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D. Martinus Luther und die Musica

Eine kurze Betrachtung zu Luthers musikalischem Schaffen und dessen Bedeutung für den Reformationsprozess

Seminararbeit 2011 26 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 MARTIN LUTHER, REFORMATOR UND MUSIKER
2.1 WICHTIGE STATIONEN IN LUTHERS LEBEN, AUSZUGSWEISE
2.2 THEOLOGIE UND MUSIK

3 VORREFORMATORISCHE KIRCHENMUSIK

4 LUTHERS EINSTELLUNG ZUR MUSIK
4.1 LUTHERS ALLGEMEINE EINSTELLUNG ZUR MUSIK
4.2 LUTHERS INTENTION UND SEINE EINSTELLUNG ZUR MUSIK IM DIENSTE DER REFORMATION
4.3 VERBREITUNG VON LUTHERS MUSIK

5 LUTHERS PRAKTISCHE UMSETZUNG
5.1 GEISTLICHE NACHDICHTUNG WELTLICHER VOLKSLIEDER (KONTRAFAKTUR)
5.2 PSALMENLIEDER

6 LUTHERS LIEDSCHAFFEN IM PROZESS

7 FAZIT

8 ANHANG 1: ADAPTION IN DAS HEUTIGE GEMEINDELEBEN
8.1 LUTHERS MUSIK: HITPARADE UND WELTKULTURERBE
8.2 WAS FÜR DIE HEUTIGE LOBPREISPRAXIS VON LUTHER GELERNT WERDEN KANN
8.2.1 Weitere Möglichkeiten partizipativer Gemeindemusik
8.3 ANFÄNGE DES URHEBERRECHTES

9 ANHANG 2: ABBILDUNG 1

10 ANHANG 3: VERGLEICH „EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT“ UND PSALM 46

11 BIBLIOGRAPHIE
11.1 INTERNET
11.2 SOFTWARE
11.3 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

Martin Luther hat im Zuge der Reformation dem Volk das unverfälschte Evangelium nahe gebracht. Ebenso machte er in seinem Wirken diesen Leuten nebst der Bibel auch das Kirchenlied neu zugänglich und vielleicht gerade dadurch wurden so viele Personen seiner Zeit mit der Lehre der Reformation erreicht. Luther wird als Vater des evangelischen Kirchengesanges bezeichnet und trägt diesen Ehrentitel zu Recht1, hat er doch dem Gesang der Gemeinde entscheidende Impulse gegeben und ihn durch seine zahlreichen eigenen Kompositionen massgeblich beeinflusst. Sicher hat Luther das Kirchenlied nicht erfunden, auch das Evangelium musste Luther ja nicht selber erfinden.2 Beides war schon da, nur musste wieder zum Kern der Sache vorgedrungen werden. Beides, das Evangelium und das Kirchenlied, musste dem Volk aber durch eine einfache, und vor allem durch die deutsche Sprache, zugänglich gemacht werden. Die Tatsache, dass von Luthers Schaffen das Gesangbuch neben seiner Bibelübersetzung am meisten verbreitet ist, zeigt alleine schon seine Wirkkraft im Bereich von Gesang und Musik.3

Vom Klerus seiner Zeit wurde die Musik als gefährliches und bedenkliches Genussmittel betrachtet. Luther wusste jedoch die Kraft der Musik und des Gesanges für die Verbreitung des Evangeliums zu nutzen und brachte sie dem Volk als Bildungs- und Erbauungsmittel nahe Ä… indem er sie zum Schmuck des Gottesdienstes zuliess und nur verlangte, dass sie im Gotteshause auch ein hochzeitliches Gewand anlege…“.4 Ziel der vorliegenden Konzeption ist es einerseits, die Absicht von Luther darzulegen, mit der er sich der Musik widmete, sein diesbezügliches Vorgehen zu erläutern, und andererseits die Auswirkungen seines musikalischen Schaffens auf die Reformation zu betrachten.

2 Martin Luther, Reformator und Musiker

2.1 Wichtige Stationen in Luthers Leben, Auszugsweise

Martin Luther wurde am 10.11.1483 in Eisleben geboren.5 Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen als Sohn eines Erzbergbauarbeiters auf. Bereits als Schüler verdiente Luther sein erstes Taschengeld als

Singknabe.6 Er besass anscheinend eine gute Stimme. Als ÄHöherer Schüler zu Eisenach“7 verdiente sich Luther seinen Unterhalt durch das Singen vor und in den Häusern. Hier spielte er auch in einem Hausmusikkreis mit, wo Volkslieder und Motetten8 gesungen wurden. In dieser Zeit lernte Luther das Spiel auf der Laute. Vermutlich brachte er sich das Lautenspiel autodidaktisch bei, obwohl die Laute als schwierig zu spielendes Instrument gilt. Die Laute war als vornehmstes Instrument ausserhalb der Kirche bekannt. Das Zupfinstrument wurde bald zur ständigen Begleiterin in Luthers Leben.9 Daneben spielte er auch Querflöte.

1501 nahm Luther sein Studium der Äartes liberales“ an der Universität in Erfurt auf. Auch das Studium der Musik gehörte, nebst den anderen, zu dieser Zeit üblichen Fächern, zu Luthers höherer Ausbildung,10 wobei Luther von allen Künsten die Musik zeitlebens am nächsten stand.11 Es wird sogar berichtet, dass ihn seine Kommilitonen den ÄPhilosophen und Musiker“ nannten.12 1505 erlangte Luther, im Alter von 22 Jahren, den akademischen Grad eines Magisters und begann im selben Jahr sein juristisches Studium. Dieses brach er allerdings im selben Jahr ab und trat nach einem erschreckenden Erlebnis im Gewitter13 als Mönch ins Kloster der Augustiner Eremiten ein. 1507 wurde Luther zum Priester geweiht und begann sein Studium der Theologie. Ab 1511 wurde er ordentlicher Professor an der Universität zu Wittenberg und erlangte 1512 die Doktorwürde.

Der Winter 1512/1513 gilt als Geburtsstunde der Reformation.14 Nach langem, innerem Ringen Luthers, in dem er Gott als strafenden Rächer sah, der die Menschen, welche doch schon durch die Erbsünde verloren und geknechtet sind und durch die zehn Gebote weiter bedrückt werden, begann Luther die Gerechtigkeit Gottes zu verstehen. Die Gerechtigkeit, Ä… durch die der Gerechte als durch ein Geschenk Gottes lebt, nämlich aus dem Glauben heraus.“15 Als Luther diese Gerechtigkeit für sich zu verstehen begann, änderte sich auch seine Einstellung zur Heiligen Schrift:

ÄHier spürte ich, dass ich völlig neu geboren sei und dass ich durch die geöffneten Pforten in das Paradies selbst eingetreten sei, und da erschien mir von nun ab die Schrift in einem ganz anderen Licht.“16

Der Anschlag seiner 95 Thesen an der Kirche zu Wittenberg erfolgte erst vier Jahre später (1517). Nach der Verhandlung auf dem Reichstag, 1521, wurde Luther auf die Wartburg gebracht. Dort übersetzte er das Neue Testament, welches bereits Ende 1522 auf Deutsch erschien. Bis 1534 wurde durch ihn auch das Alte Testament übersetzt und die erste ÄLaienbibel“ war nun in allen Teilen auf Deutsch erhältlich. 1523, nach Veröffentlichung der Schriften ÄVon weltlicher Obrigkeit, wieweit man ihr Gehorsam schuldig sei“ und ÄVon der Ordnung des Gottesdienstes in der Gemeinde“ begann auch Luthers Liedschaffen. Am 15.02.1546 starb Luther in seiner Geburtsstadt Eisleben.

2.2 Theologie und Musik

Die deutsche Sprache hat Luthers sprachschöpferischer Leistung zweifellos viel zu verdanken. Viele, noch heute gebrauchte Wendungen oder sprachliche Bilder gehen auf seine Bibelübersetzungen zurück. Doch darum ging es Luther nicht, ihm ging es darum, wie der Mensch vor Gott bestehen kann. Luthers Lebensfrage lässt sich denn auch auf die einfache Formel reduzieren: Wie besteht der Mensch vor Gott, aus Verdienst oder aus Gnade?17 Luthers Antwort auf diese essentielle Frage trennte ihn und seine Anhänger schliesslich auch von der Alten Kirche. Die Rechtfertigung des Menschen durch die Liebe Gottes steht ganz im Zentrum der Reformation.

Luthers Theologie wird vielfach auf die Abschaffung des verwerflichen Ablasshandels18 seiner Zeit reduziert. Dieser stand für Luther aber nicht im Zentrum seines theologischen Arbeitens. Wohl geht die Abschaffung des Ablasshandels einher mit dem Wissen der Rechtfertigung, allein durch die Liebe und Gnade Gottes. Der Ablass war aber an sich ein Nebenprodukt einer in Schieflage geratenen Theologie.19

Luther galt als Mann des Volkes. Er hat sein Volk verstanden, Äwie keiner vor ihm“.20 Er erkannte das religiöse Bedürfnis seiner Landsleute und hat dazu auch seine musikalischen Fähigkeiten verwendet.

Der Autor Heinrich Köstlin schrieb 1881: ÄLuther unter den Künstlern - das möchte fast so klingen wie Saul unter den Propheten“21 und zeigt damit auf, dass Luther meist die theologischen Fähigkeiten hoch angerechnet werden, nicht aber seine musikalischen. Dabei gab Luther der Musik den Ehrenplatz, gleich nach der Theologie.22 Für ihn war Musik mehr als nur eine erlernte Kunst oder Bildung. Von Luther ist ein Tonsatz überliefert, welcher beweist, dass er so weitgehende Kenntnisse der Musik und der Harmonielehre hatte, dass er einen mehrstimmigen Satz notieren konnte. Theologie und Musik gehörten für Luther zusammen und in beiden Bereichen kam sein initiativer Charakter zum Ausdruck:

ÄLuther war mit seinem ganzen Werk ein Anreger. Das gilt nicht nur in Bezug auf den Liedgesang in der Gemeinde und auf das Gesangbuch, sondern auch in Bezug auf die Kirchen- und Schulmusik.“23

Ohne Grund und Anfang, den Luther nebst einem neuen Schriftverständnis auch im Bereich der Musik gelegt hat, wäre eine Entwicklung der Kirchenmusik, welche sogar noch J. S. Bach inspirierte24 und bis in unsere Zeit Auswirkungen zeigt, nicht denkbar gewesen. So wie allerdings die Reformation nicht alleine Luther zugeschrieben werden kann, so gab es auch bereits vor Luther Kirchenlieder in deutscher Sprache. Diese fanden zuvor aber so gut wie keine Verbreitung und blieben quantitativ unbedeutend.25 Viele Faktoren zusammen beeinflussten die Empfänglichkeit des Volkes für die Lehren Luthers und somit auch für dessen Verständnis der Kirchenmusik. Auf technischer Seite half die revolutionäre Erfindung des Buchdruckes durch Johann Gutenberg (1400-1468) zur Verbreitung von Luthers Schriften und seinen Liedern. Auf der geistlichen Ebene war sicher die Devotio moderna (neue Frömmigkeit) ein wichtiger Wegbereiter:

ÄDieser Bewegung ging es um die geistliche Erneuerung innerhalb der katholischen Kirche. … Während also in Italien der Humanismus zur Blüte gelangte, wurde nördlich der Alpen die Saat einer geistlichen Erneuerung gesät.“26

Somit war der Boden für die neue geistliche Ausrichtung der Reformatoren vorbereitet und in Luther fand sich der Initiant mit den notwendigen Fertigkeiten und Begabungen für eine Wende.

3 Vorreformatorische Kirchenmusik

Um die Leistungen von Luther im Bereich der Kirchenmusik zu verstehen, ist es unerlässlich, auf die Kirchenmusik vor der Reformation einzugehen. Vorreformatorische Kirchenmusik bestand zur Hauptsache aus dem gregorianischen Gesang. Dabei handelte es sich um einen einstimmigen Männergesang, ohne die Begleitung von Instrumenten.27 Papst Gregor der Grosse28 (bis 604 n.Chr.) gilt als Schöpfer dieser katholischen Messgesänge, woraus sich auch der Name des Musikstiles ableitet. Die Wurzel dieser einstimmigen Gesänge ist im synagogalen Gesang des Judentums zu finden.29 Der Gregorianische Choral wird als Äzu Klang gewordene, liturgische Theologie“30 bezeichnet.

Nachdem Papst Johannes XXII um ca. 1324 einen Erlass herausgab, dass sämtliche Lieder oder Kompositionen, welche zeitgenössische oder weltliche Kunst darstellten, abzulehnen seien, gab es im Kirchengesang seit seiner Begründung durch Gregor im 6. Jh. n.Chr. beinahe 900 Jahre lang keine wesentlichen Veränderungen mehr.31 Der Gregorianische Gesang wurde somit per Dekret zum ÄHeiligen Stil“ der katholischen Kirche und war mit der Zeit in der Liturgie fest verwurzelt. Konservative Theologen haben sogar gegen die Einführung der Mehrstimmigkeit, bei Belassung des gregorianischen Gesanges an sich, protestiert.

Der gregorianische Gesang wurde zu seiner Zeit als grösste Revolution der kirchlichen Musik gefeiert. Der Negativpunkt daran war jedoch, dass sich die Musik weg vom Volk in die Kategorie der Unterhaltung bewegte: ÄWorship was no longer the action of the congregation; it was now the work of a privileged few.“32 Dieser Umstand wurde durch den Gebrauch der lateinischen Sprache33 verstärkt, deren Kenntnis den Gelehrten vorbehalten und dem Volk unbekannt war.34 Das Volk war somit faktisch vom

Gesang ausgeschlossen. Die breite Masse sollte sich nicht am Gesang des gregorianischen Chores beteiligen, sondern Äschweigend beten und nur im Herzen singen.“35 Wohl gab es schon im 12. und 13. Jahrhundert einzelne Kirchenlieder in deutscher Sprache, diese wurden aber sehr selten eingesetzt, denn die lateinische Sprache wurde als heilige Sprache der Kirche angesehen.36

Die Musik in der Kirche reduzierte sich folglich auf eine konzertante Darbietung eines Chores, welcher in fremder Sprache, ohne Begleitung von Instrumenten, sang. Dass sich dies auf die aktive Teilnahme des einzelnen Gottesdienstbesuchers nicht förderlich auswirkte, ist absehbar. In der vorreformatorischen Zeit bewegte sich die Musik peu à peu vom Volk zum Klerus, womit sich eine immer deutlichere Trennung von geistlicher und weltlicher Musik ergab. Dabei verlor die geistliche Musik durch ihr Erstarren an Relevanz für die Welt.37 Tom Kraeuter, Musiker und Theologe fasst diesen Umstand deutlich zusammen:

ÄThe congregation ultimately became an audience. They watched and listened to the ‚worship„ but had very little real involvement in it. Worship became something that was done for the people rather than something the people did. The entire focus ended up completely reversed from what God intended.”38

4 Luthers Einstellung zur Musik

4.1 Luthers allgemeine Einstellung zur Musik

Nun wird deutlich, in welche Situation hinein Luther mit seinen Liedern gewirkt hat. Neben den ganzen Umbrüchen der Reformation, mögen der Gesang und die Musik nebensächlich erscheinen. Trotzdem erkannte Luther die Wichtigkeit, aus diesen Quellen Segens- und Erbauungskräfte zu ziehen.39 Luther selber sah die Musik als göttliche Gabe. Um seine Einstellung zur Musik kennen zu lernen, soll dem Reformatoren selber Raum gegeben werden, sein Verständnis davon zu formulieren:

ÄDenn nichts auff Erden krefftiger ist, die Traurigen frölich, die Frölichen traurig, die Verzagten herzenhafftig zu machen, die hoffertigen zur demut zu reizen, die hitzige und ubermessige Liebe zu stillen und dempffen, den neid und hass zu mindern, und wer kann alle bewegung des Menschlichen herzen, welche die Leute regieren, und entweder zu tugend oder zu laster reizen und treiben, erzelen, dieselbige bewegung des gemüts im zaum zu halten und zu regieren, sage ich, ist nichts krefftiger denn die Musica. Ja der heilige Geist lobet und ehret selbs diese edle Kunst als seines eigenen ampts Werckzeug, in dem, das er in der heiligen Schrift bezeuget, das sein Gaben, das ist, die bewegung und anreitzung zu allerlei tugend und guten wercken, durch die Musica den Propheten gegeben werden…“40

[...]


1 Heinrich Adolf Köstlin, Sammlung musikalischer Vorträge: Luther als der Vater des evangelischen Kirchengesanges, Bd. 34, Herausgeber: Paul Graf Walderfee (Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1881), 291. Ebenfalls als Vater des evangelischen Kirchengesanges wird Luther von Otto Michaelis gesehen in: Christhard Mahrenholz und Oskar Söhngen (Hg.), Handbuch zum Evangelischen Kirchengesangbuch: Lebensbilder der Liederdichter und Melodisten, Bd. 2, 1. Teil (Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1957), 31. Auch Gerhard Bott sieht in Luther den Vater des ev. Kirchengesanges, obwohl Bott klar darlegt, dass Luther nicht Erfinder desselben war, er den Gesang in der Kirche aber massgeblich geprägt hat: Gerhard Bott (Hg.), Martin Luther und die Reformation in Deutschland: Ausstellung zum 500. Geburtstag Martin Luthers (Nürnberg: Germanisches Nationalmuseum, 1983), 36. Diesen Ansichten widerspricht Markus Jenny. Er sieht in Luther einzig den Erfinder des singbaren Psalmliedes. Vgl. dazu: Markus Jenny, Archiv zur Weimarer Ausgabe der Werke Martin Luthers: Luthers geistliche Lieder und Kirchengesänge in Ergänzung zu Band 35 der Weimarer Ausgabe, Bd. 4., Herausgeber: Gerhard Ebeling et. al. (Köln, Wien: Böhlau Verlag, 1985), 13.

2 Köstlin, a.a.O., 315.

3 Bott, a.a.O., 36.

4 Köstlin, a.a.O., 315.

5 Vgl. zu diesen und den folgenden Jahreszahlen: Reinhard Schwarz, ÄLuther, Martin: I Leben und Schriften“, RGG4, Bd. 5, 558-566.

6 Siehe dazu: Rudolf Bösinger, Gesucht: Der echte Luther, alte Ansichtskarten zu Luthers Leben (Stuttgart: J. F. Steinkopf Verlag, 1982), 10.

7 In der Zeit von 1498 bis 1501.

8 Mehrstimmige Vokalmusik, bekannt seit dem 13. Jh. Der Motette liegt meist ein geistlicher Text zugrunde. Die Motette wurde meist Äa cappella“ gesungen, manchmal auch begleitet durch ein Soloinstrument. Vgl. dazu: Thomas Krämer und Manfred Dings, ÄMotette““, Lexikon der Musiktheorie, 172.

9 Bösinger, a.a.O., 10. und Rebecca Wagner-Oettinger, Music as Propaganda in the German Reformation (Hants Ashgate Publishing: 2001), 42.

10 Das Studium Luthers umfasste zu Beginn, an der sog. ÄArtistenfakultät“, die damals üblichen Fächer: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, später Astronomie, Geometrie, Arithmetik und Musik. Vgl. dazu auch: Johannes Heimrath und Michael Korth (Hg.), D. Martinus Luther: Ein feste Burg, Luthers Kirchenlieder nach der Ausgabe letzter Hand von 1545 (München, Zürich: Artemis Verlag, 1983),

11. Hierbei muss jedoch erwähnt werden, dass die ÄMusica“, als eine der sieben freien Künste, Teil der klassischen Bildung war und mit unserem heutigen Musikverständnis wenig zu tun hat. Sie war eher abstraktes System Äma- thematischer Konstruktionen mit rhythmischen, metrischen und tonalen Komponenten.“ (James McKinnon, ÄMusik und Religion III: III. Alte Kirche und Mittelalter“, TRE, Bd. 23, 454.)

11 Heimrath, a.a.O., 11.

12 Ebd.

13 Am 02.07.1505, auf dem Rückweg von seinen Eltern, wurde der junge Luther von einem Gewitter überrascht, welches ihn in ÄTodes- und Gerichtsangst“ versetzte. Er rief darauf die Heilige Anna um Hilfe an und versprach im Gegenzug Mönch zu werden. Vgl. dazu: Schwarz, a.a.O., 558.

14 Ebd. 15. James Atkinson widerspricht dieser Darstellung und setzt als Anfang der Reformation den Anschlag der 95 Thesen im Jahre 1517 an. (James Atkinson in: Tim Dowley (Hg.), Die Geschichte des Christentums, 2. Aufl. [Wuppertal und Zürich: R. Brockhaus Verlag, 1992], 366.) Hier bleibt es wohl dem Rezipienten überlassen, ob er die Anfänge der Reformation im subjektiven Erleben Luthers oder in der daraus entspringenden, objektiven Kundmachung durch Schriften und die Thesen sieht.

15 Martin Luther, zitiert nach Heimrath, a.a.O., 15.

16 Martin Luther, zitiert nach Ebd.

17 Vgl. Ebd. 7-9.

18 Ablass: Durch Geldzahlung, abgestuft nach Stand und Vermögen, konnte die Sündenvergebung erworben werden. Jedoch war nur die Sühnung der zeitlichen Strafen im Fegefeuer durch Geld möglich. Die ewige Strafe (Hölle), welche der Mensch durch die Erbsünde verdient hat, konnte nicht mit Ablass beglichen werden. Wie die Kurie an sich zum Ablasshandel dieser Zeit gestanden ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Sicher aber wurde er durch die umherziehenden Ablasspre- diger in aller Grausamkeit und Bildhaftigkeit beschrieben. Das Geld wurde u.a. für Kirchenbauten und Feldzüge verwendet. Lu- ther wandte sich 1518 in seiner Schrift ÄSermon von Ablass und Gnade“ vehement gegen diese Praxis. Vgl. dazu auch: Martin Ohst, ÄAblass“, RGG4, Bd. 1, 66.

19 Siehe dazu auch Heimrath, a.a.O., 9.

20 Köstlin, a.a.O., 295.

21 Köstlin a.a.O., 291.

22 Dies schrieb Luther in einem Brief an den Komponisten Ludwig Senfl im Jahre 1530. Nur die Musik könne nebst der Theologie das Herz erquicken, teilte Luther seinem Bekannten mit. Vgl. dazu: Heimrath, a.a.O., 39.

23 Bott, a.a.O., 38. Hervorhebung durch den Verfasser.

24 Ebd. Gerhard Bott zeichnet die Linie von Luther über Heinrich Schütz (1585-1672) bis J.S. Bach (1685-1750).

25 Die Lieddichtung in deutscher Sprache begann bereits in der Karolingerzeit ca. 750 bis 910 n.Chr. Da sie allerdings unbedeutend blieb, wurde sie auch in der Alten Kirche mehr geduldet als gefördert. Siehe dazu: Heimrath, a.a.O., 27.

26 Dowley, a.a.O., 359. Thomas von Kempen (ca. 1380-1471), als ein wichtiger Vertreter der Devotio moderna, schuf mit seinem Erbauungsbuch ÄDie Nachfolge Christi“ (De Imitatione Christi) einen grossen Beitrag zur neuen Frömmigkeit inner- halb der katholischen Kirche. Es gehört mittlerweile zu den meistgelesenen Büchern der Weltliteratur. Siehe dazu: Dowley, a.a.O., 361ff. Aus dem Werk von Thomas von Kempen: ÄSiehe, die Kartäuser, Zisterzienser und andere Mönche und Nonnen brechen sich bei Nacht den Schlaf und loben Gott in heiligen Gesängen. Und du wolltest zur Zeit, wo so viele frommen Seelen Gott preisen, das göttliche Werk nur schläfrig treiben? Welche Schande! O dass wir nichts anderes zu tun hätten, als unseren Herrn und Gott von ganzem Herzen und mit freudiger Stimme zu loben!“ (Thomas von Kempen, Das Buch von der Nachfolge Christi, Übersetzer: Bischof Johann Michael Sailer, Herausgeber: Dr. Franz Keller, 5. Aufl., [Freiburg im Breisgau: Herdersche Verlagshandlung, 1915], 111).

27 Selten wurde die Orgel zur Begleitung verwendet, wenn dann nur duldend. Mit der Zunahme von mehrstimmigen Sätzen wurden aber auch einzelne Instrumente zur Unterstützung der verschiedenen Stimmlagen zugelassen. Vgl. dazu Heimrath, a.a.O., 34.

28 Geboren um 540 in Rom, gelebt bis 604 n.Chr. gilt Papst Gregor I als einer der wichtigsten Mittler zwischen dem Altertum und dem Mittelalter. Sein Einfluss auf die Entwicklung der römischen Liturgie, worin der gregorianische Gesang einen hohen Stellenwert einnimmt, darf jedoch auch nicht überschätzt werden. Gregor‟s Ansehen im Mittelalter begründete sich vor allem auf seine exegetischen, homiletischen und hagiographischen (Erforschung des Heiligenlebens) Werke. Siehe dazu: Rudolf Schieffer, ÄGregor I.“, RGG4, Bd. 3, 1257f.

29 Siehe dazu auch: David Jäggi, Lob und Anbetung Gottes im Judentum: Geschichtliche Hinführung und Betrachtung der Praxis im zeitgenössischen Judentum (München: Grin Verlag für akademische Texte, 2010), 7ff. Im synagogalen Gottes-dienst wird noch heute einstimmig, ohne Instrumente gesungen. Progressivere Gemeinden benutzen zur Begleitung ab und zu eine Orgel.

30 Karl Franz Prassl, ÄChoral: I. Begriff, II. Geschichte“, LThK, 3. Aufl. Bd. 2, 1084.

31 Vgl. dazu: Steve Miller, Moderne christliche Musik: Fataler Kompromiss oder Hilfe zur Erneuerung, Übersetzung: Dorothea Appel (Lüdenscheid: Asaph Verlag, 1995), 86.

32 Robert E. Webber, Worship old an new (Grand Rapids: Zondervan, 1994), 199.

33 Die lateinische Sprache sollte den universalistischen Bestrebungen der katholischen Kirche dienen, die einzig wahre Kirche zu sein und auch zu bleiben. Siehe dazu: Clamor Frantz, Geschichte der geistlichen Liedertexte vor der Reformation mit besonderer Beziehung auf Deutschland, 2. Aufl. (Niederwalluf bei Wiesbaden: Dr. Martin Sändig oHG, 1970), 79.

34 Siehe dazu auch Donald P. Hustad: ÄTypical worshipers understood little of what was being said or sung, since the service was in Latin. Their own vocal participation was almost nonexistent.” (Donald P. Hustad, “Music of the Reformation”. In: Robert E. Webber [Hg ], The complete library of Christian worship: Music and the arts in Christian worship, Bd. 1, Teil 1 [Nash- ville: StarSong, 1994], 221.)

35 Köstlin, a.a.O., 307.

36 Das Lied ÄChrist ist erstanden von der Marter alle“ ist eines der frühesten Kirchenlieder in deutscher Sprache, welches vor der eigentlichen Reformation gesungen wurde. Das Lied ÄWir glauben all„ an einen Gott“ stammt aus dem Jahr 1417. Siehe: Köstlin, a.a.O., 308ff.

37 Miller, a.a.O., 86.

38 Tom Kraeuter, Guiding your Church through a Worship Transition: A Practical Handbook for Worship Renewal (Lynwood: Emerald Books, 2003), 62. Hervorhebungen im Original. Tom Kraeuter benutzt das Wort “Worship” in seinen Ausführungen nicht wie im ursprünglichen englischen Sprachgebrauch wo es für den Gottesdienst als Gesamtes steht, sondern als Synonym für die musikalische Anbetung Gottes.

39 Vgl. Köstlin a.a.O., 299.

40 Martin Luther, D. Martin Luthers Werke: kritische Gesamtausgabe, Bd. 50

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Titel: D. Martinus Luther und die Musica