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Die Entwicklung der Reichskanzlei 1933-1945 und deren Einordnung in das System des Dritten Reiches

Seminararbeit 2002 17 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Die Entwicklung der Reichskanzlei 1933 – 1945 und deren Einordnung in das System des Dritten Reiches
I. Der Lebensweg von Hans Heinrich Lammers
II. Die Entwicklung der Reichskanzlei
1. Januar 1933 – August 1934
2. Herbst 1934 – Ende 1937
3. 1938 – 1945
III. Die Stellung des Chefs der Reichskanzlei in der Hierarchie des Hitler Regimes

C. Zusammenfassung

D. Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Otto von Bismarck benötigte für die Erledigung seiner Aufgaben als Reichskanzler Unterstützung. Aus diesem Grund richtete er 1878 ein Büro in der Wilhelmstraße 77 ein, die Reichskanzlei. Gebäude und Garten wurden nach den Wünschen Bismarcks gestaltet, denn es diente den Reichskanzlern als Wohnung und enthielt die Geschäftsräume der Reichskanzlei. Kurz nach der Einweihung fand in der Reichskanzlei im Jahre 1878 der „Berliner Kongreß“[1] statt, der die wichtige Vermittlerrolle des „ehrlichen Maklers“ Bismarck in er damaligen Zeit verdeutlichte.

In der Weimarer Republik wuchs die Bedeutung der Reichskanzlei an. An ihrer Spitze stand nicht mehr ein Unterstaatssekretär, wie zu Zeiten des Kaisers, sondern ein Staatssekretär. Die Leiter der Reichskanzlei waren in der Kaiserzeit und auch in der Weimarer Republik die engsten Berater und Mitarbeiter der verschiedenen Reichskanzler. So konnten sie auch eine politische Rolle spielen, da sie mit ihrer Beraterfunktion auch auf Sachentscheidungen der jeweiligen Kanzler Einfluß nehmen konnten. In der Weimarer Republik konnte diese entscheidende Position nicht wirklich ausgefüllt werden, da es infolge der „neuen“ parlamentarischen Regierungsweise sehr häufige Regierungs – und Kanzlerwechsel gab. Damit verbunden waren ebenso häufige Umbesetzungen in der Leitung der Reichskanzlei. So gab es in den Jahren 1920 – 1932 zehn verschiedene Staatssekretäre in der Reichskanzlei. Dies sollte sich aber ab dem 30.01.1933 ändern als Hans Heinrich Lammers von Hitler zum Staatssekretär in der Reichskanzlei ernannt wurde.

In dieser Ausarbeitung soll die Stellung der Reichskanzlei und die Stellung des Chefs der Reichskanzlei in der Hierarchie des Dritten Reiches dargestellt werden. Ein besonderes Ziel soll es sein darzulegen, daß der Chef der Reichskanzlei nicht die wichtige Rolle im Staate Hitlers gespielt hat, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die Arbeit ist in die Teile A, B, C und D gegliedert. Der Teil A soll zum Thema hinführen und als Einleitung dienen. Der Hauptteil der Arbeit ist der Teil B. In jenem wird der Lebensweg von Hans Heinrich Lammers beschritten und die Entwicklung der Reichskanzlei von 1933 bis 1945 dargelegt. Eine Unterteilung in verschiedene Zeitabschnitte erscheint sinnvoll. Das Aufzeigen der Stellung des Chefs der Reichskanzlei ist einer der wichtigsten Abschnitte dieser Arbeit. Im Teil C, der Zusammenfassung, sollen dem Leser die wichtigsten Dinge noch einmal nahegebracht werden. Zum Schluß folgt das Literaturverzeichnis. Als Schwerpunktliteratur für diese Arbeit wurden die Werke von Georg Franz – Willing ( Die Reichskanzlei 1933 – 1945 ) und Dieter Rebentisch ( Führerstaat und Verwaltung im Zweiten Weltkrieg ) genutzt.

B. Die Entwicklung der Reichskanzlei 1933–1945 und deren Einordnung in das System des Dritten Reiches

I. Der Lebensweg von Hans Heinrich Lammers

Hans Heinrich Lammers wurde am 27.05.1879 als Sohn eines Kreistierarztes in Lublinitz geboren. Väterlicherseits aus westfälischer Familie stammend wuchs er im katholisch geprägten Oberschlesien auf und besuchte dort eine evangelische Fürstenschule in Pleß. Danach studierte er in Breslau Rechts – und Staatswissenschaften. Nach seinem Militärdienst stand er ab 1901 als Referendar im preußischen Justizdienst und verbrachte einige Zeit mit wissenschaftlichen Assistententätigkeiten. Später promovierte Lammers und schlug vorübergehend die Hochschullaufbahn ein. Nach der großen Staatsprüfung 1907 entschied er sich dann aber für den Richterberuf und amtierte mehrere Jahre als Hilfsrichter in Breslau, ehe er 1912 als Landrichter nach Beuthen kam. Lammers hatte eine sehr konservativ – nationale Einstellung und war somit eine Person, die der wilhelminischen Gesellschaft sehr angetan war und schon vor dem Ersten Weltkrieg zu Amt und Würden kam[2].

Währen des Ersten Weltkrieges stand Lammers mit dem 4. Schlesischen Infanterieregiment an der Front, wurde schwer verwundet und verlor 1917 sein linkes Auge. Da er jetzt nicht mehr frontverwendungsfähig war, wurde er als Hauptmann der Reserve beim Verwaltungschef des kaiserlichen Generalgouvernements Warschau tätig. Mit dem Ende des Krieges wurde diese Behörde aufgelöst und Hans Heinrich Lammers gelangte in das Reichsministerium des Innern. Obwohl Lammers als überzeugter Monarchist die „Novemberrevolution“[3] und die daraus entstandene Republik entschieden ablehnte, kehrte er nicht zur Justiz zurück, sondern erreichte die Übernahme in den Reichsdienst. Lammers wurde 1921 zum Oberregierungsrat und schon 1922 zum Ministerialrat in der Verfassungsabteilung des Reichsministeriums des Inneren befördert[4]. Trotz seiner national – konservativen Einstellung, erfüllte er die ihm gestellten Dienstaufgaben zuverlässig und gewissenhaft. Den Weimarer Koalitionsregierungen bereitete er nur beträchtliche Schwierigkeiten, wenn er einschlägige Verfassungsbestimmungen peinlich genau auslegte und so für die parlamentarische Verabschiedung von Gesetzen die politisch schwer erreichbare qualifizierte Mehrheit forderte. Deshalb wurden ihm immer mehr Kompetenzen entzogen und er fand Zeit für wissenschaftliche und schriftstellerische Tätigkeiten. Zahlreiche staatsrechtliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften brachten Lammers wissenschaftliche Anerkennung. Da er auch so noch über Zeit verfügte, hielt er seit 1928 nebenberuflich verwaltungsrechtliche Vorlesungen an der Berliner Hochschule für Politik und bei Lehrgängen verschiedener Verwaltungsakedemien. Da bei Lammers bestimmte antidemokratische Akzente bei seinen wissenschaftlichen und schriftstellerischen Tätigkeiten zum Ausdruck kamen und diese auch veröffentlicht wurden, sprach ihm der Reichsinnenminister im Herbst 1928 eine „ernste Mißbilligung“ aus. Disziplinar wurde er nicht geahndet.[5] Hans Heinrich Lammers war seit langem Mitglied der DNVP[6] und des Stahlhelms[7]. Deshalb nahm er auch persönlich am Treffen der nationalen Opposition in Bad Harzburg teil[8]. Lammers war ein führendes Mitglied der DNVP. Da er aber mit dem Kurs der Partei nicht mehr zufrieden war und bei der Ämtervergabe übergangen wurde, entschloß er sich im Februar 1932 Mitglied der NSDAP[9] zu werden. Er hatte aber keine engeren Beziehungen zur NSDAP oder

[...]


[1] Vgl. Müller, Helmut M. (Hrsg.): Schlaglichter der deutschen Geschichte. Dritte, überarbeitete Auflage, Mannheim 1996, S 193.

[2] Vgl. Rebentisch, Dieter: Führerstaat und Verwaltung im Zweiten Weltkrieg. Verfassungsentwicklung und Verwaltungspolitik 1939 – 1945, Stuttgart 1989, S. 49.

[3] Vgl. Müller, Helmut M. (Hrsg.): Schlaglichter, S.228.

[4] Vgl. Jeserich, Kurt G. A. / Neuhaus, Helmut (Hrsg.): Persönlichkeiten der Verwaltung. Biographien zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1648 – 1945. Stuttgart 1991, S. 370 - 371.

[5] Vgl. ebd., S. 371.

[6] DNVP: Deutschnationale Volkspartei. Vgl. Müller, Helmut M. (Hrsg.): Schlaglichter, S. 252 f.

[7] Stahlhelm: Bund der ehemaligen Frontsoldaten.

[8] Harzburger Front. Vgl. Müller, Helmut M. (Hrsg.): Schlaglichter, S. 253.

[9] NSDAP: Nationalsozialistisch Deutsch Arbeiterpartei. Vgl. Müller, Helmut M. (Hrsg.): Schlaglichter, S. 253 – 255.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638223188
ISBN (Buch)
9783656899235
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17848
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Staats- und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Entwicklung Reichskanzlei Einordnung System Dritten Reiches Herrschaft Ideologie Reich

Autor

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Titel: Die Entwicklung der Reichskanzlei 1933-1945 und deren Einordnung in das System des Dritten Reiches