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Elsaß - Lothringens Wiedereingliederung in den französischen Staat nach dem 1. Weltkrieg

Seminararbeit 2010 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Elsaß- Lothringen als politische Streitfrage
2.1.) Elsaß- Lothringen vor der Annexion durch das Deutsche Reich
2.2.) Das Reichsland von 1871 bis
2.2.1.) Nationalität
2.2.2.) Sprache

3.) Der Übergang der staatlichen Souveränität an Frankreich im November
3.1.) Der Untergang der kaiserlichen Regierung
3.2.) Wiedereingliederung in den französischen Staat

4.) Reaktionen der Bevölkerung

5.) Zusammenfassung und Ausblick

6.) Bibliografie
6.1.) Literatur
6.2.) Quellen

7.) Abkürzungsverzeichnis

8.) Anhang
8.1.) Sprachenverteilung in Elsaß- Lothringen in absoluten Zahlen
8.2.) Anlage zum 5. Abschnitt des Versailler Vertrages

1.) Einleitung

Elsaß-Lothringen, zwischen Frankreich und Deutschland gelegen, war in der Geschichte der beiden Großmächte ein immer währendes Streitpotential und wurde selbst immer wieder erneut Opfer dieses erbitterten Streites um diese beiden Regionen.[1] Ein ständiger Wechsel der Regierungen und den dazugehörigen regierungsbestimmten Mustern stellte Elsaß- Lothringen immer wieder erneut auf eine Bewährungsprobe.

In der vorliegenden Hausarbeit richtet sich das Hauptaugenmerk besonders auf den Übergang Elsaß- Lothringens am 11. November 1918[2] nach über 47 Jahren der Annexion durch das Deutsche Reich. Die ständige Veränderung der nationalen Zugehörigkeit wirft eine Reihe von Fragen auf. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten die Elsäßer und die Lothringer eine Verbundenheit zum deutschen Staat, ebenso zur deutschen Wirtschaft und Kultur und entfernten sich somit immer mehr von den Franzosen.

Wie gestaltete sich die Zusammensetzung der Bevölkerung zur Reichslandzeit? Gab es extreme kulturelle und soziale Unterschiede, welche Einfluss auf die Rückführung zu Frankreich nehmen konnten? Wie wurde mit der Integration der „getrennten Brüder“ umgegangen und wie verhielt sich die französische Regierung? Wie reagierte die elsaß- lothringische Bevölkerung auf diesen extremen Umschwung in ihrer Landesgeschichte?

Die deutsche Geschichtsschreibung hat diese Probleme, die Elsaß- Lothringen betreffen, bis heute weitestgehend ausgeklammert. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg bis 1945 sind einige Werke entstanden, welche aber vor allem auf die völkische Zugehörigkeit Elsaß- Lothringens zum Reich argumentieren und somit einen eher nationalsozialistischen Hintergrund besitzen.[3] Auch nach der Zeit des zweiten Weltkrieges tendierte die Geschichtsforschung weitestgehend zu Untersuchungen der Jahre zwischen den Kriegen um Elsaß- Lothringen, in Verbindung mit dem Versailler Vertrag, als Kriegsursache untersuchen zu können. Die fast ein halbes Jahrhundert andauernde Reichslandzeit wurde links liegen gelassen. Dieses Phänomen ist bis heute zu beobachten. Eine weitreichendere Bearbeitung des Themas steht in der deutschen Geschichtswissenschaft noch aus.

Der erste Teil der vorliegenden Hausarbeit beschäftigt sich mit der Reichslandzeit Elsaß- Lothringens. Zunächst wird es wichtig sein zu sehen, wie sich die Region Elsaß- Lothringen zur Zeit entwickelte, als es dem Deutschen Reich angegliedert war, um so in Erfahrung bringen zu können, in wie fern sich die internen Entwicklungen der Region vollzog. Die Gestaltung von Integration und der Umgang mit Nationalitäts- und Sprachproblemen nehmen eine zentrale Rolle ein.

Im anschließenden Themengebiet wird erläutert, wie sich der Prozess der Reannexion durch Frankreich nach dem Ende des ersten Weltkrieges vollzog und wie der französische Staat versuchte, die „getrennten Brüder“, welche sich kulturell und sozial in eine entgegengesetzt Richtung entwickelt hatten, zu integrieren. Außerdem soll näher beleuchtet werden, wie die Bevölkerung auf diesen enormen Umschwung reagierte.

2.) Elsaß- Lothringen als politische Streitfrage

2.1.) Elsaß- Lothringen vor der Annexion durch das deutsche Reich

Elsaß und Lothringen sind als völlig unterschiedliche Regionen zu betrachten. Die einzige Gemeinsamkeit, die beide verband, war, dass beide im Mittelalter Bestandteile des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren. Durch die Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges und durch die Neuordnung des Reiches durch den Westfälischen Frieden sind beide Provinzen von Frankreich annektiert worden.[4]

Die Verbindung mit Deutschland riss aber dennoch nicht ganz ab. Vor allem einige Bistümer waren weiterhin mit dem elsaß- lothringischen Raum verbunden.

Im preußisch- französischen Krieg 1870 / 71, dessen Auslöser der spanische Thronfolgekonflikt war,[5] lag es Frankreich vor allem daran, die deutsche Einigung zu verhindern. Doch der militärische Zusammenbruch des napoleonischen Kaiserreichs vollzog sich in kürzester Zeit. Am 10. Mai 1871 erfolgte die Unterzeichnung des Friedensvertrages in Frankfurt. Frankreich musste die Gebiete Elsaß und Lothringen an das neu gegründete Deutsche Reich abtreten und beide wurden integraler Bestandteil des Deutschen Reiches.[6]

2.2.) Das Reichsland von 1871 bis 1918

Nach dem Übergang Elsaß- Lothringens an das Deutsche Reich durch den Frankfurter Friedensvertrag war es von Nöten, das zurückgewonnene Land und ihre Bewohner einzugliedern und in ihnen ein deutsches Nationalgefühl zu wecken. Doch dies war kein einfaches Unterfangen, da sich die Bevölkerung des neuen Reichslandes in den gut zweihundert Jahren französischer Herrschaft Frankreich mehr verbunden fühlte. Auch bestand ein gewaltiges Problem darin, dass die elsäßische und die lothringische Bevölkerung nichts mehr miteinander gemeinsam hatten, als dass sie beide einmal Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewesen waren. So formulierte es auch Kapp:

„[Es] muß […] gesagt werden, daß es ein elsaß- lothringisches Volk nicht gibt; es gibt Elsäßer und Lothringer; beide stehen einander recht fern, beide sind unter verschiedenem Himmel, in verschiedenem Klima gewachsen und haben wenig Berührungspunkte miteinander. Der Elsäßer […] ist von Haus aus lebendigen, beweglichen, betriebsamen Geistes, mit starker Neigung zur Opposition, Kritik und wenig Sinn für Autorität, um so mehr aufgeschlossen dagegen für demokratische Schlagworte und radikale Programme; der Lothringer auf der […] siedlungsärmeren lothringischen Hochebene, […] ist in seiner Natur viel ruhiger, zurückhaltender, vorsichtiger, der Unterordnung, der Loyalitätsfindung geneigter, konservativ in seinen Wurzeln.“[7]

Nach der Annexion wurden die Gebiete in drei Bezirke, Lothringen, Oberelsaß und Unterelsaß eingeteilt.[8] Aber auch die unterschiedlichen Nationalitäten und Sprachen stellten für beide Regionen im Laufe ihrer Geschichte immer wieder deutliche Probleme dar.

2.2.1.) Nationalität

Der größte Bevölkerungsumschwung im Reichsland wurde durch den Zuzug von Einwanderern aus den übrigen deutschen Ländern herbeigeführt. Diese als Altdeutsche bezeichnete Bevölkerungsgruppe wurde 1885 erstmals statistisch ermittelt und stellten mit knapp 5% einen geringen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung dar. Bei einer letzten Volkszählung 1910 entsprach die Zahl der Altdeutschen 15,8%.[9] Diese Bevölkerungsgruppe bildete im Reichsland den Großteil der Beamtenlandschaft. Höhere und leitende Funktionen in Ministerien, Bezirkspräsidien, Kreisdirektionen und größeren Städten wurden fast ausschließlich von Altdeutschen betrieben.[10]

2.2.2.) Sprache

Bei der Mehrzahl der Bevölkerung aller drei Gebiete war die deutsche Sprache vorherrschend, wobei sie sich dadurch unterschieden, dass in Lothringen vorranging ein moselfränkischer, im Elsaß dagegen ein mehrheitlich alemannischer Dialekt gesprochen wurde. Die französisch sprechende Bevölkerung machte in Elsaß- Lothringen 10,9% der Gesamtbevölkerung aus, wobei der größte Teil dieser Bevölkerungsgruppe in Lothringen ansässig war.[11] Die deutsche Verwaltung versuchte schon nach der Annexion in Elsaß- Lothringen gegenüber der französischsprachigen Minderheit Rücksicht zu gewährleisten. 1871 waren 420 Gemeinden vom Gebrauch der deutschen Amtssprache befreit worden.[12] Französische Ortsnamen wurden bis 1915 in frankophonen Gebieten beibehalten.[13] Während des ersten Weltkrieges wurden diese jedoch germanisiert. Auch im Schulwesen kam es nicht zu einer Unterdrückung der französischen Sprache. Das Deutsche Reich bewies mit dem Umgang der französischen Sprache eine enorme Toleranzfähigkeit.

[...]


[1] 17. Jahrhundert: Elsaß und Lothringen wechselten zu Frankreich; 1871: Frankfurter Vertrag und Annexion durch das Deutsche Reich; 1918: Reannexion Frankreichs; 1940: Besetzung durch deutsche Streitkräfte im 2. Weltkrieg; 1945 Rückkehr zu Frankreich nach der Potzdamer Konferenz. Vgl. Hiery, Hermann: Reichstagswahlen im Reichsland. Ein Beitrag zur Landesgeschichte von Elsaß- Lothringen und zur Wahlgeschichte des Deutschen Reiches 1871- 1819. Düsseldorf 1986. S. 60.ff.

[2] Vgl. Roth, Franҫois: „Die Rückkehr Elsaß- Lothringens zu Frankreich.“ In: Krumeich, Gerd (Hrsg.): Versailles 1919. Ziele- Wirkungen- Wahrnehmung. Essen 2001. S. 126.

[3] Als Beispiel ist folgendes zu nennen: Meißner, Otto (Hrsg.): Elsaß und Lothringen. Deutsches Land. Berlin 1941.

[4] Vgl. Hiery, Reichstagswahlen im Reichsland, S. 60.

[5] Bismark sah im spanischen Thronfolgekonflikt eine weitere Möglichkeit, sein Ziel der Reichseinigung zu erreichen. Frankreich fühlte sich durch die Thronkandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern- Simaringen bedroht und hatte Angst vor einer Umzingelung. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg. Vgl. Preibusch, Sophie Charlotte: Verfassungsentwicklungen im Reichsland Elsaß- Lothringen 1871- 1918. Integration durch Verfassungsrecht?. Berlin 2006. S. 27.f.

[6] Vgl. ebd. S. 45.

[7] Kapp, W.: Ist Elsaß- Lothringen als autonomer Bundesstaat denkbar?. Berlin 1918. S. 3.

[8] Lothringen mit der Haupstadt Metz; Oberelsaß mit der Hauptstadt Colmar. Unterelsaß mit der Hauptstadt Straßburg. Vgl. Preibusch, Verfassungsentwicklung im Reichsland, S. 47.

[9] Vgl. Hiery, Reichstagswahlen im Reichsland, S. 51.

[10] Vgl. ebd. S. 52.

[11] Tabelle zur Sprachenverteilung im Anhang S. 17.

[12] Vgl. Hiery, Reichstagswahlen im Reichsland, S. 44.

[13] Teilweise wurden auch neu entstandene Stadtgebiete französische Namen gegeben. Vgl. ebd. S. 44.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656021391
ISBN (Buch)
9783656021759
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179663
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Schlagworte
1. Weltkrieg

Autor

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