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Lingua Franca

Pidginisierung und Entstehung von Kreolsprachen. Portugiesisch basierte Kreolsprachen

Hausarbeit 2010 9 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

INHALT

Vorwort

1 Einleitung

2 Pidgin und Pidginisierung

3 Kreol und Kreolsprachen

4 Portugiesisch basierte Kreolsprachen
4.1 Geschichte der Entstehung
4.2 Übersicht
4.3 Verwendung

5 Schlusswort

Bibliografie

Vorwort

Im Sommersemester 2010 war es mir möglich an einer sprachwissenschaftlichen Vorlesung unter der Leitung von Dr. Georg Kremnitz teilzunehmen deren Inhalt primär die „Lingua Franca“ war. Zur Vorbereitung und zum besseren Verständnis behandelte die Vorlesung ebenso die Entstehung der Pidgins als auch jene der Kreolsprachen mit Hauptaugenmerk auf den romanischen Sprachraum.

In diesem Zusammenhang danke ich Professor Kremnitz zunächst für seinen großartigen persönlichen Einsatz sowie für seine Fähigkeit uns die Thematik anhand bekannter alltagsnaher Situationen gekonnt zu veranschaulichen. Des Weiteren für seine Offenheit unseren Fragen und Kommentaren gegenüber sowie für die Möglichkeit uns in der Lehrveranstaltung einbringen zu dürfen. Diese Vorlesung bildet die Grundlage für die folgende Arbeit.

1 Einleitung

Der Begriff Lingua Franca bezeichnete zunächst, gemäß Bußmann (2002, s.v. Lingua Franca) eine Pidginsprache (siehe dazu S. 3), die im Mittelalter als Verkehrs- und Handelssprache diente und auf dem Italienischen, als Ausgangssprache, basierte. Ob sich diese prinzipielle Hilfssprache in einem Sprachgebiet als Kreol entwickelt hat ist unklar, da es keine sicheren Belege gibt die dafür oder dagegen sprechen. Heute dient der Begriff allerdings als generelle Bezeichnung für eine Vermittlungssprache zwischen mehrsprachigen Sprachgemeinschaften. Nahm diese Position im Mittelalter das Lateinische ein so ist heute das Englische als Lingua Franca zu verstehen.

2 Pidgin und Pidginisierung

Als Pidgin bezeichnet man gemäß Bußmann (2002, s.v. Pidginsprache) ein Idiom, das aus sprachlicher Notwendigkeit heraus, als Resultat des Sprachkontaktes zweier oder mehrerer verschiedener Muttersprachen, entsteht. Im Vergleich dazu spricht Kaye (2001, S. 36) von mindestens 3 korrelierenden Sprachen, wobei eine der Sprachen eine Vormachtstellung einnimmt (Superstrat).

Der Begriff Pidginisierung ist demnach also der Prozess der Herausbildung einer Behelfssprache zwischen Sprachpartnern unterschiedlicher Muttersprachen. Eine Pidginsprache entwickelt sich, um zwischen Sprachpartnern mit differierenden Muttersprachen eine nötige Kommunikation herzustellen. Diese Mischsprache ist niemals die Muttersprache der Sprecher, bzw. der Menschen die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt verwenden, sondern dient lediglich als Hilfsmittel zur Überwindung vorhandener Sprachbarrieren und existiert in ihrer jeweiligen Form nur in der entsprechenden Bedarfssituation, also lediglich so lange sie gebraucht wird. Pidginsprachen entstehen sehr schnell, da sie den akuten Kommunikationsbedarf decken und verschwinden so schnell sie entstanden sind, sobald der Bedarf nicht mehr vorherrscht. Diese Idiome dienen der einfachen Kommunikation und stellen sehr vereinfachte Versionen ihrer Ausgangssprachen dar. Daher weisen Sie weder komplexe Strukturen in Syntax, Morphologie oder Phonologie, noch einen ausgeprägten Wortschatz auf, sind aufgrund ihrer reduzierten Form instabil und verschwinden unter Umständen noch bevor man sie dokumentieren konnte. Interessanterweise ähneln sich Pidgins verschiedener Ausgangssprachen untereinander sehr.

3 Kreol und Kreolsprachen

Etabliert sich im Laufe der Zeit bzw. über Generationen eine Pidginsprache zu einer voll ausgebauten und eventuell auch standardisierten Muttersprache so spricht man von einer Kreolsprache. Man könnte auch sagen, dass es sich hierbei um eine normale Sprache handelt mit einem weniger normalen Ursprung (vgl. Kaye, 2001, S. 34). Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten ihrer Entstehung. Zum Einen spricht Bußmann (2002, s.v. Kreolsprache) von einer spontanen Kreolisierung, zum Anderen, wie bereits oben erwähnt, von ihrer Entwicklung aus einer Pidginsprache. Wohlgemerkt ist eine Kreolisierung ohne vorangegangene Pidginisierung als eher unwahrscheinlich zu betrachten, da eine derart spontane Kreolisierung nur auftreten kann wenn der Prozess an anderer Stelle bereits begonnen hatte. Wenn sich z.B. Kreolsprecher auf einer unbevölkerten Insel niederlassen und somit ihr muttersprachlich verwendetes Idiom bereits in seiner Form mitbringen.

Kreolsprachen sind zumeist auf jenen Gebieten entstanden, in denen die einheimische Bevölkerung entweder versklavt oder aber in eine sehr starke Abhängigkeit gebracht wurde. Die Sprache der Kolonialherren, also die dominierende Sprache, auch Superstrat-Sprache genannt, wurde bzw. musste zwangsläufig übernommen werden. Dies geschieht, wie auch beim Pidgin durch die Vermischung verschiedener Elemente der vorherrschenden Muttersprache mit Elementen des jeweiligen übergeordneten Idioms. Diese Co-Existenz von Muttersprache und Kreol währt allerdings nur solange als neue Sklaven hinzukommen. Findet keine ständige Veränderung der Bevölkerung mehr statt, so kann sich die neue Mischsprache, das Kreol, festigen und sich über einen bestimmten Zeitraum hinweg zur Muttersprache entwickeln und in seiner Form stabilisieren. Im Vergleich mit Pidginsprachen verfügen Kreolsprachen zwar immer noch nicht über eine sehr komplexe Grammatik, sie sind jedoch nicht mehr derart vereinfacht bzw. reduziert, sondern weisen eine Erweiterung auf. Dies versteht Kaye (2001, S. 36) als den genau gegensätzlichen Prozess, den eine Pidginsprache durchläuft.

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Details

Seiten
9
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656006824
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178538
Institution / Hochschule
Universität Wien – Romanistik
Note
2
Schlagworte
Lingua Franca Kreolsprachen Pidgin Pidginisierung

Autor

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Titel: Lingua Franca