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Unvergänglichkeit der Seele?

Die Einheit von Leib und Seele in protestantischer Perspektive

Seminararbeit 2011 22 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 GANG DER ARBEIT

3 UNSTERBLICHE SEELE ODER EINHEIT VON LEIB UND SEELE?
3.1 Welche christlichen Vorstellungen über das Leben nach dem Tod gibt es?
3.2 Woher kommt der Glaube an eine unsterbliche Seele?
3.3 Warum braucht die protestantische Kirche ein neues Verständnis von einer unsterblichen Seele?
3.4 Welches Menschenbild findet sich in der hebräischen Bibel?
3.5 Was ist der Tod?
3.6 Die Ganztodthese

4 SCHLUSSBEMERKUNG

5 LITERATURANGABEN

1 Einleitung

In der Ausgabe 19/2011 des Wochenmagazins „Der Spiegel“ findet sich ein Bericht über das weltweit wahrscheinlich erste „Drive-through-Beerdigungsinstitut"1 in Compton, Kalifornien. Angehörige können dort aus dem Auto heraus dem Verstorbenen, welcher hinter einer Glasscheibe liegt, die letzte Ehre erweisen. Kritiker beklagen, es würde das Sterben trivialisieren und den Abschied eines Menschen in die Nähe eines McDonald's-Besuchs rücken.2 Ob diese Art von Bestattungskultur in den USA oder hierzulande weitere Anhänger finden wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, wie Menschen beerdigt werden hat sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert3. Doch haben sich dabei auch die Vorstellungen vom Sterben, sowie vom Leben nach dem Tod verändert? Die Besitzerin des „Drive-through-Beerdigungsinstituts"4, die Künstlerin Peggy Scott Adams, berichtet von Besuchern die einfach nur sehen wollen, „was bleibt, wenn ein Körper kein Leben, keine Seele mehr beherbergt und nur noch Hülle ist"5. Ja, was bleibt? Gibt es eine unsterbliche Seele? Oder sterben wir ganz, als Einheit von Leib und Seele bzw. „Gehirn-Bewußtsein“6 ? Die Frage ist nicht neu. Schon Cicero schrieb im Jahre 45 n.Chr. in seiner „Tusculanae Disputationes 1,18: […] Manche nämlich sind der Ansicht, der Tod sei die Trennung der Seele vom Körper, andere glauben, es fände keine Trennung statt, sondern Seele und Körper gingen zusammen zugrunde, und die Seele werde im Körper ausgelöscht"7. Im Grunde hat sich in den letzten fast 2000 Jahren an dieser Feststellung kaum etwas geändert. Selbst die Theologie ist sich in der Frage heutzutage nicht einig. So halten katholische Theologen wie Joseph Ratzinger (1990)8 weitestgehend an der These einer unsterblichen Seele fest, während protestantische Theologen wie Wolfhart Pannenberg (1991)9 und Eberhard Jüngel10 (1971) davon ausgehen, dass sowohl Leib als auch Seele als Einheit im Tod vergehen. Doch wie lauten die Argumente für die Vorstellung einer unvergänglichen Seele? Woher kommt die Vorstellung? Ist die Seele männlich oder weiblich? Wo hört der Leib auf und fängt die Seele an? Warum sprechen protestantische Theologen von einer Einheit von Leib und Seele? Welche Alternative zur ‚unvergänglichen Seele‘ bietet die evangelische Theologie den Gläubigen an?

2 Gang der Arbeit

Unvergängliche Seele oder gemeinsamer Tod von Leib und Seele? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden werden zunächst die unterschiedlichen Vorstellungen vom christlichen Leben nach dem Tod aufgezeigt. Zu unterscheiden sind die Vorstellungen der römisch katholischen und die der protestantischen Kirche. Die römisch katholische Kirche vertritt den Glauben an eine unsterbliche Seele, die im Tod vom Leib geschieden wird und vor das Gericht Gottes kommt, bis sie bei der Auferstehung einen neuen, verwandelten Leib zugesprochen bekommt. Protestantische Theologen gehen von der so genannten „Ganztodthese“11 aus, welche besagt, dass der Mensch als Einheit von Leib und Seele stirbt und bis zur Auferstehung in den Erinnerung Gottes ‚aufbewahrt‘ wird.

Um die Ganztodthese zu verstehen wird zunächst aufgezeigt wie es zu der Vorstellung einer unsterblichen Seele gekommen ist, um im Anschluss zu erläutern, warum es (aus protestantischer Sicht) sinnvoll ist, sich von dieser Vorstellung zu verabschieden. Dazu wird nach der Vorstellung vom Menschen in der hebräischen Bibel gefragt und die vier Aspekte des Menschen ‚nefes‘, ‚ruach‘, ‚basar‘ und ‚leb‘ aufgezeigt. Am Ende richtet sich der Blick auf die Frage, was der Tod für protestantische Theologen bedeutet, um auf die Lehrer von der Einheit von Leib und Seele zu kommen.

3 Unsterbliche Seele oder Einheit von Leib und Seele?

3.1 Welche christlichen Vorstellungen über das Leben nach dem Tod gibt es?

Die ‚christlichen Kirchen‘12 verbindet der Glaube an die Auferstehung Christi, die Erwartung an die Wiederkunft Christi und damit die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten. Jedoch haben verschiedene Theologen ganz unterschiedliche Vorstellungen über den Weg vom Tod eines Individuums bis zu seiner Auferstehung. So lassen sich im Hinblick auf die zeitliche Komponente drei Möglichkeiten unterschieden.13

a) Die Ereignisse Tod und Auferstehung, sind unterschiedliche Begebenheiten und fallen zeitlich auseinander. Damit stellt sich die Frage, was mit dem Subjekt zwischen den Ereignissen passiert. Während die römisch-katholische Kirche für diesen Zwischenzustand das Fegefeuer, die Hölle oder den Himmel14 vorsieht, gibt es auf protestantischer Seite „eine spürbare Zurückhaltung in der Bild- und Begriffssprache“.15
b) Die beiden Ereignisse unterscheiden sich zwar, fallen aber zeitlich zusammen. Unterschieden wird dabei die Sicht auf die Zeit aus der Perspektive des Menschen und aus der Perspektive Gottes. Die unendliche Zeit Gottes verhält sich „zu jedem Moment der irdischen Zeit gleichzeitig“16. Da der Mensch mit dem Tod von der endlichen in die unendliche Zeit übergeht, können auch die beiden Ereignisse zeitlich zusammenfallen.
c) Beide Ereignisse unterscheiden sich und fallen zeitlich auseinander, jedoch wird das Problem des Zwischenzustands in der unendlichen Zeit Gottes bedeutungslos. Im Grund gilt das gleiche zeitlogische Argument wie in b).

Abgesehen von der zeitlichen Komponente stellt sich die Frage, die auch schon Paulus im 1 Kor 15,35 gestellt hat: „Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?“. Nach dem Glaubenszeugnis von Paulus verhält es sich wie mit einem Samenkorn, aus dem eine Pflanze keimt. Die Pflanze hat nicht mehr viel mit dem Aussehen des Samens gemeinsam und doch entsteht sie aus ihm. So „wird der himmlische Leib zum irdischen […] in einem bestimmten Kontinuitätsverhältnis stehen“17. Gleichzeitig wird er in einem bestimmten Verhältnis der Diskontinuität stehen. Denn während „der irdische natürlich ist, wird der himmlische geistlich sein“18.

Um das Dilemma von Diskontinuität und Kontinuität zu überwinden entwickelte sich in der Geschichte der Kirche der Gedanke, der in der Möglichkeit a) angesprochen wurde. So besteht der Körper aus einem sterblichen Leib und einer unsterblichen Seele. Im Tod wird der Leib von der Seele geschieden und bleibt auf der Erde. Die Seele aber „wird von Gott bis zur Auferstehung der Toten zum jüngsten Gericht aufbewahrt“19 und bekommt „ein[en] neue[n] geistliche[n] Leib“20 zugeteilt.

Doch woher kommt diese Vorstellung, von einer unsterblichen Seele?

[...]


1 Buse, Uwe, Eine Meldung und Ihre Geschichte. Stop an go: Wie man einem Toten vom Auto aus die letzte Ehre erweisen kann, Der Spiegel, 2011 /19 2011, S. 50.

2 Vgl. Buse, Uwe, 2011, S. 50.

3 Vgl. Happe, Barbara, Grab, RGG, 342008, S. 1239.

4 Buse, Uwe, 2011, S. 50.

5 Buse, Uwe, 2011, S. 50.

6 Ganoczy, Alexandre, Leib-Seele-Einheit aus theologischer Sicht, in: Imre Koncsik, Günter Wilhelms (Hrsg.), Jenseits, Evolution, Geist, Schnittstellen zwischen Theologie und Naturwissenschaften, Frankfurt am Main 2003, S. 213.

7 Cicero, Marcus Tullius, Huchthausen, Liselot, Werke. In 3 Bänden, Berlin-Weimar1 1989, S. 369; Auslassung C.K. Zit. nach Wolfgang Beinert, Die Leib-Seele-Problematik in der Theologie, 2002, http://www.kath.de/akademie/rahner/04Vortraege/01print/inhalt-pdf/_beinert-leibseele.pdf, 28.05.2011, S. 5.

8 Ratzinger Joseph, Auer, Johann, Kleine Katholische Dogmatik. Eschatologie - Tod und ewiges Leben, Regensburg6 1990, S. 1.

9 Vgl. Pannenberg, Wolfhart, Systematische Theologie, Göttingen 1991, S. 209.

10 Vgl. Jüngel, Eberhard, Tod, Stuttgart1 1971, S. 57.

11 Rahner, Karl, Zur Theologie des Todes, Freiburg im Breisgau 1958. S.5

12 Damit sind hier die römisch katholische Kirche und die protestantische Kirche gemeint.

13 Vgl.Huxel, Kirsten, Unsterblichkeit der Seele versus Ganztodthese? Ein Grundproblem christlicher Eschatologie in ökumenischer Perspektive, NZSTh / 3 2006, S. 352.

14 Vgl.Huxel, Kirsten, 2006, S. 352.

15 Huxel, Kirsten, 2006, S. 352.

16 Huxel, Kirsten, 2006, S. 353.

17 Huxel, Kirsten, 2006, S. 354; Auslassung C.K.

18 Huxel, Kirsten, 2006, S. 354.

19 Huxel, Kirsten, 2006, S. 355.

20 Huxel, Kirsten, 2006, S. 355; Anpassungen C.K.

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656008828
ISBN (Buch)
9783656008606
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178689
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Institut für Wirtschaftspädagogik Lehrstuhl für Evangelische Theologie und ihre Didaktik
Note
1,3
Schlagworte
Theologie Evangelisch Seele Leib

Autor

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Titel: Unvergänglichkeit der Seele?