics
2.2. Nutzen und Anwendungsmöglichkeiten von Comics im Geschichtsunterricht

Resümee

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

In den fünfziger und sechziger Jahren wurde der Comic als die Schundliteratur schlechthin abgetan. Pädagogen, Jugendämter, Kirchen sowie die öffentliche Meinung führten einen regelrechten Ablehnungsfeldzug gegen Comics. Durch Nachahmung sollte es die Kinder zur Kriminalität und Gewaltanwendungen verleiten und gleichzeitig zur Verkümmerung des sprachlichen Artikulationsvermögens führen. Erst mit „Asterix“, in den siebziger Jahren, begann sich die ablehnende Haltung gegenüber Comics langsam aufzulösen. Doch dauerte es noch bis in die achtziger Jahre, ehe der Comic auch in ersten Ansätzen in fachdidaktischen Diskussionen zum Thema wurde.1

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Comic und im Besonderen mit dem historischen Comic, auch Geschichtscomic genannt, und dessen Möglichkeiten im Geschichtsunterricht. Dazu wird zunächst eine Unterteilung der Arbeit in zwei Hauptabschnitte unternommen. Der erste Teil wird sich mit den Elementen des Comics, sowie seinem narrativen Aufbau beschäftigen. Im zweiten Abschnitt wird schließlich auf den Comic im Geschichtsunterricht eingegangen werden, dazu soll zum einen eine Typologie der Comics und deren Wertigkeit für den Geschichtsunterricht und zum anderen der Nutzen und die Einsatzmöglichkeiten im Geschichtsunterricht herausgearbeitet werden.

1. Das Comic

1.1. Was ist ein Comic?

Bevor sich mit dem Thema Comics im Geschichtsunterricht auseinandergesetzt werden kann, ist es sinnvoll zunächst den Begriff Comic zu klären. Also was überhaupt unter dem Begriff Comic verstanden werden soll.

Bis heute gibt es keine allgemeingültige Definition von „Comic“, die von Medienpädagogen, Comicforschern oder Pädagogen gleichermaßen benutzt werden würde. Die Tatsache, dass sich der Comic in seiner über hundertjährigen Geschichte entwickelt und immer wieder neu erfunden hat, macht begriffliche Bestimmung nicht einfacher. In Ihrem Buch „Jenseits von Asterix - Comics im Geschichtsunterricht“ definiert Christiane Gundermann den Begriff des Comics in Anlehnung an die bereits existierenden Begriffsbestimmungen von Martin Barker und Scott McCloud wie folgt: Das Comic ist ein eigenständiges Medium, das durch bildliche oder andere Zeichen charakterisiert wird, die zu räumlichen Sequenzen angeordnet sind. Ein Comic ist dann als solcher zu bezeichnen, wenn er unter diesem Namen produziert worden ist und Informationen vermitteln und ästhetische Wirkungen beim Betrachter erzeugen soll.2 So ermöglicht diese Definition es auch, Comics, die schwierig einzuordnen sind, als solche zu bezeichnen, wie beispielsweise Erich Ohsers “Vater und Sohn” und Harold Fosters „Prinz Eisenherz“. So verzichtet Erich Ohser zum Beispiel vollends auf Text, während in Fosters “Prinz Eisenherz” statt der heute üblichen Sprechblasen nur Blocktexte vorkommen.3 Nach Hans-Jürgen Pandel sind Comics eine Gattung der graphischen Erzählung. Danach sind Comics eine besondere Form der Bildgeschichte, gleichzeitig sind aber nicht alle Bildgeschichten auch gleichzeitig Comics. Er verweist gleichzeitig darauf, dass der historische Comic und der Geschichtscomic in der literarisch und ästhetisch ausgerichteten Comicforschung keine Gattungsbegriffe sind. Trotzdem macht es nach Pandel aus geschichtsdidaktischer Sicht Sinn, Comics die sich auf Geschichte beziehen oder diese zum Inhalt haben in drei Großgruppen von unterschiedlichem didaktischem Wert zu unterscheiden. Diese sind die sogenannten Funnies, Quellencomics und die Geschichtscomics.4

Die Geschichtscomics, auch historische Comics genannt, gehören zu der Gattung der Geschichtsbilder. Da sie aber von einer vergangenen Zeit und nicht von ihrer Entstehungszeit handeln, sind sie eher Darstellungen von und nicht Quellen für Geschichte.5

1.2. Aufbau und Funktion eines Comics

Grundlegend ist festzustellen, dass die meisten Comics aus drei Elementen bestehen. Diese Elemente sind das Bild, der Text und das Symbol.

Auch in der Variation dieser drei Elemente gibt es je nach Comic immense Unterschiede. So gibt es beispielsweise textlastigere Verbindungen, in denen die Bilder eher eine reine Illustrationsfunktion einnehmen, aber auch das bildlastigere Gegenstück. Die wohl gebräuchlichste Form des Comics ist aber die korrelative Verbindung, bei ihr unterstützen sich Wort und Bild gegenseitig.6

Das Bild kann aber dennoch als zentrales Element des Comics aufgefasst werden, da es das Erste ist, was ComicleserInnen wahrnehmen. Der grafische Stil der Künstlerin oder des Künstlers kann daher den gesamten narrativen Gehalt eines Comics wesentlich beeinflussen und verändern. Die Entscheidungen, ob Farbe und Tusche, oder ob die Bilder eher schwarz-weiß gestaltet werden, können so die Atmosphäre einer dargestellten Geschichte wesentlich unterschiedlich erscheinen lassen.7

Das zweite wichtige Element des Comics ist der Text. In den meisten Comics wird die Schrift integriert und kann als Blasentext, Blocktext oder in der Form von Lautmalerei auftauchen. Im Gegensatz zu Bildergeschichten, in denen der Text außerhalb des Bildes steht und dort den Inhalt in Form von Versen oder Prosa noch einmal wiederholt, werden in Comics die Texte als Element des Bildes integriert.8 Außerdem werden in Comics die Bildinhalte zumeist nicht durch den Text beschrieben oder kommentiert.

Der Blocktext befindet sich normalerweise am oberen oder unteren Bildrand. Er enthält oft Situationsbeschreibungen, Kommentare, Vorhersagen, Metanarrationen oder Authentizitätsbeteuerungen und kann zur Überbrückung von Raum und Zeit eingesetzt werden.9 Gleichzeitig können sie aber auch die Stellungnahmen eines auktorialen Erzählers übernehmen.10 Das bekannteste Element der Comics sind allerdings die Sprechblasen. Sie stellen die eigentliche Sprache dar und sind meist eine mit Text gefüllte Ellipse. Ein Dorn verweist dabei auf die redende Person. Die Blase kann aber nicht nur Sprechen, sondern auch Flüstern, Schreien und sogar Gedanken aufnehmen. Beispielsweise weisen „Wölkchen“ statt des Dorns auf einen Gedanken der Person hin.11 In amerikanischen Comics setzen die Comiczeichner meist selber die Schrift, auch bezeichnet als Lettern. Inzwischen wird auch bei Übersetzungen immer mehr darauf geachtet, dass die Handschrift belassen wird, da sonst viele Ausdrucksmöglichkeiten verloren gehen können. Durch die Form der Schrift kann beispielsweise angedeutet werden, wie eine Person spricht, ob sie flüstert oder ob sie schreit.12 Die Dritte Form des Textes ist die Lautmalerei. Sogenannte Soundwords sind integrale Bestandteile eines Bildes und dienen diesem, indem sie Geräusche simulieren, die der Leser nicht wie in Film oder Hörspiel akustisch wahrnehmen kann.13

Das letzte der drei Elemente eines Comics sind die Symbole. Sie stellen für den Comic ein Definitionsmerkmal der Gattung dar. Symbole können als Zeichen für eine Person, einen Ort, eine Sache oder Idee stehen. So zeigt zum Beispiel, um einen Sachverhalt zu verdeutlichen, eine Glühbirne an, dass jemand eine brillante Idee hat oder Herzen, dass er oder sie verliebt ist.14 Im historischen Comic werden Symbole allerdings eher selten eingesetzt, da sie den realistischen Eindruck verfälschen würden. Doch können sie auch hier auftauchen, wenn etwa die Turmuhr schlägt, jemand pfeift oder aber ein Fragezeichen, wenn eine Sache unklar ist.

[...]


1 Munier, Gerald: Historische Themen im Comic - Ein Überblick, in: Henke-Bockschatz u.a.: Geschichte lernen, Heft 37, Seelze-Velber 1994, S. 4.

2 Gundermann, Christiane: Jenseits von Asterix - Comics im Geschichtsunterricht, Schwalbach 2007, S. 9f.

3 Vgl. Feuerherdt, Jill: Comics im Geschichtsunterricht, 2000, unter: http://www.bi.fh-nuernberg.de/jico/index.html, letzter Zugriff: 09.10.2009.

4 Pandel, H.-J.: Comics. Gezeichnete Narrativität und gedeutete Geschichte, in: Pandel, H.-J./Schneider Gerhard: Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. Schwalbach 1999, S. 339.

5 Vgl. Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht, Seelze-Velber 2000, S. 133.

6 Vgl. Gundermann, 2007, S. 59.

7 Ebd., S. 60f.

8 Pandel, H.-J.: Comicliteratur und Geschichte. Gezeichnete Narrativität, gedeutete Geschichte und die Ästhetik des Geschichtsbewusstseins, in: Henke-Bockschatz u.a.: Geschichte lernen, Heft 37, SeelzeVelber 1994, S. 19.

9 Gundermann, 2007, S. 62.

10 Vgl. Pandel, H.-J.: Comics. Gezeichnete Narrativität und gedeutete Geschichte, in: Pandel, Hans- Jürgen /Schneider Gerhard: Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. Schwalbach 1999, S. 346.

11 Vgl. Ebd., S. 345.

12 Vgl. Feuerherdt, 2000.

13 Gundermann, 2007, S. 63.

14 Ebd., S. 63f.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656024507
ISBN (Buch)
9783656024477
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179946
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
comics geschichtsunterricht geschichtsdidaktik geschichte comic unterricht bilder bilderserien

Autor

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