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Das Motiv der Augen in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Augen der Personen
2.1. Klara
2.2. Coppelius/Coppola
2.3. Olimpia

3. Das Märchen vom Sandmann

4. Auge und Automat

5. Augenangst

6. Schluss

7. Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Motiv der Augen in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“.

Um einen Einstieg in die Thematik zu finden, werden in Kapitel zwei die Augen der (Haupt-) Personen und das, was sie aussagen näher beschrieben.

Kapitel drei beschäftigt sich mit dem Märchen vom Sandmann, sowohl was Hoffmann darüber schreibt als auch die heutige Verwendung dieses „Märchens“.

In Kapitel vier geht es um die Problematik Auge und Automat. Es beschäftigt sich mit den zentralen Begriffen wie Organismus/Mechanismus, Perspektiv oder mit der Liebe zwischen Nathanael und Olimpia.

Kapitel fünf beschäftigt sich mit dem Thema Augenangst bzw. Verlust der Augen.

Sekundärliteratur zum Thema Augen gibt es sehr viel. Ich habe mich hier auf einige, meiner Meinung nach wesentliche, Werke beschränkt. Die Internetquellen, die ich genutzt habe sind der Hausarbeit beigefügt, da sich die Websites sehr schnell ändern und man dann nicht mehr auf das Originaldokument zugreifen kann.

Die Zitate oder Verweise habe ich mit Fußnoten am Ende jeder Seite angegeben. Das ist am einfachsten zu lesen, da das Hin- und Herblättern entfällt und der Textfluss somit nicht gestört wird.

2. Die Augen der Personen

Hoffmanns Beschreibungen der Augen der Personen lassen schon auf ihren Charakter schließen. In diesem Kapitel möchte ich auf einige der Hauptpersonen diesbezüglich eingehen.

2.1. Klara

Anhand Hoffmanns Beschreibungen von Klara könnte man behaupten, dass sie, ganz im Gegensatz zu Olimpia, ein fast engelhafter Frauentyp ist; Hoffmann beschreibt sie mit „helle[n] Augen“[1], „holde[n] Augen“[2] und einem „helle[n] Blick“[3] - um nur einige der Beschreibungen herauszugreifen.

Schon anhand des Namen „Klara“ kann man auf den Charakter der jungen Frau schließen; er bedeutet soviel wie klar oder rein.

„Klara hatte die lebenskräftige Phantasie des heitern unbefangenen, kindischen Kindes, ein tiefes weiblich zartes Gemüt, einen gar hellen, scharf sichtenden Verstand.[...] Klara wurde deshalb von vielen kalt, gefühllos, prosaisch gescholten; aber andere, die das Leben in klarer Tiefe aufgefasst, liebten ungemein das gemütvolle, verständige, kindliche Mädchen, doch keiner so sehr wie Nathanael, [...]“[4]

An dieser Textstelle kommt ihr Charakter sehr gut heraus; sie ist eine junge Frau, vielleicht ein wenig kindlich, trotzdem hat sie Verstand und Intellekt, sie ist zwar nicht schön doch auch nicht hässlich- sie wirkt durchweg positiv und heiter. Klara als Mädchen aus dem Bürgertum verkörpert die rationale Weltsicht (lat. ratio: Vernunft) der Aufklärung.

Klaras Augen werden mit einem See, indem sich der Himmel spiegelt, verglichen[5]. Ihre körperliche Erscheinung drückt Klarheit aus. Man kann sagen, dass ihre klaren Augen ein äußerliches Zeichen für eine klare Seele und klares Denken ist (Rationalismus).

2.2. Coppelius/Coppola

Auch bei Coppelius und Coppola kann man von den Augen auf ihr Wesen schließen:

Coppelius wird mit „grünliche[n] Katzenaugen[, die ]stechend hervorfunkeln“[6] bei seinem ersten Auftreten beschrieben- seine „ganze Figur war überhaupt widrig und abscheulich“[7]. Wenn er Nathanael im Traum erscheint bzw. ihm den Schlaf raubt, sind es seine „funkelnden Augen“[8], die Nathanael Angst machen.

Bei den Auftritten Coppelius’ verdunkelt und verdüstert sich die Szenerie um Nathanael. Lediglich als Nathanael kurzfristig zu Klara zurückfindet, hellt sich das Leben um ihn ein wenig auf.

Coppelius ist der Sandmann, dazu in Kapitel drei ‚Das Märchen vom Sandmann’ mehr.

Genau wie Coppelius besitzt auch Coppola diese „stechend hervorfunkel[nden Augen]“[9].

Coppola und Coppelius könnte man als die gleiche Person bezeichnen. Sie treten zwar an unterschiedlichen Stellen und in unterschiedlichen Rollen auf (Coppelius ist der Sandmann während Coppola der Wetterglashändler ist), doch schon ihr ähnlich klingender Name weist auf Gemeinsamkeiten hin.

Der Name ‚Coppola’ kommt aus dem Italienischen und heisst ‚il coppo’= die Augenhöhle.

2.3. Olimpia

Der Name ‚Olimpia’ ist eine Ableitung des Wortes ‘Olymp’, dem Sitz der Götter in der Antike (Götter vertreten das absolute Erkennen). Olimpia repräsentiert also den lieben Gott, das Absolute schlechthin.

Im ‚Sandmann’ verkörpert Olimpia eigentlich das Gegenteil, denn nur für Nathanael scheint sie himmlisch. Er beschreibt sie als „herrliche, himmlische Frau“[10] und „himmlisch schöne Olimpia“[11]. Olimpia hat einen „himmlischen Liebreiz“[12] und der „Blick ihres himmlischen Auges sagt mehr als jede Sprache“[13].

[...]


[1] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 5

[2] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 20

[3] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 18

[4] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 18

[5] vgl. Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 18

[6] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 8

[7] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 8

[8] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 11

[9] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 23

[10] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 27

[11] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 24

[12] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 28

[13] Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. S. 30

Details

Seiten
16
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638223133
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17843
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Deutsche Sprache und Literatur
Note
1,7
Schlagworte
Motiv Augen Hoffmanns Sandmann Thema Der Sandmann

Autor

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Titel: Das Motiv der Augen in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"