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Venture Capital Performance

Bachelorarbeit 2011 47 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen
2.1 Venture Capital
2.2 Private Equity

3. Die Frühphase der Unternehmung
3.1 Innovation und Wettbewerbsvorteile
3.2 Die Bedeutung des Venture Capital
3.3 Der Markt für Venture Capital in Deutschland
3.4 Charakterisierung der Venture-Capital-Geber
3.4.1 Venture-Capital-Gesellschaften
3.4.2 Business Angel
3.5 Finanzierungsarten in der Venture-Capital-Phase
3.5.1 Seed-Finanzierung
3.5.2 Start-up-Finanzierung
3.5.3 First-Stage-Finanzierung
3.6 Die Exit-Kanäle

4. Die Spätphase der Unternehmung
4.1 Die Expansionsphase
4.2 Die Reifephase

5. Die Performancemessung des Venture Capital
5.1 Schwierigkeiten der Datengewinnung
5.2 Die Venture-Capital-Indizes
5.3 Klassische Performancemaße
5.4 Die Performance der Venture-Capital-Indizes
5.4.1 Die Performance auf dem amerikanischen Markt
5.4.2 Die Performance auf dem deutschen Markt
5.4.3 Vergleich der Venture-Capital-Indizes

6. Schlussbetrachtungen

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Branchenspezifische Investitionen auf dem deutschen Markt für 2010

2 Die Investitionen der Venture-Capital-Gesellschaften

3 Entwicklung der Beteiligungsgesellschaften im BVK

4 Entwicklung von Veräußerungen und Abschreibungen

5 Wertentwicklung der amerikanischen Indizes von 1991 bis 2010

6 Wertentwicklung der deutschen Indizes von 2008 bis 2011

7 Wertentwicklung der VC-Indizes von 2008 bis 2010

8 Rendite-Risiko-Verhältnis der Indizes.

Tabellenverzeichnis

1 Die größten VCG und ihre Fonds seit 2006

2 Die gewählten Exits von 2008 bis 2010

3 Kennzahlen der amerikanischen Indizes

4 Kennzahlen der deutschen Indizes

5 Kennzahlen der VC-Indizes

6 Rendite und Volatilität der Indizes.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Innovationen spielen für die internationale Gesellschaft eine immer bedeutendere Rolle. Diesbezüglich stehen Branchen, wie z.B. Bio-, Informations- und Kommunikationstechnik im zentralen Blickfeld der Betrachtungen, weil gerade in diesen Bereichen ein beständiger innovativer Charakter entscheidend für den langfristigen Fortbestand am Markt ist.[1] Für die Volkswirtschaften haben Innovationen vor allem eine Bedeutung bezüglich der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Generierung von Wohlstand. Oftmals ist es in diesem Kontext jedoch eine Vielzahl kleiner Unternehmen, welche für den Fortbestand kontinuierlicher Innovationen entscheidend sind.[2] Deshalb ist die Finanzierung dieser Unternehmen von immenser Wichtigkeit.

Das Finanzierungssystem, welches aus dieser Problematik entstanden ist, wird als Venture Capital (VC) bezeichnet. VC löst die Probleme, welche insbesondere Unternehmen in der Frühphase bezüglich ihres Finanzbedarfes haben.[3] Somit ist durch eine VC-Finanzierung der Grundstein für ein langfristiges Wachstum junger Unternehmen gelegt. So wurden einige namenhafte Firmen, wie z.B. Apple, Intel, Microsoft und Cisco Systems, während ihrer Frühphase mit VC finanziert.[4]

Diese Arbeit beschäftigt sich in Kapitel 2 mit der Begriffsabgrenzung des VC zum Private Equity. Darüber hinaus wird in Kapitel 3 die Frühphase und in Kapitel 4 die Spätphase der Unternehmung auf dem deutschen Markt näher beleuchtet. Hierbei rückt jedoch die Frühphase der Unternehmung in den Vordergrund der Betrachtungen. Im Anschluss erfolgt in Kapitel 5 eine Performancemessung des VC. Hierzu wird neben dem deutschen Markt auch noch der amerikanische Markt bezüglich der Performance betrachtet. Ziel der Arbeit ist es den Entwicklungsstand und das Potential des deutschen VC-Marktes darzustellen.

2. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen

2.1 Venture Capital

Das Finanzierungssystem mittels VC stammt aus den USA und wird im deutschen Sprachraum mit Risiko- oder Wagniskapital übersetzt.[5] VC wird überwiegend in kleine oder mittelgroße innovative Unternehmen investiert, welche sich in der Gründungsphase befinden beziehungsweise noch nicht lange am Markt bestehen. Diese Unternehmen hätten ohne VC Schwierigkeiten sich finanzielle Mittel zu beschaffen, da Aufgrund der kurzen Firmenexistenz ein dementsprechend hohes Risiko bei einer derartigen Investition zu erwarten ist.[6] Bei VC handelt es sich um eine Finanzierung in der Frühphase der Unternehmung, in welcher sich Investoren im Rahmen einer Eigenfinanzierung an der Firma beteiligen.[7]

Des Weiteren ist VC einmal wie folgt definiert wurden: „the business of developing businesses“.[8] Aufgrund dieser Art der Definition kann der Rückschluss gezogen werden, dass VC nicht nur für Unternehmensbeteiligungen im finanziellen Sinne steht, sondern auch für das Einbringen von Humankapital in die Unternehmung. Hierbei bringen die VC-Geber ihr Know-how in das Unternehmen ein und unterstützen die Gründungsunternehmen unter anderem in Fragen der strategischen Ausrichtung. Prinzipiell umfasst eine solche Beratung das komplette Spektrum der unternehmerischen Aktivitäten. Darüber hinaus stellen die Investoren dem VC-Nehmer Geschäftskontakte zur Verfügung. Somit wird die schnelle Etablierung der jungen Unternehmen am Markt wesentlich unterstützt.[9]

Primäres Ziel der VC-Geber ist der Aufbau eines profitablen Unternehmens, welches nach einem mittel- bis längerfristigen Engagement gewinnbringend veräußert werden soll. Die Finanzielle Beteiligung und die beratende Tätigkeit der Investoren sollen zu einer schnellstmöglichen Veräußerbarkeit des Unternehmens beitragen. Im Grunde genommen beziehen die Investoren Renditen nicht durch die Beteiligung an sich, sondern durch den späteren Verkauf ihrer Anteile am Unternehmen.[10]

2.2 Private Equity

Die Bezeichnung Private Equity wird als Oberbegriff für Eigenkapitalbeteiligungen an nicht öffentlich gehandelten Unternehmen verwendet. Private Equity ermöglicht es den Investoren sich an Unternehmungen zu beteiligen, welche sich in der Frühphase oder in der Spätphase befinden. Das VC stellt somit eine Untergruppe des Private Equity dar. Neben der VC-Finanzierung können Investoren im Rahmen des Private Equity eine Spätphasenfinanzierung durchführen. Diese Finanzierungsart wird im engeren Sinne als Buyout Capital bezeichnet.[11]

Allerdings ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die Begriffe VC und Private Equity äußerst unterschiedlich wahrgenommen werden. Die in dieser Arbeit bereits geschilderte Definitionsweise entspricht der Auffassung im deutschsprachigen Raum. Hierzulande wird VC als Untergruppe des Private Equity gesehen. In den USA, welches das Ursprungsland des VC ist, werden die Begriffe VC und Private Equity synonym füreinander verwendet.[12]

Aufgrund der unterschiedlichen Ansichtspunkte wird in dieser Arbeit neben der Frühphasenfinanzierung auch auf die Spätphasenfinanzierung eingegangen, dass heißt, dass die gesamte Spannbreite des Private Equity näher beleuchtet wird. Im Rahmen des Private Equity dient VC der Unterstützung von Gründungsunternehmen, während Spätphasenfinanzierungen überwiegend für die Beteiligung an bereits länger bestehenden Unternehmen verwendet werden.[13] Diese Unternehmen benötigen aus den verschiedensten Gründen finanzielle Mittel. Mögliche Ursachen für den Kapitalbedarf sind zum Beispiel Kapazitätsausweitungen, Gesellschafterabfindungen, Sanierungsmaßnahmen und Vorbereitung eines Börsengangs.[14] Sollte ein Unternehmen am organisierten Kapitalmarkt gehandelt werden, so zählt es nicht mehr zur Kategorie des Private Equity, da öffentlich gehandelte Unternehmen der Kategorie des Public Equity angehören.[15]

3. Die Frühphase der Unternehmung

3.1 Innovation und Wettbewerbsvorteile

Wie bereits erwähnt, sind Unternehmen, welche mit VC unterstützt werden durch die Eigenschaft einer Innovation gekennzeichnet.[16] Bei einer Innovation handelt es sich um die Einführung einer Neuerung bzw. einer Neuheit im Markt. Diese Neuerung kann in der Fertigung neuer Produkte oder in der Nutzung neuer Verfahren bestehen.[17]

Jedes Gründungsunternehmen hat beim Eintritt in den Markt die Entscheidung zu treffen, welche Strategie es verfolgen möchte. Zu unterscheiden ist zwischen der Innovations- und der Imitationsstrategie. Hierbei bedient sich die Unternehmung einer Innovationsstrategie, wenn es das erste Unternehmen im Markt ist, welches ein bisher nicht vorhandenes Produkt oder eine bisher nicht vorhandene Dienstleistung anbietet. Dem entgegen steht die Imitationsstrategie, in welcher ein Unternehmen in einen bereits bestehenden Markt eintritt und relativ neuartige Produkte oder Dienstleistungen anbietet. Ein Imitator ist allerdings nicht der First Mover im Markt und kann daher nicht die Pioniervorteile nutzen, welche der Innovator nutzen kann.[18]

Im Allgemeinen sind die angebotsseitigen und die nachfrageseitigen Pioniervorteile zu unterscheiden. Angebotsseitige Wettbewerbsvorteile beruhen auf der Nutzung eines technologischen Vorsprungs oder auf Kostenvorteilen. Beispiele hierfür sind der Patentschutz und die Erfahrungskurveneffekte. Im Gegensatz dazu basieren nachfragebezogene Wettbewerbsvorteile auf der Beeinflussung des Kunden zum eigenen Profit. Nachfragebezogene Pioniervorteile sind zum Beispiel Produktdifferenzierung und Netzwerkeffekte. Bei den Netzwerkeffekten erzeugt der Innovator hohe Wechselkosten für den Fall, dass der Kunde zu einem Konkurrenzprodukt wechseln möchte. Somit stärkt der Pionier seine Wettbewerbsposition. Zusammenfassend bestehen die Wettbewerbsvorteile des Innovators hauptsächlich im Aufbau von Markteintrittsbarrieren.[19]

3.2 Die Bedeutung des Venture Capital

Aufgrund der starken Förderung von Innovationen, im Rahmen des VC, können so genannte Innovationsbarrieren überwunden werden. Unter solchen Barrieren werden die Aufbringung eines effizienten Innovationsbudgets und einer damit verbundenen ausreichenden Eigenkapitalstruktur aufgefasst, sowie die Schwierigkeiten mit der langen Amortisationsdauer und des hohen Innovationsrisikos. Im Wesentlichen können durch VC Finanzierungsengpässe überwunden werden.[20]

Das Innovationsrisiko spiegelt sich überwiegend in der Unsicherheit wieder, ob die Vision überhaupt technisch durchführbar ist, ob das richtige Team an der Entwicklung des Projekts beteiligt ist und ob es eventuell Konkurrenten geben wird, welche das Produkt zu günstigeren Preisen anbieten werden.[21] Das eingehen dieses Risikos lohnt sich allerdings im Hinblick auf die Entwicklung der Gesellschaft, da eine Finanzierung mittels VC im Vergleich zu anderen Finanzierungsquellen, zu drei bis viermal soviel Patenten führt.[22] VC besitzt dementsprechend eine große Bedeutung für die internationale Hochtechnologieindustrie. Zu diesem Bereich zählt unter anderem die Biotechnologie, die Medizintechnik, Software, Internetangebote und vieles mehr.[23] Die Investitionen in diese Branchen haben einen positiven Einfluss auf wirtschaftliches Wachstum und auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze.[24] In Abbildung 1 sind die VC-Investitionen in die verschiedenen Branchen auf dem deutschen Markt für das Jahr 2010 dargestellt.

Abbildung 1: Branchenspezifische Investitionen auf dem deutschen Markt für 2010[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der durch diese Investitionen angeregte Beschäftigungseffekt besitzt neben der positiven Ausprägung allerdings auch eine negative Wirkung. Bei Prozessinnovationen kommt es Aufgrund der gesteigerten Arbeitsproduktivität zur Mitarbeiterrationalisierung. Diesem Effekt wirkt allerdings die reine Innovation von Produkten entgegen, so dass, wie bereits erwähnt, überwiegend neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Neben dem Beschäftigungseffekt beeinflusst das VC auch maßgeblich das Umsatzwachstum und somit die Liquidität der Unternehmen.[26]

Allerdings ist an dieser stelle hervorzuheben, dass die Beschäftigungsauswirkungen des gesamten Private Equity Spektrums höchst umstritten sind. Während es zahlreiche Stimmen gibt, welche eine positive Auswirkung des Private Equity bzw. des VC auf die Beschäftigung sehen, existieren auch Stimmen, welche der Meinung sind, dass Private Equity sich nicht auf den Arbeitsmarkt auswirkt.[27] Die Tatsache, dass vor allem die Mittelstandsfinanzierungen durch VC vorangetrieben werden und somit wettbewerbsfähige mittelständische Unternehmen entstehen, sollte die Heraushebung eines positiven Beschäftigungseffektes dennoch unterstützen.[28]

Im nächsten Abschnitt soll der Markt für VC in Deutschland näher betrachtet werden. Für diesen Abschnitt ist festzuhalten, dass VC eine große Bedeutung für die Volkswirtschaft besitzt, da im Wesentlichen die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, die Entwicklung des Mittelstandes und der technologische Fortschritt vorangetrieben werden. Somit trägt VC zur Sicherung des Wohlstandes der Gesellschaft bei.[29]

3.3 Der Markt für Venture Capital in Deutschland

Um einer Einordnung des Marktes für VC in Deutschland vorzunehmen, ist es zweckdienlich auf die historische Entwicklung der VC-Industrie einzugehen. Im Jahr 1965 erfolgte die Gründung der ersten Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Anlass für diese Gründungen war die Notwendigkeit der Stärkung des deutschen Mittelstandes. Allerdings verlief die Entwicklung der VC-Branche bis zu Beginn der 80er Jahre sehr schleppend, da die Unternehmer ihre Unabhängigkeit vor den Investoren bewahren wollten, so dass erst ab Mitte der 80er Jahre spürbare Zuwächse verzeichnet werden konnten.[30] In den 90er Jahren stagnierten diese Zuwächse überwiegend. Zu diesem Zeitpunkt war die Ausprägung der deutschen VC-Branche im internationalen Vergleich deutlich unterentwickelt.[31] Die bedeutsamen technologischen Errungenschaften verursachten jedoch seit ca. 1998 den Boom des neuen Marktes. Dieser brach jedoch bereits im Jahr 2000 zusammen, so dass sich im Jahr 2001 die Auswirkungen auf die Investitionen bemerkbar machten.[32] Die Abbildung 2 verdeutlicht nun die Entwicklung der Investitionen seit dem Jahr 2002. Anhand der Abbildung wird ersichtlich, dass sich die VC-Investitionen seit 2002 adäquat entwickelten und, dass die Investitionen Ihren Höhepunkt im Jahr 2004 hatten. 2005 gehen die Investitionen zunächst zurück und steigen dann von 2006 bis 2008 langsam wieder an. Im Jahr 2009 ist dann ein deutlicher Rückgang bedingt durch die Weltwirtschaftskrise zu verzeichnen. Allerdings konnte bereits für das Jahr 2010 nahezu der Investitionsstand vor der Krise wieder erreicht werden. Dies liegt unter anderem daran, dass sich die Wirtschaft in einer Aufschwungphase befindet und somit die Erfolgschancen verschiedener Business Pläne zugenommen haben.[33]

Abbildung 2: Die Investitionen der Venture-Capital-Gesellschaften[34]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Investitionstätigkeiten spiegeln ferner auch die positive Entwicklung des deutschen VC-Marktes wieder. Deutschland ist derzeit weltweit auf Rang 10 der attraktivsten VC-Märkte zu finden. Besonders überzeugend für Deutschland sind diesbezüglich die Faktoren Bildung und Humankapital, Innovationstätigkeit, Forschung und Entwicklung, steuerliche Aspekte, sowie der hoch entwickelte Finanzmarkt.[35] Attraktivere VC-Märkte sind derzeit bspw. in Australien, Kanada, Großbritannien und den USA zu finden. Hierbei belegte die USA den ersten Rang.[36] Dies ist nicht verwunderlich, da die USA seit Jahrzehnten als Pionier auf dem Gebiet des VC gelten.[37] Der weit entwickelte amerikanische VC-Markt wird auch in der Performance, welche in Kapitel 5 behandelt wird, von entscheidender Bedeutung sein.

Für die Beteiligungen der deutschen Venture-Capital-Gesellschaften (VCG) ist festzuhalten, dass 2010 lediglich drei Prozent der Investitionen in die USA geflossen sind, während sieben Prozent im europäischen Ausland investiert wurden. Allerdings sind die Investitionen auch innerhalb Deutschlands ungleichmäßig verteilt. So wurden 2010 ca. 25% des Gesamtvolumens in Bayern investiert, 14% in Nordrhein-Westfalen, 11% Prozent in Berlin und 7% in Baden-Württemberg. Das Restvolumen ist in die verbleibenden zwölf Bundesländer investiert wurden.[38] Die Beteiligungen sind also in unterschiedlichem Umfang in der gesamten Bundesrepublik verteilt, obwohl die Hauptzentren der VCG in München, Frankfurt am Main, Berlin und Hamburg liegen.[39] Folgerichtig sind VC-Finanzierungen nicht an die unmittelbare Nähe zu einer VCG gebunden. Sollte sich keine VCG in der Region befinden, dann helfen bspw. Netzwerke bei der Vermittlung von VC-Beteiligungen und somit stehen Unternehmen im gesamten Bundesgebiet Finanzierungen mittels VC zur Verfügung.[40] Im nächsten Abschnitt wird erläutert, dass nicht nur VCG zu den VC-Gebern zählen, sondern auch die so genannten Business Angel.

3.4 Charakterisierung der Venture-Capital-Geber

3.4.1 Venture-Capital-Gesellschaften

Die VCG finanzieren Unternehmen in der Frühphase der Unternehmung und sind von den Kapitalbeteiligungsgesellschaften zu unterscheiden, welche Unternehmen in der Reife- oder Expansionsphase finanzieren. Allerdings ist eine Abgrenzung der beiden Gesellschaften immer schwieriger, da VCG auch zunehmend Unternehmen finanzieren, welche sich in der Reife- oder Expansionsphase befinden.[41]

Trotzdem sind die Zielsetzungen einer Beteiligung für die beiden Gesellschaften unterschiedlich. Für die VCG ist das Hauptziel, wie bereits erwähnt, die Wertsteigerung des Unternehmens mit dem Ziel einer späteren gewinnbringenden Veräußerung, während Kapitalbeteiligungsgesellschaften an den laufenden Gewinnausschüttungen partizipieren. Des Weiteren finanzieren die Kapitalbeteiligungsgesellschaften überwiegend Unternehmen, welche bereits längere Zeit bestehen und eher traditionellen Branchen, wie zum Beispiel der Metallverarbeitung, angehören. Im Gegensatz dazu investieren VCG hauptsächlich in junge, innovative, klein bis mittelgroße Unternehmen, welche hauptsächlich der Hochtechnologieindustrie angehören.[42]

Wie bereits erwähnt, ist eine Abgrenzung zwischen VCG und Kapitalbeteiligungsgesellschaften immer schwieriger. Im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) ist ein Großteil der in Deutschland organisierten Beteiligungsgesellschaften aufgelistet. Diese Beteiligungsgesellschaften setzen sich aus VCG und Kapitalbeteiligungsgesellschaften zusammen. In Abbildung 3 ist die Entwicklung der Beteiligungsgesellschaften des BVK von 1990 bis 2010 dargestellt.

Abbildung 3: Entwicklung der Beteiligungsgesellschaften im BVK[43]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Schätzungen des BVK wird davon ausgegangen, dass derzeit noch ca. vierzig weitere Beteiligungsgesellschaften existieren, welche nicht im BVK organisiert sind. Anhand der Grafik ist ersichtlich, dass durch die Weltwirtschaftskrise die Zahl der Beteiligungsgesellschaften nicht rückläufig ist. Vielmehr ist festzustellen, dass seit 2004 die Zahl der Gesellschaften stetig ansteigt und dass sich die Anzahl der Gesellschaften seit 1990 mehr als verdreifacht hat.[44] Im Folgenden soll wieder die VCG in das zentrale Blickfeld der Betrachtungen gerückt werden.

Das Beteiligungsgeschäft im Allgemeinen lässt sich in direkte Beteiligungen und indirekte Beteiligungen unterteilen.[45] Eine direkte Beteiligung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Investor zum Beispiel als Kommanditist unmittelbar am Unternehmen beteiligt ist.[46] Während bei einer indirekten Beteilung die VCG zwischen dem Kapitalgeber und Kapitalnehmer geschaltet wird. Bei den indirekten Beteiligungen wird darüber hinaus zwischen dem fondsorientierten Ansatz und dem projektorientierten Ansatz unterschieden. Die Vorgehensweise beim projektorientierten Ansatz besteht in der Vorauswahl von jungen Unternehmen. Für diese Unternehmen wird dann anschließend nach Kapitalgebern gesucht. Diese übertragen die finanziellen Mittel der VCG, welche dann die Investitionen an die jeweiligen Unternehmen steuert.[47] Im fondsorientierten Ansatz zahlen die Investoren erst das Kapital in den Fonds ein und die VCG beteiligt sich anschließend an innovativen Unternehmen.[48] In Deutschland ist die indirekte Form des Beteiligungsgeschäftes vorherrschend.[49] Hierbei spielt insbesondere der fondsorientierte Ansatz eine entscheidende Rolle. Die Tabelle 1 zeigt die größten deutschen VCG, welche seit 2006 einen Fonds mit einem Volumen von jeweils über 100 Millionen Euro aufgelegt haben.

Tabelle 1: Die größten VCG und ihre Fonds seit 2006[50]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die von einer VCG durchgeführten Investitionen, werden in regelmäßigen Abständen bezüglich des Projektstatus der Investitionsobjekte überwacht. Diese Überwachung ist notwendig, da die Unternehmensgründer dazu neigen andere Interessen zu verfolgen als die Investoren.[51] Während die Investoren die Maximierung des Unternehmenswertes verfolgen, liegt das Hauptaugenmerk der Unternehmensgründer eher auf der Durchsetzung persönlicher Interessen, wie z.B. dem Erhalt des eigenen Einflusses auf das Unternehmen. Sollte sich das Unternehmen in einer negativen Lage befinden, so wird die VCG von ihren Kontrollrechten Gebrauch machen und bspw. den Geschäftsführer auswechseln, um so das Unternehmen selbst zum Erfolg zu leiten.[52] Solange sich das Unternehmen allerdings in einer positiven Entwicklung befindet, kann der VC-Nehmer auf die Unterstützung der VCG setzen. Diese verfügen über ein weit umfassendes Netzwerk und helfen z. B. bei der Einstellung von Schlüsselpersonal, bei strategischen Fragen, sowie bei Verhandlungen mit Lieferanten und Abnehmern.[53] Gründungsunternehmen profitieren durch die Zusammenarbeit mit der VCG. Allerdings können Unternehmen in der Frühphase auch Unterstützung von den so genannten Business Angels erhalten.

[...]


[1] Vgl. Mark (2006), S. 129.

[2] Vgl. Weimerskirch (1998), S. 1.

[3] Vgl. Landström (2007), S. 3.

[4] Vgl. Schmidt (2003), S. 1139.

[5] Vgl. Baltzer (2000), S. 8.

[6] Vgl. Gompers/Lerner (2001), S. 145.

[7] Vgl. Reichling/Beinert/Henne (2005), S. 15-16.

[8] Pratt (1982), S. 10.

[9] Vgl. Weimerskirch (1998), S. 9-10.

[10] Vgl. Hendel (2003), S. 11.

[11] Vgl. Kucher (2007), S. 22.

[12] Vgl. Mark (2006), S. 7-8.

[13] Vgl. Lerner/Hardymon (2002), S. 1-2.

[14] Vgl. Reichling/Beinert/Henne (2005), S. 16.

[15] Vgl. Lerner/Hardymon (2002), S. 334.

[16] Vgl. Gompers/Lerner (2001), S. 145.

[17] Vgl. Baltzer (2000), S. 10-11.

[18] Vgl. Hellmann/Puri (2000), S. 959-960.

[19] Vgl. Mark (2006), S. 74-78.

[20] Vgl. Baltzer (2000), S. 44-45.

[21] Vgl. Schmidt (2003), S. 1148.

[22] Vgl. Gompers/Lerner (2001), S. 165.

[23] Vgl. Hendel (2003), S. 207-209.

[24] Vgl. Schmidt (2003), S. 1139-1140.

[25] Vgl. Fleischhauer, Hoyer & Partner (2011), S. 7.

[26] Vgl. Baltzer (2000), S. 42-47.

[27] Vgl. Lutz/Achleitner (2009), S. 67-68.

[28] Vgl. BVK (2011a).

[29] Vgl. Weimerskirch (1998), S. 18-19.

[30] Vgl. Mark (2006), S. 122-125.

[31] Vgl. Weimerskirch (1998), S. 11-12.

[32] Vgl. Mark (2006), S. 128.

[33] Vgl. Venture Capital Magazin (2011), S. 12-13.

[34] Vgl. Fleischhauer, Hoyer & Partner (2011), S. 3.

[35] Vgl. Groh/Liechtenstein/Lieser (2011a).

[36] Vgl. Groh/Liechtenstein/Lieser (2011b).

[37] Vgl. Jesch (2004), S. 35-37.

[38] Vgl. Fleischhauer, Hoyer & Partner (2011), S. 8.

[39] Vgl. Fritsch/Schilder (2006a), S. 7-8.

[40] Vgl. Fritsch/Schilder (2006b), S. 16-19.

[41] Vgl. Reichling/Beinert/Henne (2005), S. 35-36.

[42] Vgl. Schäfer (2003), S. 253.

[43] Vgl. BVK (2011b), S. 4.

[44] Vgl. BVK (2011b), S. 4.

[45] Vgl. Mark (2006), S. 102.

[46] Vgl. Schäfer (2003), S. 252.

[47] Vgl. Mark (2006), S. 102-103.

[48] Vgl. Baltzer (2000), S. 50-51.

[49] Vgl. Schäfer (2003), S. 252.

[50] Vgl. Gründerszene (2011).

[51] Vgl. Gompers (1995), S. 1461-1462.

[52] Vgl. Hellmann/Puri (2002), S. 181-182.

[53] Vgl. Schmidt (2003), S. 1140.

Details

Seiten
47
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656011217
ISBN (Buch)
9783656010401
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178825
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
venture capital performance

Autor

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Titel: Venture Capital Performance