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Konsequenzen aus Basel III

Kritische Ansätze

Seminararbeit 2011 24 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Basel III im Überblick
2.1 Entstehung und Umsetzung
2.2 Kernpunkte
2.2.1 Analyse der Ursachen der Finanzkrise
2.2.2 Kapitalvorschriften
2.2.2.1 Struktur des Eigenkapitals
2.2.2.2 Kapitalerhaltungspuffer
2.2.2.3 Antizyklischer Kapitalpuffer
2.2.2.4 Kontrahentenausfallrisiko
2.2.2.5 Höchstverschuldungsquote (Leverage Ratio)
2.2.3 Liquiditätsvorschriften
2.2.4 Fazit

3 Kritische Bewertung
3.1 Basel III ungeeignetes Instrument zur Krisenprävention
3.1.1 Problem der Prozyklizität wird verschärft, nicht gelöst
3.1.2 Komplizierte Risikobewertung führt zu falscher Sicherheit
3.1.3 Eigenkapitalanforderungen zu gering
3.1.4 Basel III setzt falschen Fokus
3.1.5 Gefahr der uneinheitlichen Umsetzung
3.1.6 Zwischenfazit
3.2 Basel III schadet Banken und Gläubigern
3.2.1 Probleme auf unterentwickelten Märkten
3.2.2 Benachteiligungen für bestimmte Geschäftsmodelle
3.2.3 Hohe Ratingkosten
3.2.4 Höhere Gebühren für Kunden
3.2.5 Kreditverknappung
3.2.6 Zwischenfazit

4 Abschließendes Fazit

5 Quellen- und Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Übersicht Eigenkapitalvorschriften

Abb. 2: Kredithürde - Gewerbliche Wirtschaft

1 Einleitung

„Das Ungewöhnliche an dieser Krise ist, dass sie schon sehr lange dauert.“

(Frank Mattern, Chef von McKinsey Deutschland über die Finanzkrise im De­zember 2007)[1]

Dreieinhalb Jahre nach dieser Äußerung ist klar, dass die globale Finanzkri­se zu lange gedauert und zu viele Opfer gefordert hat. Neue Vorschriften sol­len nun das globale Finanzsystem stärker regulieren und sicherstellen, dass eine Krise solchen Ausmaßes in Zukunft nicht mehr vorkommen kann. Als zentrales und international wirksames Instrument steht hier das Reformpaket „Basel III“ des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, das mit seinen Vor­schlägen die in der Finanzkrise versagende Bankenregulierung durch „Basel II“ ersetzten soll. Mit Verbesserungen bei der Eigenkapitalausstattung sowie der Liquidität der Banken soll sichergestellt werden, dass die Banken im Fal­le einer neuerlichen Krise auch ohne Staatshilfen überlebensfähig bleiben. Gleichzeitig sollen die Vorschriften für mehr Stabilität nicht zu viele Mittel als Eigenkapital binden, was die Gefahr einer Kreditverknappung mit sich bräch­te. Doch auch für das Reformpaket mehren sich kritische Stimmen: Den ei­nen gehen die Vereinbarungen nicht weit genug, anderen dagegen schon wieder zu weit.

Diese Studienarbeit stellt im ersten Abschnitt „Basel III“ in seinen Kernpunk­ten vor. Im zweiten Teil werden schließlich die vielfältigen Kritikpunkte an dem Abkommen erläutert. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.

2 Basel III im Überblick

Die folgenden Ausführungen zu Basel III sollen als Grundlage für die darauf folgende kritische Betrachtung des Reformpaketes dienen. Nach einer kur­zen Vorstellung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht sowie des Ab­kommens allgemein werden die Kernpunkte von Basel III in Bezug auf die vom Ausschuss diagnostizierten Ursachen der Finanzkrise, die Kapitalvor­schriften sowie die Liquiditätsvorschriften erläutert.

2.1 Entstehung und Umsetzung

Das Abkommen mit dem vollem Namen „Basel III: A global regulatory fra­mework for more resilient banks and banking systems“ wurde in seiner vor­läufigen Endfassung im September 2010 vom Basler Ausschuss für Banken­aufsicht als Gremium von Mitgliedern der Notenbanken und Aufsichtsbehör­den der 27 wichtigsten Industrienationen verabschiedet. Es handelt sich da­bei um Rahmenvereinbarungen, die erst in nationales Recht umgewandelt werden müssen, wobei Anpassungen und Änderungen wahrscheinlich sind.[2] Auf EU-Ebene soll spätestens bis 2012 eine Umwandlung in Richtlinien er­folgen. Für die Maßnahmen gelten jedoch jahrelange Übergangsfristen.[3]

2.2 Kernpunkte

Die folgenden Ausführungen basieren auf dem zentralen Dokument „Basel III: A global regulatory framework for more resilient banks and banking sys­tems“, herausgegeben vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht im De­zember 2011, überarbeitet im Juni 2011.

2.2.1 Analyse der Ursachen der Finanzkrise

In einer einleitenden Analyse führt der Ausschuss die massiven Probleme der Banken im Zuge der Finanzkrise auf folgende systemimmanente Ursa­chen zurück:

- Hohe Fremdverschuldungsrate der Banken sowie im Gegenzug eine geringe und qualitativ minderwertige Eigenkapitalbasis sowie man­gelnde Liquiditätspolster. Die plötzlichen hohen Verluste konnten da­durch nicht aufgefangen werden.
- Prozyklischer Schuldenabbau: Während eines Konjunkturabschwungs müssen Banken die Kreditvergabe einschränken, um Risiken aufzu­fangen. Gesetzliche Eigenkapitalanforderungen verstärken diesen Mechanismus, der durch eine potenziell entstehende Kreditklemme den Konjunkturabschwung weiter verschärft.
- Hoher Vernetzungsgrad systemrelevanter Banken, der bei Schieflage eines Instituts zu einem Übergreifen der Krise auf das gesamte Sys­tem führt.

Die Bankenregulierung durch das aktuell gültige Abkommen Basel II hatte in der Krise ganz offensichtlich nicht ausgereicht. Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank, identifiziert als grund­legende Schwächen von Basel II die Fehleinschätzung von Risiken etwa in Bezug auf Prozyklizität, Spezialgesellschaften oder komplexe Finanzproduk­te, eine Konzentration auf einzelne Institute statt auf systemische Verflech­tungen, zu laxe Kapitalbestimmungen und eine zu hohe Abhängigkeit von Ratings. Zudem sei Basel II zum Ausbruch der Krise in mehreren zentralen Industrieländern wie etwa den USA noch nicht vollständig umgesetzt gewe- sen.[4]

Durch strengere Vorschriften sollen diese Risiken verringert und weitere Fi­nanzkrisen damit verhindert werden.[5] Die Empfehlungen des Reformpaketes Basel III werden im Folgenden näher betrachtet.

2.2.2 Kapitalvorschriften

Die verschärften Vorschriften zur Eigenkapitalausstattung der Banken zielen zum einen darauf ab, im Falle eines massiven Kreditausfalls die Überlebens­fähigkeit der Institute unabhängig von staatlichem Eingreifen zu sichern. Da­neben soll durch eine globale Vereinheitlichung der Definition von Eigenkapi­tal sowie die Offenlegung der einzelnen Bestandteile mehr Transparenz er­reicht werden, um einen Vertrauensverlust der Anleger und der Banken unte­reinander wie zur Finanzkrise in Zukunft zu vermeiden. Die hier gezeigte Übersicht der verschärften Anforderungen wird im Folgenden genauer erläu- tert.[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht Eigenkapitalvorschriften.

Quelle: Bundesministerium der Finanzen 2010b.

2.2.2.1 Struktur des Eigenkapitals

Die einzelnen Komponenten des Eigenkapitals folgen unterschiedlichen Zie­len: Während das Kernkapital (engl.: „Tier 1“) dazu dienen soll, laufende Ver­luste abzufangen („Going concern“), besteht das Ergänzungskapital (Tier 2) zu dem Zweck, im Insolvenzfall die Gläubigerinteressen zu schützen („Gone concern“). Das Kernkapital ist nochmals unterteilt in „hartes Kernkapital“ (Tier 1a), dessen Höhe von bisher 2% auf 4,5% steigen soll und „weiches Kernka­pital“ (Tier 1b), dessen Anteil von 2% auf 1,5% sinken soll. Hartes Kernkapi­tal sind vor allem das Stammkapital (bzw. äquivalente Kapitalformen bei Nicht-Aktiengesellschaften) sowie offene Rücklagen und Gewinnvorträge. Es gelten damit nur solche Mittel als Kernkapital, die den Banken ohne Be­schränkungen für den Ausgleich von Verlusten zur Verfügung stehen. Wei­ches Eigenkapital sind dagegen etwa die vor allem bei deutschen Instituten weit verbreiteten stillen Reserven.

Das Ergänzungskapital soll nach Basel III statt 4% künftig nur noch 2% be­tragen und muss - wie das harte und das weiche Kernkapital - eine Reihe von Kriterien erfüllen. Möglich sind beispielsweise längerfristige nachrangige Verbindlichkeiten. Insgesamt muss das in dieser Weise zusammengesetzte

Eigenkapital zu jeder Zeit mindestens 8% der Risikopositionen (d. h. der risi­kobewerteten Aktiva) betragen.[7]

2.2.2.2 Kapitalerhaltungspuffer

Ab 2016 bis spätestens 2019 muss das harte Kernkapital zusätzlich um ei­nen „Kapitalerhaltungspuffer“ in Höhe von 2,5% ergänzt werden, der in kon­junkturell günstigen Phasen gebildet wird und im Krisenfall eine schnelle Auf­zehrung des Kapitals verhindern soll. Um den Puffer nach Verbrauch wieder aufzubauen, sollen laut dem Basler Ausschuss beispielsweise Dividenden und Boni gekürzt, Aktienrückkäufe verringert oder frisches Kapital im Privat­sektor aufgenommen werden.[8]

2.2.2.3 Antizyklischer Kapitalpuffer

Der antizyklische Kapitalpuffer soll ebenfalls in konjunkturellen Hochphasen gebildet und im Falle eines Abschwungs als Kapitalpolster zur Verfügung stehen. Damit sollen prozyklische Dynamiken abgemildert werden, da die Kreditvergabe in wirtschaftlich starken Zeiten durch die Bindung von Kapital in Puffern beschränkt wird, in wirtschaftlich schwächeren Perioden dagegen durch die Ausschüttung der aufgebauten Gelder nicht zu sehr absinken soll. Der Kapitalerhaltungspuffer beträgt 0-2,5% wobei die aktuelle Höhe jeweils von den nationalen Aufsichtsbehörden festgelegt wird.[9]

2.2.2.4 Kontrahentenausfallrisiko

Das Kontrahentenausfallrisiko oder „counterparty credit risk“ bezeichnet das Risiko, dass ein Kontrahent vor der finalen Abwicklung einer Transaktion ausfällt und seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Je komplexer das Finanzprodukt, desto schwieriger und damit potenziell fehlerbehafteter ist die Einschätzung dieses Risikos. Basel III sieht deshalb verschärfte Ei­genkapitalforderungen vor, um das Kontrahentenausfallrisiko vor allem im Bezug auf Derivate sowie Pensionsgeschäfte und Wertpapierfinanzierungs­geschäfte zu decken. Die Berechnung der Kapitalforderungen soll zukünftig unter der Anwendung von Stressszenarien erfolgen, zudem sollen die bank­internen Überprüfungen der Risiken höheren Standards genügen und trans­parenter werden, die Abhängigkeit von externen Ratings soll vermindert und der interne Ratingprozess gestärkt werden. Für die Abwicklung von außer­börslichen Derivaten über zentrale Gegenparteien (Central Counterparties, CCPs) werden finanzielle Anreize in Form von verminderten Eigenkapitalfor­derungen gesetzt.

Das implizite Ziel dieser Maßnahmen ist eine Einschränkung des Handels mit komplexen Finanzinstrumenten.[10]

2.2.2.5 Höchstverschuldungsquote (Leverage Ratio)

Um exzessive Verschuldungen und damit einen in Krisen notwendig werden­den massiven verlustbehafteten Schuldenabbau zu vermeiden, soll eine ma­ximale Verschuldungsquote in Relation zum Kernkapital festgelegt werden. Vorerst wird eine Leverage Ratio von 3% in Bezug auf das gesamte Tier 1- Kapital getestet. Dies bedeutet, dass die Summe der Aktiva höchstens das 33.3 fache des gesamten Kernkapitals betragen darf. Die Aktiva sind dabei im Unterscheid zu den Eigenkapitalanforderungen nicht gewichtet, um eine größere Transparenz des Verschuldungsgrades eines Institutes zu erreichen und die Folgen von Risikofehleinschätzungen zu verringern.[11]

2.2.3 Liquiditätsvorschriften

Die Liquidität der Banken soll durch die global einheitliche Festlegung von zwei zentralen Kennzahlen gesichert werden: Die „Liquidity Coverage Ratio“ bemisst das Verhältnis von jederzeit und kurzfristig zur Verfügung stehenden Mitteln zu den vermuteten Nettoabflüssen, die in einem akuten, 30-tägigem Stressszenario ausgeglichen werden müssen. Es soll mindestens 100% be­tragen. Die Stressszenarien basieren dabei auf Entwicklungen, wie sie wäh­rend der Finanzkrise aufgetreten sind, wie beispielsweise Ratingabstufun­gen, Abzug von Kundeneinzahlungen etc.

[...]


[1] Wirtschaftswoche 2007.

[2] Frankfurter Allgemeine Zeitung 2010.

[3] Vgl. Bundesministerium der Finanzen 2010a.

[4] Vgl. Europäische Zentralbank 2010.

[5] Vgl. Basel Committee on Banking Supervision 2011, S. 1f.

[6] Vgl. ebd., S. 2ff.

[7] Vgl. Basel Committee on Banking Supervision 2011, S. 12ff.

[8] Vgl. ebd., S. 54ff.

[9] Vgl. ebd., S. 57ff.

[10] Vgl. Basel Committee on Banking Supervision 2011, S. 3 f.

[11] Vgl. ebd., S. 61 ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656023364
ISBN (Buch)
9783656023074
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179724
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Basel III Kritik Einwände Balser Abkommen Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Konsequenzen

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Titel: Konsequenzen aus Basel III