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Die Schwächen des Bachelor-/Master-Systems: Radikalerneuerung nötig? Wege in die Zukunft?

Hausarbeit 2010 21 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das neue Studiensystem und die Veränderungen in der Lehre im Überblick
2.1 Der Bologna-Prozess
2.2 Das neue Abschlusssystem
2.2.1 Abschluss „Bachelor“
2.2.2 Abschluss „Master“

3. Die Problemfelder des neuen Systems
3.1 Eine vollkommene Ausrichtung auf die Wirtschaft?
3.2 Bürokratisierung und Vorgaben
3.3 Die Hochschule als neue Zwei-Klassen-Gesellschaft?

4. Die Zukunft des Bachelor-/Mastersystems

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieses Jahr feiert der Bologna-Prozess, die große Reform des europäischen Bildungsprozesses, sein 10-jähriges Jubiläum. Von einer Feierstimmung kann allerdings keine Rede sein: Im letzten Jahr gab es den großen Bildungsstreik, der die Wut über das neue System von den Studierenden, aber auch Dozenten und Professoren zum Ausdruck brachte. Selbst große Befürworter der Hochschulreform sind sich über offenkundige Schwächen des Umbaus des deutschen Bildungssystems bewusst. Diese Problematik soll von dieser Hausarbeit untersucht werden. Ganz besonders nimmt sie sich der Kritik am neuen Abschlusssystem Bachelor/Master an, welches nur ein Problemfeld, aber zweifelsohne das größte und am meisten kritisierte darstellt. Ist der Bologna-Prozess insofern gescheitert, als das eine umfassende, wie der Titel dieser Arbeit sagt, radikale „Reform der Reform“ nötig ist? Und welche Zukunft hat das neue System im Hinblick auf die traditionsreiche Hochschulbildung Deutschlands?

Wie diese Arbeit zeigen wird, durchdringt die Debatte viele gesellschaftliche Bereiche und bringt nicht nur Gedanken aus der Hochschulwelt selbst in die Diskussion ein. Zahlreiche Tageszeitungen befassen sich mit der chaotischen Situation und solidarisieren sich mit den Studenten. Wissenschaftler wiederum untersuchen den Bologna-Prozess, besonders im Hinblick auf rechtliche Schwierigkeiten, oder berichten von ihren eigenen Alltagserfahrungen und mit verbundenen Mehrbelastungen. Urteile liefern neben diesen Aussagen auch statistische Erhebungen über die Abbruchsquoten oder die generelle Anzahl von Studiengängen an deutschen Hochschulen.

Vor der eigentlichen Diskussion wird nachfolgend der Bologna-Prozess und die einhergehenden Veränderungen, das neue Abschlusssystem, vorgestellt. Die Untersuchung der Schwächen von Bachelor und Master erfolgt anhand der kritisierten Problemfelder. Es folgt ein Ausblick auf die Zukunft des Systems, ehe die Ergebnisse der Betrachtung im Fazit aufgegriffen werden.

2. Das neue Studiensystem und die Veränderungen in der Lehre im Überblick

Vor der eigentlichen Diskussion der eingangs gestellten Fragen, sollen zuvor die wesentlichen Inhalte des Bologna-Prozesses sowie die Merkmale des zweigliedrigen Abschlusssystems vorgestellt werden.

2.1 Der Bologna-Prozess

Der Bologna-Prozess ist auch nach seinem zehnjährigen Jubiläum immer noch nicht abgeschlossen und andauernd. Tatsächlich handelte es sich bei dem Treffen der zuständigen Minister für Bildung und Wissenschaft der jeweiligen europäischen Länder vor 10 Jahren lediglich um den Beginn für ein in Form von Konferenzen weitergetriebenes Projekt auf supranationaler Ebene. Bevor der eigentliche Bologna-Prozess in seiner Form ein Namensgeber für die Veränderungen der europäischen Bildungslandschaft geworden ist, wurden die eigentlichen Grundlagen dieses Vorhabens bereits am 25. Mai 1998 in Paris, zur Zeit der Feierlichkeiten des 800-jährigen Bestehens der Universität Sorbonne, gelegt. Vertreter der vier größten EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien unterzeichneten eine „Gemeinsame Erklärung zur Harmonisierung der Architektur der europäischen Hochschulbildung“. Ein Europa des Wissens sollte geschaffen werden.[1] Die hier genannten drei Hauptziele (Schaffung eines zweigliedrigen Abschlusssystems, Vereinfachung der Anerkennung von Abschlüssen der Studierenden und Förderung der Mobilität innerhalb des akademischen Europas) wurden später im darauf aufbauenden Bologna-Prozess ergänzt. Ein Treffen zu diesem fand am 19. Juni 1999, also ein Jahr später, unter bereits 29 Teilnehmern in Bologna statt. Eine umfangreichere Erklärung spezifizierte die Sorbonne-Erklärung noch einmal und stellte die folgenden sechs Ziele als Hauptkern der mit „Der europäische Hochschulraum“ betitelten Erklärung dar:

1. Einführung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse, auch durch die Einführung des Diplomzusatzes (Diploma Supplement);
2. Einführung eines zweistufigen Systems von Abschlüssen (undergraduate / graduate);
3. Einführung eines dem European-Credit-Transfer-System (ECTS) ähnlichen Leistungspunktesystems;
4. Förderung der Mobilität von Studierenden, Lehrern, Wissenschaftlern und
Verwaltungspersonal durch Überwindung von Mobilitätshemmnissen;
5. Förderung der europäischen Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung im Hinblick auf die Erarbeitung vergleichbarer Kriterien und Methoden;
6. Förderung der europäischen Dimensionen im Hochschulbereich.

Ein besonderer Wert wurde auf die Beibehaltung der Autonomie der Hochschulen, aber auch die Bildungshoheit der mitwirkenden Staaten gelegt. Mit dieser Erklärung wurde der Grundstein für zahlreiche radikale Veränderungen an europäischen Hochschulen gelegt.[2] Im Laufe der Jahre wurden die Ergebnisse von Bologna durch zusätzliche Treffen erweitert. Zu nennen seien hier Nachfolgekonferenzen wie etwa jene in Prag 2001, Berlin 2003, Bergen 2005 und London 2007. Die Zahl der Unterzeichner hat sich in dieser Zeit auf 46 erhöht.[3]

Bei all den zahlreichen Vereinbarungen und Treffen, ist über die Natur des Bologna-Prozesses in der öffentlichen Meinung wenig bekannt. So ist festzuhalten, dass es sich bei dem Prozess nicht um einen festen Vertrag oder einen Gesetzgebungsprozess innerhalb der offiziellen Strukturen der europäischen Union handelt. Lediglich eine Kommission seitens der Institution an sich ist bei den Treffen anwesend, organisiert die Fortschritte zwischen diesen und fördert das Vorhaben mit finanziellen Hilfen. Vielmehr ist der Bologna-Prozess eine gemeinsame Willenserklärung der unterzeichnenden Staaten. In Form von den zuvor genannten Koordinierungsprozessen treiben die einzelnen Mitgliedsstaaten den Prozess in unterschiedlicher Geschwindigkeit voran. Das feste Ziel die Vorgaben bis zum Jahre 2010 umgesetzt zu haben, ist nicht verpflichtend gewesen.

2.2 Das neue Abschlusssystem

Der Bologna-Prozess ist für eine Vielzahl von Veränderungen im Bereich der Bildungspolitik verantwortlich. Die Hauptkritik und Unzufriedenheit mit dem System äußert sich vor allem in der konkreten Umsetzung des neu eingeführten zweigliedrigen Abschlusssystems Bachelor und Master. Er ist gleichzeitig auch die gravierendste Auswirkung im Studienbetrieb. Beide Abschlüsse haben es zum Ziel die Vereinbarkeit von Praxisorientierung auf den Arbeitsmarkt, als auch die Forschung in einem möglichst passenden Zeitrahmen effektiv zu vereinen. Dazu folgende Auszug aus der seinerzeit so verabschiedeten Erklärung:

„Einführung eines Systems, das sich im wesentlichen auf zwei Hauptzyklen stützt: einen Zyklus bis zum ersten Abschluß ( undergraduate) und einen Zyklus nach dem ersten Abschluß (graduate). Regelvoraussetzung für die Zulassung zum zweiten Zyklus ist der erfolgreiche Abschluß des ersten Studienzyklus, der mindestens drei Jahre dauert. Der nach dem ersten Zyklus erworbene Abschluß attestiert eine für den europäischen Arbeitsmarkt relevante Qualifikationsebene. Der zweite Zyklus sollte, wie in vielen europäischen Ländern, mit dem Master und/oder der Promotion abschließen“[4]

Dieses System wurde im Laufe der Zeit weiter differenziert und verfeinert und soll nun an dieser Stelle vor der eigentlichen Diskussion in seinen wichtigsten Aspekten kurz dargelegt werden.[5]

Beide Abschlüsse bauen auf eine grundlegende Einführung des Lernkonzepts auf: Das sogenannte European Credit Transfer System (ECTS) und auf der anderen Seite Studieninhalte in Module aufzuteilen. Ein Modul umfasst dabei bestimmte, für das jeweilige Studienfach Inhalte in Form von einer oder mehrerer Lernveranstaltungen und bewertet diese mit einer festgelegten Anzahl an Credit Points (kurz: CPs). Die über das laufende Studium erworbenen CPs bilden in ihrer Summe das zu erreichende Studienziel. Neben der Bedeutung der CPs für den eigentlichen Besuch vor Ort an der Hochschule, und der Anzahl dieser, die ein Modul umfasst, messen sie auch den vom Studenten selbst aufgebrachten Arbeitsaufwand. Von der Grundidee her wird dies als Vorteil erachtet, um Studierenden und Lehrenden so eine vernünftige Übersicht über den Arbeitseinsatz zu bieten. Bereits vor Bologna hat es Bestrebungen für die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen, u.a. Diplome, gegeben.[6] Weiterhin sind die CPs ein Beispiel für die Vergleichbarkeit der Studiengänge an anderen Hochschulen. Abgeschlossene Module an einer deutschen Hochschule können als Voraussetzungen dienen, um mit dem nötigen Grundlagenwissen an einer anderen europäischen Hochschule weiter zu studieren.

2.2.1 Abschluss „Bachelor“

Der Bachelor stellt nach dem Konzept der neuen Vereinbarungen einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss dar. Eine der Bestrebungen aus wirtschaftlicher Hinsicht lag darin den Fachkräftemangel auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzudämmen. Mittlerweile gibt es bundesweit an Hochschulen mit und ohne Promotionsrecht sowie Kunsthochschulen 5878 Bachelorstudiengänge.[7] Die Ausbildungszeit beträgt in der Regel 3 Jahre (bzw. 6 Semester), wobei die Regelstudienzeit eines solchen Studiengangs aufgrund der Autonomie der Hochschulen innerhalb Deutschlands variieren kann und ganz eigene Kombinationen zulässt. An der Fachhochschule Stralsund können die Studierenden den Abschluss im Studiengang „Betriebswirtschaftslehre (Bachelor of Arts)“ beispielsweise nach sechs oder sieben Semestern erwerben.[8] Zur Erreichung des Bachelorabschlusses sind insgesamt 180 CPs nötig. Folgende Bachelorabschlüsse wurden durch die Kultusministerkonferenz im Jahr 2003 festgelegt:

- Bachelor of Arts (B.A.)
- Bachelor of Science (B.Sc.)
- Bachelor of Science in Information Technology (B.Sc.IT)
- Bachelor of Engineering (B.Eng.)
- Bachelor of Laws (LL.B.)
- Bachelor of Education (B.Ed.)

[...]


[1] Sorbonne-Erklärung 1998

[2] Bologna-Erklärung 1999

[3] http://www.bmbf.de/de/3336.php: „Auch über 2010 hinaus werden die 46 Bologna-Mitgliedstaaten, Hochschulen, Studierende und weitere Beteiligte an dem Ziel einer vielfältigen, attraktiven und transparenten europäischen Hochschullandschaft arbeiten.“

[4] Bologna-Erklärung 1999, S. 4

[5] Die Charakteristika werden umfangreich, gleichzeitig aber auch leicht verständlich im „Bologna Reader“, einem Hilfstext zur konkreten Umsetzung der Reform an deutschen Hochschulen, dargestellt.

[6] vgl. Aigner, S. 51 ff.

[7] http://www.hs-kompass2.de/kompass/xml/akkr/akkr_stat_a.htm (Stand: 22.03.2010)

[8] http://www.fh-stralsund.de/lehrangebot/lehrebaum/powerslave,id,937,nodeid,937,p,0.html: Studierende haben die Wahlmöglichkeit zwischen zwei berufsqualifizierenden Abschlüssen:

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656009993
ISBN (Buch)
9783656010678
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178770
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
schwächen bachelor-/master-systems radikalerneuerung wege zukunft

Autor

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