Lade Inhalt...

Ursprünge und Ausprägungen von Totenritualen und Seelenwanderungslehre im Hinduismus

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung des brahmanischen Totenrituals

3. Religiöse und kulturelle Gründe für die Entstehung der Seelenwanderungslehre

4. Kennzeichen der Lehre

1 Einleitung

Für einen Großteil von uns ist es wahrscheinlich nicht besonders angenehm sich Gedanken über die Endlichkeit des eigenen Lebens und dessen Unausweichbarkeit zu machen. Da uns Erfahrungswerte fehlen und die Vorstellung von einem abrupten Ende all unserer Empfindungen, Gedanken und Gefühle in uns Unbehagen und Furcht auslösen, vermeiden wir lieber zu viel Kopfzerbrechen über dieses Thema oder suchen nach Antworten oder Anzeichen für eine, wie auch immer geartete, Fortdauer der eigenen Existenz nach dem Tode.

Häufig finden sich solche Antworten und Erklärungen in Religionen, religiösen Gruppierungen oder Sekten, die sich aber zumeist sehr von einander unterscheiden und deren Ausgestaltungen immens unterschiedliche Ausformungen annehmen können.

Von diesen mannigfaltigen Vorstellungen zum Thema Leben nach dem Tod soll aber in dieser Arbeit nur eine, genauer gesagt die des Hinduismus, genauer unter die Lupe genommen und in ihren Grundzügen erläutert werden.

Dazu soll zunächst ein praktisches Beispiel gegeben und erläutert werden, um einen Einstieg in die behandelte Materie zu finden und es dem Leser einfacher zu machen, sich die Dinge über die geschrieben wird etwas konkreter vorzustellen. Bei diesem Beispiel handelt es sich um ein brahmanisches Sterbe- und Totenritual.

Daran anschließend soll eine etwas theoretischere Befassung mit der hinduistischen Lehre von Wiedergeburt und Karma ein wenig tiefer in die Materie eindringen und etwas über die Ursprünge und Gründe Dieses und Anderer Rituale sowie religiöser Praktiken innerhalb des Hinduismus verraten.

2. Darstellung eines brahmanischen Totenrituales

Oberflächlich betrachtet muten hinduistische Bräuche und Praktiken für Außenstehende, die aus einem eher christlich, jüdisch oder islamisch geprägtem Umfeld oder Kulturkreis kommen, die untereinander ja doch einige Ähnlichkeiten in ihren religiösen Praktiken und ihrem Glauben aufweisen, wohl eher fremd und sehr gewöhnungsbedürftig an. Allerdings kann man bei näherer Beschäftigung mit dem brahmanischen Sterbe- und Totenritual (antyesti) auch einige Ähnlichkeiten, sowohl im Ablauf als auch in der Liturgie, zu beispielsweise christlichen Totenritualen erkennen.

Bei der nun folgenden Nennung der Ähnlichkeiten steht allerdings nicht der Vergleich beider Rituale an erster Stelle, sondern der bereits in der Einleitung genannte Einstieg in das behandelte Oberthema.

Ähnlichkeiten zwischen den beiden Ritualen sind z.B. die Durchführung eines Trauerzuges, die Versammlung der Trauernden am Toten, die Einbalsamierung des toten Körpers sowie dessen Besprengung mit Wasser, dessen Aufbahrung sowie eine Totenwache und das Tragen spezieller Kleidung sowohl von den Hinterbliebenen als auch vom Verstorbenen selbst. Des Weiteren gibt es einen Leichenschmaus und es ist eine gewisse Trauerzeit vorgesehen.[1]

Die herausragende Ähnlichkeit ist aber wohl die Vorstellung von dem Weg, welchen der Verstorbene nach seinem Tode zu bewältigen hat.

Sowohl im christlichen als auch im brahmanischen Ritual werden dem Dahingeschiedenen neben einer Verpflegung für seine Reise auch Segenswünsche zukommen gelassen und Gebete für ihn gesprochen.[2]

Diese Form der Begleitung des Toten, der auf indisch preta, also „Dahingegangener“, heißt ist ein essentieller Bestandteil des brahmanische Rituals. Dieser wird nämlich auf seiner postmortalen Reise von den Trauernden und den Priestern durch deren Gebete spirituell begleitet. Dadurch entsteht eine Art, durch das Ritual hervorgerufene, spirituelle Verbindung zwischen dem Verblichenen und Denen, die das Ritual durchführen.

Wie wir im weiteren Verlauf der Beobachtung noch sehen werden, ist diese spirituelle Verknüpfung nicht nur auf die unmittelbar auf das Ableben folgenden Tage beschränkt, sondern wird in der Ahnenverehrung noch lange Zeit praktiziert und fortgesetzt.

Nach dieser kurzen Einführung befassen wir uns nun mit einer eingehenderen Untersuchung des brahmanischen Totenrituals.

Dazu sollen die einzelnen Schritte und Vorgehensweisen aber komprimiert und in zusammen gefasster Form dargestellt werden, um eine unausgewogene Behandlung der verschiedenen Themenkomplexe zu verhindern.

Die erste Handlung nach dem Eintreten des Todes ist es, den Leichnam auf die vorab mit Hilfe von Kuhdung gereinigte Erde zu legen.

Zur Verhinderung des Entschwindens der Seele aus dem Körper des Verstorbenen noch vor dessen Reise, werden sämtliche Körperöffnungen mit Goldstücken oder Grasbüscheln verschlossen sowie ein schwarzer Stein auf den Oberkörper gelegt.

Anschließend wird der Leichnam, nachdem er in weiße Tücher gehüllt wurde, durch die Hintertür des Hauses herausgebracht. Dies muss mit den Füßen zuerst geschehen. Draußen wird er dann auf eine Bahre aus Bambusholz gelegt und, unter Ausschluss von Personen weiblichen Geschlechts, zum Verbrennungsplatz getragen. Dort wird der Leichnam auf einem Scheitehaufen verbrannt, wobei der Kopf gen Norden gerichtet sein muss. Zur Linderung der Qualen wird der Haufen mit Wasser bespritzt. Am Ort der Verbrennung selbst dürfen keinerlei Emotionen geäußert werden. Dies darf nur im Privaten geschehen. Im Zuge der Trauer werden häufig auch die sehr bitter schmeckenden, so genannten „Nimblätter“ gekaut. Ihr Aroma soll auf die Bitterkeit des Todes verweisen.

Wie bereits ausgeführt ist die spirituelle Begleitung des Verblichenen ein wichtiger Teil des Rituals. Dabei werden häufig so genannte pinda, also aus Weizenmehl hergestellte Klöße, als Nahrungsopfer dar gebracht, welche die Götter besänftigen sollen.

Die Klöße dienen außerdem dazu, dem Verstorbenen einen neuen Körper im Jenseits zu erschaffen, damit er sich dort seinen bereits verstorbenen Vorvätern anschließen kann und nicht von Ihnen verstoßen wird.

Die bereits angesprochene und in Anschluss an das Sterberitual durchgeführte Ahnenverehrung, sraddha genannt, ist ein weiterer Teil des brahmanischen Rituals. Es existieren drei Arten der sraddha.

Die Erste ist die Durchführung der so eben beschriebenen Sterberituale, die sofort nach dem Tod durchgeführt werden.

Die Zweite ist die Periodische Ahnenverehrung, die entweder täglich, monatlich oder jährlich durchgeführt wird. Dabei handelt es sich üblicherweise um eine Verehrung von den Vorfahren des Vaters.

Die Dritte ist schließlich die kollektive Verehrung von allen Ahnen an bestimmten Feiertagen.

Zentral bei dem hier beschriebenen Ritual ist auch der Fakt, dass es sich nicht bloß um eine simple Kulthandlung handelt, deren Ursprung und Sinn schon lange verloren gegangen sind, sondern, im Gegenteil, um eine zielorientierte Handlung, bei der der Verstorbene und dessen sichere Reise ins Jenseits im Mittelpunkt stehen. Dabei bewegt sich das Ritual stets zwischen diesseitiger Realität und jenseitiger Mystik.[3]

[...]


[1] Michaels, Axel: Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart, München 1998, S. 149 (Im Folgenden zitiert als: Michaels, Hinduismus)

[2] Eben da

[3] Müller, Klaus-Werner: Das brahmanische Totenritual nach der Antyestipaddhati des Narayanabhatta, Stuttgart 1992, S. 79

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656014928
ISBN (Buch)
9783656014805
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179085
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
Schlagworte
ursprünge ausprägungen totenritualen seelenwanderungslehre hinduismus

Autor

Zurück

Titel: Ursprünge und Ausprägungen von Totenritualen und Seelenwanderungslehre im Hinduismus