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WebQuests - Ein handlungsorientiertes Lehr-Lern-Arrangement im Internet

Seminararbeit 2008 25 Seiten

Anglistik - Sonstiges

Leseprobe

INHALT

1. Das Internet im Schulalltag

2. Das WebQuest-Konzept
2.1 Die Geschichte des WebQuest-Konzepts
2.2 Der Begriff ‚WebQuest‘
2.3 Definition
2.4 Das WebQuests-Konzept - Eine konstruktivistische Lerntheorie
2.5 Die Komplexität von WebQuests

3. Die WebQuest-Struktur
3.1 Introduction
3.2 Task
3.2.1 Der WebQuest-Task
3.2.2 Die Group-Tasks
3.2.3 Die Gruppenkonzeption
3.3 Information Sources
3.4 Process
3.5 Evaluation
3.5.1 Evaluation durch die SchülerInnen
3.5.2 Evaluation durch den Lehrenden
3.6 Conclusion

4. Die Vor- und Nachteile von WebQuests

5. Ausblick - ‚Web 2.0‘ und die Lehrkraft

Bibliographie:

Anhang:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Bernie Dodges WebQuest-Portal

Abbildung 2: Die 6 Bausteine eines WebQuests

Abbildung 3: Eine Typologie verschiedener WebQuest-Tasks

Abbildung 4: Der Prozess der Informationsverarbeitung

Abbildung 6: Bsp. eines Einschätzungsbarometers

Abbildung 5: Bsp. eines Quest-Tagebuchs

1. DAS INTERNET IM SCHULALLTAG

Endlich ist es soweit. Das Internet-Zeitalter hält Einzug in die bayerischen Klassenzimmer. Ganz nach dem Motto „Laptop und Lederhose“ hat sich laut Angaben des Bayerischen Staatsministeriums f ü r Unterricht und Kultus die durchschnittliche Zahl der Computerarbeitsplätze an bayerischen Gymnasien von lediglich 35 im Jahr 2001 auf 67,2 im Jahr 2006 fast verdoppelt (vgl. BMBF 2006).

Auch die Lehrkräfte scheinen von den Vorzügen des World Wide Webs überzeugt zu sein. In einer bundesweiten Lehrerbefragung fand das MMB-Institut f ü r Medien- und Kompetenzforschung im Auftrag des Bundesbildungsministeriums heraus, dass sich rund 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer mit Hilfe des Internets auf ihren Unterricht vorbereiten (vgl. Goertz 2008, 17). Das Internet ist also nicht nur fester Bestandteil im Leben der Schülerinnen und Schüler, sondern ist auch im Alltag der Lehrkräfte nicht mehr wegzudenken.

Diese erfreuliche Erkenntnis wird leider von einem weiteren, weitaus weniger angenehmen Umfrageergebnis überschattet. Lediglich 20 bis 30 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer setzen das Internet im Unterrichtsalltag auch ein (vgl. Goertz 2008, 17). Damit fristet das Internet aus Sicht der Schülerinnen und Schüler in der Schule leider nur eine Randexistenz.

Die Erwartungen an das Internet für den Schulbereich sind in der Öffentlich- keit und in der Bildungspolitik in den letzten Jahren ins schier Unermessliche gestie- gen. Es steht außer Frage, dass das Internet das Potential hat, den Unterricht enorm zu bereichern. Die Frage, die sich stellt, ist, unter welchen Voraussetzungen sich dieses Potential entfalten kann. Eine Ausstattung mit modernen und vielseitigen Medien führt nicht automatisch zu einem modernen und abwechslungsreichen Unterricht.

Obwohl viele Lehrkräfte dem Internet gegenüber sehr aufgeschlossen sind, fehlt es noch immer an geeigneten didaktischen Konzepten, um die Vorzüge des World Wide Webs für den Unterricht voll auszuschöpfen. Die vorliegende Arbeit soll dabei helfen, das Internet in den Schulunterricht besser zu integrieren, indem sie eine Methode zur pädagogischen Nutzung dieses vielseitigen Mediums vorstellt.

2. DAS WEBQUEST-KONZEPT

Ein WebQuest ist ein komplexes computerunterstütztes Lehr-Lern-Arrangement im Internet und stellt einen besonders guten Weg dar, das Internet auf pädagogisch sinnvolle Art im Klassenzimmer zu nutzen.

Nach einem kurzen Abriss über die Geschichte dieses Konzepts wird das folgende Kapitel den Begriff und die Methodik eines WebQuests genau definieren. Dabei soll besonders auf den Projektcharakter und die theoretischen Grundlagen dieses didaktischen Modells eingegangen werden.

2.1 DIE GESCHICHTE DES WEBQUEST-KONZEPTS

Im Jahr 1995 entwickelte Professor Bernard Joseph Dodge1 von der San Diego State University mit Hilfe seines Kollegen Tom March ein Unterrichtsmodell, das auf Grund seiner klaren Struktur und einer hohen Universalität die Mediendidaktik des Internets enorm bereichern sollte.

Ziel war es, das Internet, das zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen steckte, auf praktische und sinnvolle Art für den Unterricht zu gewinnen. Für Dodge bedeutete dies vor allem, dass das Unterrichtsmodell durch ein hohes Maß an effizienter Zeitnutzung überzeugen sollte. Unterrichtszeit ist schließlich für jeden Lehrenden ein höchst kostbares Gut.

Außerdem sollte dieses didaktische Modell sich dem Medium des Internets getreu weg vom lehrerzentrierten Frontalunterricht und hin zum selbstständigen ler- nerzentrierten Unterricht bewegen. Dodge war der Überzeugung, dass es nur dann eine erfolgreiche Symbiose zwischen Klassenzimmer und World Wide Web geben kann, wenn sich die Schüler selbständig auf Entdeckungsreise begeben, um vorher formulierte Aufgaben gemeinsam in Gruppen zu lösen. Dieses Konzept bezeichnete er als ‚WebQuest‘ Bereits nach der ersten Veröf- fentlichung ihres WebQuest- Konzepts war Bernie Dodge und Tom March der Erfahrungsaus- tausch unter den Anwendern die- ser Methode enorm wichtig. Daher schuf Dodge im Jahr 1998 ein Portal im Internet, mit dessen Hilfe die Lehr- und Lernmethode einem breiten Publikum vorge- stellt und bereits entwickelte WebQuests zum Austausch angeboten werden konnten2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bernie Dodges WebQuest-Portal

Schon sehr bald hielt das WebQuest-Konzept Einzug in Klassenzimmer auf der ganzen Welt. Bis heute hat Dodges WebQuest-Portal schon über 8,7 Millionen Besucher verzeichnen können.

2.2 DER BEGRIFF ‚WEBQUEST‘

Das Kunstwort WebQuest setzt sich aus zwei Konstituenten zusammen, die dieses Unterrichtsformat schon sehr deutlich beschreiben. Das aus dem Englischen stammende Präfix ‚web‘ hat sich in den letzten Jahren im deutschen Sprachraum vollständig etabliert und gilt heute als allgemeinbekannter Indikator für etwas, das mit dem Internet in Verbindung zu bringen ist. Man kann also sofort erkennen, welches Medium die Schüler auf ihrer Entdeckungsreise hauptsächlich heranziehen werden. Die zweite Konstituente des Worts WebQuest ist leider weniger leicht zu durchschauen und erfordert ein gewisses Maß an Interpretation und Fantasie.

Das Oxford Advanced Learner ‘ s Dictionary erklärt das Wort ‚quest‘ als „a long search for sth, especially for some quality such as happiness: the quest for happiness / knowledge / truth” (vgl. OALD 2005, 1235). Interessant ist außerdem ein weiterer Bedeutungshinweis im großen Bruder des Oxford Advanced Learner ‘ s Dictionary , der den abenteuerlichen Reisecharakter des Worts hervorhebt. Das Oxford English Dictionary beschreibt den Begriff ‚quest‘ als „an expedition or search undertaken by a knight or group of knights to obtain some thing or achieve some exploit. Now also: a similar search or journey in any fictional narrative” (vgl. OED 2005, quest ). Wie mittelalterliche Ritter auf der Gralssuche, werden die Abenteurer eines WebQuests im Internet mit Aufgaben konfrontiert, die die Persönlichkeit der Lernenden herausfordern.

2.3 DEFINITION

Eine erste Definition der entdeckungsorientierten Lernaktivität findet man auf Bernie Dodges Internetseite. Dort heißt es: „A WebQuest is an inquiry-oriented activity in which some or all of the information that learners interact with comes from resources on the internet” (Dodge 1997).

Dodge betont in dieser Definition, dass es sich hierbei vor allem um untersu- chendes Lernen handelt. Der Fokus richtet sich also nicht auf das Antworten, sondern auf das Fragen (vgl. Moser 2000, 28). Alle weiteren besonderen Merkmale von Web- Quests werden in dieser, noch nicht ganz ausgereiften Definition nicht genannt.

Einige Jahre später veröffentlichte Tom March in seinem Artikel „What WebQests are (really)“ eine Definition, die alle wesentlichen Merkmale dieses Unterrichtsmodells in sich vereint:

A WebQuest is a scaffolded learning structure that uses links to essential resources on the World Wide Web and an authentic task to motivate students’ investigation of a central, open-ended question, development of individual expertise and participation in a final group process that attempts to transform newly acquired information into a more sophisticated understanding. The best WebQuests do this in a way that inspires students to see richer thematic relationships, facilitate a contribution to the real world of learning and reflect on their own metacognitive processes. (March 2003)

March beschreibt das WebQuest auf Grund seiner klaren Struktur als eine Art Gerüst, das es ermöglicht, das Internet auf vielseitige Art und Weise in den Unterricht zu inte-grieren. Wichtig ist dabei, dass der Lehrende bereits vorselektierte Quellen in dieses Gerüst integriert, so dass die Lernenden möglichst wenig Zeit damit verbringen müssen, das World Wide Web nach geeigneten Informationen zu durchforsten.

Ein weiteres, besonders wichtiges Merkmal des WebQuests ist der durch die Arbeit mit authentischen Quellen hervorgerufene hohe Realitätsbezug. Natürlich sind sich auch die SchülerInnen der Tatsache bewusst, dass das Internet als Spiegel der Gesellschaft zu sehen ist. Das Lösen von realen Problemen und Fragestellungen, die für unsere Gesellschaft von Relevanz sind, resultiert im Gegensatz zu solchen, die eigens für den Unterricht konzipiert wurden, in einer nicht zu unterschätzenden Motivationssteigerung seitens der SchülerInnen.

Des Weiteren betont March, dass in einem WebQuest der Prozess des Problemlösens im Vordergrund steht. Auch dies wird die SchülerInnen zusätzlich motivieren, da deren Leistungen leider noch viel zu oft lediglich durch die Unterscheidung von richtigen und falschen Antworten beurteilt werden.

Das letzte Merkmal, das March in seiner Definition beschreibt, ist für den Lernprozess der SchülerInnen von zentraler Bedeutung. Durch die intensive Beschäf- tigung mit den Onlinequellen nehmen die Schüler relevante Informationen nicht nur auf, sondern verarbeiten diese, ganz im Sinne einer konstruktivistischen Lerntheorie, durch Umformulierung, Selektion und Ergänzung zu einem eigenen Schülerprodukt weiter.

2.4 DAS WEBQUESTS-KONZEPT - EINE KONSTRUKTIVISTISCHE LERNTHEORIE

Im Zuge der Verbreitung des World Wide Webs und der damit einhergehenden Wissensexplosion werden neue Strategien benötigt, die uns dabei helfen, mit dieser Informationsflut umzugehen. Der Konstruktivismus ist aus erkenntnisphilosophischer Sicht eine solche Strategie, die davon ausgeht, dass man die wahrgenommene Realität nicht objektiv und subjektunabhängig beschreiben kann. Diese Annahme beeinflusst somit auch das Lehr- beziehungsweise das Lernverhalten.

Eine konstruktivistische Interpretation des Lernens geht davon aus, dass Wissen nicht einfach durch den Abruf objektiver Fakten zur Antwort auf eine Fragestellung führen kann. „Vielmehr konstruieren wir selbst Wissenswelten, welche unsere Fragen beantworten“ (Moser 2000, 63). Hinter dieser Annahme steht die Erkenntnis, dass es „absolut ‚richtiges‘ Wissen nicht gibt bzw. dass dieses nur unter bestimmten Prämissen richtig ist“ (Moser 2000, 68).

Eine weitere Annahme konstruktivistischen Lernens ist, dass Wissen nicht einfach nur absorbiert wird, wie es das Trichtermodell unterstellte. Die Lernenden verarbeiten Wissen nach eigenen Regeln und erfinden es also gewissermaßen neu (vgl. Moser 2000, 68).

[...]


1 Ein Großteil der wissenschaftlichen Publikationen und auch Dodge selbst verweisen auf die Kurzform Bernie Dodge. So auch die vorliegende Arbeit.

2 siehe: http://webquest.sdsu.edu/index-2007a.html

Details

Seiten
25
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656003991
ISBN (Buch)
9783656044031
Dateigröße
827 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178362
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Englische Philologie
Note
1
Schlagworte
WebQuests handlungsorientiertes Lernen konstruktivistisches Lernen Internet-Projekt Gruppenarbeit offener Unterricht Medienkompetenz Didaktik Englischdidaktik

Autor

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Titel: WebQuests - Ein handlungsorientiertes Lehr-Lern-Arrangement im Internet