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Platons Ontologie am Beispiel der Ideenlehre im Werk "Der Staat"

Hausarbeit 2008 13 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Sonnengleichnis
2.1 Das Liniengleichnis
2.2 Das Höhlengleichnis

3 Die Wirklichkeit und ihre Struktur – Platons Ontologie

4 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist eine Darstellung der platonischen Ideenlehre in Bezug auf dessen Ontologie. Es wird also insbesondere aufgezeigt, wie der Aufbau der Wirklichkeit innerhalb der Ideenlehre gestaltet ist, dass heißt welche Beschaffenheit und Struktur die Wirklichkeit nach Platon besitzt.

Die Ideenlehre wird im VI. und VII. Buch in dem Werk „Der Staat“ anhand der berühmten drei Gleichnisse, dem Sonnen-, Linien- und dem Höhlengleichnis, entwickelt. Zum Teil leiten die Erörterungen über den Unterschied zwischen Wissen und Meinung im V. Buch bereits zu der Lehre über (473c ff.). Die Gleichnisse und die ausgewiesene Textstelle sollen nun die Textgrundlage für die in dieser Hausarbeit dargestellte Interpretation der Seinslehre bilden. Dabei ist eine Skizzierung und vollständige Analyse der Gleichnisse unabdingbar für das Verständnis und die Darstellung der Ideenlehre. Begonnen wird also mit der Analyse der Gleichnisse, um dann in einem zweiten Schritt eine Synthese dieser zu erreichen. Hierdurch lässt sich ein Bild der platonischen Ontologie erzielen.

Die Staatsschrift ist vermutlich ein Jahrzehnt nach der Gründung der Akademie, in der literarischen Epoche zwischen „innerer Oralität“ und dem Aufkommen der Literalität, entstanden und veröffentlicht worden. Das Werk ist der ersteren Epoche zu zuordnen, welche durch ein Primat der Mündlichkeit gekennzeichnet ist. Das heißt, die verfasste Schrift hat lediglich eine Wiedererinnerungs- und Speicherfunktion für das mündlich Vermittelte und ist in Dialogform abgefasst, um eine Annäherung an das Gespräch zu erreichen. In diesem Zusammenhang ist das Werk Platons als nicht autark anzusehen, dass heißt, es sollte unter Einbezug der akademischen Lehren (der ungeschriebenen Lehren Platons) interpretiert werden. Dadurch lässt sich der schwierige Textzugang für den heutigen Leser erklären und auflösen. Denn gerade in den Hauptpunkten, so bei der Idee des Guten, scheint Platon keine eigentliche Bestimmung zu geben. Das Wesen der Idee des Guten bleibt in dem Politeia-Text im Unklaren und zeigt sich als Prinzip der Einheit erst dann, wenn man die akademischen Lehren hinzuzieht (vgl. Krämer, Hans 1997: 179-181).

2 Das Sonnengleichnis

Platon führt die Analogie des Sonnengleichnisses ein, um ein vorläufiges Bild der Idee des Guten zu geben. Die Analogie besteht darin, dass er die Sonne als „[…]Sprö[ss]ling des Guten […] und ein volles Ebenbild desselben […]“ (506e) dem Leser bzw. dem Zuhörer in dem fiktiven Dialog vorstellt. Der Prozess der visuellen Wahrnehmung der Gegenstände wird auf die Erkenntnisweise der Ideen und der Idee des Guten übertragen. So wie die Sonne durch das Licht den Gegenständen Sichtbarkeit verleiht und dem Auge die Möglichkeit bzw. das Vermögen gibt, Dinge zu sehen, so soll auch die Idee des Guten durch Wahrheit den Gegenständen der intelligiblen Welt (den Ideen) „Sichtbarkeit“ verleihen und der Vernunft die Möglichkeit bzw. das Vermögen geben diese zu „sehen“, dass heißt durch Denken zu erfahren. Das Medium, durch das den Gegenständen Sichtbarkeit verliehen wird und das Auge das Vermögen gibt zu sehen, ist das Licht der Sonne. Parallel hierzu steht das Medium Wahrheit, das durch die Idee des Guten „ausgestrahlt“ wird und den Gegenständen des Denkens Erkennbarkeit und der Vernunft das Vermögen zu erkennen verleiht (vgl. 508b-e).

Abbildung 1 : Darstellung der Analogie von Sonne und Idee des Guten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigener Entwurf

Hierin erschöpft sich das Sonnengleichnis aber noch nicht, denn Platon zieht einen weiteren Schluss: Wie die Sonne Werden und Wachstum auf der Erde bzw. in der sinnlich wahrnehmbaren Welt spendet, ohne jedoch dem Entstehen und Vergehen zu unterliegen, so verleiht die Idee des Guten der intelligiblen Welt ihr (unveränderliches, ewigliches) Sein und Wesen, wobei sie analog nicht dieser Welt angehört, das heißt sie steht der Beschaffenheit und der Kraft nach auf einer das Sein übersteigenden höheren Stufe (509a-b).

Die Trennung der Wirklichkeit in eine sichtbare und denkbare Welt und die Hierarchisierung der Bereiche durch die Einführung der Herrscher über diese Bereiche, die Sonne und die Idee des Guten, werden in dem anschließenden Liniengleichnis weiter differenziert. Es ist möglich die Ideenlehre als eine Abbildtheorie oder Nachbildungstheorie zu interpretieren, da die Andeutung Platons: „Sie [die Sonne] also meine ich […] mit jenem Sprö[ss]ling des Guten, den das Gute selbst als sein Ebenbild erzeugte […]“ (508b) hierzu verleitet. In diesem Zusammenhang ist also die sinnlich wahrnehmbare Welt, die auch als „Bereich der bloßen Meinung“ (510a) bezeichnet wird, eine Nachbildung der intelligiblen Welt, also der einzelnen Ideen. So könnten die Ideen, genauso wie die Idee des Guten für die Sonne, als Urbilder für die sinnlich wahrnehmbaren Gegenstände fungieren. Da Platon in dem Abschnitt 510a aber ausschließlich eine Analogie in Bezug auf die Wahrheit und Deutlichkeit zwischen der denkbaren und sichtbaren Welt zieht und nicht einen Bezug auf die Nachbildungseigenschaften dieser beiden untereinander herstellt, ist die These, es handele sich um eine Abbildtheorie nicht verifizierbar.

2.1 Das Liniengleichnis

Die zuvor durch das Sonnengleichnis eingeführte Unterteilung von intelligibler und sinnlich wahrnehmbarer Welt wird in dem Liniengleichnis wiederum in vier Bereiche differenziert. Dabei zerfällt die Ideenwelt in den Bereich der Vernunft und den des Verstandes und die sinnlich erfahrbare Welt in den Bereich des Glaubens und den des Vermutens. Diese Bereiche repräsentieren jeweils einen Seelenzustand, dass heißt, sie zeigen an, in welchem Wissenszustand über das Sein sich die Seele eines jeden Menschen befindet. Jeder der vier Bereiche stellt einen eigenen Gegenstandsbereich dar, der hinsichtlich des Grades der Deutlichkeit hierarchisiert ist (vgl. 511c-e). Deutlichkeit ist in diesem Kontext als eine Anteilhabe an der Wahrheit, also in welchem Maße die Gegenstände seiend bzw. real sind, zu verstehen (515d).

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Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656011606
ISBN (Buch)
9783656011781
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178907
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Platon Ideenlehre Ontologie Seinslehre Höhlengleichnis Sonnengleichnis Liniengleichnis Politeia Idee des Guten

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