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Theorie und Konzept einer nichtrassistischen Bildungsarbeit

Über den DGB Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzept und Ziele des Bausteins

3. Baustein

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zunächst will ich die Hintergründe des Bausteins zur nichtrassistischen Bildungsarbeit etwas näher erläutern. Danach werde ich die Ziele und das Konzept darstellen, gefolgt von der detaillierten Beschreibung der einzelnen Themen und Teile des Bausteins. Am Schluss werde ich ein Resümee ziehen.

Hintergründe

Die AutorInnen des Bausteins sahen sich in ihren Seminaren und im Alltag immer mehr mit rassistischen, nationalistischen und sexistischen Vorurteilen konfrontiert.

Eine Studie der Friedrich Ebert Stiftung mit dem Titel: „Vom Rand zur Mitte“, macht dies deutlich:

Die erste Studie : 2006 befragten Wissenschaftler im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung 5000 Personen ab 14 Jahren zur ihrer rechtsextremen Einstellung. Das Ergebnis damals: jeder vierte Deutsche zeigt fremdenfeindliche Tendenzen.

Die zweite Studie: Für die aktuelle Befragung wurden 60 Personen mit deutschem Hintergrund interviewt, die sich 2006 besonders ausländerfeindlich geäußert hatten. Zu den Gruppeninterviews an bundesweit zwölf Orten kamen Personen mit unterschiedlicher sozialer Herkunft, Generationen und Berufstätigkeit zusammen.

Fazit: Fremdenfeindlichkeit wird immer salonfähiger. Mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit lassen Jung und Alt im Osten und im Westen ihrem rechtsextremen Gedankengut freien Lauf. Als politische Konsequenzen aus der Untersuchung fordern die Autoren der Studie eine weitere Demokratisierung von Institutionen, Schulen oder Betrieben und die Förderung der gesellschaftlichen Mitbestimmung. “ (http://www.fes.de/rechtsextremismus/pdf/Vom_Rand_zur_Mitte.pdf ( Zugriff am 06.01.2009)

Daraufhin wurde beschlossen ein Konzept zur nichtrassistischen Bildungsarbeit zu erarbeiten. Die AutorInnen des Bausteins sind sehr verschieden im Bezug auf Geschlecht, der sozialen Situation, Alter und innerdeutschen Herkunft. In Bezug auf Rassismus gehören sie zur Mehrheitsgesellschaft, was heißt, dass sie nicht rassistisch diskriminiert werden. In dieser Perspektive liegen auch die Grenzen des Materials, da farbige und migrantische TeamerInnen in ihren Workshops aufgrund ihrer Herkunft und Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung andrer Perspektiven bieten können.

In der Einleitung gehen sie zunächst auf die verschieden Formen und Ursachen antisemitischen und rassistischen Denkens und Handelns ein und erklären die gesellschaftlichen Zusammenhänge. „Rassismus und Antisemitismus sind nicht das Ergebnis von individuellen Vorurteilen, sondern vor allem von einer Realität der Ungleichheit, die unsere Gesellschaft schon lange wie selbstverständlich durchzieht“. (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.5, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Rassismus ist in unserer Gesellschaft stark verwurzelt, was zum Beispiel Sondergesetze für Ausländer oder der neue Einbürgerungstest deutlich machen. Aber auch im Alltagssprachgebrauch merken wir oft gar nicht mehr die Wurzeln verschiedener diffamierender Redewendungen, wie zum Beispiel: „Das ist doch getürkt“, oder, hier geht es ja zu wie in der Judenschule“. Dies sind nur einige Beispiele und ich werde es an anderer Stelle noch einmal aufgreifen.

2. Konzept und Ziele des Bausteins

Der Baustein ist für gewerkschaftliche und außerschulische Bildungsarbeit geeignet. Die AutorInnen wollen mit dem Baustein Hilfestellung beim Umgang mit rassistischen Äußerungen und Handlungen in der gewerkschaftlichen und politischen Bildungsarbeit geben. Er greift auch Probleme aus Seminaren auf und bietet inhaltliche und methodische Vorschläge für einen pädagogisch sinnvollen und gleichzeitig offensiven Umgang mit Rassismus (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S. 5 ff., DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Die VerfasserInnen wollen sich davon distanzieren, Rassismus als ein individualisiertes Problem an zu sehen, sondern die strukturellen Bedingungen der Gesellschaft, des Staates und der Ökonomie in Zusammenhang mit Rassismus stellen. Des weiteren fordern sie dazu auf Widersprüche in unserem eigenen Denken und Handeln zu erkennen und zu hinterfragen. Beispielsweise ob wir uns darüber aufregen wenn es in der Kantine für die ArbeitskollegInnen muslimischen Glaubens eine schweinefleischfreie „Extrawurst“ gibt, oder ob es uns nur stört das es zu wenig Auswahl gibt (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S. 6, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005). Die AutorInnen des Bausteins wollen uns dazu ermutigen, Widersprüchlichkeiten rassistischen Denkens und die gesellschaftlichen Gründe zu analysieren anstatt sie auf andre zu projezieren (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S. 6, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Die Inhalte des Bausteins beschäftigen sich mit den vielfältigen Facetten der rassistischen und antisemitischen Vorurteile und Denkens in unserer Gesellschaft. So wollen die AutorInnen zum Beispiel dazu anregen, darüber nach zu denken, was uns an Rassismus stört. Dadurch soll erreicht werden, dass sich nicht nur die Opfer von rassistischen Anfeindungen damit beschäftigen, sondern auch alle anderen TeilnehmerInnen eines Seminars. Sie setzen darauf, dass Rassismus gegen die Vorstellung von Gerechtigkeit aller TeilnehmerInnen verstößt. „Die meisten Menschen haben eigene Erfahrungen mit struktureller Benachteiligung, Entmündigung oder Ausgrenzung: sei es als Kind, als abhängig Beschäftigte, als Behinderter, als Frau etc. An diese Erfahrungen knüpfen wir an, um sich vorstellen zu können, wie Rassismus und Diskriminierung funktionieren - auch ohne so zu tun, als wären alle Unterdrückungserfahrungen gleich“ (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S. 7, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Es soll die Einsicht erreicht werden, dass Konflikte nicht gelöst werden können, wenn sie rassistisch interpretiert werden. So zum Beispiel die alltägliche Äußerung seitens Teilen der Bevölkerung Ausländer würden Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Die AutorInnen sind der Meinung, wer so etwas von sich gibt hat weder die Ursachen von Arbeitslosigkeit verstanden, noch kann er/sie Utopien und wirkungsvolle Handlungsmöglichkeiten für eine andere gesellschaftliche Arbeitsverteilung entwickeln (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S. 7, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

In ihrer Einführung gehen die AutorInnen auch auf den Nutzen antirassistischer und politischer Bildungsarbeit ein. In einem Beispiel, Anfang der Neunziger, wird verdeutlicht wie sinnvoll Antirassismus als Bildungsinvestition sein kann. In Eisenhüttenstadt überfielen 2 Mitarbeiter von Elxo Stahl aus rassistischen Motiven den Imbiss eines Mitbürgers mit Migrationshintergrund. Als dies im Unternehmen bekannt wurde, analysierten Geschäftsleitung und Betriebsrat die schädigende Außenwirkung auf den Konzern als „global player“. Die 2 Mitarbeiter wurden gekündigt und im Unternehmen wurden mittelfristige Projekte gegen Rechtsextremismus geschaffen (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S. 14 , DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005). Dies zeigt, das es auch für die Wirtschaft von Nutzen ist, wenn die MitarbeiterInnen eines Konzerns sensibilisiert sind für die Auswirkungen von Rassismus.

Ein weiteres Anliegen der VerfasserInnen des Bausteins ist die Synthese von antirassistischer und interkultureller Bildungsarbeit. Die AutorInnen sind der Auffassung, dass sich beide Ansätze ergänzen, da „die Begriffe interkulturell und antirassistisch [oft] gleichbedeutend benutzt [werden und außerdem viele] […] Methoden […] sich nur schwer genau einem Ansatz zuordnen“ (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.15, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005) lassen.

Zu der Einführung in den Baustein gehört auch der Umgang mit rassistischen, antisemitischen oder rechtsextremen Äußerungen. Allerdings wird hier auch betont, dass die Hinweise nur für „Normalgruppen“ und nicht für rechtsextreme Gruppen geeignet sind, da hierfür spezifischere Antworten nötig sind, die den Rahmen des Bausteins sprengen würde.

Die AutorInnen gehen davon aus, „dass rechte Denkmuster( Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, autoritäre Orientierung,...) in den Seminaren und Veranstaltungen mehr oder weniger stark, niemals jedoch ausschließlich vorhanden sind (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.21, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Zur Vorgehensweise geben sie verschiedene Tipps an, wie auf solche Äußerungen reagiert werden soll. Rassistische , antisemitische und andere chauvinistische Äußerungen sollten immer thematisiert und niemals ignoriert werden, um den den TeilnehmerInnen zu vermitteln, dass es sich hierbei keinesfalls um eine normale Denk oder Verhaltensweise handelt. Es kann auch sein, dass eine Person bei einer solchen Äußerung das erste Mal auf Widerstand stößt, was eine große Chance beinhaltet.

Des Weiteren sollte man , die Personen solche Äußerungen tätigen, auch immer die Chance geben diese zu überdenken und zurück zu nehmen, was nicht automatisch heißt, rassistische Äußerungen unmissverständlich zurück zu weisen. Bei solchen Situationen ist es auch immer gut, nochmal nach zu fragen, ob die betreffende Person dies wirklich ernst meint um hierdurch einen Denkprozess aus zu lösen. Man kann in Seminaren auch versuchen die Probleme die hinter solchen Äußerungen oftmals noch stecken, heraus zu arbeiten und zu diskutieren. Emotionale Reaktionen können helfen, dem Gegenüber klar zu machen, das einem das Thema ernst ist und er vielleicht seine Haltung überdenkt oder seine Äußerung zurück nimmt. Manchmal lassen sich rassistische Vorurteile auch durch Gegenargumente aus der Welt schaffen, allerdings benötigt man hierzu genügend Hintergrundwissen. Eine weitere Strategie, ist die Distanzierung von solchen Äußerungen, was am sinnvollsten ist bei Personen, die versuchen mit antisemitischen und rassistischen Positionen die Diskussion zu führen.

Die Ziele sind:

- Anregung utopischen Denkens
- kritisches Hinterfragen des gesellschaftlichen Denkens
- Wahrnehmung und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen und Identitäten statt „Gleichmacherei“, Menschen sollen sich als vielfältige Individuen wahrnehmen
- Sensibilisierung für die Auswirkungen und verschiedenen Formen des Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus

3. Baustein

Im Folgenden werde ich die einzelnen Teile des Bausteins vorstellen und dabei einige herausgreifen und vertiefen.

Der Teil B beschreibt den Zugang über verschiedene Seminarphasen.

Im Teil B.1 „Jetzt geht es los“ geht es um die Seminarphase des Kennenlernens. Die AutorInnen diese auch Orientierungsphase „Am Anfang des Seminars suchen alle Orientierung. Sie müssen sich in eine neue Situation einfinden und auf neue Leute einstellen. Das gilt auch für das Team. Seminarbeginn ist ein Übergang: ein Ablösungsprozess von Zu hause, von der Arbeit, von FreundInnen und Familie“ (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.29, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005). Am Anfang, wenn die TeilnehmerInnen ankommen, sollte das Team vor Ort sein, um für Gespräche und praktische Hinweise da zu sein. Anschließend gibt es die Möglichkeit, durch verschiedene Namens- und Kennenlernspiele, die Gruppe miteinander vertraut zu machen. Die einzeln Aktivitäten erklären sie in dem Teil B, wie zum Beispiel das PartnerInneninterview oder Welcome Diversity. Beim PartnerInneninterview sucht sich jede/r Teilnehmer/in eine/n Partner/in aus und stellt verschiedene Fragen. Dafür haben sie 15 Minuten Zeit. Die Antworten werden schließlich auf eine Art „Steckbrief“ festgehalten und an die Wände verteilt, wo sie das ganze Seminar über hängen. Ziel dieser Aktivität ist es, das die TeilnehmerInnen einer bis dahin unbekannten Person aktiv zuhören und sie wahrnehmen. Außerdem sollen sich die TeilnehmerInnen dadurch etwas besser kennenlernen.

Zur Anfangsphase des Seminars gehört es auch die Erwartungen der Gruppe zu berücksichtigen, da die TeilnehmerInnen und TeamerInnen eines Seminars selten die Möglichkeit haben sich über ihre Erwartungen aus zu tauschen. Das Team sollte deshalb zu Beginn eines Seminars den TeilnehmerInnen die Möglichkeit geben ihre Interessen und Erwartungen miteinander zu besprechen. Das AutorInnenteam schlägt hierbei zwei verschiedene Varianten vor: 1. Erwartungsbrief und 2. Kartenabfrage. Bei der Kartenabfrage unterhält man sich mit seinem Gegenüber was vom Seminar erwartet wird und stellt dies anschließend im Plenum vor. Ein weiterer Teil ist die Vereinbarung der Gruppe, wer sagt wo`s langgeht. Regeln sollten nicht vorgesetzt oder stillschweigend vorausgesetzt werden. Regeln müssen innerhalb einer Gruppe vereinbart werden. Das gemeinsame Vereinbaren von Regeln hilft bei der guten Zusammenarbeit und den Seminarablauf befriedigend zu gestalten.

Allerdings sollten die Vereinbarungen, die am Anfang eines Seminars getroffen wurden, jederzeit geprüft werden können, wenn sie sich für TeilnehmerInnen als nicht mehr sinnvoll erweisen. Hierzu gibt es im Baustein verschiedene Aktivitäten, um mit den TeilnehmerInnen die Vereinbarungen gemeinsam zu gestalten. Ein wichtiger Teil ist die Feedbackrunde, die sinnvoller Weise am Ende einer Seminareinheit stehen sollte. Hierbei kann man den Beteiligten die Gelegenheit geben, zu klären ob der Prozess noch für alle gut läuft, oder ob noch Redebedarf besteht bei bestimmten Themen. Ein weiterer Zugang zu Rassismus und Ausgrenzungsmechanismen ist das Kennenlernen des Tagunshauses und seiner Umgebung in der Aktivität „Rallye“. Dabei werden die TeilnehmerInnen in 4 Personen Gruppen aufgeteilt und erkunden die Stadt nach vorgegebenen Fragestellungen und Aufträgen, wie zum Beispiel:

- Wo finden binationale Paare Beratung?
- Findet heraus wo Muslime beerdigt werden
- Sucht einen Laden in dem man russische Lebensmittel kaufen kann
- Erfragt, ob es eine Synagoge und eine Moschee gibt und wie groß die Gemeinden sind
- Fragt PassantInnen, wo man das Beste Eis essen kann
- Sucht das Denkmal in der X- Straße. Woran erinnert es?
- Findet heraus, was die X- Organisation macht

Die AutorInnen schlagen hierzu vor etwa 5 Fragen zu erstellen und den Teams 2- 4 Stunden Zeit zu geben. Die Ergebnisse werden anschließend im Plenum vorgestellt. Das Ziel dieser Rallye ist, das die TeilnehmerInnen den Tagungsort mit Erkundungen zum Seminarthema und zum Thema Ein- und Ausgrenzung. Verbunden mit dem Thema Diskriminierung, kennen lernen. Aber auch, dass sie den Tagungsort aus ungewohnter Perspektive wahrnehmen. Diese Rallye nimmt allerdings viel Vorbereitungszeit für die TeamerInnen in Anspruch und erfordert örtliche Kenntnisse des Seminarortes (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.29 ff., DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Im Teil B.2 geht es um Erfahrungen [...] „In jeder individuellen Erfahrung sind deshalb Strukturen der Gesellschaft wieder zu finden. In den Erfahrungen drückt sich zugleich die eigene Position in der Gesellschaft aus: Es ist nicht egal, dass ich meine Erfahrungen als Hilfsarbeiter im Betrieb mache; Facharbeiter machen andere Erfahrungen. Es ist nicht unerheblich, ob ich eine rassistisch strukturierte Gesellschaft als Schwarze/r erlebe (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.41, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Durch den Austausch verschiedener Erfahrungen unter den TeilnehmerInnen über Macht und Ohnmacht, können Verbindungen zu Erfahrungen, die andere mit Rassismus machen geschaffen werden. Es soll versucht werden den Zusammenhang zwischen individuellen Erfahrungen und gesellschaftlichen Strukturen her zu stellen und in de darauf folgenden Analysephase vertieft werden. Die AutorInnen des Bausteins haben die Erfahrungserhebung in drei Schritte gegliedert:

1. Das Aufspüren der individuellen Erfahrungen und Perspektive;
2. Die Reflexion der eigenen Erfahrungen im gesellschaftlichen Kontext;
3. Einen auf verbale Kommunikation in der Gruppe orientierten ordnenden Austausch

Hierzu gibt es im Baustein zahlreiche Beispiele für Aktivitäten, wie die Erfahrung untereinander ausgetauscht werden kann und man sich in eine Rolle hinein versetzen kann, die man bisher nicht erlebt oder wahrgenommen hat. Es kann auch gefragt werden, was diese Erfahrungen für den Einzelnen bedeuten und in welchem gesellschaftlichen Kontext diese auftreten. An diese Erfahrung anknüpfend, kann man den Bezug zum Rassismus als gesellschaftliches Verhältnis und die Rolle die jeder dabei spielt herstellen.

Dafür eignen sich die Aktivitäten: „was bedeutet es ausgegrenzt zu sein? oder eine Diskussion über die symbolische Ausbürgerung zu führen. Dies hilft besonders Positionen einzunehmen, mit denen man sich noch nie beschäftigt hat, bzw. mit denen man noch keine Erfahrung gemacht hat. So zum Beispiel haben sich viele Menschen noch nicht mit der den Sichtweisen Schwerbehinderter beschäftigt oder viele christlich und islamisch Gläubige Menschen haben noch nie mit einem Menschen jüdischen Glaubens gesprochen und neigen daher zu Stereotypie. Die Erfahrungen, die bei den verschiedenen Aktivitäten gemacht werden, sollten innerhalb des Seminars reflektiert werden. (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.41 ff., DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Ein weiter Bezug zu Rassismus im Baustein beschäftigt sich mit dem Zugang über „Gesellschaft begreifen“(B.3). In diesem Teil geht es darum Strukturen einer Gesellschaft und die eigene Rolle in ihr zu begreifen, um Möglichkeiten zu entwickeln diese zu verändern.

Wenn die Verhältnisse den Menschen bilden,so hilft nichts, als die Verhältnisse menschlich zu bilden ( Ernst Bloch, aus, Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.51, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Die AutorInnen wollen den TeilnehmerInnen in diesem Teil aufzeigen wie Rassismus und Wirtschaft im Zusammenhang stehen und Antisemitismus bei verkürzter Kapitalismuskritik Vorschub geleistet wird. Beim Produktionsprozess geht es auch immer um die „Verwertbarkeit“ des Menschen im Wirtschaftssystem. „ Die einzelnen verinnerlichen selbst das Verwertungsprinzip. „Du musst so handeln, dass du Gewinn machst“, wird zu einer Lebensstrategie: Männer wissen, dass es ihnen nutzt, dass Frauen bestimmte Jobs nicht bekommen, Junge wissen, dass es ihnen nutzt, dass ältere KollegInnen der steigenden Arbeitsintensität schlechter gewachsen sind, Deutsche wissen, dass es ihnen nutzt, dass AusländerInnen nachrangig eine Arbeitserlaubnis erhalten“ (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.51, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005). Im Teil B3 befinden sich hierzu verschiedene Aktivitäten und Spiele um die TeilnehmerInnen des Seminars für die Unterdrückungsmechanismen im Produktionsprozess zu sensibilisieren.

Im Teil B 4 „Tu was!“, beschreiben die VerfasserInnen des Bausteins wie die SeminarteilnehmerInnen Strategien und Utopien entwickeln können, um Missstände und Situationen, beziehungsweise repressive Strukturen in Betrieben oder im Alltag zu beseitigen. „Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht; Sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ (Seneca, Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.83, DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005). Ohne Utopien zu entwickeln, lassen sich auch keine Handlungsstrategien entwerfen. Hierbei ist es auch wichtig Widerstände anzuerkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Hierzu gibt es wieder zahlreiche Aktivitäten und Spiele um die TeilnehmerInnen dazu zu animieren, Utopien und Handlungsgrundsätze zu entwickeln. Die AutorInnen wollen erreichen, dass sich die SeminarteilnehmerInnen damit beschäftigen, wie sie selber dazu beitragen können repressive Arbeitsbedingungen und Verwertungsprinzipien abzuschaffen.

Des Weiteren befinden sich im Teil B 4 auch Tipps und Handlungsideen, wie man selbst etwas gegen Rassismus im Alltag tun kann. So zum Beispiel Besuche von Gedenkstätten, Fußball-Fanitiativen gründen, Camps gegen Rassismus mit veranstalten, Netzwerke gegen Rassismus gründen, Quiz gegen Fremdenfeindlichkeit veranstalten, etc. (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.106 f., DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005).

Im Teil B 5 geht es um die Auswertung, beziehungsweise den Abschluss eines Seminars. Hier wollen die AutorInnen vor allem erreichen, dass die Inhalte und erarbeiteten Strategien auch in die Praxis umgesetzt werden können. Außerdem soll noch einmal darüber nachgedacht werden, was es dem Einzelnen gebracht hat, was man hätte besser machen können und was gut war. Die Abschlussphase zu planen ist für die TeamerInnen ein großer Aufwand und bedarf vielfältiger Überlegungen. Vor allem bei längeren Seminaren, sollte eine Phase eingebaut werden, in der die TeilnehmerInnen ihre Ergebnisse und Erkenntnisse untereinander austauschen können und versuchen zu erörtern, welche Bedeutung diese Erkenntnisse für ihren beruflichen, politischen und private Alltag haben. In dieser Phase kann auch besprochen werden, was für Schwierigkeiten sich in der Praxis nach dem Seminar ergeben könnten und wie damit umgegangen werden kann. Zu diesem Thema hat es im Teil B 5 einige Aktivitäten und Anregungen wie man spielerisch damit umgehen kann (Baustein zur nichtrassistischen Bildungsarbeit, S.109 f., DGB- Bildungswerk Thüringen e.V., Erfurt, 2.Auflage 2005)

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Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656020400
ISBN (Buch)
9783656020561
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179569
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,7
Schlagworte
theorie konzept bildungsarbeit über baustein

Autor

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