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Die Laizität und der Platz der Religion in der Schule und der Gesellschaft in Frankreich

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Laizismus in Frankreich

3. Religion in der Gesellschaft
Katholizismus
Islam
Protestantismus
Judentum
Buddhismus
Andere Glaubensgemeinschaften

4. Religion in der Schule
Privatschulen
Die Seelsorge in staatlichen Einrichtungen
Le loi sur les signes religieux dans les écoles publiques

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Laizismus ist eine Besonderheit des heutiges Frankreichs und verhilft ihm zu einer Sonderstellung in Europa. Frankreich ist eine katholische Nation und auch gleichzeitig eine Verfechterin des Laizismus. Doch der französische Staat verzeichnet mittlerweile den größten muslimischen Bevölkerungsanteil Europas, eine Tatsache, die das Land vor große Herausforderungen stellt. Doch nicht nur der Umgang mit anderen Religionen ist eine Herausforderung, sondern auch der Umgang mit der Eigenen. Es stellt sich beispielsweise die Frage nach der Stellung der Religion im Schulunterricht und nach dem Platz der Religion in der Gesellschaft. Heute beherrscht das Thema Religion auf unterschiedlichste Weise immer wieder den öffentlichen Raum. Der Staat garantiert zwar die Gewissensfreiheit und die freie Ausübung der Religion im Rahmen der öffentlichen Ordnung. Er bezahlt jedoch weder die Würdenträger, noch gewährt er finanzielle Subventionen. Die Religionen haben ihre eigenen Organisationen, die sie vertreten. Über 100 Jahre nach Inkrafttreten des Laizismus- Gesetzes von 1905 ist Frankreich eine multireligiöse und multikulturelle Gesellschaft geworden, die sich den Problemen mit dem Umgang der Religion stellen muss.

2. Laizismus in Frankreich

Das Adjektiv laïc steht seit dem 19. Jahrhundert für alles, was nicht katholisch ist und für jeden, der sich in diesem Sinne betätigt. Die Entwicklung des Wortes zeigt die grundlegenden Veränderungen der französischen Gesellschaft. Im „Dictionnaire“ von Littré von 1878 ist der Eintrag „laïcité“ noch nicht vorhanden, während es vier Jahre später im „Dictionnaire de pédagogie“ von Ferdinand Buisson schon als Neologismus erwähnt wird. ( “Ce mot est nouveau, et, quoique correctement formé, il n'est pas encore d'un usage général. Cependant le néologisme est nécessaire, aucun autre terme ne permettant d'exprimer sans périphrase la même idée dans son ampleur.”)[1] Ferdinand Buisson arbeitet in der Schweiz als Lehrer und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem liberalen Christentum hin. Er gründete die Union des liberalen Christentums und beantragte, dass der Unterricht in Kirchengeschichte aus dem Programm der Grundschulen entfernt und durch Unterricht in Geschichte der Menschheit ersetzt wird. Er war damit Vorläufer und auch Unterstützer von Jules Ferry.[2]

Die Entwicklung des Laizismus lässt sich in zwei Phasen unterteilen.

Die erste Phase fällt auf die Revolutions- und Kaiserzeit. Diese Phase stellt gleichzeitig den aktiven Prozess der Veränderung der Beziehung zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft dar. Erstes Kennzeichen dafür ist, dass die Kirche nicht mehr die gesamte Gesellschaft erreicht, da ihr der Staat Aufgaben wie Eheschließung oder universitäre Ausbildung entzogen hat. Weiterhin wird nun die Legitimität der Religion anerkannt. Der Staat sieht ein, dass die Menschen religiöse Bedürfnisse haben und dass es seine Aufgabe ist, deren Befriedigung zu ermöglichen, indem er beispielweise die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen bezahlt.

Die Charakteristika der ersten Phase der Laizisierung wirkten sich auf alle Konfessionen positiv aus, besonders allerdings für die katholische Kirche, denn sie verstand die Finanzierung des Klerus von Seiten des Staates als Wiedergutmachung für die Enteignungen während der Revolution, denn danach hat die Kirche darauf verzichtet, die beschlagnahmten Güter zurückzufordern.

Für das dritte Kennzeichen dieser Phase des Laizismus ist Napoleon Bonaparte verantwortlich. Diese Phase ist vor allem für die kleinen Konfessionen ein Sieg. Durch grundlegende Bestimmungen und die Durchsetzung der Dekrete bezüglich der Juden 1808, begründete er den religiösen Pluralismus und setzt sie Religionen sozusagen einem Wettbewerb aus, dem der Staat scheinbar gleichgültig gegenüberstand.

Die zweite Laizisierungsphase kann man mit dem Ausdruck „Privatisierung der Religion“[3] umschreiben. In den 1880er Jahren wurde eine Welle von laizistischen Gesetzen verabschiedet, besonders im Schulwesen, und der Höhepunkt folgte 1905 mit der Trennung von Kirche und Staat. Die Kirche hatte nicht mehr den Status einer strukturierenden Institution inne, diese Rolle hat die Schule oder die jeweilige Partei übernommen. Die Religion gehörte nun in den rein privaten Bereich. Das bedeutete einen Verlust für die Kirche, denn die religiösen Bedürfnisse des Volkes wurden nun nicht mehr länger gesellschaftlich anerkannt, sondern lediglich staatlich gewährleistet. Der Staat entzog der Kirche seine Unterstützung.

Mit den Schulgesetzen von 1833 und 1850 glaubte Frankreich die durch die religiösen Spaltungen entstandenen Probleme durch die Schaffung einer konfessionsgebundenen öffentlichen Schule lösen zu können. Jedoch bekam dieser Vorschlag bei den Minderheitsreligionen wenig Zuspruch. Ferry formulierte in diesem Zusammenhang in seinem Brief an den Lehrer den Satz:„Wenn es auch nur einen einzigen rechtschaffenen Menschen gibt, der verletzt sein könnte durch das, was sie sagen wollten, dann sollen sie es nicht sagen.“[4] Denn genau für diesen Menschen sei die Laizität erfunden worden.

Anfang der 1880er Jahre wurden öffentliche Gebete abgeschafft sowie christliche Symbole aus öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Kirchen und Gerichten entfernt. Auch das Personal musste fortan laizistisch sein. Der ehemalige Erziehungsminister Jules Ferry legte die Lehrinhalte in einem Gesetz fest, das im März 1882 verabschiedet wurde. Der Donnerstag (heute der Mittwoch) stand den Geistlichen der verschiedenen Konfessionen zur religiösen Ausbildung zur Verfügung. Diese konnten die Lehrer schließlich nicht mehr gewährleisten. Die Kirche protestierte natürlich dagegen. Sie klagte die „gottlose Schule“[5] an und kritisierte die Entchristlichung Frankreichs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Frankreich eine neue Tendenz im gesellschaftlichen Leben spürbar. Diese Tatsache hing vor allem mit der endgültigen Industrialisierung des Landes, sowie mit dem Wandel zu einer Konsumgesellschaft zusammen. Dieser Wandel vollzog sich unter anderem mit dem Gefühl der religiösen Zugehörigkeit. Die Menschen begannen immer mehr sich vom Glauben und der geistlichen Autorität zu lösen. Die Säkularisierung, die Verweltlichung, war in Frankreich im 20. Jahrhundert nicht mehr von der Hand zu weisen. Vor allem viele Jugendliche wandten sich immer mehr von der Kirche ab, aber auch insgesamt gesehen wurden die Kirchen immer leerer und immer weniger gläubige Menschen erschienen zum Gottesdienst.

Im heutigen Frankreich ist Laizismus zu einem politischen Ideal geworden, dessen Ziel die Neutralität des Staates gegenüber allen Religionen, deren Gleichbehandlung sowie die Glaubensfreiheit sind. Der Laizismus wird in Frankreich tatkräftig umgesetzt. Beispielsweise ist es in öffentlichen Schulen verboten, Lehrer oder Schüler nach ihrer Religionszugehörigkeit zu fragen, da in Frankreich die Religion eben als reine Privatsache aufgefasst wird. Deshalb ist es seit 2004 auch verboten in Schulen auffällige religiöse Zeichen, wie Schleier, Kippa, Kreuze oder Ordenstracht, zu tragen.

Interessant ist auch, dass zwar in ganz Frankreich das Gesetz von 1905 gilt, jedoch Elsass- Lothringen davon ausgenommen ist. Das liegt daran, dass Elsass- Lothringen 1905 noch zu Deutschland gehörte und somit hier noch das Konkordat von 1802 seine Gültigkeit besitzt.[6]

3. Religion in der Gesellschaft

Frankreich ist eine konfessionslose Republik, das heißt Staat und Kirche sind vollkommen getrennt voneinander. Es existieren jedoch trotzdem einige Religionen. Der Katholizismus als traditionelle Religion, aber auch der Protestantismus, der Islam, das Judentum und der Buddhismus verzeichnen unzählige Mitglieder.

Katholizismus

Der Katholizismus ist die wichtigste Religion in Frankreich. 2006 bekannten sich 65% der Bevölkerung dazu. 1987 waren es noch 75%.[7]

Seit ca. 20 Jahren haben die Religionsausübung und das Bekenntnis zum Glauben abgenommen. Das betrifft sowohl die Taufe und die Eheschließung, als auch die Existenz Gottes oder die Auferstehung von Jesus.

Beispielsweise gab es im Jahre 2005 271 600 standesamtliche Hochzeiten, davon wurden aber nur 89014 Paare auch noch katholisch getraut. 1990 waren es dagegen noch 147 146 katholische Hochzeiten im Jahr. Es lässt sich also ein rapider Abstieg beobachten.[8]

[...]


[1] http://www.inrp.fr/edition-electronique/lodel/dictionnaire-ferdinand-buisson/document.php?id=3003

[2] Vgl. http://www.museeprotestant.org/Pages/Notices.php?scatid=71&noticeid=371&lev=1&Lget=DE

[3] Cabanel, S.144

[4] Cabanel, S.145

[5] Cabanel, S.144

[6] Vgl. Cabanel, S.139-153

[7] Vgl. http://www.ifop.com/europe/analyses/Analysesurlecatholicism%20pourLaCroix-Ao%C3%BBt2006.pdf

[8] Vgl. http://www.eglise.catholique.fr/download/1-1792/statistiques-eglise-catholique-en-france-2008.pdf

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656017745
ISBN (Buch)
9783656017929
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179405
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Schlagworte
laizität platz religion schule gesellschaft frankreich

Autor

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