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Alexander in Baktrien

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Motivforschung: Gründe für die Eroberung Baktriens

2. Die militärische Eroberung Baktriens

3. Makedonische Oppositionen gegen Alexander

Fazit

Einleitung

Der Feldzug Alexander des Großen und die Eroberung des Perserreiches ist eines der populärsten Kapitel der Antike. Die Legende vom Gordischen Knoten, die Schlachten von Issos und Gaugamela oder die Massenhochzeit von Susa sind bekannte Episoden hieraus. Weitgehend unbekannt hingegen ist Alexanders Zug nach Baktrien, dem heutigen Afghanistan.1

Dabei stellen sich gerade bei diesem Teil des Alexanderzuges, der den Zeitraum von 329-327 v. Chr. umfasst, interessante Fragen, mit deren Antworten man auch auf Alexanders Charakter schließen kann. Was trieb ihn dazu an, in diese unwirtliche Gegend an der Peripherie des Perserreiches vorzustoßen? Wie gelang es ihm letztendlich, das Gebiet um den Hindukusch zu erobern? Welche Gründe führten zu seiner Hochzeit mit Rhoxane? Und hat die Zeit in Baktrien Alexanders Verhalten bzw. seine Vorstellung der Machtausübung nachhaltig beeinflusst?

Diesen Fragen möchte ich in meiner vorliegenden Arbeit nachgehen. Dabei widme ich mich zuerst der Motivforschung und erläutere, warum Alexander nach der Eroberung der Persis seinen Feldzug überhaupt fortsetzte. Anschließend berichte ich, wie er diese Eroberung militärisch bewerkstelligte und mit welchen Problemen Alexander dabei konfrontiert wurde. Ich verzichte auf eine akribische Darstellung der jeweiligen Scharmützel, sondern gebe einen allgemeinen, chronologischen Überblick. Weiterhin gehe ich kurz auf die Ehe zu Rhoxane ein. Als letzten Punkt beschäftige ich mich mit der Opposition einiger Makedonen zu Alexander und versuche Antworten auf die Frage zu finden, was der Auslöser für die Mordkomplotte gewesen sein könnte.

Als Quellen nutzte ich zum großen Teil die Werke Arrians und Curtius Rufus sowie Plutarchs Charakterstudie Alexanders. Sie schrieben ihre Werke zwar lange nach Alexanders Tod2 und vertraten mitunter eine einseitige Sicht der Ereignisse, sind aber mit einer gewissen Distanz betrachtet dennoch sehr wertvolle Zeugnisse. Bei der Sekundärliteratur zog ich für meine Arbeit hauptsächlich die Alexander-Biografie des Engländers Nicholas Hammond heran.

1. Motivforschung: Gründe für die Eroberung Baktriens

Baktrien, sowie die nördlich anschließende Landschaft Sogdien, bildeten die nordöstlichen Satrapien des Perserreiches. Lange Zeit war Baktrien ein selbstständiges Reich, ehe es von den Assyrern, dann von den Medern und schließlich von den Persern erobert und in deren jeweilige Reiche eingegliedert wurde.3 Die Landschaft Baktriens war vielseitig: fruchtbares Land wechselte sich ab mit weiten Sandwüsten und hohen Gebirgskämmen, die vier bis fünf Monate im Jahr vom Schnee bedeckt waren4 und für ein Heer nur unter hohen Verlusten zu überwinden waren.5 Was mag Alexander dazu bewogen haben, dieses insgesamt eher unwirtlich erscheinende Gebiet unter seine Kontrolle zu bringen?

Mit dem Einzug in Ektabana, der letzten der drei persischen Hauptstädte, war das eigentliche Ziel des Krieges, nämlich die Rache an den Persern für die vorherigen Kriege und die Befreiung der griechischen Städte in Kleinasien, erreicht. Tatsächlich erklärte Alexander den Krieg des Korinthischen Bundes gegen Persien für beendet und entließ die griechischen Soldaten.6 Alexander hätte sich mit dem, was er bis zum Jahre 330 erobert hatte, zufrieden geben können. Dass er dennoch weiterzog, hatte viele Gründe.

Eine wichtige Voraussetzung hierfür war die für ihn günstige machtpolitische Lage, sowohl in der makedonisch-griechischen Heimat, als auch in den eroberten Gebieten. Im Juli 330 erreichte Alexander die Nachricht, dass das aufsässige Sparta von Antipatros, Alexanders General in der Heimat, besiegt wurde und somit auch die makedonische Autorität des Korinthischen Bundes wieder hergestellt war. Des Weiteren war die makedonische Seeherrschaft im östlichen Mittelmeer sowie im Schwarzen Meer gesichert. Dank Alexanders kluger Politik der Zusammenarbeit mit der herrschenden Klasse waren Aufstände weder in Ägypten, noch im westlichen Asien zu befürchten. Die eroberten Gebiete waren befriedet und seine Herrschaft war stabil genug, so dass er sich neuen militärischen Abenteuern zuzuwenden konnte. Dies brachte darüber hinaus den Vorteil mit sich, dass seine makedonischen Truppen weiterhin beschäftigt wurden.7

Auch Alexanders militärischer Ehrgeiz war dabei nicht zu unterschätzen. Ihm dürfte bekannt gewesen sein, dass die östlich gelegenen Gebiete schwer passierbar sein würden (Gebirge, Wüsten etc.) und kriegerische Völker dort lebten, die ihre Heimat gegen jeden Eroberer verteidigen würden. Bei der Schlacht von Gaugamela erhielt er einen ersten Eindruck von der Kampfkraft der Völker, die als Untertanen oder Bundesgenossen des Dareios gekämpft hatten.8 Möglicherweise lag aber gerade darin der Anreiz für Alexander. Außerdem war er der Überzeugung, dass er bei einem jetzigen Rückzug Asien in einem chaotischen Zustand zurücklassen würde und gleichzeitig die Heimat angreifbar mache. In einer leidenschaftlichen Rede an seine Soldaten betonte er, dass die durch Waffengewalt niedergeworfenen Völker nicht aus freier Gesinnung, sondern nur durch die Länge der Zeit zu zähmen seien.9

Alexanders Vorstellung von Asien dürfte ebenfalls eine bedeutende Rolle für die Entscheidung weiterzuziehen, gespielt haben. Als Schüler des Aristoteles war Alexander überzeugt von dessen Lehre über die Welt. Demnach wurde die Erde unterteilt in drei Regionen, nämlich Europa, Afrika und Asien, umgeben von einem gewaltigen Ozean. Die Grenzen Asiens waren markiert durch den Nil, den Tanais10, sowie die indischen Flüsse, die laut Aristoteles in den großen Ozean mündeten.11 Die Vorstellung, dass man von den Gipfeln des Hindukusch diesen Ozean sehen könne und dass Indien somit nur eine kleine Halbinsel sei, erwiesen sich während Alexanders weiterem Zug als falsch; doch für seine Entscheidung, den Rest Asiens erobern zu wollen, war sie ausschlaggebend. Da die Grenzen des Kontinents nach dessen vollständiger Unterwerfung aus Flüssen, Meeren und Wüsten bestünden, wäre Alexanders Königreich verhältnismäßig einfach gegen Feinde zu verteidigen gewesen.

Eng damit verbunden war Alexanders Vorhaben in für Griechen unbekannte Gebiete vorzudringen und diese wissenschaftlich zu erkunden. Im Tross Alexanders reisten Wissenschaftler und Landvermesser, die ihre neu gewonnen Erkenntnisse der eroberten Gebiete in regelmäßigen Briefen an Aristoteles mitteilten.12

Ein ebenfalls nicht unerheblicher Grund dürfte Alexanders Glaube gewesen sein. Bereits bei der Landung in Kleinasien betrachtete er Asien als Beute, die er von den Göttern empfangen hatte.13 Mit dem Lösen des Gordischen Knoten wurde ihm prophezeit, König über ganz Asien zu werden.14 Diese Vorhersehung wollte er nun einlösen, zumal ihm die Götter ihre Gunst in den gewonnen Schlachten erwiesen hatten.15 Möglicherweise versuchte Alexander den Heroen aus der griechischen Sagenwelt nachzueifern, die ebenfalls in weit entfernte und bis dahin unbekannte Gebiete vorgedrungen waren.16

Der vielleicht entscheidende Grund, weiter nach Osten zu ziehen, lag in der Person des Bessos. Bessos war ein Verwandter des Dareios und unter dessen Herrschaft Satrap von Baktrien. Nach der Niederlage bei Gaugamela floh Dareios zu Bessos, in der Annahme, dort vorläufig Sicherheit zu finden und sich neu organisieren zu können. Das Gegenteil trat jedoch ein. Nach Absprache mit anderen führenden Persern nahm Bessos Dareios gefangen und erstach diesen auf der Flucht vor Alexander.17 Alexander wollte für diese Tat Rache üben, denn „dem, der das äußerste Verbrechen gewagt und seinen König […] getötet hat […] diesen Menschen wollt ihr herrschen lassen?“.18 Moralische Überlegungen sollten jedoch nicht als einziger Grund für Alexanders Verhalten in Betracht gezogen werden.

Machtpolitische Beweggründe zwangen Alexander geradehin dazu, Bessos zu verfolgen. Mittlerweile hatte sich Bessos die Tiara, das Herrschaftszeichen der persischen Könige, aufgesetzt, den Namen Artaxerxes angenommen und beanspruchte den Königstitel von Persien.19 In Alexanders Augen gebührte aber spätestens nach dem Sieg bei Gaugamela dieser Titel ihm selbst und so war es eine logische Konsequenz, nun Krieg gegen Bessos, dessen Anhang und die letzte ernstzunehmende Heeresmacht der Perser zu führen.20

2.Die militärische Eroberung Baktriens

Beim Einmarsch in Baktrien stand Alexander vor der Herausforderung einer neuen Kriegstaktik. Dass sich der Gegner wie bisher in großen Schlachten stellen würde, war nicht zu erwarten, vielmehr musste sich Alexander auf eine Art Partisanenkrieg einstellen, bei dem sich seine Widersacher nach Niederlagen in hohe Gebirgspässe bzw. weite Steppengebiete zurückziehen und sich dort neu formieren könnten.21 Entsprechend rüstete Alexander seine Armee für die kommenden Aufgaben um. Die Phalanx ließ er leichter bewaffnen, stattdessen verstärkte er massiv die Kavallerie –die Baktrier waren bekannt für ihre hervorragende Reiterei – durch berittene Speerwerfer und Bogenschützen. Die schwere Reiterei sollte in geringer Zahl die leicht bewaffnete Reiterei unterstützen.22 Diese Umstellungen ließen ihn rasch und flexibel agieren.

Auf dem Weg nach Baktra, der Hauptstadt der Satrapie, erreichte Alexander eine besorgniserregende Nachricht: Satibarzanes, der Satrap von Areia, den Alexander nach der Niederwerfung des Gebietes im Amt beließ, hatte die makedonischen Truppen, die zur Absicherung der makedonischen Macht im Gebiet geblieben waren, niedergemacht und plante nun, seine Truppen mit denen von Bessos zu vereinigen, um gemeinsam gegen Alexander zu kämpfen. Um diese gefährliche Situation zu verhindern, brach Alexander den Marsch nach Baktra vorerst ab und wandte sich mit einem Teil seiner Truppen der Verfolgung des Satibarzanes zu, der beim schnellen Anrücken Alexanders die Flucht ergriff.23 Dieses rasche Vorgehen Alexanders lässt sich dadurch erklären, dass es die erste Rebellion in den eroberten Gebieten gewesen war und Alexander keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft dulden konnte. Außerdem musste er damit rechnen, dass sich der Aufstand schnell ausbreiten könnte und es somit zu einer ernsthaften Gefahr für die Verbindungswege zwischen den einzelnen Truppenteilen kommen könnte. Überdies erkannte er, dass Rebellionen für ihn und seine Truppen gefährlicher waren als offene Schlachten. Sobald er nämlich ein Gebiet unter seine Herrschaft gebracht hatte, ließ er nur ein relativ kleines Truppenkontingent zurück, das, wie in diesem Fall geschehen, schnell vernichtet werden konnte.24 Nachdem Alexander einen Monat lang gegen die Aufständischen kämpfte, einen neuen Satrapen in Areia eingesetzt und eine Stadt mit ethnisch gemischter Bevölkerung (Alexandria in Areia) gegründet hatte, führte er auf dem Weg nach Baktra verschiedene kleinere militärische Operationen in unwirtlichem Gelände durch,25 bei denen ihn die Nachricht erreichte, dass Satibarzanes erneut in Areia eingefallen ist. Diesmal kümmerte er sich jedoch nicht selbst um die Angelegenheit, sondern beauftragte einen Teil seiner Truppen mit der Niederschlagung. Alexander verstand, wenn er erfolgreich in Baktrien sein wollte, dass er sich nicht selbst um jeden Gegner kümmern konnte. Er vertraute seinen Generälen wichtige Aufgaben an, was im Gegensatz zu seinem wachsenden Misstrauen gegenüber einigen seiner Gefolgsleute stand (siehe Kapitel 3). Militärisch erkannte er aber die Notwendigkeit, Aufgaben abzugeben. Satibarzanes wurde kurz darauf von dem Hetairen Erigyios im Zweikampf getötet. Alexander zog derweil mit dem Gros der Truppen über den Hindukusch in Richtung Baktra, um endlich Bessos zu schlagen.26 Die Überquerung des Gebirges im Winter führte zu hohen Verlusten unter den makedonischen Soldaten aufgrund der Kälte und der schlechten Versorgung27, doch überraschte Alexander mit diesem Zug Bessos, der beim Herannahen Alexanders die Flucht über den Fluss Oxus ergriff und mit einer Taktik der verbrannten Erde versuchte, die makedonischen Truppen aufzuhalten. Bevor Alexander sich an die Verfolgung Bessos machte, nahm er zuvor beim ersten Anlauf die beiden größten Städte in Baktrien ein, Aornas und Baktra.28 Mit dem Fall der Hauptstadt war die Satrapie unterworfen und Alexander unterstellte sie dem Perser Artabazos.29

Am Oxus zeigte sich, wie flexibel Alexander als Feldherr agierte. Da wegen des sandigen Untergrundes eine Brücke nicht standhalten würde und es ohnehin kaum Holz für den Bau gab, kam ihm die Idee mit einer Art antiken Schlauchboot über den Fluss zu setzen.30 Kurz nachdem Alexander und seine Truppen auf der anderen Seite des Flusses gelandet waren, wurde ihm mitgeteilt, dass Gefährten des Bessos, unter ihnen Spitamenes, bereit wären, ihn an Alexander auszuliefern. Alexander schickte auf diese Nachricht seinen General Ptolemaios vor, der aber bald erkennen musste, dass Spitamenes Absichten zweifelhaft waren; jener ließ Bessos, lediglich mit einigen Gefolgsleuten in einem Dorf zurück, zog sich selbst jedoch aus Scham zurück. Ptolemaios nahm Bessos ohne Widerstand gefangen und lieferte ihn in demütigender Haltung – nackt und mit einem Halseisen versehen – an Alexander aus. Dieser ließ ihn foltern, verstümmeln31 und nach Baktra zur Hinrichtung schicken.32

Alexanders letzter Gegner auf persischem Boden war somit vernichtet, mit Baktrien die letzte Satrapie des Perserreiches erobert. Doch die Leichtigkeit, mit der sie eingenommen wurde, erwies sich als trügerisch. Schon bald brachen Aufstände in Baktrien und seiner Nachbarregion Sogdien auf. Angezettelt wurden diese u.a. von Spitamenes, der in den nächsten Monaten zu einem ernsten Gegner Alexanders werden sollte. Es bestand die Möglichkeit, dass sich die Aufständischen unter Spitamenes mit den Skythen am Nordufer des Iaxartes vereinigen könnten und somit Alexanders Armee in eine bedrohliche Lage versetzten. Alexander erkannte die Gefahr und reagierte schnell und kompromisslos. Er nahm mehrere rebellische Städte ein, wobei er selbst mehrmals verwundet wurde. Dies verdeutlicht zwei Dinge: zum einen konnte Alexander äußerst brutal vorgehen, wenn er seine Ziele rasch durchsetzen wollte, zum anderen kämpfte er nach wie vor an vorderster Front, womit er sich der Loyalität seiner Truppen gewiss sein konnte. Während der Kampfhandlungen erfuhr er, dass Samarkand von Spitamenes belagert wurde und sandte eine Entsatztruppe. Alexander selbst blieb am Ufer des Iaxartes um einer eventuellen Invasion der Skythen entgegentreten zu können.33 Als diese ihn verhöhnten, befahl Alexanders Stolz eine Strafexpedition durchzuführen, trotz schlechter Vorzeichen seiner Seher.34 Dies verdeutlicht, dass Alexander sich von schlechten Omen nicht abhalten ließ, wenn ihm die militärische Lage günstig erschien. Bei dem Kampf gegen die Skythen zeigte sich erneut Alexanders militärisches Talent. Die Kampftaktik der Skythen war es, mit ihrer geschickten Reiterei schnelle Angriffe gegen den Gegner zu setzen, diesen dann einzukreisen und somit zu vernichten. Alexander wandte nun selbst eine ganz ähnliche Taktik an, was letztendlich zum Sieg führte.35 Somit machte sich die Umgestaltung seiner Armee vor Beginn des Baktrienfeldzuges wieder einmal bezahlt. Bei der Verfolgung der fliehenden Skythen trank Alexander verdorbenes Wasser, das bei ihm zu Durchfall führte; insofern bewahrheitete sich das schlechte Omen doch noch.36

Nach dem Sieg über die Skythen trafen Gesandte des skythischen Königs bei Alexander ein und baten um Gnade. Alexander gewährte sie, jedoch weniger aus Milde, sondern weil er seine Truppen für den Kampf gegen Spitazemenes benötigte. Jener hatte die Entsatztruppe, die Alexander kurz zuvor nach Samarkand geschickt hatte, mit Hilfe eines skythischen Stammes in einen Hinterhalt gelockt und vernichtend geschlagen.37 Dies markierte den ersten schweren Verlust des gesamten Alexanderzuges,38 entsprechend entschlossen machte Alexander sich an die Verfolgung Spitazemenes, der beim Heranrücken Alexanders erneut die Flucht ergriff und nicht mehr einzuholen war. So eroberte er die Festungen, in denen sich Rebellen verschanzt hatten und ließ die Überlebenden hinrichten.39

Der Kampf gegen Aufständische in Baktrien und Sogdien beschäftigte Alexander auch in den folgenden Monaten, ohne jedoch entscheidende Erfolge gegen Spitamenes erringen zu können; dieser blieb bei seiner durchaus erfolgreichen Taktik des Partisanenkrieges.40 Als Alexander und seine Generäle jedoch immer mehr Land unter ihre Kontrolle brachten und die Fluchtwege für Spitamenes abschnitten, stellte Spitamenes sich einer Schlacht, musste sich aber geschlagen geben und verlor dadurch seine letzten Anhänger. Auf der Flucht in die Wüste töteten ihn seine skythischen Verbündeten und schickten seinen Kopf an Alexander.41

Mit dem Tod Spitamenes waren aber noch immer nicht alle Rebellen geschlagen. Jene suchten mit ihren Familien Zuflucht in dem uneinnehmbar geltenden Sogdischen Felsen. Wer diesen erstürmen wolle, bräuchte Soldaten mit Flügeln, höhnten die Belagerten.42 Alexander suchte nun die Soldaten heraus, die Erfahrung im Bergwandern besaßen und versprach ihnen zusätzliche Belohnung für die Erstürmung des Gipfels. Trotz einiger Verluste erreichten die meisten der Makedonen die Spitze des Felsens, was die Aufständischen schockierte und veranlasste zu glauben, dass die Makedonen wesentlich zahlreicher und besser bewaffnet seien, als sie es tatsächlich waren. Daraufhin kapitulierten die Eingeschlossenen.43 Alexander könnte man in dieser Hinsicht auch eine geschickte psychologische Kriegsführung bescheinigen.

Beim anschließenden Festmahl war Rhoxane, eine Tochter des Befehlshabers der Burg zugegen. Die Quellen sind sich einig darin, dass sie von außergewöhnlicher Schönheit gewesen war.44 In der Tat handelte es sich wohl um eine Liebesheirat. Doch eine Ehe mit einer baktrischen Prinzessin passte auch genau in seine Vorstellung eines geeinten Reiches von Europäern und Asiaten, denn „nur so lasse sich den Besiegten die Scham der Niederlage, den Siegern ihr Stolz nehmen.“45 Diese Vision Alexanders spiegelte sich später dann in der Massenhochzeit von Susa wieder. Dass der legitime Erbe Alexanders aus der Vermählung mit einer – in den Augen der Makedonen – besiegten Barbarin hervorgehen würde, dürfte viele unter ihnen jedoch empört haben.46

Nachdem Alexander auch die letzte Festung - nach aufwendiger Belagerung – kampflos übergeben wurde (mittlerweile hatte sich Alexanders Unbesiegbarkeit herumgesprochen)47, zog er sich nach Baktra zurück, wo wenig später auch sein General Krateros dazu stieß, der die letzten Rebellen in Baktrien getötet oder gefangen genommen hatte. Somit waren Baktrien und seine Nachbarregionen endgültig unterworfen und befriedet. Dafür benötigte Alexander zwei Jahre, was andeutet, wie diffizil es gewesen sein muss, diese Gegend in geographisch schwierigem Gelände und mit aufständischen Völkern zu kontrollieren. Daraus hatte Alexander gelernt. Entgegen seiner bisherigen Vorgehensweise ließ er eine ungewöhnlich große Besatzungstruppe, bestehend aus 3500 Reitern und 10.000 Fußsoldaten in Baktrien zurück, ehe er den Weiterzug nach Indien antrat. 48

[...]


1 Die persischen Satrapien Baktrien und Sogdien umfassten neben dem Staatsgebiet des heutigen Afghanistan auch den nordöstlichen Teil des Iran sowie Teile Tadschikistans.

2 Dabei beriefen sie sich auf die bedeutenden Chronisten des Alexander-Zuges Kallisthenes, Chares, Nearchos, Onesikritos, Kleitarch, Ptolemaios sowie Aristobulos.

3 Vgl. Johann Gustav Droysen: Geschichte Alexanders des Großen. Leipzig 1931. S.362f.

4 Vgl. ebd. S.360f.

5 Diod. (Griechische Weltgeschichte 82,7).

6 Arr. (Anabasis 19,78).

7 Vgl. Nicholas Hammond: Alexander der Große. Feldherr und Staatsmann. Berlin 2001. S.183.

8 Vgl. ebd. S.188.

9 Vgl. Curt. (Alexandergeschichte 6,3).

10 Der heutige Don.

11 Vgl. Hammond (2001) S.182.

12 Vgl. ebd. S.190.

13 Vgl. Diod. (Griechische Weltgeschichte 17,2).

14 Vgl. Arr. (Anabasis 2,3).

15 Vgl. Hammond (2001) S.184.

16 Zum Beispiel Herakles oder die Argonauten.

17 Vgl. Arr. (Anabasis 3,19-21).

18 Zitiert nach: Curt. (Alexandergeschichte 6,3); nach der Übersetzung von J.Sibelis und H.Weismann

19 Vgl. Arr. (Anabasis 3,25).

20 Vgl. Droysen (1931) S.337.

21 Vgl. John F.C. Fuller: Alexander der Große als Feldherr. Stuttgart 1961. S.216.

22 Vgl. ebd. Fuller (1961) S.98. und Hammond (2001) S.191.

23 Vgl. Arr. (Anabasis 3,25).

24 Vgl. Hammond (2001) S.193f.

25 Vgl. Curt. (Alexandergeschichte 7,3).

26 Vgl. Arr. (Anabasis 3,28).

27 Vgl. Hammond (2001) S.200.

28 Vgl. Arr. (Anabasis 3,29).

29 Vgl. Hammond (2001) S.206.

30 Vgl. Arr. (Anabasis 3,28).

31 Die Verstümmelung des Bessos nach persischer Tradition dürfte von einigen Makedonen als barbarischer Akt wahrgenommen worden sein, war es doch in der griechisch-makedonischen Rechtsprechung unüblich, Hinzurichtende zuvor noch zu verstümmeln.

32 Vgl. Arr. (Anabasis 3,29).

33 Vgl. Hammond (2001) S.210f.

34 Vgl. Arr. (Anabasis 4,4).

35 Vgl. Fuller (1961) S.216.

36 Vgl. Arr. (Anabasis 4,4).

37 Vgl. ebd. (4,5-6).

38 Vgl. Fuller (1961) S.101.

39 Vgl. Hammond (2001) S.213.

40 Vgl. Arr. (Anabasis 4,16).

41 Vgl. ebd. (4,17).

42 Vgl. Hammond (2001) S.221.

43 Vgl. Arr. (Anabasis 4,18-19).

44 Vgl. Curt. (Alexandergeschichte 8,4). Arr. (Anabasis 4,19). Plut. (Alex. 47).

45 Zitiert nach: Curt. (Alexandergeschichte 8,4) nach der Übersetzung von J.Sibelis und H.Weismann.

46 Vgl.ebd.

47 Vgl. Arr. (Anabasis 4,21).

48 Vgl. Hammond (2001) S.223.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656016588
ISBN (Buch)
9783656016793
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179235
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Friedrich-Meineke-Institut
Note
2,0
Schlagworte
alexander baktrien

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Titel: Alexander in Baktrien