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Stieffamilien

Untersuchung der Lebensform und Vergleich mit Patchworkfamilien

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1) Einführung in die Themenstellung

2) Historischer Abriss

3) Lebensformen und Lebenslage
3.1) Definitionen: Lebensformen – Lebenslage – Lebensstandard
3.2) Operationalisierung der Lebenslage
3.3) Begründung der Schwerpunktsetzung
3.4) Empirische Ergebnisse

4) Fazit

Literaturverzeichnis

1) Einführung in die Themenstellung

Lebensformen scheint es mittlerweile zu geben wie Sand am Meer. Durch ihre Pluralisierung kann man schnell den Überblick verlieren.

Um wenigstens in einen Teil davon etwas Licht zu bringen, beschäftigt sich diese Arbeit im Folgenden mit „Stieffamilien“, ihrer Entwicklung und der dazugehörigen Lebenslage.

Im ersten Teil wird das Gebiet durch eine Definition der Familienform abgesteckt. Es werden mehrere Stieffamilientypen bzw Abstufungen benannt und die Unterschiede dargelegt.

Dann wird in einem historischen Abriss beleuchtet, wie sich diese Form des Zusammenlebens in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie stark ihr Anteil in den modernen Lebensformen ist.

Darauf folgen die Definitionen, die ich in dieser Arbeit verwende, von drei Grundbegriffen der Familiensoziologie: Lebensform, Lebenslage und Lebensstandard.

Danach wird der Begriff der Lebenslage von Stieffamilien operationalisiert. Die Analyse wird sich auf einige ausgewählte Indikatoren des Familienklimas beziehen. Zu den Indikatoren gehören Zufriedenheit mit dem Familienleben, Zufriedenheit mit der Sexualität, Nähe zur Mutter und Nähe zum Vater.

Nach der Operationalisierung wird die Schwerpunktsetzung erläutert, die auf den Vergleich des Familienklimas zwischen Stief- und Patchwork-Familien fixiert ist, um zu sehen, ob ein gemeinsames Kind, neben den schon vorhandenen, die Zufriedenheit in der Familie verstärkt.

Zu dem Thema werden empirische Ergebnisse und ein Fazit folgen.

Damit keine Unklarheiten bestehen, wird im Folgenden die Stieffamilie definiert.

Das ist gerade deswegen wichtig, weil es unüberschaubar viele Konzepte gibt, die Familienformen auf verschiedene Arten und Weisen definieren.

In dieser Arbeit wird die einfache Definition von Stieffamilien benutzt, das bedeutet, dass so genannte „komplexe Stieffamilien“ (Steinbach 2008: 160) bzw „Patchworkfamilien“ außen vor gelassen werden. Wenn im Folgenden also die Rede von Stieffamilien ist, ist damit gemeint, dass ein oder beide Partner ein oder mehrere

Kinder in die Partnerschaft herein gebracht haben, aber kein gemeinsames Kind haben. Wenn es um Patchwork-Eltern geht, ist damit gemeint, dass ein oder beide Elternteile ein oder mehrere Kinder mit in die Beziehung bringen und zusätzlich gemeinsam eins gezeugt haben.

Die wichtigsten Typen von Stieffamilien werden folgendermaßen unterschieden: Als primäre Stieffamilie wird die bezeichnet, in der sich das Kind mit einem leiblichen und einem sozialen Elternteil die meiste Zeit aufhält, auch Alltagsfamilie genannt (Peuckert 2008: 213).

Außerdem kann man auch noch in Stiefmutter- und Stiefvaterfamilien unterscheiden. Lebt das Kind bei der leiblichen Mutter, ist es eine Stiefvaterfamilie und umgekehrt eine Stiefmutterfamilie (ebd.). Es ist allerdings nicht zwingend erforderlich, dass das Stiefelternteil mit dem Kind in einem Haushalt wohnt.

Würde das zur Definition gehören, würde die soziale Komponente außer Acht gelassen werden, was in diesem Kontext nur von Nachteil wäre. Schließlich kann eine neue Beziehung eines Elternteils auch eine LAT-Beziehung sein (Feldhaus/Huinink: S.4 f).

Außerdem kann man noch unterscheiden zwischen „einfachen“ und „zusammengesetzen“ Stieffamilien.

Bei der einfachen Stieffamilie hat nur ein Partner ein oder mehrere Kinder mit in die Beziehung hinein gebracht. Bei einer zusammengesetzen hingegen haben beide Partner Kinder mit eingebracht.

Zuletzt unterscheidet man zwischen ehelichen und nicht-ehelichen Stieffamilien.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass nach der Definition eine Stieffamilie aus zwei Partnern besteht, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder zusammen wohnen, von denen mindestens einer oder aber beide Kinder haben, die allerdings keine gemeinsamen Kinder haben.

2) Historischer Abriss

Im Folgenden werde ich die Geschichte von Stieffamilien beleuchten und, soweit es geht, die Entwicklung rekonstruieren.

Stieffamilien sind kein neues Phänomen, sie existieren schon seit Langem. Früher allerdings aus ganz anderen Gründen als heute.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert waren 25-30% aller Ehen in England und Frankreich keine Erst-Ehen. Damals war dieses Phänomen allerdings durch die niedrige Lebenserwartung und die hohe Müttersterblichkeit bedingt. Es war notwendig noch einmal zu heiraten, um das Überleben für sich und die Kinder zu sichern.

Heutzutage bilden sich Stieffamilien aus freien Stücken und nur selten aus Angst vor einem Existenzverlust oder wegen eines verstorbenen Partners.

Das geht einher mit der Theorie der Pluralisierung der Lebensformen (Wagner 2008: S. 99), die besagt, dass die traditionelle Familienform der Eltern-Kind-Kernfamilie immer mehr in den Hintergrund gerät und das sich neue, moderne Familienformen herausbilden.

Obwohl es immer mehr Stieffamilien im Laufe der Zeit gab, rückten sie erst in den 70er-Jahren in das Blickfeld der Wissenschaft und der Öffentlichkeit, was durch die hohe Zahl der unehelichen Geburten und die hohe Scheidungsrate bedingt war.

Zum ersten Mal wurden Familien nicht als etwas rein biologisches definiert. Biologische und soziale Elternschaft gingen nicht mehr unbedingt miteinander einher (Peuckert 2008: S. 213).

Wenn man sich mit der Historie von Stieffamilien auseinandersetzen will, kann man allerdings nicht darauf verzichten, sich gleichzeitig mit der Historie von Scheidungen zu beschäftigen.

Was hier vor allem zu beachten ist, ist die Gesetzeslage, die jetzt eine ganz andere ist, als noch vor 50 Jahren.

Im Jahre 1976 wurde ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt, in dem das Verschuldungsprinzip (das Prinzip, das immer einem Ehepartner die Schuld an dem Nicht-funktionieren der Ehe zugeschrieben wird) durch das Zerrüttungsprinzip abgelöst werden sollte. Dieses Gesetz trat 1977 in Kraft (http://www.gesetze-im-internet.de/eherg_1/BJNR014210976.html).

Das war in so fern von Bedeutung, dass es nun möglich war, sich einvernehmlich scheiden zu lassen, ohne dass einer der Eheleute der Schuldige war.

Nach Inkrafttreten des Gesetzes war es also viel leichter für Verheiratete, sich wieder scheiden zu lassen.

Das schien auf den ersten Blick erst einmal zu Verunsicherung geführt zu haben, da die Scheidungsrate nicht, wie erwartet, direkt rasant nach oben getrieben wurde.

Im Laufe der Jahre ist sie dann aber trotzdem noch stark gestiegen: Im Zeitraum zwischen 1955 und 2009 haben sich die Scheidungen in Gesamtdeutschland sogar fast verdreifacht. Während sich 1955 von 1000 Einwohnern einer scheiden ließ, waren es 2009 schon 2,3 (Statistisches Bundesamt Deutschland 2009).

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Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656023432
ISBN (Buch)
9783656023685
Dateigröße
1016 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179836
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Institut für Soziologie
Note
2,3
Schlagworte
stieffamilien untersuchung lebensform vergleich patchworkfamilien

Autor

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Titel: Stieffamilien