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Homosexualität und Homophobie im Fußball

Seminararbeit 2010 19 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Homophobie und Homosexualität im Profifußball
2.1 Der Begriff Homophobie
2.2 Bekannte Fälle von homosexuellen Fußballern und deren Folgen

3.0 Analyse der relevanten Einflussfaktoren
3.1 Die Medien
3.2 Die Fans
3.3 Die Verbände
3.4 Die Vereine
3.5 Die Spieler

4.0 Fazit

5.0 Literaturverzeichnis

6.0 Quellenverzeichnis

7.0 Abbildungsverzeichnis

1.0 Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich mit der Homophobie und Homosexualität im Fußball. Dabei werden aus sportpsychologischer Sicht die jeweiligen Beteiligten genauer be­leuchtet und ihr Verhalten und Handeln bezüglich dieses sozialen Problemfalls im Fuß­ball analysiert.

Aufgrund des Freitods von Robert Enke, ist ganz Fußballdeutschland zum Nachdenken angehalten. Jörg Schmadtke, Sportdirektor von Hannover 96, sagte, dass Robert uns mit dieser Tat eine Aufgabe hinterlassen hat. Auch Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, wolle nun präventiv arbeiten, um die Krankheit Depression gesellschaftsfähig zu machen und anderen Erkrankten den Mut zu geben, offen über ihre Probleme zu reden, ohne jegliche Angst vor Konsequenzen zu haben.

Im Zusammenhang mit diesem Fall, geriet auch die Homosexualität im Fußball in den Fokus. Auch hier ist die Zahl von Outings im Verhältnis zur Zahl der Profifußballer weltweit sehr gering. Ein Bekenntnis zur Homosexualität, könnte wie auch bei einem Bekenntnis zur Krankheit Depression schwere berufliche, wie auch private Folgen für den betroffenen Spieler haben. Beide Fälle sind in der Fußballbranche unangesehen und gelten somit als Tabuthemen. Dabei liegt es auf der Hand, dass es in der Bundesliga einige homosexuelle Spieler geben muss. Schätzungen zufolge, sind zehn bis 15 Pro­zent aller deutschen Männer homosexuell und im deutschen Profifußball soll durch­schnittlich ein Homosexueller in jeder Mannschaft spielen.[1]

Das Augenmerk dieser Arbeit liegt auf dem Umgang des Umfeldes eines Profifußbal­lers mit dem Thema Homosexualität. Dabei werden die Spieler selbst, der Verein, die Medien und die Fans impliziert. Hier ist zu erkennen, wie die verschiedenen Gruppie­rungen mit diesem Thema umgehen und wie sie es behandeln. Außerdem werden auch bekannte Fälle von homosexuellen Profis und deren Folgen aufgeführt und beschrieben. Zunächst einmal wird allerdings der Begriff Homophobie geklärt und definiert, um den Einsteig in das Thema zu erleichtern und die darauf aufbauenden Themen zu verstehen und verknüpfen zu können.

2.0 Homophobie und Homosexualität im Profifußball

2.1 Der Begriff Homophobie

Homophobie (von gr. homo: gleich; phóbos: Angst, Phobie) bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit. Homophobie wird in den Sozialwissenschaf­ten zusammen mit Phänomenen wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Sexismus unter den Beg­riff gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gefasst.

Der US-amerikanische Psychotherapeut George Weinberg führte 1972 den Begriff Ho­mophobie ein.[2] Dieser Begriff ist mittlerweile weltweit in Wörterbüchern zu finden. Bereits 1982 definierte Dudens Fremdwörterbuch Homophobie als „krankhafte Angst und Abneigung gegen Homosexualität“.[3]

2.2 Bekannte Fälle von homosexuellen Profifußballern und deren Folgen

Im Frauenfußball ist es allgemein bekannt, dass es mehrere lesbische Spielerinnen in der Bundesliga gibt. Die Spielerinnen wissen, welche geschlechtlichen Vorlieben die anderen Spielerinnen haben. Spätestens bei der vereinsinternen Weihnachtsfeier, zeigen die Spielerinnen, ob sie einen Freund oder eine Freundin haben. Für die Fußballerinnen und Vereine ist das auch kein Problem. Dennoch ist auch im Frauenfußball die Angst vor einem öffentlichen Outing und dessen Konsequenzen riesig.[4] Im Profifußball der Männer ist die Homosexualität ein viel größeres Problem. Das Ou­ting eines Profis würde seine Karriere wahrscheinlich beenden und ihm ebenfalls große private Probleme einbringen.

Justin Fashanu (Abb.1) war der erste Fußballprofi, der sich outete. Er war einst engli­scher U 21-Nationalspieler und der erste farbige Spieler in England, der über eine Mil­lionen Pfund kostete. Sein damaliger Arbeitgeber Nottingham Forest kündigte ihn, als der Manager des Vereins herausfand, dass Fashanu Verbindungen in die lokale Schwu- lenszene hatte.[5] Dies beendete auch seine Karriere. Er bekam kein Bein mehr auf den Boden. 1990 bekannte sich Justin Fashanu zur Homosexualität. Anschließend zog er in die USA um, wo ihm ein 17-jähriger vorwarf, ihn sexuell missbraucht zu haben. Fasha- nu stritt dieses ab, geriet allerdings damit in den Fokus der britischen Medien, die ihn vorverurteilt hatten. Daraufhin erhängte er sich in seiner Garage und hinterließ einen

Abschiedsbrief, in dem er sich zu seiner Situation folgendermaßen äußerte:

Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart. Ich fühlte, dass ich kein faires Ver­fahren bekommen würde.[6]

Auch der große Pele hat sich in einem Playboy-Interview zu homosexuellen Neigungen bekannt:

Als ich 14 oder 15 war, hatte ich eine Reihe homosexueller Beziehungen. Außerdem hatte ich meine erste sexuelle Erfahrung mit einem Homosexuellen.[7]

Ein weiteres bekanntes Opfer des öffentlichen Drucks und der öffentlichen Aversion Schwulen gegenüber, ist Heinz Bonn (Abb. 2). In den siebziger Jahren war Bonn ein sehr talentierter Nachwuchsspieler des Hamburger Sportvereins, der aus Angst vor Kar­riereschäden seine Homosexualität geheim hielt und zum Alkoholiker wurde. 1991 wurde er von einem Strichjungen ermordet.[8]

Der brasilianische Fußballprofi Vampeta (Abb. 3), der bei namhaften Vereinen wie dem PSV Eindhoven oder Inter Mailand sein Geld verdiente, outete sich 2006 und erlitt seit­dem einen Karriereknick.[9]

Marcus Urban (Abb. 4) stand Anfang der 90er-Jahre beim Zweitligisten Rot-Weiss­Erfurt unter Vertrag und galt als großes Talent. Mit Anfang 20 beendete er allerdings seine Karriere aufgrund seiner Homosexualität. Damals gab er an, wegen einer schwe­ren Verletzung die Schuhe an den Nagel zu hängen. Heute ist er 36 Jahre alt und geht nun offensiv mit dem Thema um. Er stellte sich mehreren Interviews, um homosexuelle Spieler und Trainer dazu zu animieren sich zu outen. Er denkt, dass Akzeptanz und To­leranz im Fußball Schwulen gegenüber steigen würde, wenn sich die Sportler zu ihrer sexuellen Neigung bekennen würden. Das Versteckspiel hat Marcus Urban in die Enge getrieben, sodass er auf dem Platz besonders männlich wirken wollte und demzufolge besonders körperbetont spielte und viele Fouls beging, nur um nicht aufzufallen. Zudem gab er sich als Heterosexueller und redete am Tisch mit den Kollegen über Affären mit Frauen, die natürlich alle frei erfunden waren.[10]

3.0 Analyse der relevanten Einflussfaktoren

3.1 Die Medien

Die Medien sind vielleicht der Faktor, vor dem die homosexuellen Fußballer am meis­ten Angst haben. Sie haben die Aufgabe aufzuklären, zu bilden und eine Transparenz zu schaffen. Dementsprechend wäre ein öffentliches Coming-Out eines Fußballprofis, ge­fundenes Fressen für die Medienlandschaft. Der geoutete Profi könnte sich vor Inter­viewanfragen kaum retten und wäre wahrscheinlich Gesprächsthema Nummer eins im Medienwald. Die Journalisten würden unterschiedlich auf das Bekenntnis des Fußbal­lers reagieren. Einige würden es als äußerst mutig und positiv wahrnehmen, andere wiederum würden negative Schlagzeilen bringen und über den betroffenen Spieler her­ziehen. Der Profi steht ohnehin schon im Fokus der Öffentlichkeit, würde er sich dann auch noch zur Homosexualität bekennen, wäre es ganz vorbei mit der Ruhe. Dieser of­fensive und gewagte Weg, könnte von heute auf morgen alles verändern, beruflich wie auch privat. Justin Fashanu musste diese bittere Erkenntnis machen. Nach seinem Ou­ting und dem Vorwurf eines 17-jährigen, ihn sexuell missbraucht zu haben, verurteilte die englische Presse ihn, woraufhin er sich in seiner Garage erhängte.[11] Eine solche Re­aktion der Presselandschaft wie in England, wäre in Deutschland wohl nicht zu erwar­ten, da vor allem nach Robert Enkes Tod, die Journalisten sensibler mit solchen sozialen Brennpunkten umgehen müssen.

3.2 Die Fans

Die Fans verkörpern den zweiten großen Faktor, warum sich erst wenige homosexuelle Spieler geoutet haben. Unter Fans gilt die Homosexualität als Beleidigung. Oftmals hört man in den Stadien Ausdrücke wie: „scheiß Schwuchtel“ oder „schwule Sau“. Solche Beschimpfungen treiben den homosexuellen Profi nur noch mehr in die Enge und zei­gen ihm, dass ein Outing unvorstellbar ist und seine Karriere sehr problematisch gestal­ten würde. Fans sind einfach nicht kalkulierbar. Es ist nicht zu erahnen, wie ein Fan auf das Bekenntnis seines Idols oder eines Spielers der gegnerischen Mannschaft reagieren würde. Phillip Lahm macht in einem Interview deutlich, was das große Problem an ei­nem Outing ist:

Allein von der prozentualen Verteilung im ganzen Land muss es auch schwule Profifußballer geben.

Der Spieler, der sich jetzt outen würde, der geht jedes Wochenende vor zigtausend Zuschauern seinem Job nach. Ein Guido Westerwelle spielt nicht jedes Wochenende vor 60.000 Zuschauern Fuß­ball.[12]

Für Fans sind die Spieler moderne Krieger, die für ihren Verein aufs Schlachtfeld zie­hen und gewinnen müssen. Dabei sollten sie bestmöglich Durchsetzungskraft besitzen, zweikampfstark sein und keine Angst haben. In den Augen der Fans sind das alles Ei­genschaften, die ein Homosexueller nicht mitbringt.

Mittlerweile zeigen auch schwule Fanclubs Flagge und hängen Banner, die auf Homo­sexualität im Fußball anspielen, im Stadion auf. Der erste Fanclub, der sich zur gleich­geschlechtlichen Liebe bekannte, waren die Hertha-Junxx, ein Fanclub vom Bundesli­gisten Hertha BSC Berlin. Zugleich ist er auch der erste homosexuelle Fanclub, gegrün­det im Jahre 2001, in Deutschland überhaupt. Am 21. Oktober 2006 befestigten die Verantwortlichen des Fanclubs zum ersten Mal einen Banner an der Ballustrade des eigenen Berliner Olympiastadions, mit der Aufschrift: „Fußball ist alles - auch schwul“ (Abb. 5). Das Banner wurde von den anderen Berliner Fans sehr gut aufgenommen, sodass es seitdem bei jedem Heimspiel an Ort und Stelle hängt. Eines der Ziele des Fanclubs ist es, die Spieler zu einem Outing zu bewegen:

Die Spieler müssen das Gefühl haben, dass die Fans hinter ihnen stehen.[13]

Jedoch ist die Homophobie in Deutschlands Stadien und Fußballgesellschaft noch zu präsent, um sagen zu können, dass ein Coming-Out relativ risikofrei wäre. Aus psycho­logischer Sicht bleibt den Spielern kaum eine andere Möglichkeit, als es zu verbergen oder die Karriere, aufgrund des Drucks und der daraus resultierenden psychischen Prob­leme, zu beenden.

3.3 Die Verbände

England gilt als Vorreiter der Bekämpfung von Homophobie im Fußball. Die Football Association (FA) ist der englische Ligaverband und hat im Jahre 2001 die Diskriminie­rung Homosexueller im Stadion verboten.[14] Befolgt einer diese Verbot nicht, äußert sich also schwulenfeindlich, wird er aus dem Stadion geworfen und muss mit einer Stadion­sperre rechnen.

[...]


[1] Vgl. Bogena, Kai Niels: Drei homosexuelle Profis sind mir bekannt, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.welt.de/sport/article1350213/Drei_homosexuelle_Profis_sind_mir_bekannt.html.

[2] Vgl. http://www.fremdwort.de/suche.php?term=Homophobie.

[3] Vgl. Fiedler, Peter: Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung, Basel 2004, S.74.

[4] Vgl. Steinbichler, Kathrin: „Ich muss mich nicht verstecken“, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.rund-magazin.de/home/news/f60cc084-f322-4413-88c3-6a0bda0a299c/.

[5] Vgl. Zier, Jan: Die Schwule Nebensache, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/die-schwule-nebensache/.

[6] Tönnihsen, Gereon: Beruf Versteckspieler, Westdeutsche Zeitung, 24. November 2009.

[7] Zier, Jan: Die Schwule Nebensache, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/die-schwule-nebensache/

[8] Vgl. Lück, Oliver und Schäfer, Rainer: Warten auf das Coming-Out, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,324932-3,00.html.

[9] Vgl. Tönnihsen, Gereon: Beruf Versteckspieler, Westdeutsche Zeitung, 24. November 2009.

[10] Vgl. Bogena, Kai Niels: Drei homosexuelle Profis sind mir bekannt, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.welt.de/sport/article1350213/Drei_homosexuelle_Profis_sind_mir_bekannt.html.

[11] Vgl. Tonnihsen, Gereon: Beruf Versteckspieler, Westdeutsche Zeitung, 24. November 2009.

[12] Zwanziger gegen Outings schwuler Profis, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.welt.de/sport/fussball/article5136643/Zwanziger-gegen-Outings-schwuler-Profis.html.

[13] Reimann, Katja: Fußball ist auch schwul, zuletzt abgerufen am 29.12.2009, unter: http://www.tagesspiegel.de/sport/Fankultur-Fussball-schwul;art272,2622661.

[14] Vgl. Ahrens, Peter: Wo ist der Wowereit?, zuletzt abgerufen am 31.12.2009, unter: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,510756,00.html.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656021421
ISBN (Buch)
9783656021780
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179659
Institution / Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien Köln
Note
2,0
Schlagworte
Homosexualität Homophobie Fußball Profisport Diskriminierung

Autor

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Titel: Homosexualität und Homophobie im Fußball