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Landschaft in Literatur und Kunst

Ein Themenvergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 24 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EinleitungS

1.Wert der Landschaft über die Zeitepochen

2.Landschaftsdarstellungen in Kunst
2.1 Der landschaftsdarstellende Künstler
2.2 Die Landschaft aus den Augen des Betrachters
2.3 Die Darstellung der Landschaft
2.4 Landschaftsdarstellungen in der Romantik
2.4.1 Die Ferne und Erhabenheit
2.4.2 Die landschaftliche Fernsucht
2.4.3 Die schrecklich – erhabene Landschaft
2.4.4 C. D. Friedrich und J. A. Koch als Repräsentanten von romantischer Fernsucht und Erhabenheit

3. Landschaftsdarstellungen in Literatur
3.1 Die Freude an Natur und die Rolle der Literatur dabei
3.2 Die Sprache des Bildes und die bildhafte Sprache

4. Die literarische Schweiz. Die Alpen
4.1 Wie alles begann
4.2 Mehr Freude an Schweizer Gegenden
4.3 erste emotionale Eindrücke
4.4 Albrecht von Hallers „Die Alpen“als Beispiel für Landschaftsdarstellungen in Literatur
4.4.1 „Die güldne Zeit“
4.4.2 Das Leben der Alpenbewohner
4.4.3 Die Alpenlandschaft
4.4.4 Das Erhabene in denAlpen

5. Fazit

Bibliographie

Einleitung

Die Natur als Landschaft ist ein sehr umfangreicher Themenbereich. Zahlreiche Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler haben sich mit diesem Thema beschäftigt, besonders in der uns als –romantisch -bekannten Zeit. Und so ist das Ziel auch dieser Arbeit, ein Vergleich der Landschaftsdarstellungen in der Literatur und Kunst während der Epoche der Romantik herzustellen.

Als Erstes berühre ich die in Carus Briefen gedeuteten Anhaltspunkte über die Landschaftsmalerei, wo er versucht, den Künstler, den Betrachter und die Landschaft selbst nach seinem Ermessen zu beschreiben. Im Weiteren versetze ich die Landschaft in die Zeit der Romantik und versuche die wesentlichen Ideen der damaligen Zeit darzulegen: Die Ferne und Erhabenheit, die Sehnsucht und dass noch unerfahrene Schrecken der gefährlichen Gegenden – sind die von mir angesprochene Motive.

Wie die Literatur in diesem Zusammenhang steht, ist danach mein weiterer untersuchter Bereich. Denn es soll nicht unerwähnt werden, welche erfreulichen Momente die Natur uns schenkt und wie die Sprache sie darzustellen vermag.

Da die damalige Zeitepoche von Auslandreisen durchforscht und die Schweiz mit ihrer Alpengegend sehr bereist war, widme ich meine nächsten Worte dieser Gegend. Interessant darzustellen war, welchen Anfang die Entwicklung der Schweizer Reisen genommen hatte, wie diese Entwicklung sich entfaltet hatte und zu was sie letztendlich geführt hatte. In diesem Zusammenhang fand ich es für angemessen, Albrecht von Hallers GedichtDie Alpenzu untersuchen. Mir war nicht seine Begeisterung und seine Position als Pionier der Alpendarstellung entgangen.

1. Wert der Landschaft über die Zeitepochen

Die wohl bedeutendste Funktion, sowohl in Kunst als auch in der Literatur, hatte die Landschaft zur Zeit der Romantik. Denn durch die Einsetzung der Vernunft zur Zeit der Aufklärung verlor das Wesen des Menschen nach und nach an Gefühl vom Ganzen, was im Mittelalter als göttliche Weltordnung angesehen worden war. Um dieses Defizit zu decken, war der Menschengeist gezwungen, dieNaturals sogenanntes „Medium der Sinnvermittlung“ zu benutzen.[1]

Zwar war die Natur im Mittelalter von den Naturgottheiten abgetrennt, aber sie war immer noch ein Teil des Göttlichen auf Grundlage dessen, dass sie zur Weltschöpfung einen erheblichen Teil beitrug.[2]Die Aufklärung bringt die Tatsache mit sich, dass der Mensch und seine Ratio für seine eigene Welt verantwortlich sind. Dies geschieht dadurch, dass der Mensch anfängt, über die Natur zu forschen und sie auch nachzubilden, in Kunst genau so wie in Literatur. Gott erscheint hier wirkungslos und der Naturbegriff ist nicht mehr an die starken religiösen Inhalte gebunden.[3]

Anstelle Gottes tritt nun der Mensch und erst jetzt kristallisiert sich eine Mensch–Natur - Beziehung heraus. Jetzt wird die Natur als beherrsch- und nutzbar betrachtet, aber nicht nur: Eine zweite Sichtweise wird klar, nämlich, in diesem Moment wird die Natur auch als „ganze Natur“ betrachtet, die einen bildhaften Ausdruck verschiedener Ideen und Inhalte[4]liefert, somit eine ästhetische Komponente besetzt und als „Landschaft“ gilt.

Das bewusste Erleben der Natur als Landschaft setzt jedoch eine Trennung des Menschen von dieser Landschaft/Natur voraus. Es ist erst möglich für einen Menschen, der sich aus dieser Natur gelöst hat und nun wieder hinausgeht, um diese Natur als Landschaft zu suchen. Dabei ist es notwendig, dass er die Landschaft dort aufsucht, wo sie am wenigsten berührt ist von der Tätigkeit des Menschen,„wo sie noch am meisten Natur ist“.[5]

Für das Wesen der Romantiker ergibt sich dabei ein Sinnverlust, weil sie an dieser Stelle keine Verbindung an etwas Höheres mehr sehen können. Ihnen fehlt die verlorengegangene Einheit von Natur und Gott.[6]Infolge dessen konzentrieren sie sich nun auf die ästhetisch kategorisierte Landschaft und stellen sie auf die höchste Stufe ihrer Wertvorstellungen. Sie betonen keinesfalls die Vernunft, wie es die Aufklärer taten, sondern kreieren sich das Göttliche aus der Struktur der Natur:

„In der als Landschaft durch einen schöpferischen Akt des Menschen ‚beseelten‘ Natur wird künstlich und künstlerisch die verlorene Ganzheit der Natur wiederhergestellt und mit besonderer Bedeutung versehen.“[7]

2. Landschaftsdarstellungen in Kunst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[8]

2.1 Der landschaftsdarstellende Künstler

Anhand, uns überlieferteneun Briefen über Landschaftsmalereivon Carl Gustav Carus gehen die Künstler der romantischen Malerei an ihr Schaffen sehr ernst heran.

Als Schöpfer sollen sie so rein wie möglich sein, d.h., sie sollen innerlich sich darauf einstellen, dass in ihnen keinesfalls ein Anzeichen von Unreinheit oder Eigensinn vorhanden ist.[9]Die Natur als solche soll den Künstler zu seinem Schaffen inspirieren, denn es sollte nichtsfreundlichersein, bei dem rieselten am Fenster Schnee, umgeben von tiefer Stillein ruhigem Sinnen Gedanken Raum zu geben, welche um Gegenstände der Kunst sich verbreitend, uns nach und nach in die Gebiete des Schönen hinüberziehen … […][10]. Carus spricht hier von einem vollen und echten poetischen Genuss eines Künstlers, wenn der künstlerische Geist als Erstes von der Schönheit der Natur berührt wird, dann innerlich eine Vollendung erfährt. Und zusammen mit dem reinen Willen des Künstlers bleibt dieser Genuss unvergänglich.[11]

Den Künstler in der romantischen Malerei sieht man auch unter seinesgleichen als Weltschöpfer an. Denn sie erschaffen die Welt wieder, indem sie, sie nachahmen und für die Ewigkeit fortwirken lassen. Dies gilt für die bildende Kunst genauso wie für die literarische. In beiden Bereichen werdenwahrhaftige Gestaltenneu erschaffen und, dadurch, dass wir es immer vor den Augen haben, in unseren Gedanken mittragen, lebendig gemacht.[12]

2.2 Landschaft aus den Augen des Betrachters

Dank Carus‘ Überlegungen bezüglich wie ein Betrachter zu einem Kunstwerk steht, sei es die Natur selbst oder das Abbilden derer, haben wir eine zusammenfassende Vorstellung über das Empfinden und Vorstellen eines Menschen für das Schöne.

Carus deutet darauf, dass der Mensch in erster Linie wahrnimmt, dass die einzelnen von ihm betrachtenden Gegenstände mit ihm selbst verbunden werden können und er so für sich selbst, als eine Einheit erscheint. Als Nächstes sieht der Mensch ein, dass auch sein Wesen selbst für die gesamte Natur eine große Rolle spielt und so als Teil des Ganzen ist.[13]

Welche Gefühle empfindet aber der Betrachter beim Anschauen der Natur oder eines Kunstwerkes?

„Das unbefangene Gemüt wird daher vom angeregten, aufstrebenden Naturleben, reinem Morgenlicht, heiterer Frühlingswelt ermutigt und belebt, von reiner blauer Sommerluft und voller, ruhiger Blätterfülle der Waldung erheitert und beruhigt, vom Erstarren der Natur im trüben Herbst schwermütig gestimmt und von den Leichentüchern der Winternacht in sich selbst gewaltsam zurückgedrängt und gelähmt.“[14]

Der nackte Felsen, zum Beispiel, der für die belebte Natur nicht viel Nutzen bringen kann, wirkt auch auf den Betrachter kahl und eisig. Derselbe Felsen aber, sobald er mit Luft und Wasser, Licht und Wärme genährt wird und auf ihm sich Flechten und Moose bilden, dieses kahle und eisige Gefühl milder und erwärmter empfinden lässt.[15]Oder das lebend bringende Wasser, das den Himmel in sich aufzunehmen vermag und zur Recht der Bedeutung „Himmel auf Erden“ entspricht, versetzt den Betrachter in eine heitere und frohmutige Stimmung.

2.3 Die Darstellung der Landschaft

Einwandfrei ist auch Carus‘ Gedankengut bezüglich der landschaftlichen Darstellungen.

Er vergleicht die Darstellung der Landschaft mit der Darstellung der Idee der Schönheit in seinen Briefen. Sein Gedanke fängt mit einer umfassenden Definition der Schönheit an, die er alsdasbezeichnet„wodurch die Empfindung göttlichen Wesens(bei dem Betrachter)in der Natur (…) erregt wird“. Die Schönheit besteht demnach darin, dass die Natur im Menschen die Tatsache erweckt, an etwas Höheres gebunden zu sein, die Tatsache, dass sie etwas Göttliches verkörpert, und der Mensch imstande ist, es mitzufühlen.[16]Die darstellende Kunst aber hilft dem Menschengeist das Göttliche in der Natur wahrzunehmen, denn ein Künstler spricht durch das Nachbilden und Nacherschaffen göttlicher Naturformen seine Gefühle aus:

„Es ist, als wäre der unendliche Reichtum der Natur in einer Sprache geschrieben, welche der Mensch erst erlernen müsste, und welche er allein dadurch erlernen könnte, dass er mittels Eingebung eines höheren oder durch den Vorgang eines verwandten Geistes einen Teil dieser Worte in seine eigene Muttersprache übersetzt erhält; […]“[17]

2.4 Die Landschaftsdarstellungen in der Romantik

Wie wir aus Carus‘ Briefen sehen konnten, werden die innere Natur des Menschen, seine

[...]


[1]Siegmund 19 , S. 94

[2]Ebd., S. 23

[3]Ebd., S. 24 ff.

[4]Vgl.: Siegmund 19 , S. 25

[5]Schug 1984, S. 53

[6]Siegmund 19 , S. 98

[7]Zit. Vgl.: ebd., S. 99

[8]Eduard Schleich: "Das Isarbett bei München mit Aussicht auf die bayerischen Alpen" (1858). Bayerische Staatsgemäldesammlungen. Neue Pinakothek, München.

[9]Carus 1947, S. 19

[10]Zit. Vgl.: ebd., S. 13

[11]Ebd., S. 14

[12]Ebd., S. 15

[13]Carus 1947, S. 26

[14]Zit. Vgl.: Carus 1947, S. 27

[15]Carus 1947, S. 28 ff.

[16]Ebd., S. 30

[17]Zit., ebd., S. 33

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656136415
ISBN (Buch)
9783656136705
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178628
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Germanistisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Landschaft Albrecht von Haller

Autor

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Titel: Landschaft in Literatur und Kunst