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Intrinsische vs. extrinsische Motivation

Ein vergleichbares Erfolgspotential für das Fremdsprachenlernen?

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff Motivation
2.1 Intrinsische Motivation
2.2 Extrinsische Motivation

3. Zur Bedeutung des Faktors Motivation für das Fremdsprachenlernen
3.1 Einige Befunde zur intrinsischen Motivation
3.2 Einige Befunde zur extrinsischen Motivation

4. Zu Wechselwirkungen zwischen zwei Motivationsarten

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Das Erlernen einer Fremdsprache bedeutet für jeden Einzelnen von uns etwas Anderes. So werden Einige bspw. überwiegend von positiven Assoziationen berichten, während die Anderen uns an ihren Enttäuschungen teilhaben lassen werden. Jedem Empfinden wird dabei eine individuelle Geschichte zugrunde liegen, welche sich aus zahlreichen Faktoren zusammensetzt. Doch bei all der Individualität sollte man sich darum bemühen, die wichtigsten Faktoren herauszufiltern, die den Erfolg des Fremdsprachenlernens beeinflussen. Zu einem dieser Faktoren gehört die Motivation.

Bereits aus den alltäglichen Erfahrungen wird deutlich, dass Motivation im Sinne von Beweggründen - wie sie vereinfacht verstanden werden kann - sogar im Umgang mit uns vertrauten Menschen schnell unüberschaubar werden kann. Um der Fülle dieses aus der Psychologie stammenden Konzepts einigermaßen Herr werden zu können, gehen WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen aus unterschiedlichen Perspektiven an diese Thematik heran. Mit der Analyse der Motivation erhoffen sich bspw. die Pädagogen, die Wirksamkeit bisheriger Unterrichtssysteme erhöhen zu können (vgl. Macht 1973). Bei den psychoanalytischen Theorien konzentriert man sich hingegen u.a. auf den Aspekt des Bewusstseins des Prozesses namens Motivation (vgl. Deci 1975).

In der vorliegenden Arbeit wird es vom zentralen Interesse sein, den Faktor Motivation aus der Sicht der Fremdsprachenlehrlernforschung zu sehen. Im Hinblick auf den im Vorhergehenden hervorgehobenen Umfang des Konzepts wird hier der Schwerpunkt auf die Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation gelegt. Es wird dabei der Frage nachgegangen, ob die beiden Motivationsarten über ein vergleichbares Erfolgspotential für das Fremdsprachenlernen verfügen.

Als Basis für die Beantwortung dieser Frage sollten die einleitenden Erklärungen zu den zentralen Begriffen Motivation sowie deren zwei Ausprägungen intrinsisch und extrinsisch dienen. Um das angesprochene Potential herleiten zu können, werden darauffolgend einige Befunde zur Bedeutung von intrinsischer bzw. extrinsischer Motivation präsentiert. In Anlehnung an diese Befunde werden einige der Wechselwirkungen zwischen den beiden Arten der Motivation präsentiert, da die vorliegende Arbeit vor allem auf den Vergleich der genannten Dichotomie abzielt.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit, in dessen Rahmen auf der Grundlage bearbeiteter Aspekte eine Antwort auf die oben formulierte Ausgangsfrage geliefert wird.

2. Zum Begriff Motivation

In der Einleitung wurde bereits das basale Verständnis des Begriffes Motivation aufgegriffen. Ohne jeglichen Bezug zu einer wissenschaftlichen Disziplin spricht man nämlich quasi intuitiv von Beweggründen, wenn man an das Konzept Motivation denkt. Ein Blick in das Fremdwörterbuch DUDEN erweitert geringfügig diese neutrale Vorstellung. Motivation bedeutet diesem zufolge „Summe der Beweggründe, die jemandes Entscheidung, Handlung beeinflussen“ (DUDEN 2001: 653). Dass der Motivationsbegriff ein spezifisches Forschungsgebiet der Psychologen ist, ist ebenfalls bereits angeklungen. Doch „the study of motivation is not only a specialized research area within the field of psychology, but also an important pursuit for nearly everyone“ (Staw 1976: 1). Es sind u.a. auch Soziologen, Pädagogen sowie Fremdsprachendidaktiker, die ihre Arbeiten dieser Thematik widmen. Wie die jeweiligen Forscher den Begriff Motivation definieren, wird in dieser Arbeit nicht thematisiert, da dies deren Rahmen sprengen würde. Hingegen wird nachfolgend dem Schwerpunkt der vorliegenden Ausführung entsprechend ein kleiner Überblick über einige Erklärungsansätze zum Motivationsbegriff aus der Fremdsprachenforschung dargeboten.Diesbezüglich stellt beispielsweise Ellis (2006) folgende Definition in den Raum: „[...] motivation involves the attitudes and effective states that influence the degree of effort that learners make to learn an L2[1] “ (ebd.: 75). Ganz allgemein versteht Riemer (2005) unter Motivation ein Bündel interdependenter Komponenten, die interindividuell und intraindividuell variabel und zumindest teilweise bewusstheitsfähig sind. Reinfried (2002) zitiert seinerseits die Darstellung der Fremdsprachenlernmotivation von Dörnyei, laut welcher die Motivation ein 'eclectic, multifaceted construct' sei.

An die letztere Definition anknüpfend und in Anlehnung an den Aufsatz von Kleppin (2001) Motivation. Nur ein Mythos? lässt sich somit zusammenfassend sagen, dass selbst innerhalb derselben Disziplin - hier die Fremdsprachenforschung - eine Vielfalt an Definitionsmöglichkeiten von Motivation gegeben ist. Darunter sozial-psychologische/sozial-edukative Motivationskonzeption, Selbstbestimmungskonzeption mit der Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation sowie Konstrukterweiterungskonzeptionen (vgl. Kleppin, 2001).

2.1 Intrinsische Motivation

Aus der zuletzt angesprochenen Vielfalt wird im Folgenden die Dichotomie intrinsisch vs. extrinsisch herausgegriffen. Einführend sei angemerkt, dass sich eine solche Unterscheidung zwar seit langer Zeit in der Fremdsprachendidaktik etabliert hat, dennoch erst in den letzteren Jahren auch in die empirischen Fremdsprachenforschung Einzug gehalten hat (vgl. Riemer 2005). Darüber hinaus stellt dieses Begriffspaar eine Ergänzung zum integrativ-instrumentellen Motivationsmodell dar (vgl. Noels et al. 2003). Diesem Modell liegen u.a. folgende Vorstellungen von Motivation zugrunde: „[...] an individual's motivation to learn an L2 is sustained by both attitudes toward the L2 community and the goals, or orientations, sought through the acquisition of the L2“ (Noels et al. 2003: 36). Zu dessen Begründern gehören Gardner und Lambert. Von dieser Hintergrundinformationen ausgehend wird nun die intrinsische Motivation im Vordergrund stehen.

Laut Riemer (2005) erwächst intrinsische Motivation aus einem Interesse für die zu lösende Aufgabe und deren Bedingungen. Es handelt sich um selbstbestimmtes freiwilliges Verhalten, welches u.a. mit Spaß und Freude verbunden ist (vgl. ebd.). Eine vergleichbare Vorstellung von intrinsischer Motivation vermittelt auch Urhahne (2008) in seinem Aufsatz Sieben Arten der Lernmotivation, als er schreibt: „Intrinsische Motivation bezeichnet die Absicht oder den Wunsch, eine Handlung um ihrer selbst willen durchzuführen, weil sie als interessant, spannend oder in sich befriedigend erlebt wird“ (ebd.: 157). Greift man erneut den „Vorgänger“ der intrinsischen Motivation die integrative Motivation von Gardner und Lambert auf, die insbesondere 'attitude toward the L2 community' betonen, so wird der weiterführende Aspekt der zuerst genannten Motivationsart am folgenden Statement deutlich. „Indeed, it is possible that many learners do not hold distinct attitudes, positive or negative, towards the target-language group. [..] They may find the kinds of learning tasks they are asked to do intrinsically motivating“ (Ellis 2006: 76). Mit Worten von Kleppin (2001) ausgedrückt, ist bei intrinsischer Motivation die Aufgabe selbst die Quelle der Belohnung.

Auch wenn der Begriff Motivation durch den Aspekt intrinsisch näher spezifiziert wird, gibt es Theorien, wo das Konstrukt der intrinsischen Motivation in differenziertere Subkategorien zerlegt wird. So nimmt der Vertreter von Flow-Theorie Csikszentmihályi an, dass für diese Motivationsform zwei Erlebniswelten charakteristisch seien: „das Gefühl der eigenen Tüchtigkeit und das Gefühl der Selbstbestimmung“ (Kleppin 2001: 222). Vallerand unterscheidet zwischen „IM-Knowledge“ (IM=intrinsic motivation), „IM-Accomplishment“ und „IM-Stimulation“. Auf die Erklärungen einzelner Kategorien wird hier verzichtet, da für das allgemeine Verständnis von intrinsischer Motivation die folgende Feststellung von Noels und ihren Kollegen ausreichend zu sein scheint: „The common basis of these three subtypes is the pleasurable sensations experienced during the self-initiated and challenging activity“ (Noels et al. 2003: 38).

2.2 Extrinsische Motivation

Die extrinsische Motivation fungiert als Weiterentwicklung der im Vorangehenden aufgegriffenen instrumentellen Motivation. Der starke Einfluss der Vorstellung von instrumenteller Motivation wird beispielsweise deutlich an der von Noels und ihren Kollegen vertretenen Definition: „[...] extrinsically motivated behaviors are those actions carried out to achieve some instrumental end [...]“ (Noels et al. 2003: 39). Des Weiteren wird die extrinsische Motivation in der Regel als Opponent der intrinsischen Motivation aufgefasst (vgl. Reinfried 2002).

Eine Handlung gilt als extrinsisch motiviert, wenn die Motivation durch äußere Belohnungen und Anreize erfolgt (vgl. Kleppin 2001). In diesem Zusammenhang sprechen Deci und Ryan vom Grad der Selbstbestimmung, welche ihnen zufolge beim extrinsischen Verhalten eingeschränkt ist (vgl. Riemer 2005). Darüber hinaus unterteilen die Forscher die extrinsische Motivation je nach Wahrnehmung äußerer Anreize vom Lerner in „external regulation“ (Drohungen, Belohnungen als äußere Anreize), „introjected regulation“ (Lerner übernimmt für sich die Regeln von außen), „identified regulation“ (Lerner sieht die Nützlichkeit ein und anerkennt diese) und „integrated regulation“ (es kommt zur völligen Assimilierung mit den übrigen Werten sowie Normen des Lerners) (vgl. Kleppin 2001).

Inwiefern das Wissen über intrinsische sowie extrinsische Motivation sich für das Gebiet der Fremdsprachenlehrlernforschung als nützlich erweisen kann, ist der Gegenstand des nachfolgenden Kapitels.

3. Zur Bedeutung des Faktors Motivation für das Fremdsprachenlernen

Zahlreiche Forschungen in der Fremdsprachendidaktik, die der Untersuchung von affektiven Faktoren dienen, weisen dem Faktor Motivation den größten Einfluss sowie das größte Interventionspotenzial zu. Die theoretischen Annahmen teilen auch fast alle Lehrenden (vgl. Riemer 2002). Das Kriterium der Beeinflussbarkeit scheint dabei das entscheidende und zugleich viel versprechende Unterscheidungsmerkmal der Motivation von anderen (Persönlichkeits-)Faktoren zu sein (vgl. Riemer 2001).

[...]


[1] Klassischerweise ist mit L2 eine Zweit- oder Fremdsprache gemeint, die nach dem abgeschlossenen Erwerb der ersten Sprache einsetzt (vgl. Riemer 2002). Für die Klärung zentraler Begriffe, wofür dieser sowie zwei nachfolgende Unterpunkte vorgesehen sind, wird die genannte Unterscheidung zwischen Zweit- und Fremdsprache aufgrund einleitenden Charakters des Kapitels nicht mitberücksichtigt. Bei den gewählten Definitionen ist demzufolge zunächst nur das erwähnte Kriterium des Zeitpunkts ausschlaggebend. Im Sinne des thematischen Rahmens dieser Arbeit werden jedoch im weiteren Verlauf (vgl. 3.1) diejenigen Befunde zur Motivation präsentiert, die sich hauptsächlich auf das institutionell gesteuerte Fremdsprachenlernen beziehen.

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656015758
ISBN (Buch)
9783656016090
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179199
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Schlagworte
intrinsische motivation erfolgspotential fremdsprachenlernen

Autor

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Titel: Intrinsische vs. extrinsische Motivation