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Gegen die Kirche und für den Glauben? - Eine Analyse des Films "Dogma"

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Plot

3. Inhaltliche Schwerpunkte

4. Analyse des Films
4.1 Der Titel
4.2 Die Akteure und ihre Funktionen
4.2.1 Die „Bösen“
4.2.2 Die „Guten“
4.3 Metaphern

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Im Folgenden soll der Film „Dogma“ hinsichtlich seiner Aussagekraft bezüglich Religion und Glaube kritisch analysiert werden. Dabei soll vor Allem der Frage nach gegangen werden, ob der besagte Film, oder besser gesagt der Regisseur und Autor des Drehbuches Kevin Smith, eine atheistische Einstellung vertritt und somit Religion in all seinen Facetten und Formen attackieren und ad absurdum führen möchte.

Oder ob er, im Gegenteil, ein eher gläubiger Mensch ist und nur einige Aspekte der Religion, welche ihm zu wider sind oder die er für überholt und überflüssig erachtet, zu kritisieren und anzusprechen versucht.

Um dies heraus zu finden, soll zunächst einmal die Handlung des Films in kurzer Form wieder gegeben werden, damit auch Leute, die ihn nicht gesehen haben, verstehen was der Gegenstand der Untersuchung ist.

Anschließend sollen die inhaltlichen Schwerpunkte heraus gearbeitet und, zunächst einmal oberflächlich, auf ihre jeweiligen Intentionen hin untersucht werden. Außerdem sollen die Zielgruppe des Films und der Grund für eben diese bestimmt werden.

Danach soll die Analyse des Films und seiner Inhalte in einem ausgiebigeren Rahmen fortgeführt werden. Dazu werden sowohl der Titel als auch die einzelnen Charaktere sowie Metaphern, die im Film verwendet werden, hinsichtlich ihrer Funktionen und der mit ihnen verbundenen Aussagen, genau untersucht.

2. Der Plot

Der Film „Dogma“ stellt eine Mischung aus Fantasyfilm und Satire dar.

Die Hauptakteure des Filmes sind zwei Engel namens Barthelby und Loki, die aus dem Himmel verbannt wurden. Auf ihrer Suche nach einer Möglichkeit zur Rückkehr stoßen Sie auf die Möglichkeit eines Generalablasses für Sünder. Sie erfahren, dass durch das Betreten einer bestimmten Kirche in New Jersey, einem alle Sünden vergeben werden. Anlass dafür ist die Feier zum Einhundertjährigen Bestehen der besagten Kirche und das in diesem Zuge gemachte Versprechen des Kardinals der Selben.

Eine so erfolgte Rückkehr in den Himmel würde aber die Unfehlbarkeit Gottes widerlegen, was das Ende allen Seins zur Folge hätte. Damit dies nicht geschieht, wird der einzigen noch lebenden Nachkommin der Eltern Christi, Bethany mit Namen, der Auftrag erteilt, die Beiden an ihrem Vorhaben zu hindern. Dabei helfen sollen Ihr der 13. Apostel Rufus, die beiden Propheten Jay und Silent Bob sowie die Stimme Gottes (Metatron) und die Muse Serendipity.

Ein weiterer Akteur ist der Dämon Azrael, welcher ebenfalls aus dem Himmel verbannt wurde, weil er Gott nicht im Kampf gegen den Aufständischen Luzifer unterstützt hatte. Dieser versucht natürlich wiederum die Vorhaben der himmlischen Gesandten zu sabotieren.[1]

3. Inhaltliche Schwerpunkte

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, stellt der Film eine Satire dar. Dabei wird, wie schon aus dem Titel ersichtlich, das Thema Dogmatik, in erster Linie in der katholischen Kirche, auf humorvolle Art und Weise kritisch hinterfragt und dadurch zum Nachdenken angeregt.

Dabei stehen, sicherlich auch bedingt durch das Genre, vor allem junge Zuschauer im Fokus, die sich, auch auf Grund der starren und häufig nicht mehr Zeit gemäßen Vorschriften der institutionalisierten Religionen, immer weniger mit dem Glauben an einen Gott oder mit den Inhalten verschiedener Religionen befassen. Dies wird auch in einem Interview, dass Regisseur Kevin Smith zu dem Film gegeben hat, deutlich: „The movie is for those cats, younger people, who would like to think about faith but can't because the trappings of organized religion sometimes get in the way“[2]

Basis für die dar gestellten Szenen ist die christliche Mythologie sowie, eng damit verknüpft, Charaktere und Geschichten aus der Bibel.

Dabei soll aber nicht Religion an sich, sondern eher ihre institutionalisierte Ausprägung einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Auch dies lässt sich durch einen Ausschnitt aus einem Interview belegen:

„the movie wasn't designed for people who think Catholicism and the Catholic Church are beyond close inquiry. "Dogma" is for people who believe in God and think of themselves as spiritual but are confused and demoralized.“[3]

Des Weiteren stehen, über die thematische Fokussierung auf die kirchlichen Dogmen hinaus, auch radikale und fanatische religiöse Meinungen im Blickpunkt, welche als sehr negativ und schädigend für den Ruf der Religion im Allgemeinen dargestellt werden. Smith dazu: "I'm not a person who looks down on people for what they believe. I do believe in the faithful. It's the fanatics that give us a bad name; they feel the need to convert everyone."[4]

4. Analyse des Films

4.1 Der Titel

Der Begriff „Dogma“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Lehrsatz“ oder schlicht „Meinung“. In der Religion steht es für eine normative Glaubensmeinung, welche elementar für die Autorität der jeweiligen vermittelten religiösen Inhalte ist. So stellt ein Dogma in der Theologie der katholischen Kirche beispielsweise eine von Gott selbst offenbarte und somit unantastbare Wahrheit dar, deren Negierung durch ein Mitglied oder eine Gruppe innerhalb der Kirchengemeinschaft zu deren sofortigen Ausschluss von eben dieser führen würde.

Auf Grund seines Status als direkt von Gott kommend, muss ein Dogma folglich nicht begründet werden, sondern erhält seinen Anspruch auf Wahrheit durch eben diesen Umstand.[5]

Somit stellt ein Dogma, streng genommen, eine sehr ignorante Denkstruktur dar, die sich durch den Bezug auf etwas nicht nachweisbares(Gott) einer kritischen sowie rationalen Hinterfragung der behaupteten Dinge zu entziehen versucht.

Der Titel impliziert also eine Kritik an der katholischen Kirche mit explizitem Fokus auf deren starre und unverrückbare Haltung in Bezug auf verschiedene brisante Themen wie z.B. Abtreibung. So arbeitet die bereits erwähnte Bethany in einer Klinik für Abtreibung. Und da sie, wie bereits erörtert, eine Nachfahrin von Jesus ist, sagt dies aus, dass auch Menschen, die in direktem Bezug zu den Personen stehen auf die der katholische Glaube sich beruft, Abtreibungen in speziellen Situationen für richtig halten.[6]

Eine Szene im Film zeigt Bethany auf ihrem Weg zur Arbeit, als sie plötzlich von einigen Abtreibungsgegnern aufgehalten und beschimpft wird.

Doch durch die simple Behauptung, dass der Papst hinter den Demonstranten zu sehen sei, lenkt sie sie erfolgreich von sich selbst ab.[7] Dies macht zum Einen eine klare Kritik am Papst von Seiten des Regisseurs und Drehbuchautors Kevin Smith deutlich und zum Anderen eine ebenso drastische an dessen Anhängern, die naiv und leicht beeinflussbar auf Bethanies Täuschung herein fallen, was auf ihr Verhalten gegenüber den Anweisungen des Papstes verweisen soll. Man spricht ihnen also die Fähigkeit zum selbstständigen Denken ab und dem Papst die Schuld für das Verharren vieler Leute in starren Denkmustern zu.

4.2 Die Akteure und ihre Funktionen

4.2.1 Die „Bösen“

Loki und Barthelby

Loki und Barthelby sind zwei gefallene Engel, die in Wisconsin leben bis sie von Azrael auf die bereits im ersten Kapitel angesprochene Möglichkeit auf eine Rückkehr in den Himmel aufmerksam gemacht werden.[8]

Sie stehen gleichzeitig für eine völlige Ablehnung aller Religionen, also für einen ausgeprägten Atheismus, sowie für das Böse in einer intelligenten und hinterhältigen Form.

Beispiele hierfür sind ein Gespräch Lokis mit einer Nonne, die er, obwohl er ja weiß das Gott existiert, mit Hilfe eines Gleichnisses, wie man es eigentlich eher aus der Bibel kennt, vom Glauben abbringt. Das Gleichnis beinhaltet sowohl einen Zimmermann, welcher wohl für Jesus steht, da dieser Sohn eines Zimmermanns war, sowie ein Walross, welches auf Grund seiner Stoßzähne Ganesha, eine Elefantengottheit aus dem Hinduismus oder aber, bedingt durch das ruhige Wesen sowie die Körperfülle auch für einen Buddha, der ja häufig auch korpulent dar gestellt wird. Austern stehen für den Gläubigen.

Das Walross und der Zimmermann überreden dann die Austern ihnen zu folgen, um sie schlussendlich auszuschlürfen.[9]

Dies soll folglich zeigen, dass Anhänger einer Religion nur von dessen Begründern bzw. geistigen Führern angelogen und ausgebeutet werden.

Azrael

Azrael wurde von Gott aus dem Himmel verbannt und in die Hölle geschickt. Grund dafür war die Verweigerung Azraels zur Unterstützung Gottes im Kampf gegen den luziferischen Aufstand.[10]

Der Name Azrael ist zwar an sich nicht biblisch aber leitet sich wohl von „Asasel“ ab. Dieser ist in der Bibel Derjenige, zu dem am Versöhnungstag ein Bock, welcher mit allen Sünden der Israeliten beladen ist, in die Wüste geschickt werden soll, also der so genannte Sündenbock. Eben genannter Asasel ist ein Wüstendämon, dem diese Sünden dann mit Hilfe des Bocks symbolisch aufgeladen werden.[11]

Dabei gibt es einige Parallelen zur Figur Azrael. Er wird in die Hölle verbannt, die als Wüste aufgefasst werden kann und er verursacht den ganzen Ärger, weil er Barthelby und Loki den Tipp für ihre Rückkehr in den Himmel gibt und ist somit der Sündenbock, der die Schuld trägt.

[...]


[1] Dogma, dir. Smith, Kevin, wr. Smith, Kevin, pr. Mosier, Scott u. Smith, Kevin, USA 1999 (Im Folgenden zitiert als: Smith, Dogma)

[2] http://www.newsaskew.com/dogmarc/article148.html, geöffnet am 30.11.2010

[3] Eben da

[4] Eben da

[5] Leonhardt, Rochus: Grundinformation Dogmatik, ein Lehr- und Arbeitsbuch für das Studium der Theologie, Göttingen 2001

[6] Smith, Dogma

[7] Eben da

[8] Smith, Dogma

[9] Eben da

[10] Smith, Dogma

[11] Odelain, Olivier: Lexikon der biblischen Eigennamen, Düsseldorf 1981 (Im Folgenden zitiert als: Odelain, Eigennamen)

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656014027
ISBN (Buch)
9783656014379
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179087
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
Schlagworte
gegen kirche glauben eine analyse films dogma

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