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Die Säulen des Staates. Massenmedien als die "vierte Gewalt"?

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Funktion der Gewaltenteilung
2.1. Rückblick auf den Werdegang von Charles de Secondat, Baron de Montesquieu
2.2 Montesquieus politische Schriften
2.3 Montesquieus Hauptwerk: „De l´esprit de lois.“ – Vom Geist der Gesetze
2.4 Regierungsformen nach Montesquieu
2.5 Montesquieus Definition von Freiheit
2.6 Die Notwendigkeit der Teilung der Gewalten nach Montesquieu
2.7 Die Teilung der Gewalten nach Montesquieu
2.8 Montesquieu aus heutiger Sicht
2.9 Gewaltenteilung heute

3. Massenmedien
3.1 Definition des Begriffs Medien
3.2 Definition des Begriffs Massenmedien
3.3 Massenkommunikation
3.4 Entstehung der Massenmedien
3.5 Printmedien
3.6 Rundfunk
3.6.1 Hörfunk
3.6.2 Fernsehen
3.6.3 Das öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehsystem
3.7 Internet
3.8 Entwicklung der Massenmedien

4. Medien als „vierte Gewalt“
4.1 Die „vierte Gewalt“
4.1.1 Meinungsfreiheit
4.1.2 Pressefreiheit
4.2 Aufgaben und Funktionen der Medien
4.3 Journalismus
4.3.1 Presserat/ Pressekodex: Kontrolle der Journalisten
4.3.2 Landespressegesetz
4.4 Öffentliche Meinung und Öffentlichkeit
4.4.1 Bandwagon-Effekt/ Mitläufer Effekt
4.4.2 Schweigespirale
4.5 Objektivität
4.6. Kontrolle und Einflussnahme durch die Massenmedien
4.6.1 Beispiel: Fall Silvio Berlusconi – Parlamentswahl in Italien 2006
4.7 Kritik an den Massenmedien

5. Fazit und Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Défense de l´esprit des lois

Abb. 2: Regierungsformen nach Montesquieu (Abbildung der Verfasserin)

Abb. 3: Aufteilung der Staatsgewalten

Abb. 4: Einfaches Modell des Kommunikationsvorganges

Abb. 5: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Bezeichnung der Medien als „vierte Gewalt“ spielt auf die drei Staatsgewalten Legislative, Exekutive und Judikative an. Diese Anspielung schließt zugleich den Gedanken an die Forderung MONTESqUIEUS nach Gewaltentrennung und Gewaltenkontrolle ein.

„In einer offenen, pluralistischen Gesellschaft erfüllen die Massenmedien eine wichtige Funktion und haben eine verantwortungsvolle Aufgabe.“1 Es geht um die kommunikative Vermittlung zwischen den drei klassischen Gewalten und dem Volk.

„Die Medienlandschaft der Bundesrepublik verändert sich ständig aufgrund der laufenden technischen Neuerungen im Bereich der Informationstechnik (Satellitenfernsehen, Internet, Digitalisierung.“2

Doch welche Macht, insbesondere welche politische, üben die Medien in der Bundesrepublik Deutschland auf den Bürger aus? „Seit geraumer Zeit verstärkt sich in der klassischen Politikwis- senschaft der Eindruck, Medien spielten eine Rolle im politischen System, die nicht nur bedeut- samer werde, sondern bedenkliche Ausmaße erreiche. (...) Politik bedarf in Demokratien, der öf- fentlichen Begründung; nur so sichert sie ihre Legitimation. Dies geschieht zu einem erheblichen Teil über die Medien“3 „Wirtschaftliche und machtpolitische Aspekte verbinden sich mit Fragen und Problemen der Meinungsfreiheit und der Pluralität des Meinungsangebotes.“4

Heute wird das Prinzip der Gewaltenteilung überwiegend als Bestandteil jeder Demokratie be- trachtet. Allerdings diskutiert, ob die Verschränkung der Gewalten durch eine enge Zusammen- arbeit und Verzahnung der Staatsorgane dem ursprünglichen der Gedanken der Gewalten- trennung zuwiderläuft und durch Lobbyismus und andere Einflussnahme die zentrale Stellung des Parlaments in Frage gestellt wird. In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Bedeutung einer unabhängigen Presse oft höher eingeschätzt, weshalb diese gelegentlich informell auch als „vierte Gewalt“ bezeichnet wird.

Die folgenden Kapitel sollen eine Einführung und Erörterung der Fragestellung nach den Ein- flussmöglichkeiten von Massenmedien in der Funktion einer vierten Gewalt sein.

Sie beginnt in Kapitel zwei mit dem Werdegang MONTESqUIEUS, der Entwicklung der Inhalte des Gewaltenteilungs-Prinzips sowie seiner Anwendung bis in die heutigen Zeit.

Im dritten Kapitel wird zunächst geklärt, was (Massen-) Medien sind, was sie grundsätzlich leisten und wie sie sich voneinander unterscheiden. Im Anschluss an eine genauere Betrachtung der Massenmedien hinsichtlich ihrer Entwicklung, Vermittlungsleistung und ihrer Wirkung folgt im vierten Kapitel eine Erörterung der Funktion und Legitimation von Massenmedien und ihrer Funktionsfähigkeit als „vierte Gewalt“. Diese endet mit dem Fazit in Kapitel fünf.

2. Die Funktion der Gewaltenteilung

Seit den Lehren vor allem von MONTESqUIEU, der französischen Revolution und der Entstehung der Bundesverfassung der USA setzte sich der Gedanke der Gewaltenteilung in der Staatstheorie insbesondere in Europas durch. MONTESqUIEU war Teil der Selbstdarstellung einer Staatsord- nung, die zum liberalen Rechtsstaat wurde, deren wesentliches Konzept die Teilung der Staatsge- walt ist. Der Zweckgedanke dabei ist – nur vordergründig, wie sich zeigen wird – ein negativer. Schon in ihrer Entstehung sollen diese Gewalten, soweit es möglich ist, voneinander unabhängig sein, jedenfalls nach der Auffassung der Väter dieser Lehre.1

Dem Werdegang MONTESqUIEUS, der Entwicklung der Inhalte dieses Prinzips sowie seiner An- wendung bis in die heutigen Zeit widmet sich dieses Kapitel.

2.1 Rückblick auf den Werdegang von Charles de Secondat, Baron de Montesquieu

CHARLES-LOUIS DE SECONDAT, BARON DE LA BRèDE ET DE MONTESqUIEU (1689-1755), stu- dierte Rechtswissenschaft an der Universität von Bordeaux. Nach dem juristischen Lizentiat wird er zunächst Advokat und dann Rat am Parlament von Bordeaux.

Dort wird er bereits 1716 Präsident des Obergerichts. Bereits als junger Gerichtspräsident bilden Grundfragen der Politik und Staatsphilosophie den Schwerpunkt seiner Studien. Nach zehnjäh- riger Tätigkeit verkauft MONTESqUIEU das von seinem Onkel ererbte Präsidentenamt wegen finanzieller Schwierigkeiten.

Zuvor sind seine „ Lettres Persanes“ erschienen, eine in fiktiver Briefform formulierte Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen in Frankreich, nebst Entwürfen einer idealen Republik, welche bei Hofe recht ungnädig aufgenommen wurden. 1827 wird er, nach einer am Veto des Kö- nigs zunächst gescheiterten Bewerbung, von der Akadémie Francaise kooptiert, hält aber dennoch Abstand zu ihr, da er sich durch die Begrüßungsansprache des Präsidenten brüskiert fühlt.

Fortan unternimmt er längere Reisen nach Österreich, Ungarn, Italien, der Schweiz und Deutschland. Von Holland aus geht er nach England, wo er fast zwei Jahre lang bis 1731 lebt und studiert. Hier interessiert er sich für das britische Verfassungs- und Rechtswesen. Angeregt, nicht zuletzt von den Schriften JOHN LOCKES reift in ihm der Plan zu einem umfassenden Werk über die Voraussetzungen des freiheitlichen modernen Staates in historisch vergleichender Sicht. Der Ausarbeitung dieses großen Vorhabens widmet er sich nach der Rückkehr zu seinem Schloß La Brède. Hier und teilweise in Paris lebt MONTESqUIEU fortan bis zu seinem Tode.2

„MONTESqUIEU gilt als einer der einflußreichsten Theoretiker des liberalen Verfassungsstaates. Seine Gewaltenteilungslehre prägte die nachrevolutionäre französische Verfassung ebenso wie die amerikanische und die konstitutionalistischen Bewegungen des 18. und 19 Jahrhunderts.“3

2.2 Montesquieus politische Schriften

- „ Lettre Persannes“ (Amsterdam 1721) – Persische Briefe
- „Considérations sur les causes de la grandeur des Romains et de leur déca- dence“ - Betrachtungen über die Ursachen der Größe und des Verfalls des römischen Reichs (Amsterdam 1734)
- Hauptwerk „ De l´esprit des lois“ – Vom Geist der Gesetze (Genf 1748)
- „Défense de l´esprit des lois“ (Genf 1750) verfasst aufgrund der heftigen Kritik von klerkaler Seite an seinem Hauptwerk.4 Hof und die Kirche warfen ihm Atheismus vor.5

1751 wurde „ De l´esprit des lois“ nichtsdestotrotz auf den Index der verbo- tenen Bücher gesetzt.

Abb. 1: Défense de l´esprit des lois

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Montesquieus Hauptwerk: „De l´esprit de lois.“ – Vom Geist der Gesetze

MONTESqUIEUS Hauptwerk „ De l´esprit des lois“ hatte nach seinem Erscheinen im Jahre 1748 in Genf unmittelbar Erfolg. Es entwirft eine breite kulturgeschichtliche Einrahmung des Problems der Gesetzgebung, das seit der Antike, insbesondere seit Platon, zur Hauptsache der Politik erhoben worden war. Gesetzgebung war zuvor als menschliche Ordnungstätigkeit betrachtet worden, die entweder der Natur folgt, oder gegen die Natur „positive“ Setzung betreibt. Gesetze rückten damit in die Nähe der Regelungslogistik der Natur, sei es im Sinne der Analogie zur Naturnotwendigkeit oder in Konkurrenz der selben. Als Kern von Gesetzeskraft galt die Durchsetzung von Rationalität. MONTESqUIEU versteht unter Esprit jedoch keineswegs die universelle Geltung der Rationalität in allen Gesetzgebungsvorgängen unter Abstraktion von deren historischem Kontext. Vielmehr steckt im Begriff des Esprit gegen jeglichen formalen Rationalismus der historische Geist, das Genie, die Konstellation von Vernunft und gegebenen Umständen.6

MONTESqUIEU unterscheidet zwischen den von Gott gegebenen Naturgesetzen, die allgemein gültig und unveränderbar sind und den positiven Gesetzen. Der Mensch, der gemäß seiner Natur auf das Leben in der Gemeinschaft angelegt sei, unterliegt nach MONTESqUIEUS Ansicht den Na- turgesetzen. Durch seine von Gott verliehene Vernunft sei er in der Lage, die Vernunftgesetze zu erkennen und sein Leben dementsprechend zu gestalten. Erst durch das Leben in der Gemeinschaft verschwinde die ursprünglich friedfertig stimmende Furcht des Menschen, Konflikte würden entste- hen und positive Gesetze seien nötig. Diese müssten einerseits den Naturgesetzen entsprechen und andererseits genau auf die jeweiligen Lebensbedingungen zugeschnitten sein. Sie solle der politi- schen Kultur eines Landes, den geographischen, klimatischen, sozialen, ökonomischen und religiösen Verhältnissen so genau angepasst sein, „daß es ein sehr großer Zufall wäre, wenn sie auch einem anderen Volk angemessen wären. All diese Beziehungen bilden jeweils den „Geist der Gesetze“.7

Die von JOHN LOCKE betonte aber noch nicht näher ausgeführte Idee der Gewaltenteilung im Staate wird von MONTESqUIEU aufgenommen und in eine politisch-organisatorische Form gebracht, die bis in die Rechtsstaatlichkeit der Gegenwart weiter wirkt. Ausgehend von der Überzeugung, daß jeder Machthaber zum Machtmißbrauch neigt, fordert er eine Bändigung der Staatsgewalt durch institutionelle Trennung der Teilgewalten.8

2.4 Regierungsformen nach Montesquieu

Bei dem Versuch, alle menschlichen Gesetze in ihren jeweiligen Beziehungen systematisch zu erfassen verliert sich MONTESqUIEU in seinem Werk immer wieder in Einzeluntersuchungen. Entscheidend jedoch ist die Untersuchung der Prinzipien, die in einer bestimmten Regierungsform vorherrschen.9 Montesquieu teilt die Regierungsformen idealtypisch in zwei Kategorien ein: Despotie und die ge- mäßigten Regierungsformen (gouvernements modérés). Bei der letzgenannten Kategorie unter- scheidet er zwischen Monarchie und Republik und hier nochmals zwischen einer demokratischen und einer aristokratischen Republik.10 (Vgl. Abb.2, S.8)

„In der Despotie, die MONTESqUIEU stets als Negativbild in Abgrenzung zu den gemäßigten Regierungsformen heranzieht, herrscht die reine Willkür. Sie ist geprägt vom Prinzip der Furch t und deshalb eine apolitische Ordnung. Demgegenüber ist die Republik bestimmt durch das Prin- zip der Tugend – verstanden als Liebe zur Einfachheit und zur Gleichheit – das in der Vaterlands- liebe zum Ausdruck kommt. Die demokratische Republik zeichnet sich durch absolute rechtliche Gleichheit und eine weitgehende Gleichheit der Besitzverhältnisse aus, eine indirekte Kritik an den feudalen Besitzverhältnissen seiner Zeit. Das Prinzip der Tugend herrscht auch in der aristo- kratischen Republik, hier verstanden als „Mäßigung“, d.h. als Selbstbeschränkung der adeligen Führungselite. Die monarchische Regierungsweise wird vom Prinzip der Ehre beherrscht, das im Gegensatz zur Tugend auf dem Eigeninteresse basiert. Die Monarchie ist, stärker als die republikanische Ordnung, immer in Gefahr in Despotie umzuschlagen. Dies kann nur durch die Einrichtung von Zwischengewalten verhindert werden: „Ohne Monarch kein Adel und ohne Adel kein Monarch“.“11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Regierungsformen nach Montesquieu

2.5 Montesquieus Definition von Freiheit

Das Wort „ Freiheit“, so findet MONTESqUIEU, „werde zu den unterschiedlichsten Zwecken ge- braucht. Es habe die Geister auf die mannigfaltigste Weise berührt. Dabei komme es vor, daß jeder die seinen Neigungen entsprechende Herrschaftsart als freiheitsfreundlich empfinde. So sei etwa, je nach persönlicher Schätzung, sowohl die republikanische wie auch die monarchische Staatsform als eine freiheitliche gewertet worden.“12

Beliebigkeit menschlichen Handelns habe mit wahrer politischer Freiheit nichts zu tun. „In einem Staat mit gültigen Gesetzen besteht die Freiheit vielmehr darin, das zu tun, was man wollen darf und nicht dazu gezwungen zu sein, etwas zu tun, was man nicht wollen darf. Anders ausge- drückt sei Freiheit das Recht, alles zu tun, was die Gesetze erlauben.“13

Als unabdingbare Voraussetzung einer machtmäßigenden freiheitssichernden Staatsorganisati- on ist somit die verfassungsgarantierte Teilung der Staatsgewalt.14

Politische Freiheit kann es für MONTESqUIEU „nur in gemäßigten Regierungsformen geben und dort auch nur so lange, wie die Macht nicht mißbraucht wird.“15 Freiheit ist nur in gemäßigten Herrschaftssystemen möglich und dort auch nur, wenn hinreichende Vorkehrungen getroffen werden, die einem Mißbrauch der Macht entgegenwirken. Die Tendenz zum Machtmissbrauch ist für ihn eine geschichtliche Erfahrungssache.16 „Jeder Machthaber gehe nun einmal so weit, bis er auf strikte Schranken stoße.“17

2.6 Die Notwendigkeit der Teilung der Gewalten nach Montesquieu

„Das Prinzip der modération muß sowohl von den politischen Eliten als auch von den Bürgern aktiv verwirklicht werden. Politische Freiheit ist keineswegs mit individueller, apolitischer Unab- hängigkeit gleichzusetzen, sie wird vielmehr verstanden als Leben im Rahmen einer rechtsstaat- lichen und verfassungmäßigen Ordnung und bedeutet im Falle einer republikanischen Verfas- sung aktive Beteiligung nach Maßgabe der Gesetze. Nur durch Gewaltenteilung und -kontrolle kann Machtmißbrauch verhindert werden und politische Freiheit garantiert werden.“18

In Kapitel 6 des 11. Buches „Vom Geist der Gesetze“, einer Interpretation der englischen Verfas- sung, zeigt MONTESqUIEU wie durch die soziale und institutionelle Verteilung der Macht auf drei Gewalten und ihre gegenseitige Machthemmung eine freiheitliche Ordnung konstituiert werden kann.19 MONTESqUIEU betrachtet die verfassungsgarantierte Teilung der Staatsgewalt als unab- dingbare Vorraussetzung einer machtmäßigenden freiheitssichernden Staatsorganisation.20

2.7 Die Teilung der Gewalten nach Montesquieu

MONTESqUIEU unterteilt die Gewalten, unter dem Aspekt der Freiheit, in gesetzgebende Ge- walt (Legislative), vollziehende Gewalt (Exekutive) und richterliche Gewalt (Judikative).

„Die Legislative, die direkt vom Volk ausgeht, ist die höchste Gewalt im Staat. Da das Volk sein Recht, über die Gesetze zu entscheiden, nicht selbst ausüben kann, wählt es in regelmäßigen Abständen Repräsentanten. Diese sind nicht weisungsgebunden sondern sollen alleine nach ihrem Sachverstand entscheiden. Die Legislative besteht aus dem gewählten Unterhaus und dem Oberhaus, in dem der Adel repräsentiert wird (soziale Gewaltenteilung im Gegenüber einer durch den Zensus bestimmten Bürgerschaft und dem Adel). Das Steuerbewilligungsrecht liegt alleine beim Unterhaus, wobei das Oberhaus ebenso wie der Monarch ein Vetorecht bei der Gesetzgebung besitzen.

Die Exekutive liegt in der Hand des Monarchen, um schnelle Entschlüsse und Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. MONTESqUIEU spricht sich dezidiert gegen die personelle Verschränkung von Legis- lative und Exekutive aus, wie sie das heutige parlamentarische Regierungssystem kennzeichnet. Nur eine von der Legislative unhabhängige Exekutive garantiert die Aufrechterhaltung der Freiheit. Der Monarch besitzt das Recht, das Parlament einzuberufen und aufzulösen. Der Legislative wiederum obliegt das Recht, die Gesetzestreue der Exekutive zu überprüfen.

Die richterliche Gewalt (Judikative) wird von Personen ausgeführt, die „aus der Mitte des Volkes entnommen werden“ und, wenn nötig, für eine bestimmte Zeitdauer einen Gerichtshof bilden. Ihre Gewalt erstreckt sich jedoch keineswegs auf ein Interpretationsrecht in Bezug auf Gesetze. Eine Einmischung der politischen Gewalten in Fragen der Religion lehnt MONTESqUIEU ebenso ab wie die Durchsetzung religiöser Vorstellungen mit politischen Mitteln. Beide Bereiche müssen streng voneinander getrennt bleiben. “21

2.8 Montesquieu aus heutiger Sicht

Aus heutiger Sicht hat MONTESqUIEU in seiner „am Beispiel der konstitutionellen Monarchie aus- gearbeiteten Gewaltenteilungslehre Aspekte wie beispielsweise die Stellung der Regierung, die Verantwortlichkeit der Exekutive und die Bedeutung der richterlichen Gewalt nur unzureichend berücksichtigt und eine allzu starre institutionelle Trennung der Gewalten vorgenommen. Eine Ver- fassungsgerichtbarkeit, wie sie sich erst in den USA aus der Verfassungspraxis entwickelte, kennt er nur in Form der Anklage der Regierungsvertreter wegen Korruption vor dem Oberhaus. Seine zentrale Erkenntnis aber, daß politische Freiheit nur unter den Bedingungen einer auf Gewalten- verschränkung beruhenden verfassungsmäßigen Ordnung möglich ist, besitzt uneingeschränkt Gültigkeit. Machtkontrolle ist nur im Rahmen verfassungsmäßig garantierter Machtverteilung und -hemmung möglich. Diese wiederum bieten erst die Voraussetzungen für politische Freiheit und ein freiheitliches politisches Bewußtsein der Bürger. MONTESqUIEUS nachhaltige Wirkung beruht nicht zuletzt darauf, diese Interdependenz und damit die „Bedingtheit alles Politischen“ mit aller Schärfe herausgestellt zu haben.“22

2.9 Gewaltenteilung heute

Das Grundprinzip der Aufteilung der staatlichen Gewalt verfolgt somit das Ziel, die Konzentra- tion der politischen Macht zu begrenzen und Machtmissbrauch zu vermeiden. Die Gewaltentei- lung gilt als elementares Merkmal moderner demokratischer Verfassungsstaaten zur Gewähr- leistung der individuellen Freiheit und Wahrung der Menschenrechte.23

In Deutschland ist das Prinzip der Gewaltenteilung in Artikel 20/2 des Grundgesetzes festge- legt. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke ausschließlich mittelbar in Wah- len und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.24 (Vgl. Abb.3, S.10)

„Die Horizontale Gewaltenteilung umfasst die Aufteilung nach Funktion in die drei Staatsge- walten: Legislative (gesetzgebende Gewalt), Exekutive (ausführende Gewalt) und der Judikative (rechtssprechende Gewalt). Die verschiedenen staatlichen Aufgaben werden von unabhängigen, sich gegenseitig kontrollierenden Staatsorganen (Parlamente, Regierungen, Verwaltungen und Gerichte) wahrgenommen. Diese sind jedoch nicht strikt getrennt voneinander zu betrachten, sondern vielmehr in einem System wechselseitiger Funktionsaufteilungen und Abhängigkeiten miteinander verflochten. Insoweit kommen in der politischen Praxis Abweichungen vom strikten Prinzip der Gewaltenteilung (z.B. beim Erlass von Rechtsverordnungen durch die Exekutive) vor. Die Vertikale Gewaltenteilung kommt durch die bundesstaatliche Unterteilung in Bund, Län- der (Bundesländer) und Gemeinden zustande (Föderalismus; Bundesstaat).

[...]


1 Fabrius, Georg; Geierhos, Wolfgang; Palmer, Christoph E.; Müller-Franke, Waltraud; Schrenk, Klemens H. und Jaschke, Hans-Gerd: Politik in der modernen Gesellschaft. Studienbuch für Polizeihochschulen, 2. Auflage, Stuttgart 2008, S.99

2 ebd.

3 Delhaes, Daniel: Politik und Medien. Zur Interaktionsdynamik zweier sozialer Systeme. Wiesbaden 2002, S.13

4 Fabrius, G.; Geierhos, W.; Palmer, C.; Müller-Franke, W.; Schrenk, K. und Jaschke, H.: Politik in der modernen Gesellschaft, S.99

1 Vgl. Doehring, Karl: Allgemeine Staatslehre. Eine systematische Darstellung, 3. Auflage, Heidelberg 2004, S.160f

2 Vgl. Weber-Fas, Rudolf: Staatsdenker der Moderne. Klassikertexte von Machiavelli bis Max Weber. Tübingen 2003, S.109f

3 Oberndörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie. Texte und Einführungen von Platon bis Rousseau. München 2000, S.277

4 Vgl. Oberndörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie. , S.277

5 Vgl. Weber-Fas, Rudolf: Staatsdenker der Moderne, S.110

6 Vgl. Bubner, Rüdiger: Polis und Staat. Grundlinien der Politischen Philosophie. Baden-Baden 2002, S.144

7 Vgl. Oberndörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie, S.277

8 Vgl. Weber-Fas, Rudolf: Staatsdenker der Moderne, S.109

9 Vgl. Oberndörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie, S.278 10 Vgl. ebd.

11 Ebd.

12 Weber-Fas, Rudolf: Staatsdenker der Moderne, S.111

13 Ebd.

14 Vgl. ebd,

15 Oberndörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie, S.278

16 Vgl. Weber-Fas, Rudolf: Staatsdenker der Moderne, S.111

17 Ebd.

18 Oberndörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie., S.278

19 Vgl. Oberbdörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie, S.278

20 Weber-Fas, Rudolf: Staatsdenker der Moderne, S.111

21 Oberndörfer, Dieter und Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie, S.278f 22 Ebd., S.279

23 Vgl. Rittershofer, Christian: Lexikon der Politik, Staat, Gesellschaft. 3600 aktuelle Begriffe von Abberufung bis Zwölfmeilenzone, München 2007, S. 286

24 Vgl. Rittershofer, Christian: Lexikon der Politik, Staat, Gesellschaft, S. 627

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656014058
ISBN (Buch)
9783656014409
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179047
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart – Electronic Media
Note
1,7
Schlagworte
Medien Gewaltenteilung Vierte Gewalt Vom Geist der Gesetze Massenkommunikation Funktion von Medien Pressefreiheit Meinungsfreiheit Montesquieu De l´esprit de lois Objektivität

Autor

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