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Islam: Geschichte und Politik der Neuzeit (1853-1878) - ein kurzer Überblick

Referat (Ausarbeitung) 2003 12 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Geschichte der Internationalen Beziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krim-Krieg (1853-1856)
2.1. Kriegsursachen
2.2. Kriegsverlauf
2.3. Kriegsende
2.4. Kriegsfolgen

3. Reformbestrebungen und Finanzkrisen
3.1. Osmanisches Reich
3.2. Ägypten

4. Europa und die islamische Welt
4.1. Ethnische Konflikte

5. Russisch-türkischer Krieg (1877-1878)
5.1. Kriegsursachen
5.2. Kriegsverlauf
5.3. Kriegsende
5.4. Kriegsfolgen

6. Schlussbetrachtung

Bibliografie

1. Einleitung

Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Osmanische Reich vom Zerfall bedroht. Der „kranke Mann am Bosporus“, so die Bezeichnung des Großreiches aus westlicher Sicht, wird immer mehr zum Zielobjekt der europäischen Großmächte Frankreich und England, die ihren Einfluss in der islamischen Welt verstärken wollen und das Osmanische Reich nur noch als Spielball betrachten. Zudem erschwert das erwachende Nationalbewusstsein der unter osmanischer Herrschaft stehenden Staaten es dem Osmanischen Reich, als eine Einheit die Angriffe europäischer Kolonialmächte abzuwehren. Vor allem Ägypten ist ein begehrtes Ziel: Langanhaltende Korruption in dem nordafrikanischen Land erleichtert den Europäern die Einflussnahme. Der Einmarsch Napoleons in Ägypten im Jahr 1798 ist signifikant für die weitere Entwicklung, macht er doch erstmals deutlich, dass die technisch und organisatorisch überlegenen Europäer ernst machen mit ihren Expansionsbestrebungen. Der mühelose Einfall Napoleons zeigt auf, dass das Osmanische Reich die wirtschaftliche und militärische Überlegenheit der Europäer vollständig ignoriert hat.

Nachdem der Blick auf Europa gefallen ist, wird auch innerhalb der islamischen Staaten der Ruf nach Reformen immer lauter. Die Notwendigkeit zur Anpassung an europäische Überlegenheit wird erkannt, soll das Osmanische Reich nicht mit fliegenden Fahnen untergehen. 1839 wird die Tanzimat-Periode eingeläutet. Für die grundlegende Reformierung des Verwaltungs- und Militärsystems gibt es keinen klar umrissenen „Master-Plan“. Zwischenhandel wird ausgeschaltet, die Rechte der Provinzial-Verwaltungen beschnitten. Europäisches Handelsrecht fließt in die Rechts- und Verwaltungsreform ein. Schutzzölle werden aufgehoben, somit wird der Weg für ausländische Kapitalanlagen frei gemacht.

Auch auf dem Schlachtfeld stehen die islamischen Staaten weit überlegenen Gegnern gegenüber. Im Konzert derjenigen Länder, die das Osmanische Reich unter sich aufteilen wollen, spielt neben Frankreich und England auch Russland eine bedeutende Rolle. Die Russen wollen nicht nur ihren Einfluss auf dem Balkan vergrößern, sondern haben auch die Kontrolle über die Meerenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer ins Visier genommen. Die Briten können kein Gefallen an einer russischen Vormachtstellung über das geschwächte Osmanische Reich finden, die ihre eigenen Expansionsbestrebungen gefährden würde. Insofern eilen sie dem Osmanischen Reich in der Folge zunächst mehrmals zu Hilfe.

2. Krim-Krieg (1853-1856)

2.1. Kriegsursachen

Russland leistet aus religiösen Motiven einem Krieg Vorschub. 1853 fordert das Land das uneingeschränkte Protektorat über alle orthodoxen Christen im Osmanischen Reich. Vorhergegangen ist eine Auseinandersetzung zwischen von Frankreich unterstützten katholischen Mönchen und den unter russischen Schutz genommenen orthodoxen Geistlichen. Dabei ging es um die Kontrolle der heiligen Stätten in Palästina, das zu dieser Zeit noch Teil des Osmanischen Reiches war. Russland stellt dem osmanischen Sultan Abdülmedschid (1839-1861) das Ultimatum, die im Osmanischen Reich lebenden zwölf Millionen orthodoxen Christen unter russischen Schutz zu nehmen. Diese Schirmherrschaft würde Russlands politischen Einfluss im Osmanischen Reich schlagartig erhöhen. Das Ultimatum gefährdet den mühsam erstrittenen Nationalkonsens, der auf einer Vermeidung religiöser Sonderstellungen beruht. Seit dem Westfälischen Frieden von 1648 gilt der Grundsatz „cuius regio, eius religio“, nach dem der jeweilige Landesherr über das Bekenntnis seiner Einwohner entscheiden darf.

Frankreich und England legen dem Sultan nahe, nicht auf die russischen Forderungen einzugehen. Auch die Franzosen haben ein Interesse daran, sich für die Belange nichtmuslimischer Minderheiten einzusetzen. Dadurch wird der religiöse Konflikt mit Russland nur noch verschärft. England fürchtet einen stärkeren russischen Einfluss auf das schwache Osmanische Reich. Nicht zu Unrecht: Russland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten südlich bis in die Ukraine und auf die Krim ausgedehnt, im Osten in Richtung Kaukasus. Russlands Zar Nikolaus I. (1796-1855), in britischer Sicht als „Teufel in Menschengestalt“ dargestellt (vgl. Sweetman, 1990, S. 8), strebt die Kontrolle über den Bosporus, die Dardanellen und schlussendlich Istanbul an: Russische Kriegsschiffe könnten dann vom Schwarzen Meer direkt ins Mittelmeer fahren.

Das russische Ultimatum verstreicht, weil sich das Osmanische Reich nicht in seiner Souveränität beschränken lassen will. Russische Truppen besetzen die Donau-Fürstentümer Moldawien und Walachei, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Britische und französische Kriegsschiffe fahren am 22. Oktober 1853 ins Schwarze Meer ein. Nur einen Tag später erklärt Sultan Abdülmedschid Russland den Krieg.

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Details

Seiten
12
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638223119
Dateigröße
363 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17839
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen – Internationaler Studiengang Fachjournalistik
Note
1,0
Schlagworte
Islam Geschichte Politik Neuzeit

Autor

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