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Medienpädagogische Aufgaben für die Schulbibliothek 2.0

Informationsbeschaffung und Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz

Hausarbeit 2011 20 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffe
2.1 Informationskompetenz
2.2 Medienkompetenz
2.3 Schulbibliothek 2.0

3 Aufgaben und Ziele von Schulbibliotheken
3.1 UNESCO Schulbibliotheksmanifest
3.2 Realität von Schulbibliotheken in Deutschland

4 Informationsbeschaffung und Mediennutzung
4.1 Jugendliche - Informationsbeschaffung inmitten der medialen Reizüberflutung
4.1.1 Bedürfnisgruppen
4.1.2 Intellektuelle Entwicklung
4.1.3 Sozialmoralische Entwicklung
4.2 Schulbibliotheken - Informationsbeschaffung inmitten medialer Entwicklungen und Trends
4.2.1 Ausstattung
4.2.2 Personal
4.2.3 Medienpädagogisches Konzept
4.2.4 Lerntheoretische Orientierung

5 Medienpädagogische Aufgaben im Spannungsfeld
5.1 Handlungs- und interaktionsorientierte Medienerziehung
5.2 Medienpädagogische Aufgaben für die Vermittlung von Informations-und Medienkompetenz in der Schulbibliothek 2.0

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anm. d. Verfasserin:

Zur besseren Lesbarkeit wird meistens die männliche Personalform verwendet. Die weibliche ist dabei immer mitzudenken.

1 Einleitung

Informationen, Wissen und Medien spielen in unserer Gesellschaft eine zunehmende Rolle. Die Informationsgesellschaft setzt dabei auf die Ausbildung ‚neuer Schlüsselkompetenzen‘ wie Informations- und Medienkompetenz und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Jedoch sucht man im föderalen Bildungsland Deutschland an den Schulen nach flächendeckenden Medienbildungskonzepten und einer Chancengleichheit gewährleistenden Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz vergeblich. 2003 lag Deutschland in der schulischen Computernutzung mit nur 21% auf dem letzten Platz der an der PISA-Befragung teilnehmenden OECD-Staaten (vgl. Prenzel et al 2005, S. 17). Auch 2011 setzt nur knapp ein Viertel der Lehrkräfte überhaupt neue Medien im Unterricht häufig (mehrmals pro Woche) ein, davon fallen 88% der Nutzung auf Internetrecherchen (vgl. BITKOM 2011). „Digitale Medien kommen in den Schulen noch zu selten zum Einsatz, um den Schülern ausreichend Medienkompetenz zu vermitteln und auf Studium und Beruf vorzubereiten“ (Walter Scheer, BITKOM 2011). Im wissenschaftlichen Bildungssektor hat sich inzwischen die Idee der ‚Teaching Library‘ etabliert, die die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als eine Kernaufgabe versteht (vgl. Lux & Sühl-Strohmenger 2004, S. 15). Auch Öffentliche Bibliotheken werden zunehmend als außerschulischer Lernort für Informationskompetenz und selbstbestimmtes lebenslanges Lernen gesehen und erweitern dahingehend ihre Angebote (vgl. Seewald 2007, S. 137). Bei all diesen öffentlichen und wissenschaftlich geführten Diskussionen bleibt die Schulbibliothek jedoch fast gänzlich unbeachtet. Dies erstaunt umso mehr, da doch die Schulbibliothek per se sowohl in einen allgemeinen Bildungsauftrag als auch in die jeweilige Schule mit ihrem speziellen Bildungsschwerpunkt eingebunden ist und ihr propädeutisches Potential für das Lernen im Zusammenhang mit Informationen, Wissen und Medien offensichtlich scheint.

Im Rahmen dieser Hausarbeit werden daher medienpädagogisch relevante Aspekte erörtert, um der Frage nachzugehen, welche bedeutenden medienpädagogischen Aufgaben für Schulbibliotheken im Bereich der Informationsbeschaffung und der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz lokalisiert werden können, vor allem im Bereich neuer Medien. Unter Beachtung des Umfangs wird der Blick auf Seiten der Lernenden auf Jugendliche und auf Seiten der Schulbibliothek auf das Modell 2.0 konzentriert. Nach der Erläuterung verwendeter Begriffe werden beide Seiten zunächst einzeln betrachtet, um anschließend im Spannungsfeld beider Seiten entlang des Konzepts einer handlungs- und interaktionsorientierten Medienerziehung Antworten zu finden.

2 Begriffe

Informations- und Medienkompetenz unterliegen vielerlei Verschränkungen, eine klare Trennung ist daher nicht immer möglich, besonders hinsichtlich der neuen Medien. Folgende Ansätze sollen hier zugrunde gelegt werden:

2.1 Informationskompetenz

Nach Lux kann darunter die Fähigkeit verstanden werden, Informationsbedarf zu erkennen, Informationen mit geeigneten Methoden und Medien zu ermitteln, Informationen zu bewerten und diese hinsichtlich der Problemstellung effektiv zu nutzen und zu präsentieren (2007, S. 200ff). Informationskompetenz schließt alle Medien ein. Diese problem- bzw. handlungsorientierte Perspektive lässt Überschneidungen zur Medienkompetenz als Teil der Informationskompetenz erkennen, z.B. bei der geeigneten Medienwahl, der kritischen Bewertung oder der Präsentation.

2.2 Medienkompetenz

Das Begriffskonstrukt Medienkompetenz wird sehr unterschiedlich definiert. Einen wichtigen Beitrag zur Klärung lieferte erstmals Baacke, der sich für die vier Dimensionen Medienkritik, -kunde, -nutzung und -gestaltung aussprach (vgl. Baacke 1998). Für die schulische Praxis eignet sich die Definition Gerhard Tulodzieckis aufgrund ihres Handlungsbezugs. Sie steht im Kontext eines generellen Erziehungs- und Bildungsauftrags der Schule mit der Zielvorstellung, Kindern und Jugendlichen „ein sachgerechtes und selbstbestimmtes, kreatives und sozialverantwortliches Handeln in einer von Medien durchdrungenen Welt [zu] ermöglichen“ (Tulodziecki 2011, S. 82). Seine fünf Dimensionen der Medienkompetenz beinhalten die beiden Handlungszusammenhänge Auswahl und Nutzen von Medienangeboten (1.) und Gestalten und Verbreiten eigener Medienbeiträge (2.), sowie die inhaltlichen Bereiche Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen (3.), Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen (4.) und Analysieren von Bedingungen der Medienproduktion und -verbreitung (5.) (ebd. S. 83). Informationskompetenz kann hier sowohl als Voraussetzung für als auch als Folge von Medienkompetenz im oben beschriebenen Sinne interpretiert werden.

2.3 Schulbibliothek 2.0

Damit ist „die Rolle der Schulbibliothek als Lernort im "digitalen Zeitalter" gemeint. Ihre Nutzung geht über den Wissensspeicher mit Bücherregalen und Ausleihtheke hinaus. Die Schulbibliothek wird zum Ort, an dem mittels neuerer digitaler Werkzeuge (Stichwort Web 2.0) mehr Kommunikation und Interaktion möglich wird“ (Schlamp 2010). Neue Medien und Internet gehören hier zum Alltag. Analog zum Web 2.0 bedeutet dies einen Paradigmenwechsel von Nutzern als Rezipienten hin zu Nutzern als Produzenten, es werden u.a. neue, kooperative Formen des Lernens, der Informationsbeschaffung und Wissensorganisation möglich (vgl. Albrecht et al, 2007, S. 3).

Ein Modell, das bisher nur ein geringer Teil der Schulen in Deutschland umsetzt.

3 Aufgaben und Ziele von Schulbibliotheken

Schulbibliotheken sind Einrichtungen in oder zugehörig zu Schulen, die vorrangig von Schülern genutzt werden und ihnen Ressourcen für unterschiedliche Zwecke zur Verfügung stellen. Schulbibliotheken sind nicht zu verwechseln mit den Lehrmittelbüchereien von Schulen, die aufgrund der Lehrmittelfreiheit Schulbücher bereitstellen. Allgemeingültige Aussagen über Aufgaben und Ziele lassen sich aufgrund des Fehlens von Standards und sich daraus ergebenden völlig unterschiedlichen Voraussetzungen nicht treffen. In Deutschland haben Schulbibliotheken bisher überwiegend lesefördernde Aufgaben (s. LAG). Aufgaben und Ziele richten sich generell nach den Gegebenheiten, Anforderungen, Bedürfnissen und Zielsetzungen der zugehörigen Schule und können zwischen einfachen Leseecken zur Leseförderung über Sozialisations- und Kommunikationsorte bis zu multimedialen Informations- und Lernzentren variieren. Medienpädagogische Aufgaben können daher vom Lernen des Umgangs mit Büchern über die Nutzung von Informationssystemen bis zu digitalen Medien und eigenen Medienproduktionen alles Denkbare umfassen. Dabei spielen sowohl Schultyp als auch Alter der Kinder eine entscheidende Rolle. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Modellen die Erwartung, dass die Nutzung der Schulbibliothek einen erwünschten positiven Beitrag zur Entwicklung der Kinder und Jugendlichen leistet.

3.1 UNESCO Schulbibliotheksmanifest

Das von der IFLA/UNESCO im Jahr 2000 veröffentlichte Manifest kann als international anerkannte Richtlinie zur Schulbibliotheksentwicklung gesehen werden. Es stellt den Schulbibliotheken idealtypische Standards als Leitlinie bereit. Zu den Aufgaben von Schulbibliotheken heißt es dort „Die Schulbibliothek stellt Informationen und Ideen zur Verfügung, die grundlegend für ein erfolgreiches Arbeiten in unserer stetig wachsenden informations- und wissensbasierten Gesellschaft von heute sind. Die Schulbibliothek rüstet die Schüler mit der Fähigkeit zum lebenslangen Lernen aus und entwickelt ihre Vorstellungskraft. Damit versetzt sie sie in die Lage, ein Leben als verantwortungsbewusste Bürger zu führen.“ (IFLA 2002, S. 4) Damit hebt das Manifest die aktive Rolle von Schulbibliotheken bei der Vermittlung von Informationskompetenz und der Hinführung zu selbstbestimmtem lebenslangen Lernen hervor, als Voraussetzung zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft und geht somit weit über die in Deutschland überwiegend verbreiteten Schulbibliotheken mit Aufgabenschwerpunkt Leseförderung hinaus. Aus dieser bibliotheksfachlichen Perspektive erscheint Medienkompetenz als Teil der Informationskompetenz: „Selbstständig Lernende […] sollten Medien für Informationsbedürfnisse nutzen, Antworten auf Fragen suchen, abweichende Perspektiven berücksichtigen und unterschiedliche Standpunkte bewerten können“ (ebd., S. 21).

3.2 Realität von Schulbibliotheken in Deutschland

Schulbibliotheken nehmen in der deutschen Bildungsforschung ein Randdasein ein. Wenn überhaupt, werden sie i. d. R. im Zusammenhang mit Lesekompetenz gesehen (vgl. LAG). Sie werden fachlich als Sonderform der Öffentlichen Bibliotheken definiert, da sie aber weder zum Schul- noch zum Bibliothekswesen gehören sind die Zuständigkeiten zwischen Schulträgern, Ländern und Kommunen unklar und somit unverbindlich. Daher gibt es auch kein klares zugehöriges Berufsbild, keine Ausbildung für Schulbibliothekspersonal, keine Regelung der Personalfinanzierung. Oft betreuen Schülerteams und Ehrenamtliche die Bibliotheken, unterstützt von bibliotheksfachlichem Personal ohne pädagogische Kenntnisse oder Lehrkräften ohne bibliotheksfachliche Kenntnisse. Ebenso existiert keine Schulbibliotheksstatistik. Experten schätzen, dass ca. 15% der 43.000 allgemeinbildenden und 9000 berufsbildenden Schulen eine Bibliothek besitzen, die fachlichen Standards genügt (vgl. dbv). Man kann davon ausgehen, dass von den 15% wiederum nur ein geringerer Teil aktiv und zielgerichtet an medienpädagogischen Aufgaben zur Informations- und Medienkompetenz und neuen Medien beteiligt ist.

4 Informationsbeschaffung und Mediennutzung

„Durch die unendliche Menge an Informationen, die heute in unterschiedlicher Form und in sehr verschiedenen Medien vorhanden ist, wird es immer wichtiger, die Differenzen zwischen diesen vielfältigen Medien zu erkennen“ (Lux 2007, S. 201). Darüber hinaus ist es wichtig, die Flut von Informationen auch kritisch beurteilen zu können. Einer besonderen Bedeutung kommt dabei dem Internet zu, dessen Nutzung stetig zunimmt: Seit 1997 bis 2011 auf 73,3% Anteil an der Bevölkerung. Und die Informationsgewinnung (Nachrichten, Serviceinformation und Informationen für Freizeit, Wissenschaft, Forschung und Bildung) steht hier mit je knapp 50% und mehr an erster Stelle der Inhalte (vgl. ARD/ZDF Online-Studie 2010). Zur Erinnerung: 88% der Nutzung neuer Medien in den Schulen sind Internetrecherchen (s.o.). Dabei werden die Schüler häufig, gerade in Schulbibliotheken, sich selbst überlassen und surfen ziellos durch die Trefferliste von Google, weil sie in der Bibliothek ja eigenständig lernen sollen und das Bibliothekspersonal oft nur eine Aufsichtspflicht wahrnimmt.

4.1 Jugendliche - Informationsbeschaffung inmitten der medialen Reizüberflutung

Mittlerweile nutzen 100% der 14-19jährigen wenigstens gelegentlich das Internet (vgl. ARD/ZDF Online-Studie 2010). Allerdings ist der Nutzungsanteil, der auf die Online-Informationsbeschaffung entfällt, mit 14% bei den Jugendlichen der geringste, denn ganz vorne stehen Kommunikation (46%), Unterhaltung (23%) und Spiele (17%) bei den 12-19jährigen (JIM-Studie 2010, S. 29). Für die klassische Informationsbeschaffung im Zusammenhang mit Wissen oder Lernen nutzen Jugendliche vorwiegend bekannte Suchmaschinen (79%), allen voran Google oder befragen die Online-Enzyklopädie Wikipedia (38%). Weit abgeschlagen folgen Internet-Angebote von Zeitschriften und Zeitungen (13%) und Online-Nachrichtenportale der TV-Sender (4%). Bemerkenswert ist dabei, dass diese Verteilung nicht mit der Glaubwürdigkeit korreliert, mit der die Jugendlichen die Quellen beurteilen. Ein Viertel vertrauen Online-Zeitungen, ein knappes Fünftel Suchmaschinen (18%). 6% wissen nicht wie sie Informationen und Quellen überprüfen könnten. Mit steigendem Bildungshintergrund und Alter vertrauen immer mehr Jugendliche Printmedien-Portalen und den öffentlich-rechtlichen Internet-Angeboten (JIM-Studie 2010, S. 32f). Für das Verständnis des jugendlichen Medienhandelns im Informationsbereich sind folgende theoretische Konzepte hilfreich:

4.1.1 Bedürfnisgruppen

Die klassische Informationsbeschaffung im Zusammenhang mit Wissen und Lernen hat im Bereich der Online-Medien nur eine geringe Bedeutung für Jugendliche. Setzt man voraus, dass das Medienverhalten bestimmte Bedürfnisse anspricht oder befriedigt, so unterscheiden sich diese Bedürfnisse der Jugendlichen scheinbar von anderen Nutzern.

Tulodziecki lehnt bedürfnistheoretische Überlegungen an den psychologisch humanistisch orientierten Ansatz von Maslow an. Dieser geht davon aus, dass alle bewusst wahrgenommenen Bedürfnisse nur Mittel und Zweck zur Befriedigung der tiefer liegenden Grundbedürfnisse sind, die die eigentlichen Motive für das Handeln liefern (vgl. Maslow 1981, S. 48; zit. bei Tulodziecki 2011, S. 21). Tulodziecki unterscheidet fünf Bedürfnisgruppen unter medienrelevanten Gesichtspunkten: 1. Grundlegende physische und psychische Bedürfnisse, dazu zählen die Bedürfnisse nach Sinneserregung und Erkundung der Umwelt; 2. Orientierungs- und Sicherheitsbedürfnisse, neben den physischen auch psychische und kognitive Bedürfnisse nach gedanklicher Orientierung, Ordnung und Struktur; 3. Zugehörigkeits- und Liebesbedürfnisse, z.B. durch den Besitz bestimmter Medien gewährleistete Gruppenzugehörigkeit; 4. Achtungs- und Geltungsbedürfnisse, zu befriedigen z.B. durch besondere Kenntnisse über Medien; und 5. Selbstverwirklichungsbedürfnisse (ebd. S. 22f). Tulodziecki nimmt an, dass Kinder und Jugendliche Bedürfnisse an die Medien herantragen, die in ihrer Lebenswelt unbefriedigt bleiben. Dies sind vor allem die Bedürfnisse nach Sinneserregung und Spannung, nach Orientierung und Sicherheit, Zugehörigkeit und Liebe, Achtung und Wertschätzung. Außerdem können Medien selbst Bedürfnisse dieser Art erzeugen (ebd. S. 26).

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Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656013440
ISBN (Buch)
9783656013563
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179064
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Schulbibliothek Schulbibliothekswesen teaching library Medienkompetenz Informationskompetenz Handlungsorientierte Medienerziehung Sozialmoralische Entwicklung Kognitive Entwicklung Informationsbedürfnis Medienpädagogik Web 2.0 Schulbibliothek 2.0

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Titel: Medienpädagogische Aufgaben für die Schulbibliothek 2.0