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Hermann Hesse, Yoga und „Siddharta“

Die Einflüsse indischer und chinesischer Philosophien auf Hesses Werk „Siddharta“ unter Berücksichtigung religiöser Element des Yoga

Hausarbeit 2009 22 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A: Darstellung des Themas und der Vorgehensweise in der anschließenden Arbeit
I. Biographische Angaben zu Hermann Hesse
1. Fremdkulturelle Einflüsse durch die Familie
2. Zusammenfassung des Lebenswegs von Hermann Hesse
3. Hesses Rolle als Autor
4. Hesse als Rezipient indischer Literatur
II. Zu Hesses Werk „Siddhartha“
1. Formal strukturelle Betrachtung
2. Entstehung des „Siddhartha“
3. Resonanz auf das Werk
4. Inhaltsbeschreibung
5. Betrachtung der verarbeiteten Elemente aus der indischen Kultur
6. Verarbeitung von Elementen aus der chinesischen Kultur (Taoismus)
7. Hesses Kritik am indischen Denkmodell
III. „Siddhartha“ und Yoga
1. Begriffserläuterung von „Yoga“
2. Verwendete Begriffe aus dem Bereich des Yoga
3. Beschreibung verschiedener Yoga-Arten im Werk
4. Parallelen zwischen Werk und „Radscha-/ Hatha-Yoga“
IV. Kohärenz zwischen „Siddhartha“ und „Hippie-Bewegung“
1. Begünstigende zeitliche Faktoren für die Rezeption von „Siddhartha“ während der
„Hippie-Bewegung“
2. Parallelen von „Hippie-Zeit“ und Romantik
3. Der „Hesse-Boom“ aufgrund der „Hippie-Bewegung“
4. Interpretationsfehler in Bezug auf Hesses „Siddhartha“

B: Schlussbetrachtung

A: Darstellung des Themas und der Vorgehensweise in der anschließenden Arbeit

Yoga, Hippies und Hermann Hesse. Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei um drei „Variablen“, die wenig Gemeinsames in sich bergen. In der folgenden Arbeit soll in diesem Zusammenhang auf die Fragestellung Bezug genommen werden, inwiefern diese drei scheinbar voneinander unabhängigen Themenbereiche miteinander in Verbindung stehen.

Dabei wird zunächst in Abschnitt I die Frage geklärt, wie Hermann Hesse durch die familiären Einflüsse mit der indischen Kultur in Berührung kam. Auch soll Hesses Lebenslauf als solcher, seine Rolle als Autor und seine Rezeption indischer Literatur näher beleuchtet werden. Des Weiteren erfolgt in Abschnitt II eine Betrachtung von Hesses Werk „Siddharta“ unter Berücksichtigung der Fragestellung, welche typischen Elemente in diesem Prosaroman aus der indischen Literatur und Philosophie zum Tragen kommen. Neben der Darstellung etwaiger Elemente indischer Kultur soll darüber hinaus kurz auf die im Werk verarbeiteten Aspekte chinesischer Philosophie eingegangen werden. In Abschnitt III erfolgt eine kurze Schilderung, mit welchen Faktoren des Yoga der Leser im Werk Hesses vertraut gemacht wird. Abschließend soll in Abschnitt IV untersucht werden, warum insbesondere Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre, Hermann Hesse zu einem der populärsten Schriftsteller unseres Jahrhunderts avancierte (vgl. Schneider, 1991, S.7) und zu „dem“ Autor für die Hippieszene in Amerika wurde.

I. Biographische Angaben zu Hermann Hesse

Zunächst soll an dieser Stelle ein kurzer Überblick über das Leben von Hermann Hesse erfolgen. Dabei gilt es als ersten Schritt seine familiären Verhältnisse zu beschreiben, um primär jene fremdkulturellen Einflüsse zu verdeutlichen, welche Hermann Hesse durch seine Familienangehörigen erhalten hat. In einem zweiten Schritt wird der Lebensweg von Hermann Hesse nachgezeichnet, um ein grundlegendes Verständnis von ihm als Dichter und Mensch zu erlangen. Auch sollen hier die Einflüsse aufgezeigt werden, welche nicht in erster Linie familiärer Natur sind, aber dennoch einen wesentlichen Anteil am Leben und Wirken Hesses hatten. Als dritter und vierter Teil dienen die Beschreibungen Hesses als Autor und als Rezipient indischer Literatur. Dadurch soll ein abschließender Überblick über die Biographie des Dichters erfolgen. Anhand der Darstellung seiner Rezeption indischer Literatur soll aufgezeigt werden, welches große Interesse und immenses Wissen Hesse in Bezug auf die indische Literatur und Kultur zu Eigen war. Vorweg sei erwähnt, dass im Wesentlichen jene biographischen Daten in Erwägung gezogen werden, welche für die die Arbeit von Bedeutung sind, da eine ausführliche Beschreibung aller Aspekte des Lebenslaufs Hesses den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.

1. Fremdkulturelle Einflüsse durch die Familie

Seine Mutter Marie Hesse, geb. Gundert, wurde 1842 in Talatscheri (Vorderindien) geboren, wo sie auch ihre Kindheit verbrachte (*1902, Calw) (vgl. Schneider, 1991, S.10). Danach lebte sie in Europa, bis sie mit 19 Jahren ihrem Ehemann, dem englischen Missionar Charles Isenberg, nach Karatschi folgte und dort als enthusiastische Missionsgehilfin diente (vgl. Chen, 1997, S.18). Vier Jahre nach dem Tod ihres ersten Gatten heiratete sie, zurück in Calw, Johannes Hesse, den Vater des Dichters. Dieser wurde 1847 in Weißenstein (Estland) geboren (*1916, Korntal) und war ab dem Jahr 1869 in Indien als Missionar tätig (vgl. Schneider, 1991, S.11). Neben seiner Missionarsarbeit studierte dieser in Indien die kanaresische Sprache, kehrte aber bald aufgrund einer Erkrankung nach Basel, seiner Heimatstadt, zurück. Hesses Vater war neben seinem Interesse für Indien und seiner christlich-pietistischen Einstellung auch „eine Liebe zu dem hohen Geist des ´Tao Te King´ sowie eine Ehrfurcht vor dem chinesischen Weisen Konfuzius und Lao Tse“ zu eigen (Chen, 1997, S.19). Dieser Umstand sollte bei Hermann Hesse zeitlebens einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Seinen Großvater väterlicherseits Dr. Carl H. Hesse (1802-1896) hat der Dichter nie kennengelernt. Anders verhält es sich mit seinem Großvater mütterlicherseits Dr. Hermann Gundert (1814-1893), der sich bereits zu Lebzeiten einen „Namen durch seine Missionsarbeit in Indien sowie als Sprachenforscher, Sanskrit, Indologe, Lexikograph und Übersetzer“ insbesondere in Kerala machte (zitiert in Schneider, 1991, S.12). Er wurde aufgrund Hesses angespannten Verhältnisses zu seinen Eltern zuweilen zur Bezugsperson des Dichters. Nebenbei sei erwähnt, dass seine Großmutter mütterlicherseits Julie Gundert, geb. Dubois, (1809-1885) ebenfalls als Missionarin in Indien tätig war.

Die Erwähnung der Familienverhältnisse scheint hierbei von besonderer Bedeutung, zumal daraus ersichtlich wird, welch starken Bezug die Familienangehörigen zu Indien gehabt haben. Hesse selbst schrieb hierzu: „Von frühester Kindheit an war ich von außen her mit indischem Wesen vertraut, mein Großvater, meine Mutter und mein Vater waren alle drei lange in Indien gewesen, sprachen indische Sprachen (…). In unserem Hause waren viele indische Sachen, Kleider, Gewebe, Bilder etc. Unbewusst sog ich viel Indisches ein.“ (zitiert in Michels, 1980, S.163). Man kann zusammenfassend festhalten, dass Hesse in einer Atmosphäre voll östlicher Geistlichkeit aufwuchs, die zum größten Teil vom Großvater geschaffen und gepflegt wurde (vgl. Chen, 1997, S.16).

2. Zusammenfassung des Lebenswegs von Hermann Hesse

Hermann Hesse selbst wurde am 2. Juli 1877 in Calw, einer kleinen Stadt im nördlichen Schwarzwald geboren. Er wuchs in Calw und Basel auf, besuchte ab 1888 das Gymnasium in Calw, bekam Privatstunden in Latein und Griechisch von seinem Vater und trat 1891 in das evangelisch-theologische Seminar der Klosterschule Maulbronn ein. Von dort floh Hesse im März 1892 - er wurde nach einem Tag von einem Jäger aufgefunden - weshalb ihn seine Eltern nach Bad Boll dem damaligen Pastor Christoph Blumenhardt übergaben (vgl. Schneider, 1991, S.19/20). Nach einem Nervenzusammenbruch und einem Selbstmordversuch wiesen seine Eltern den Fünfzehnjährigen in eine Nervenheilanstalt in Stetten ein (vgl. Walther, 2002, S. 25), was Hesse diesen nie verzieh. In den Jahren 1892-1893 absolvierte er das Canstatter Gymnasium, welches er vorzeitig mit der Obersekundareife verließ. Daraufhin unterstützte er seinen Vater in dessen Verlagsverein und studierte die umfangreiche Bibliothek seines Großvaters Hermann Gundert. Der junge Dichter fasste den Entschluss sich in „Freiheit“ auf seine literarische Laufbahn vorzubereiten, was allerdings von seinem Vater verweigert wurde (vgl. Schneider, 1991, S.20). Aus diesem Grund absolvierte Hesse im Oktober 1895 eine 3-jährige Buchhändlerlehre in Tübingen. 1904 ermöglichte ihm der Erfolg seines ersten Romans „Peter Camenzind“, seine Anstellung in einer Buchhandlung in Basel aufzugeben und als freier Schriftsteller zu arbeiten. Im gleichen Jahr heiratete er seine erste Frau Maria Bernoulli. Hesse verließ als erster freiwilliger Emigrant das militante Deutschland bereits 1912 und lebte seitdem mit seiner Frau und den drei Söhnen in Bern (vgl. Michels, 2002). Im Jahr 1916 geriet Hesse durch die Schizophrenie seiner Frau, die Erschütterungen des Ersten Weltkriegs, eine ernste Krankheit seines jüngsten Sohnes und den Tod seines Vaters in eine psychische Krise, die er durch die Hilfe von C. G. Jung und dessen Psychotherapie überwand (vgl. Walther, 2002, S.89). Diese Zeit leitet Hesses zweite Schaffensperiode ein (1917-1931), die auch als „Weg nach Innen“ bezeichnet wird und in der sein „Siddhartha“ entstand (Cheong, 1991, S.11). Von 1919 an lebte er in Montagnola im Tessin. Nachdem er sich von seiner, in einer Heilanstalt lebenden Frau hatte scheiden lassen (1923), heiratete er 1924 Ruth Wenger. Vier Jahre nach seiner Scheidung von seiner zweiten Ehefrau, vermählte sich Hesse mit der Kunsthistorikerin Ninon Dolbin im Jahre 1931.

Im Jahre 1946 wurde Hesse in Stockholm mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Den Ausschlag dafür gaben die schwedischen Beurteiler, welche vor allem in Hesses Werken neueren Datums das „Vollkommenste, was in der deutschen Sprache unserer Tage geschaffen worden war“ (zitiert aus Strömberg, 2004) sahen. Sechzehn Jahre nach seiner Auszeichnung verstarb Hermann Hesse am 9. August 1962 in Montagnola im hohen Alter von 85 Jahren. Hinsichtlich seiner Biographie lässt sich festhalten, dass Hesse zeitlebens durch innere und äußere Lebens- und Berufskrisen gebeutelt und außerstande war sich bürgerlichen Existenzformen dauerhaft anzupassen und ein „normales“ Leben zu führen. Dies wohl nicht zuletzt aufgrund der strengen christlich-pietistischen Erziehung, die er während seiner Kindheit und Jugendzeit in seinem Elternhaus genoss (vgl. Walther, 2002, S.19).

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Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656016854
ISBN (Buch)
9783656017202
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179350
Note
1,3
Schlagworte
hermann hesse yoga siddharta einflüsse philosophien hesses werk berücksichtigung element

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Titel: Hermann Hesse, Yoga und „Siddharta“