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Ein Vergleich des Frauenbildes in der Anstandsliteratur der Renaissance

von Minos U. (Autor)

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Das Frauenbild in der Renaissance
2.1. Die Anstandsliteratur der Renaissance

3. Frauenbild Baldesar Castiglione im Vergleich mit Giovanni Della Casa
3.1. Äußerliches Erscheinungsbild der Hofdame
3.2. Konversationsführung der Hofdame

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Auch sollten sich die Frauen anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden; nicht Haartracht, Gold, Perlen oder kostbare Kleider seien ihr Schmuck, sondern gute Werke; so gehört es sich für Frauen, die gottesfürchtig sein wollen."[1]

Die Geschichte und die Religionen sind Beweise dafür, wie unterschiedlich die Geschlechter, deren Unterschiede und ihre Tugenden interpretiert werden. Noch heute ist die Frau dem Mann zwar de jure, aber nicht de facto gleichgestellt, was das Frauenbild der Vergangenheit noch heute aktuell erscheinen lässt.

In der folgenden Hausarbeit liegt der Schwerpunkt auf dem Zeitalter der italienischen Renaissance, dem Umgang und der Darstellung des weiblichen Geschlechts in dieser Epoche. „Italien galt als Vorbild in der Kunst und im Leben“.[2] Das Zeitalter der Renaissance beginnt im 14. Jahrhundert. Anhand der Anstandsliteratur dieser Epoche soll herausgearbeitet werden, wie eine Frau sich zu kleiden, zu benehmen und Konversation zu führen hatte. Zwei Autoren werden im Folgenden miteinander verglichen. Zum einen Baldesar Castiglione, Hofmann und humanistischer Diplomat, der mit seinem Werk Das Buch vom Hofmann[3] 1528 ein epochenübergreifendes Werk verfasste und Giovanni Della Casa, welcher mit Der Galateo[4] 1558 ein Traktat über die guten Sitten seiner Zeit schrieb. Männer, die mit ihren Anstandsbüchern ihre Zeit prägten und noch über Jahrhunderte hinweg großen Einfluss auf das Benehmen am Hofe, aber auch auf andere Schichten ausübten.[5]

Zunächst soll das allgemeine Frauenbild der Renaissance herausgearbeitet werden. Im Zuge dessen werden auch Verweise auf andere europäische Zentren erfolgen, um ein umfassendes Bild der Vielfalt der „weiblichen Lebensformen“[6] zu gewährleisten. Daraufhin folgt ein Exkurs über die Geschichte und die Wirkung der Anstandsliteratur in der Renaissance, welcher die Grundlage dafür bietet, Castiglione und Della Casa besser in das Gesellschaftsbild der Zeit einzuordnen. Anhand der berühmtesten und einflussreichsten Werke dieser Männer wird versucht, das Idealbild der Frau zu rekonstruieren. Hierbei soll deutlich werden, welche unterschiedlichen Herangehensweisen beide Autoren haben und was die entscheidenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten in ihrem Frauenbild sind. Ziel ist es, das allgemeine Frauenbild der Renaissance und das der Autoren miteinander zu verknüpfen, zusammenzufassen und aufzuzeigen, wie die Frau in der Realität lebte und wie sie von den gebildeten, wie ungebildeten Männern der Zeit gesehen wurde.

2. Das Frauenbild in der Renaissance

Die Frau in der Renaissance war, wie Margaret L. King zu Recht feststellt, „die Mutter, die Tochter, die Witwe, die Kriegerin, die Geschäftsfrau, die Dienerin, die Nonne, die Ketzerin, die Heilige, die Hexe, die Königin, die Märtyrerin, die Suchende.“[7] Es gab die „unterschiedlichsten weiblichen Lebensformen“[8]. Was sie jedoch alle gemeinsam hatten war, dass sie in einer patriarchalisch geprägten Männerwelt lebten. Wie Foucault zu Recht feststellt, wird „die Sorge um die Frau – um ihren Körper, ihre Gefühle oder ihr Benehmen“ zu einem „konstitutiven Bestandteil des europäischen Kulturlebens.“[9] Die meisten Frauen in dieser Zeit waren Mütter und verbrachten ihre Zeit mit Haushalt und Kindererziehung. Die Geburtenrate lag damals deutlich über der heutigen im westlichen Europa. Es gebaren deutlich mehr wohlhabende Frauen Kinder, da die Kindersterblichkeit hoch war. Da sie aber die finanziellen Mittel hatten, um zusätzliche Haushaltshilfen, wie Ammen und Kindermädchen einzustellen, überlebten deutlich mehr, als in den ärmeren Bevölkerungsschichten.[10] In Frankreich und Italien war es Brauch, Frauen nach einer Geburt reich zu beschenken und sie für kurze Zeit von Familie und Freunden verwöhnen zu lassen. Dass die Geburt für jene Frauen unter gegebenen Bedingungen eine Qual war, war selbst den Männern der Zeit bewusst, so schrieb Joseph Swetnam:

„Kein Leiden, das der Mann erduldet, ist halb so mißlich oder schmerzhaft wie die Niederkunft für eine Frau“.[11]

Nicht selten starb eine Frau bei der Geburt. Viele Frauen mussten weiterhin einen Kindstod befürchten, was zu dieser Zeit nicht unüblich war, aufgrund der hygienischen Bedingungen oder diversen Infektionskrankheiten. Nur zwanzig bis fünfzig Prozent der westeuropäischen Kinder überlebten ihre Kindheit. Weiterhin wurden besonders weibliche Kinder vorsätzlich getötet, um zukünftigen finanziellen Belastungen zu entgehen. Die sogenannte Mitgift musste im Zuge der Eheschließung dem Bräutigam gezahlt werden und konnte Ende des 14. Jahrhunderts bis zu tausend Dukaten hoch sein,[12] was für einige Familien den Ruin bedeuten konnte. Ein weiterer Aspekt, der für junge Frauen eine wesentlich größere Rolle spielte und von der katholischen Kirche gepredigt wurde, war das Ideal der Keuschheit. Die weibliche Ehre wurde durch eben diese garantiert und konnte für einige Familien von großem wirtschaftlichem Vorteil sein, da der Wert des jungen Mädchens, durch ihre Jungfräulichkeit stieg.[13]

In den meisten europäischen Zentren der Renaissance, wurde die Rolle der Frau im öffentlichen Leben stark eingeschränkt. Hinweise auf Ansätze der Partizipation der Frau, sind frühestens Anfang des 16. Jahrhunderts zu erkennen, als die Frauen begannen, als Angestellte in Seiden- und Wollmanufakturen zu arbeiten. Die Frauen wurden nicht nur durch die Kirche, sondern auch durch die gelehrten Humanisten auf ihr „Heim, das Schweigen, die Schlichtheit verpflichtet.“[14] Sie seien in ihrer Sexualität unersättlich, wodurch die „moralische Macht“ des Mannes über die Frau gerechtfertigt wurde. Es war eine „reale Macht“, eine „juristische, soziale, sexuelle, und physische“, die den Männern naturgegeben erschien. Wie Cicero in seinem Werk De officiis – Vom rechten Handeln betont, muss der Mensch durch Dekorum seine Leidenschaften durch seinen Verstand unter Kontrolle haben, unter der die „moralische Erziehung“ des Menschen verstanden wird.[15] Es gab aber auch „Ausnahmefrauen“, weibliche Erscheinungen der Renaissance, die versuchten mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, die Zivilisation mitzugestalten.[16] Eine hervorstechende weibliche Persönlichkeit war Johanna von Orleans, die als schlichtes Bauernmädchen sich die Rüstung eines Kriegers aneignete und in den Krieg zog. Die Folge war, dass sie als „Ketzerin“ oder „Abtrünnige“ beschimpft und letztlich durch die Inquisition hingerichtet wurde. Frauen wie Mary Tudor, Elisabeth der Großen oder Caterina Sforza, waren allesamt herrschende Frauen, die zwar eher die „Macht der Patronage“ besaßen, als eine Macht über das Volk, aber trotzdem einen Teil zur Geschichte ihres Landes beitrugen. Sie hatten meist die Möglichkeit, die „Kultur mitzuformen“.[17] Allerdings wurde die „Vortrefflichkeit der Frau“ auch im Italien der Renaissance zum Thema. Besonders an den Höfen wurde das weibliche Geschlecht erörtert und fand einige Verehrer. Nicht nur Castiglione verehrte die Frau und widmete ihr eine Abhandlung zum Thema, auch weibliche Schriftstellerinnen thematisierten die Stellung des eignen Geschlechts, wie Lucrezia Marinelli über die Vornehmheit und die Würde der Frau[18].

[...]


[1] Bibel, 1.Timotheus 2,9-10

[2] Peter Burke: Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien, übers. Von Klaus Kochmann, München, 1998, S.219

[3] Baldasar Castiglione: Das Buch vom Hofmann, übers. von Fritz Baumgart, Bremen, 19960

[4] Giovanni Della Casa: Der Galateo. Traktat über die guten Sitten, übers. von Michael Rumpf, Heidelberg, 1988

[5] Vgl.: Erich Loos: Literatur und Formung eines Menschenideals. Das „Libro del Cortegiano“ von Baldassare Castiglione, Wiesbaden, 1980, S.4

[6] Margaret L. King: Frauen in der Renaissance, übers. Von Holger Fliessbach, München, 1993, S.7

[7] King: Frauen in der Renaissance, S. 7

[8] King: Frauen in der Renaissance, S.7

[9] Anne-Marie Bonnet, Barbara Maria Schellewald: Frauen in der Frühen Neuzeit. Lebensentwürfe in Kunst und Literatur, Köln, 2004, S.21

[10] Vgl.: King: Frauen in der Renaissance, S.11

[11] King: Frauen in der Renaissance, S.13

[12] King: Frauen in der Renaissance, S.38

[13] Vgl.: King: Frauen in der Renaissance, S.88

[14] King: Frauen in der Renaissance, S.54

[15] Vgl.: Peter Burke: Die Geschicke des Hofmann. Zur Wirkung eines Renaissance-Breviers über angemessenes Verhalten, übers. Von Ebba D. Drolshagen, Berlin, 1996, S.21

[16] King: Frauen in der Renaissance, S.188

[17] King: Frauen in der Renaissance, S.192

[18] Vgl.: Burke: Renaissance, S.31

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668162808
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179113
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
Schlagworte
verlgeich frauenbildes anstandsliteratur renaissance

Autor

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