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Der amerikanische „New Deal“ – Roosevelt und die Neujustierung der amerikanischen Wirtschaftspolitik

Welche gesellschaftlichen Folgen entfaltete der „New Deal“ auf die innenpolitische Situation in den USA unter der Roosevelt Regierung?

Seminararbeit 2010 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung – Der „New Deal“ im Zeichen der Weltwirtschaftskrise

2. Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise von

3. Die Politikauffassung von Franklin Delano Roosevelt

4. Die Politik des „New Deals“
4.1. Die Industriegesetzgebung
4.2. Die Landwirtschaftgesetzgebung
4.3. Die Finanzgesetzgebung
4.4. Die Sozialgesetzgebung und die Wohlfahrtspflege
4.5. Zusammenfassung

5. Der „New Deal“ im Spannungsfeld zur amerikanischen Verfassung und dem amerikanischen Selbstverständnis

6. Ausblick und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung – Der „New Deal“ im Zeichen der Weltwirtschaftskrise

Der Begriff „New Deal“ stammt ursprünglich aus der Kartenspielersprache und meint die Ausgabe der Karten zu einem neuen Spiel. Der 32. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika: Franklin Delano Roosevelt benutzte diesen Ausdruck als politische Bezeichnung für seine künftigen sozial- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen.[1]

„I pledge you, I pledge myself, to a new deal for the American people.”[2]

Auf diese Weise wurde das Schlagwort „New Deal“ zum Symbol einer Epoche der amerikanischen Geschichte, welche sich insbesondere mit dem Kampf gegen die Weltwirtschaftkrise auseinandersetzen musste. Der „New Deal“ sollte durch seine wirtschafts- und sozialpolitischen Reformen die Weltwirtschaftskrise, welche seit dem Jahr 1929 um sich griff, eindämmen. Diese Politik wurde durch den amerikanischen Präsidenten Franklin Roosevelt im Jahr 1933 begonnen und fand sein Ende durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939. Die „New Deal“ Gesetzgebung wollte vor allem die, durch Krise und Inflation beeinträchtigte amerikanische Konjunktur durch eine weitreichende Wirtschaftsreform wiederbeleben, sowie bedürftigen Menschen durch den Aufbau eines sozialen Sicherungssystems ein finanzielles Lebensminium gewähren.[3]

Die folgende Arbeit beschäftigt sich auf der Grundlage dieser Überlegungen mit der Fragestellung: „Welche gesellschaftlichen Folgen entfaltete der „New Deal“ auf die innenpolitische Situation in den USA unter der Roosevelt Regierung?“

Das Problem der Arbeitslosigkeit stellte sowohl in der damaligen als auch in der heutigen Zeit ein sehr aktuelles und brisant diskutiertes Themengebiet dar. Ebenso stützen sich die modernen Gesellschaften bis in die Gegenwart auf eine lohnabhängige Wirtschaftspolitik, in welcher Banken saniert und von so genannten „Problemkrediten“ befreit werden müssen, um auf diese Weise den Wirtschaftskreislauf aufrecht zu erhalten. Die Erfahrungen, welche während der ersten Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren mit vielfältigen Veränderungsvorschlägen gesammelt worden sind, können folglich auf die gegenwärtige Situation der Finanzkrise angewendet werden. So bieten Reformen der vergangenen Zeiten, wie beispielweise der „New Deal“ essentielle Lösungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für die momentane Politikgestaltung. Somit können Lehren aus der Vergangenheit gezogen und Fehler in der politischen Entscheidungsfindung vermieden werden. Erfolgreiche Eingriffe können in die Gegenwart und in die Zukunft übertragen werden und aus minder erfolgreichen Neugestaltungen kann gelernt werden. Diese unvergängliche Relevanz des Handlungskatalogs der „New Deal“ Politik begründet die aufgezeigte Fragestellung und rechtfertigt die ausführliche Beschäftigung mit diesem Themenbereich.[4]

Der Hauptteil dieses Aufsatzes fokussiert sich auf die Darstellung der verschiedenen „New Deal“ Bestimmungen unter der Roosevelt Regierung. Im Speziellen wird auf die Industrie-, Landwirtschafts- und Sozialgesetzgebung der USA eingegangen. Um jedoch eine zufrieden stellende Antwort auf diese Problematik zu erhalten, müssen zuvor die Ursachen und Auswirkungen der Depression auf die amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft detailliert betrachtet werden. Nachfolgend liegt die schwerpunktmäßige Untersuchung auf dem Leben und dem Wirken von Franklin Delano Roosevelt, um auf dieser Basis seine Staatsauffassung genauer darstellen zu können. Im Anschluss wird die amerikanische „New Deal“ Politik anhand der staatlichen Industrie-, Landwirtschafts- und Sozialgesetzgebungsmaßnahmen differenziert diskutiert. Abschließend wird der „New Deal“ im Spannungsverhältnis zur amerikanischen Verfassung bzw. zum amerikanischen Selbstverständnis aufgegriffen, um so die Mittel des „New Deals“ im Hinblick auf die zeitgenössische Rezeption kritisch beurteilen zu können. Mit dieser Erörterung ist die Grundlage für eine vielschichtige Beantwortung der Fragestellung nach den gesellschaftlichen Auswirkungen des „New Deals“ auf die innenpolitische Situation in den USA unter der Roosevelt Regierung geschaffen.

Auf Grund der Komplexität der aufgeführten Thematik verzichtet diese Arbeit auf die Darstellung der außenpolitischen Auswirkungen der „New Deal“ Politik. Darüber hinaus werden die Bestimmungen des „New Deals“ im Bezug auf die Währungspolitik und die daraus resultierende Veränderung der Goldparität des Dollars nicht erläutert. Diese Bereiche treten in den Hintergrund und finden nur dann Erwähnung, insofern sie für oben genannte Bereiche Auswirkungen entfaltet haben.

Um der aufgezeigten Fragestellung gerecht zu werden, ist nicht nur eine vielschichtige, sondern ebenfalls eine breit gefächerte Primär- und Sekundärliteratur erforderlich. Im Besonderen findet hier das Werk von Fritz Ermarth: „Der New Deal“[5], in welchem der Autor die „New Deal“ Politik aus der Sichtweise des Nationalsozialistischen Reiches charakterisiert, Beachtung. Die Primärliteraturangabe wird durch die Schrift von Hans Jaeger: „Big Business und New Deal“[6] und dem Beitrag der Sozialistischen Studiengruppe: „Weltwirtschaftskrise“[7] vervollkommnet. Diese Literatur wurde sowohl auf Grund ihrer mannigfaltigen politischen Ausrichtung als auch wegen ihrer unterschiedlich ausgerichteten zeitlichen Sichtweise auf die politischen Bestimmungen unter der Roosevelt Regierung gewählt.

Die methodische Grundlage für die Anfertigung dieser Arbeit ist die Textanalyse der oben aufgeführten Schriften. Desweiteren werden empirische Untersuchungen und Statistiken, welche sich vorrangig mit der amerikanischen Wirtschaftsentwicklung auseinandersetzen, sowie vielfältige Originalzitate der führenden Vertreter aus der amerikanischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in die Überlegungen eingearbeitet. Die aufgeführte Sekundärliteratur dient dem Quellennachweis und stellt eine fächerübergreifende Ergänzung im Hinblick auf die Bearbeitung der aufgeführten Thematik dar.

2. Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 1929

Die Jahre 1919 bis 1929 waren sowohl durch ein scheinbar unerschütterliches Vertrauen in steigende Aktienkurse als auch durch zahlreiche Spekulationen auf schnelle Gewinne, steigende Preise und Löhne gekennzeichnet. Ein günstiges Investitionsklima und eine bis dahin noch nicht gekannte Konsumfreude, welche zumeist durch den regen Gebrauch von leicht zugänglichen Kreditmöglichkeiten geschaffen worden ist, führten zu einem allgemeinen wirtschaftlichen Optimismus innerhalb der amerikanischen Bevölkerung.[8]

„Prosperity feeds upon itself”[9]

Das Lohn- bzw. Preisniveau stieg allerdings nicht so schnell wie die, von den börsennotierten Konzernen ausgeschütteten Dividenden, Mieteinnahmen und die Einkommen von den Unternehmern. Die hohe Gewinnspanne für Unternehmer und Investoren bewirkte eine erhöhte finanzielle Anlage in das produzierende Gewerbe, welche die dortige Produktion vergrößerte und letztendlich in Absatzschwierigkeiten bzw. in einem Warenüberangebot mündete. So verdreifachte sich beispielsweise in den Jahren 1919 bis 1929 die Automobilproduktion.[10]

Die Republikaner unter dem Präsidenten Herbert Hoover vertraten eine Politik des freien Wettbewerbs, der Leistungsorientierung und des ökonomischen Aufstiegs. Durch diese Prinzipien war die Hoover-Regierung jedoch nicht in der Lage, die aufgezeigten Entwicklungsprozesse effektiv einzudämmen.[11] So kam es letztendlich am 24. Oktober 1929 zum „Schwarzen Donnerstag“, welcher den Beginn der Weltwirtschaftskrise einläutete. Die Weltwirtschaftskrise stellte folglich das Ergebnis einer Überakkumulation des Kapitals, welche durch einen stetigen Preisverfall, kaum steigende Löhne, der Überproduktion in der Landwirtschaft und dem Rückgang der Wachstumsraten in der Industrie verursacht worden ist, dar.[12]

Im Vergleich zu den anderen Industrieländern erlebten die USA den heftigsten Zusammenbruch der Konjunktur. Im Jahr 1930 waren rund 10,4 Millionen der amerikanischen Erwerbstätigen im Angestellten- bzw. Beamtenverhältnis beschäftigt.[13] Durch die Weltwirtschaftskrise wurde jeder vierte Arbeiter außerhalb der Landwirtschaft arbeitslos. Im Jahr 1933 stieg die Arbeitslosenzahl auf etwa 13 Millionen Menschen an. Von dieser Krise waren vor allem die unterprivilegierten Minderheiten, wie beispielsweise Alte, Kranke und Arme Menschen unmittelbar betroffen. Im Verlauf der Wirtschaftsdepression führte die fehlende Arbeitslosenversicherung außerdem zu einer massenhaften Verarmung und Verelendung der breiten Bevölkerung.[14]

Diesen Kampf gegen die Weltwirtschaftskrise prägte der neu gewählte Präsident: Franklin Delano Roosevelt durch den Begriff des „New Deals“.[15] Diese Politik von Roosevelt, in welcher der Staat die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung übernahm und gleichzeitig versuchte die soziale Not seiner Bürger abzuschwächen, bedeutete nicht nur einen Bruch mit dem bisherigen amerikanischen Politikverständnis, sondern symbolisierte ebenfalls den Beginn des amerikanischen Sozialstaates.[16]

Im Folgenden wird auf die Persönlichkeit von Franklin Delano Roosevelt im Hinblick auf seine Lebensgeschichte und seine Politikauffassung detailiert eingegangen.

3. Die Politikauffassung von Franklin Delano Roosevelt

„It is common sense to take a method and try it; if it fails, admit it frankly and try another.“[17]

Diese Worte von Roosevelt zeigen ihn als einen visionären Machtpolitiker, welcher ein enormes Rednertalent besaß und auf diese Weise sowohl das Vertrauen als auch den Zuspruch der amerikanischen Bevölkerung im Hinblick auf den Kampf gegen die Weltwirtschaftskrise gewinnen konnte.[18]

Franklin Delano Roosevelt konnte sich im Wahlkampf des Jahres 1932 gegen den Republikaner Herbert Hoover mit überwältigender Mehrheit durchsetzen. Der aus dem Großbürgertum des Ostküstenestablishments stammende Roosevelt übernahm sein Amt am 4. März 1933, zu dessen Zeitpunkt sich die USA in einer politisch und wirtschaftlich kritischen Situation befand. Der 32. Präsident der USA war in vielerlei Hinsicht ein untypischer amerikanischer Reformer und eine ungewöhnliche Persönlichkeit in den Stunden der wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit.[19] Sein Regierungsprogramm von 1933 versprach dem amerikanischen Bürger die Garantie von Freiheit, Gleichheit und Eigentum. Insbesondere der „einfache Mann“ in den ländlichen Regionen sollte an dem angestrebten und erhofften Wirtschaftsaufschwung partizipieren können.[20]

[...]


[1] Vgl. Jaeger, Hans: Big Business und New Deal. Die kritische Reaktion der amerikanischen Geschäftswelt auf die Rooseveltschen Reformen in den Jahren 1933-1939; in: Galinsky, Hans u.a. (Hrsg.): Amerikastudien. Eine Schriftenreihe, Bd.40, Stuttgart 1974, 1-5.

[2] Roosevelt, Franklin D.: Rede anlässlich seiner Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten am 2. Juli 1932, Chicago 1932.

[3] Vgl. Jaeger , Hans: Big Business und New Deal. Die kritische Reaktion der amerikanischen Geschäftswelt auf die Rooseveltschen Reformen in den Jahren 1933-1939; in: Galinsky, Hans u.a. (Hrsg.): Amerikastudien. Eine Schriftenreihe, Bd.40, Stuttgart 1974, 1-5.

[4] Vgl. Sozialistische Studiengruppen (Hrsg.): Weltwirtschaftskrise. New Deal; Weimar: Brüning, WTB-Plan, Faschismus; Politische Schlußfolgerungen, Hamburg 1985, 2-6.

[5] Ermarth, Fritz: Der New Deal. Wirtschaft und Verfassung in USA; in: Geiler, Karl (Hrsg.): Wirtschaftliche Abhandlungen, Heft 16, Berlin 1936.

[6] Jaeger, Hans: Big Business und New Deal. Die kritische Reaktion der amerikanischen Geschäftswelt auf die Rooseveltschen Reformen in den Jahren 1933-1939; in: Galinsky, Hans u.a. (Hrsg.): Amerikastudien. Eine Schriftenreihe, Bd.40, Stuttgart 1974.

[7] Sozialistische Studiengruppen (Hrsg.): Weltwirtschaftskrise. New Deal; Weimar: Brüning, WTB-Plan, Faschismus; Politische Schlußfolgerungen, Hamburg 1985.

[8] Vgl. Raeithel, Gert: Geschichte der nordamerikanischen Kultur. Vom New Deal bis zur Gegenwart 1930-2002, Bd.3, Frankfurt am Main 2002, 5-34.

[9] Hughes, Charles Evans, zitiert nach Raeithel, Gert: Geschichte der nordamerikanischen Kultur. Vom New Deal bis zur Gegenwart 1930-2002, Bd.3, Frankfurt am Main 2002, 5.

[10] Vgl. Raeithel, Gert: Geschichte der nordamerikanischen Kultur. Vom New Deal bis zur Gegenwart 1930-2002, Bd.3, Frankfurt am Main 2002, 5-34.

[11] Vgl. Sozialistische Studiengruppen (Hrsg.): Weltwirtschaftskrise. New Deal; Weimar: Brüning, WTB-Plan, Faschismus; Politische Schlußfolgerungen, Hamburg 1985, 11-17.

[12] Vgl. Jaeger, Hans: Big Business und New Deal. Die kritische Reaktion der amerikanischen Geschäftswelt auf die Rooseveltschen Reformen in den Jahren 1933-1939; in: Galinsky, Hans u.a. (Hrsg.): Amerikastudien. Eine Schriftenreihe, Bd.40, Stuttgart 1974, 6-31.

[13] Vgl. Kocka, Jürgen: Amerikanische Angestellte in Wirtschaftskrise und New Deal 1930-1940; in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (1972) 4, 333-375.

[14] Vgl. Raeithel, Gert: Geschichte der nordamerikanischen Kultur. Vom New Deal bis zur Gegenwart 1930-2002, Bd.3, Frankfurt am Main 2002, 5-34.

[15] Vgl . Ermarth, Fritz: Der New Deal. Wirtschaft und Verfassung in USA; in: Geiler, Karl (Hrsg.): Wirtschaftliche Abhandlungen, Heft 16, Berlin 1936, 1-7.

[16] Vgl. Sozialistische Studiengruppen (Hrsg.): Weltwirtschaftskrise. New Deal; Weimar: Brüning, WTB-Plan, Faschismus; Politische Schlußfolgerungen, Hamburg 1985, 29-34.

[17] Roosevelt, Franklin D.: Looking Forward, New York 1933, 51.

[18] Vgl . Junker, Detlef: Franklin Delano Roosevelt (1933-1945: Visionär und Machtpolitiker; in: Die amerikanischen Präsidenten. 42 historische Portraits von George Washington bis George W. Bush, 3. Aufl., München 2002, 308-322.

[19] Vgl. Edmonds, Robin: Die Grossen Drei. Churchill, Roosevelt und Stalin in Frieden und Krieg, Berlin 1992, 37-43.

[20] Vgl . Venn, Viona: The New Deal, Edinburgh 1998, 1-6.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656009580
ISBN (Buch)
9783656010135
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178859
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Weltwirtschaftskrise

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