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Feministische Geographie

von Karoline Kmieciak (Autor)

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Raum und Geschlecht

3 Theorien und Ziele der Feministischen Geographie

4 Mobilitätsplanung für Frauen am Beispiel einer Campusuniversität

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Feministische Geographie - was ist das eigentlich? Wie hängen die zunächst so unterschiedlich erscheinenden Themengebiete miteinander zusammen? Auf der einen Seite gibt es den Feminismus, die Gender-Forschung, die Sozialwissenschaften und auf der anderen Seite die Geographie als Natur- und Gesellschaftswissenschaft. Was jedoch beide Themengebiete miteinander verbindet ist der Raum.

Bei der Feministischen Geographie geht es folglich um die Verbindung von Raum und Geschlecht, die Abhängigkeiten untereinander und die Beziehungen zueinander. Feministinnen und Gender-Forscher gehen davon aus, dass das Geschlecht, bzw. die „durch gesellschaftliche Bezeichnungspraktiken zugeschriebenen Subjektidentitäten und -kategorien“ (Strüver 2007, S. 910) die Wahrnehmung von Raum beeinflussen und es somit keine ungeschlechtliche Raumwirklichkeit gibt. Es geht darum, vor dem Hintergrund der Benachteiligungen von Frauen in der Gesellschaft, geographische Forschung „bewusst aus der Perspektive der Frau zu betreiben“ (Leser 2010, S. 222) und ihre Raumwahrnehmung mit einzubringen.

Auf die vom Feminismus ausgehende kritische Haltung zum Thema Geschlechts- und Identitätskategorie, sowie Raumwahrnehmung, werde ich im Folgenden genauer eingehen. Anschließend werde ich einen Überblick über verschiedene feministische Ansätze in der Geographie geben, ihre Ziele und Aufgaben benennen und diese anhand eines Beispieles aus der Mobilitätsforschung verdeutlichen.

Da es sich bei der Feministischen Geographie um ein sehr komplexes Feld handelt, welches bereits eine lange Entwicklungsphase verschiedener theoretischer Ansätze hinter sich hat, soll in dieser Hausarbeit der Schwerpunkt auf die Mobilitätsforschung gelegt werden.

2 Raum und Geschlecht

Als gesellschaftliche Unterscheidungskategorien sind vor allem die der Rasse, der Sexualität, der Religion oder Hautfarbe bekannt. Auch das Geschlecht zählt zu den gesellschaftlichen Kategorien und spielt für die Feministische Geographie eine essentielle Rolle.

Der Begriff Geschlecht wird meist biologisch verstanden. Demnach kommen wir Menschen mit einem Geschlecht zur Welt, erhalten daraufhin eine von der Gesellschaft zugeschriebene Geschlechtsidentität und behalten diese ein Leben lang. Dieses biologische Geschlecht, basierend auf Anatomie und Physiologie muss jedoch in Relation zum gesellschaftlichen Geschlecht gesehen werden. In der Feministischen Theorie geht es darum, die Kategorie Geschlecht als ein „soziales Konstrukt und generatives Muster zur Herstellung einer gesellschaftlichen Ordnung“ (Strüver 2007, S. 906) zu entlarven: Demnach wird kritisiert, dass es nur zwei Geschlechter geben soll, dass die Zugehörigkeit zum einen oder anderen Geschlecht körperlich festgelegt und dass ein Wechsel ausgeschlossen sei. Diese Kritik ist Grundlage für die Forschung in der Feministischen Geographie, denn nur ein komplexes Verständnis der sozialen Kategorie Geschlecht kann zu einem umfassenden Verständnis der subjektiven Raumwirklichkeit führen, auf welche ich im Folgenden näher eingehen werde.

Bei dem Begriff Raum handelt es sich um einen sehr weiten Begriff, der auf unterschiedlichste Art und Weise verstanden werden kann. Die Geographin Ute Wardenga unterscheidet zwischen vier verschiedenen Raumbegriffen: Erstens könne ein Raum als Behälter physisch-materieller Gegenstände wie zum Beispiel Gewässer und Vegetation verstanden werden. Zweitens könne man Räume als „Systeme von Lagerelationen materieller Objekte“ (Wardenga 2002, S.8). betrachten. Dieser Raumbegriff ist beispielsweise Grundlage bei der Betrachtung von Standorten und raumwirtschaftlichen Ansätzen in der Wirtschaftsgeographie. Drittens sei ein Raum eine „Kategorie der Sinneswahrnehmung“ (ebd.), welche folglich vom jeweiligen Individuum abhängig ist. Der vierte Raumbegriff nach Wardenga sei von gesellschaftlichen Konstruktionsprozessen geprägt. Laut Wardenga prägt erst der Raumnutzer den Raum und somit könne man von einer raumbezogenen Sprache auf das Verhalten im Raum schließen (ebd.).

Die Verbindung dieser beiden abstrakten und vielseitig auslegbaren Begriffe Geschlecht und Raum ist nötig für eine genaue Raumwahrnehmung, denn ein Raum wird stets durch einen Menschen und somit einen Körper erfahren, „und das Raumerleben ist durch das Körpererleben geprägt. […] Doch ist eben jener Körper ein geschlechtsspezifischer und das Verhältnis zum Raum geschlechtsspezifisch geprägt“ (Löw 1997, S. 80).

Im Folgenden werde ich ein einfaches Beispiel geben, um das Verhältnis von Geschlecht, Gesellschaft und Raum zu erläutern: Frauen werden häufig von der Gesellschaft bestimmte „Weiblichkeitsrollen“ zugeschrieben, sei es die Frau als Mutter, als Hausfrau oder als Sexualobjekt (Strüver 2007, S. 910). Daraus resultieren ganz bestimmte Tätigkeitsbereiche und Aufenthaltsräume für Frauen, was zu einer Mobilitätseinschränkung führt. Die Frau als Sexualobjekt muss in unserer Gesellschaft bestimmte öffentliche Räume meiden, aus Angst vor sexuellen Übergriffen, Vergewaltigung oder Ähnlichem. Daraus resultiert eine radikale Bewegungseinschränkung und bestimmte öffentliche Räume potentieller Verbrechen werden für Frauen zu Angsträumen, Durchgangsräumen oder werden gar ganz vermieden (ebd.).

Die Geographin und Sozialwissenschaftlerin Angelika Buschkühl verdeutlicht dies in ihrem Aufsatz Frauen in der Stadt – Räumliche Trennung der Lebensbereiche, Mobilität von Frauen, veränderte Planung mit Frauen: „Welche Frau kennt das nicht, dass sie von Männern durch Pfeifen, Stöhnen, Anfassen, Festhalten, den Weg Versperren, Nachgehen oder Anstarren verbal oder visuell bedrängt wird“ (Buschkühl o.J., S. 109). Laut Buschkühl führen diese schon zur Gewohnheit gewordenen Situationen beispielsweise zum Wechsel der Straßenseite oder zur vollkommenen Vermeidung von Räumen wie einsamen Bushaltestellen, Grünanlagen bei Nacht oder Tiefgaragen (ebd., S. 110). Ziel sei es, durch konkrete Veränderungen der Stadtplanung eine Maximierung der Mobilität von Frauen zu erlangen. Im nächsten Abschnitt meiner Hausarbeit werde ich auf weitere Zielsetzungen der Feministischen Geographie eingehen.

3 Theorien und Ziele der Feministischen Geographie

Forschungsansätze und Theorien der Feministischen Geographie unterscheiden sich zum Teil sehr stark voneinander. Oft wird auch von Feministischen Geographien gesprochen , aufgrund der „Pluralität der Ansätze sowohl im Bereich der feministischen Forschung als auch der geographischen Forschung […]“ (Fleischmann und Meyer-Hanschen 2005, S. 32). Auf der einen Seite wird die Geographie schon unterteilt in die Anthropogeographie und die Physische Geographie. Auf der anderen Seite gibt es nicht nur den einen Feminismus, sondern ein generell „stark differenziertes Verständnis von Feminismus“ (ebd., S.31) und somit auch von feministischen Ansätzen in der Forschung. Daraus resultieren Feministische Geographien als übergreifende, gesellschaftskritische und komplexe Wissenschaften. Im Weiteren werde ich versuchen, einen groben Überblick über die verschiedenen Analyseansätze und Forschungsschwerpunkte zu geben.

In Hinblick auf die Geographie wird aus feministischer Sicht nicht nur bemängelt, dass Frauen auf physischer Ebene fehlen, zum Beispiel als Hochschullehrerinnen, sondern auch als Forschungsthema (Ostheider o.J., S. 110).

Die Geographie, nicht nur als Natur-, sondern vor allem als Sozial- und Gesellschaftswissenschaft, muss jedoch beide Geschlechter berücksichtigen, um von einem vollständigen Bild der Menschheit ausgehen zu können. Wird das weibliche Geschlecht weniger betrachtet als das männliche kann die Geographie den Anspruch als Gesellschaftswissenschaft nicht weiter erheben (Bock et al. 1989, S. 8f.). Es ist somit notwendig, die Frau mit in die geographische Forschung einzubeziehen und dies kann auf verschiedene Weise erfolgen: Geforscht wird beispielsweise innerhalb der Tourismus- und Verkehrsforschung, der Forschung zu Migrantinnen und der Stadtgeographie. Hierbei wird das Wohnumfeld von Frauen untersucht, ihre Mobilitätschancen sowie die Erreichbarkeit von öffentlichen Einrichtungen unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten (Strüver 2007, S. 905).

Ferner wird die räumliche und geschlechtsspezifische Trennung von Arbeitsplätzen untersucht, das Erwerbsleben der Frauen, sowie alle geschlechtsspezifischen Aneignungen von Räumen. Hierbei geht es auch um die Frage der Raumbedeutung: Inwiefern kann man von Raumaneignung sprechen und wie hängt dieses mit dem Geschlecht zusammen (Knox und Marston 2008, S. 354)? Zunächst nimmt der Mensch einen Raum einfach nur wahr und erst anschließend kann der Raum angeeignet werden, dass heißt er wird genutzt und in Anspruch genommen durch Kompetenzen und Kapitalien (Sailer 2004, S. 51). Jedoch ist die bloße Raumwahrnehmung schon geschlechtsspezifisch: „Das bloße Vorhandensein im Raum, also eine Vorstufe zur gelungenen Aneignung, ist ebenso geschlechtsspezifisch unterschiedlich“ (ebd.). Es wird davon ausgegangen, dass es eine unterschiedliche geschlechtsabhängige Beanspruchung des Raumes gibt. So beanspruchen beispielsweise Frauen weniger Raum allein dadurch, dass sie eine „Tendenz zu eher geschlossenen Arm- und Beinhaltungen zeigen […]“ (ebd., S. 55). Es wird also versucht, von Bewegungsmustern im Raum auf ihre Beanspruchung zu schließen und geschlechtsspezifische Unterschiede ausfindig zu machen.

Abgesehen davon gibt es feministisch-geographische Ansätze in der Stadt- und Verkehrsplanung und Architektur bezüglich der Frau als Mutter und ihren Bewegungseinschränkungen im öffentlichen Raum. Solange Frauen vor allem die Verantwortung für die Kindererziehung alleine tragen, „beudeutet Kinderfeindlichkeit immer auch Frauenfeindlichkeit“, so Buschkühl (o.J., S. 107). „Für Kinderwagen zu schmale oder zugeparkte Bürgersteige, nicht abgesenkte Bordsteine, zu hohe Stufen in Bussen und Straßenbahnen, fehlende Stellmöglichkeiten und Haltegriffe für Kinder, enge Rolltreppen in Bahnhöfen stellen Hindernisse für Mütter mit Kindern […] dar“ (ebd.). Dies ist jedoch nur ein Beispiel von vielen, welches die Bewegungseinschränkungen von Frauen verdeutlicht.

So vielseitig die Forschungsansätze der Feministischen Geographie sind, so vielseitig sind auch ihre Aufgaben und Ziele. Zum einen geht es um die Gleichberechtigung der Frau aus sozialwissenschaftlicher Sicht, zum anderen geht es um die Integration der Frau als Forschungssubjekt und –objekt. Die Geographin Monika Ostheider geht in ihrem Aufsatz Geographische Frauenforschung – ein neuer theoretischer Ansatz auf die Mobilitätseinschränkungen von Frauen ein und formuliert die Aufgaben der Feministischen Geographie wie folgt:

„Eine feministisch-geographische Untersuchung müsste nun die räumliche Mobilitätsbeschränkung nicht nur inventarisieren, kartieren, Gelegenheitspotential aufzeigen, Bedarfsnachweise für Änderungen führen etc., sondern vor allem Möglichkeiten ihrer Beseitigung studieren.“ (Ostheider o.J., S. 35).

Ostheider bezieht sich konkret auf die Angst von Frauen vor Vergewaltigung und sexuelle Nötigung und die daraus resultierende Raumvermeidung. Laut Ostheider müsse die Frau folglich in die Stadtplanung mit eingeschlossen werden, um eine Sicherung der Bewegungsfreiheit zu garantieren. Dies sei eine grundlegende Aufgabe der Geographie und schließe vor allem die Kartographie mit ein. Beispiele einer praktischen Umsetzung sind Nachttaxis, Frauenparkplätze, Videoüberwachungen von öffentlichen Räumen und kriminalgeographischen Brennpunkten bei Nacht oder andere organisatorische Maßnahmen (Sailer 2004, S. 102). Im nächsten Abschnitt werde ich auf ein konkretes Beispiel zum Thema Mobilitätseinschränkungen eingehen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656015697
ISBN (Buch)
9783656016052
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179209
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Schlagworte
Feministische Geographie Feminist Geography

Autor

  • Autor: undefined

    Karoline Kmieciak (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

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Titel: Feministische Geographie