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Die Provence - Eine Region der Gegensätze

Hausarbeit 2000 34 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Die Provence – Eine Region der Gegensätze

2. Geschichte der Provence
2.1 Die erste Siedler
2.2 Griechische Kolonisation
2.3 Die römische Landnahme und Festigung der Herrschaft
2.4 Herrschaft der Germanen und Verfall von Provincia
2.5 Die Flucht der Bewohner aus den Städten
2.6 Die Geburtsstunde der Ritterheere des Mittelalters
2.7 Aufblühen der Städte nach den Kreuzzügen
2.8 Die Zentralmacht in der Provence
2.9 Eine Region im Wandel

3. Landeskunde
3.1 Geographie
3.2 Klima
3.3 Bevölkerung
3.4 Kultur
3.4.1 Pflege alter Traditionen
3.4.2 Altes und neues Kunsthandwerk
3.4.3 Provenzalische Gaumenfreuden
3.4.4 Nationalsport Pétanque
3.4.5 Die provenzalische Sprache

4. Politik Regionale Geschichte und Ausländerpräsenz schüren Nationalismus

5. Industrie
5.1 Die Zukunft liegt am Mittelmeer
5.2 Metropolen des neuen Jahrtausends
5.3 Die untergeordnete Rolle des Fischfangs

6. Die Provence – Obstgarten der Grande Nation
6.1 Die Landschaft und ihre Probleme
6.2 Spitzenprodukt Wein

7. Tourismus
7.1 Wirtschaftliche und ökologische Bedeutung
7.2 Anfänge des Tourismus

8. Südfrankreich – Tummelplatz für Künstler und Prominente
8.1 Die Faszination des „Lichts des Midi“
8.2 Literatur und Filmkunst

9. Städte und Landschaften in der Provence
9.1 Arles
9.2 Avignon
9.3 Die Calanques
9.4 Marseille

10. Die Provence – Eine intakte Idylle?
10.1 Waldbrände und Flutkatastrophen
10.2 Ungeklärte Abwässer und wiederkehrende Algenplagen
10.3 Höhere Arbeitslosigkeit in Frankreichs Süden

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Provence – Eine Region der Gegensätze

„Zu Beginn eines heißen Sommertages im Lubéron bei einer Schale Café crème zu sitzen, während die Bienen im Lavendel summen und das Licht den Wald in ein tiefleuchtendes Grün taucht – das ist besser, als plötzlich als reicher Mann aufzuwachen.“ Das schrieb der Bestsellerautor Peter Mayle in seinem Roman „Mein Jahr in der Provence“. Für den einzigartigen Reiz der Provence ist charakteristisch, dass sich auf vergleichsweise engem Raum alle nur erdenklichen Gegensätze nebeneinander finden: schroffe, bizarre Gebirge, sanfte Hügelketten, dramatische Schluchten, weite Ebenen, dichte Wälder, karge Plateaus, der windumtoste Mont Ventoux, undurchdringliche Garrigues, duftende Lavendelfelder, Weinberge und Olivenhaine. Dennoch ist die Region mit ihren landschaftliche Möglichkeiten überschaubar und in ihrer Wirkung vor allem durch das wunderbare Sonnenlicht des Südens von beeindruckender Monumentalität. Durch ihre Schönheit zog die Provence unter anderen Maler wie Paul Cezanne, Vincent van Gogh und Pablo Picasso an. Hier, an einer der Traumküsten des Mittelmeeres, haben sie sich niedergelassen.

Wer in die Provence reist, für den wird meistens die Erfahrung einer kulturellen Kontinuität mit ihrer lebendigen Präsenz über Jahrtausende hinweg spürbar. Insbesondere fördern dies die monumentalen Reste der römischen Vergangenheit, die in der Provence in einer Qualität erhalten geblieben sind, wie nirgendwo sonst im Bereich des Imperiums, Rom ausgenommen. Jedes Jahr ziehen Städte wie Arles, Avignon, Aix-en-Provence oder Marseille Besucher aus der ganzen Welt an.

Doch nicht nur die Städte sind einen ausgiebigen Besuch wert, sondern auch das Naturschutzgebiet der Camargue. Hier im Delta der Rhône lassen sich Herden der letzten wilden Stiere und Pferde Europas beobachten. Mit ein wenig Glück kann man sogar die ebenfalls dort beheimateten rosafarbenen Flamingos aus nächster Nähe sehen. Vor allem die Vogel- und Insektenwelt bietet unzählige Entdeckungsmöglichkeiten. An dieser Stelle sei noch die Zikade erwähnt. Sie hat für die Provence geradezu Symbolcharakter. Es kommen zwei Arten vor: die kleine Bergzikade und die etwas größere (bis 6,5 Zentimeter Körperlänge) Singzikade. Letztere ist es, deren lautes Zirpen an sommerlichen Tagen die ganze Landschaft erfüllt. Wegen ihrer bräunlichen Tarnfarbe sieht man sie nur selten, aber sie ist immer zu hören.

Trotz der Idylle haben die Menschen, die in der Provence leben, mit vielen Problemen zu kämpfen. In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Region in wirtschaftlicher Hinsicht schnell weiterentwickelt: Schwerindustrie, Flugzeugbau oder Petrochemie haben sich angesiedelt. Denn vom Tourismus allein kann eine Region nicht leben. Doch leider hat diese Hochtechnologie auch ihren Preis. Besonders die Umwelt hat darunter zu leiden. In zahlreichen Gebieten ist die Landschaft gekennzeichnet von qualmenden Schornsteinen, Fabrikhallen und riesigen Tankschiffen. Verschmutztes Meerwasser, unter anderem auch dadurch verursacht, weil immer noch Städte ihre Abwässer ungeklärt ins Meer leiten, hat wiederkehrende Algenplagen zur Folge.

In meiner Arbeit möchte ich dem Leser die Provence vorstellen. Ihm einen Einblick geben über ihre Geschichte, die Kultur ihrer Bewohner, ..., über einen wunderbaren Flecken Erde mit seinen positiven und negativen Seiten.

2. Geschichte der Provence

2.1 Die ersten Siedler

Dieses gesegnete Land der Gegensätze hat die Menschen schon immer angezogen. In der Höhle von L’Escale bei Saint-Estève-Janson (Bouches-du-Rhône) hat man eine Feuerstelle gefunden, die auf 700 000 vor Christus datiert worden ist. Eine andere Quelle jedoch besagt, dass die Besiedlung durch die Menschen erst vor rund 400 000 Jahren stattgefunden und es feste Ansiedlungen erst vor etwa 100 000 Jahren gegeben hat. Die allerersten Handelsstraßen führten von den Ockerfelsen bei Apt zu den Höhlen der Steinzeitkünstler in den Pyrenäen und Südfrankreich. Diese Höhlen lagen hier so dicht beieinander, dass man fast schon von ersten Stadtverbänden sprechen kann. Unter den erhalten gebliebenen Wandgemälden in diesen Höhlen findet man Ockerfarbe aus Roussillion bei Apt, gemischt mit Tierfett und Holzkohle, die Malutensilien der Steinzeitkünstler. Die Bilder, die sie damit hervorbrachten, hielten bis heute: 45 000 Jahre lang.

2.2 Griechische Kolonisation

Die Ligurer, Jäger und Fischer bevölkerten nach den Steinzeit-Jägern die Provence. Die Gallier verdrängten sie. Das Bauern- und Händlervolk der Griechen gründete um 600 vor Christus auf der Suche nach Kolonialland und Absatzmöglichkeiten für ihre in hoher Blüte stehenden Industrie, für Öl und Wein, an günstiger Stelle der Löwenbucht die Stadt Massalia: Marseille. Die Sklaven der Griechen schleppten die mit Wein und Töpferwaren beladenen Schiffe die Rhône aufwärts. Das gallische Gold war sehr begehrt. Diese griechischen Händler brachten den Galliern die erste Berührung mit einer vorangeschrittenen Zivilisation. Lernbegierig wie die Kelten immer waren, übernahmen sie viel von der griechischen Lebenspraxis, soweit sie ihnen brauchbar vorkam. Bald erkannte das umliegende Land Massalia als Hauptstadt an. „Als die von den Galliern und Griechen verdrängten Ligurer wieder einmal aus ihren undurchdringlichen Provencewäldern, von ihren Hügeln herab, auf die ihnen niemand folgen konnte, sengend und plündernd in das reiche Massalia einfielen, baten die griechischen Herrscher der Stadt die Römer um Hilfe. Sie wurde ihnen zuteil. Den Römern aber gefiel es so gut in diesem schönen Land, dass sie dablieben.“[1]

2.3 Die römische Landnahme und Festigung der Herrschaft

Mit der Kolonisation durch die Römer beginnt die große Zeit der provenzalischen Geschichte. Nachdem das Land in den Kriegszügen Caesars erst einmal von seinem „heidnischen Tempelgold“ befreit wurde, brachten die Römer mit ihrem großen Ingenieurkönnen und ihrer Organisationsgabe Ordnung in den gallischen Bereich. Die Provincia (daher der Name des Landes) war ihre erste Kolonie und blieb ihre letzte. In dieser Zeit brachten die Römer durch ihre Straßenbauten, durch ihre Stadtanlagen und durch ihre Wasserleitungen die in viele untereinander zerstrittene Stämme zerfallenen Gallier näher zusammen. Schließlich vermischten sich die beiden Kulturen so sehr, dass sie heute nur noch schwer zu trennen sind.

Gutes Wohnen, Frieden im Land, Öl, Wein, Brot und Zirkusspiele boten die Römer, und die Gallier waren damit zufrieden. Wenn die Wasserquellen in der Nähe der Städte nicht genügten, schafften die römischen Ingenieure gutes, klares Bergwasser heran. Denn wasserlos zu sein – das konnten sich die verwöhnten Städter, die Römer, nicht vorstellen. Auf Bäder und mächtige Wasserverschwendung im Theater bei See-Schaustücken wollten und konnten sie nicht verzichten. Und so überstelzten dann ihre Wasserleitungen Felder und Wälder, überschritten Flüsse, durchbissen Felswände.

2.4 Herrschaft der Germanen und Verfall von Provincia

Dass der Mittelpunkt dieser Welt, Rom, immer schwächer und schwächer wurde, nahm man in der Provincia eigentlich kaum zur Kenntnis. Hier, weitab von der Hauptstadt, lief das alteingefahrene Provinzleben weiter wie gewohnt. Selbst während der Stürme der Völkerwanderung blieb das Leben hier überraschend lange in seinen altbewährten Gleisen. In dieser Zeit verschmolz die sehr alte Kultur im Süden Frankreichs zum zweiten Mal: diesmal mit der germanischen Bauernkultur. Nur waren jetzt die einfachen Bauern die Herrschenden und die römischen Verwalter die Unterlegenen. Aber hochangesehene Unterlegene. Denn sie konnten als einzige mit dem komplizierten Räderwerk der römischen Landverwaltung umgehen. Aller Leben verlief weiter in festen Bahnen. Die Germanen paßten sich an, und die meisten ihrer Könige ließen den nach für sie undurchschaubaren Gesetzen funktionierenden römischen Verwaltungsapparat sogar die römischen Bezeichnungen. Außerdem war ja das große einigende Band die christliche Kirche, zu der sich sowohl die Römer als auch die Germanen bekannten. Man gewöhnte sich aneinander. Die Verwaltung der Provence hätte noch lange so weiter laufen können. Aber die Schulen, die die Techniker und Beamten ausbildeten, wurden mangels ausreichender Geldmittel schwächer und schwächer und der aus ihnen hervorgehende Nachwuchs immer schlechter. Die germanischen Eroberer verstanden als bäuerliche Menschen wenig von der Verwaltung ihrer Gebiete. Und sie legten, wenn das niemand anderer für sie besorgte, auch keinen allzu großen Wert darauf. So rostete die Maschinerie der Provenceverwaltung allmählich ein.

Auch die Straßen verfielen, der Handel hörte schließlich ganz auf. Und so verödeten der unter den Griechen und Römern so lebhafte Hafen Massalia-Marseille und alle anderen größeren und kleinen Häfen und Städtchen an der provenzalischen Küste. Den Eroberern, denen man nicht entgegenzutreten wagte, überließ man einfach die ganze Küste.

2.5 Die Flucht der Bewohner aus den Städten

Ohne Handel jedoch musste das Leben in den gallo-römisch-germanischen Provencestädten zum Erliegen kommen. In dieser Zeit verfielen Städte, auch die größeren wie Orange, Arles und Nîmes. Die gallo-römischen Städter zogen sich aufs Land zurück. In den Städten blieben nur die Bischhöfe, Mönche und die kleinen Handwerker, die von den Kirchen lebten. Um die Klosterhöfe und Kirchen, um die Bischofssitze bildeten sich die christlichen Stadtkerne, die man heute noch in den meisten Provencestädten deutlich erkennen kann. In die großen Theater baute man die kläglichen Städte der Zeit ein. Die gewaltigen Außenmauern der Theater wurden die Stadtmauern für winzig gewordene Gemeinden. Auf dem Lande war man, nachdem das römische Währungssystem durch den Fortfall des Mittelmeerhandels ganz verschwunden war, wieder zur reinen Natural- und Tauschwirtschaft übergegangen. Den germanischen Bauern machte das nichts aus. Sie waren das nicht anders gewöhnt.

2.6 Die Geburtsstunde der Ritterheere des Mittelalters

Ein wichtiges Ereignis in jener Zeit war der Sieg Karl Martells über die Araber, die Sarazenen, bei Tours. Er hielt den Siegeszug der Mohammedaner auf und jagte sie über die Pyrenäen zurück nach Spanien. Dieser Sieg war die Geburtsstunde der Ritterheere des Mittelalters. Karl Martell belehnte seine tapfersten Soldaten mit größeren Ländereien, die den Reitern den Luxus erlaubten, ein Ritter zu werden. Für diese Lehen hatten sich die reitenden, freien Soldaten fleißig in den Waffen zu üben und jederzeit bereit zu sein, dem Ruf ihres Königs zu folgen. Aus ihnen ging der Adel und die vielen großen und kleinen Lehnsherren überall auf dem Lande hervor. Um die am Anfang meist klägliche Burg sammelten sich die Hütten der Bauern, die für ihn zu sorgen hatten. Die Ritter, die dafür ihren Schutz übernahmen, begannen als fahrende, die Länder durchstreifende Helden die Wunderdinge zu vollbringen, die in den Heldenliedern und den Liedern der provenzalischen Troubadoure besungen werden.

Die ersten Ritter waren nicht besonders gebildet. Denn das ganze Bildungswesen der Zeit, auch das Wissen der Römer um technische Dinge, hatte sich in die Klöster zurückgezogen. Die ersten Ritter waren sehr selbstbewußte, oft prahlerische und kraftstrotzende Bauernburschen, von Tatendrang beherrscht und auf der Suche nach Abenteuern. Die Troubadoure erweckten mit ihren Liedern von neuem das eingeschlafene Wissen über die römische Lebensart in der Provence. Erst dieses wieder auflebende Gefühl machte aus den Bauernreitern ritterliche Herren. In den Straßen und Burgen der Ritter und Fürsten zog wieder Leben ein.

[...]


[1] Vgl. im Buch „Provence“, Text: Hollander 1991, S.6

Details

Seiten
34
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638223652
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17923
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Romanistik
Note
2,0
Schlagworte
Provence Eine Region Gegensätze Landeskundliche Kulturgeschichte Frankreichs

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