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Subprime Krise in den USA

Entstehung und Verlauf

Hausarbeit 2011 23 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Entstehung der Subprime Krise
2.1. Die Rolle der Federal Reserve
2.2. Subprime Kredite
2.3. Auslagerung der Kreditrisiken mittels Verbriefung

3. Rolle der Ratingagenturen
3.1. Allgemeine Definition
3.2. Unzulänglichkeiten der Ratingagenturen

4. Übergreifen der Subprime Krise auf die Finanz- sowie Realwirtschaft
4.1. Finanzkrise 2007
4.2 Wirtschaftskrise 2008

5. Fazit und Ausblick

II. Anhang

III. Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Hinführung zum Thema

Die Subprime Krise die 2007 auf dem US amerikanischen Immobilienmarkt begann und sich schließlich zu einer Finanz- und Wirtschaftskrise entwickelte, hat die Welt erschüttert. Aus- gangspunkt war eine spekulative Blase die sich auf dem US Immobilienmarkt bildete.1 Das Platzen dieser Immobilienblase im Jahre 2007 stürzte zuerst die Finanzwelt und schlussend- lich die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession, deren Folgen - zum Beispiel in Form der ausufernden Staatsverschuldung einiger Länder2 - auch heute noch spürbar sind. Der IWF schätzte im April 2009 die Gesamtverluste durch die Finanzkrise auf ca. 4 Billionen US Dol- lar.3 Allein die konjunkturstützenden Pakte, die von den G8 Staaten bis 2009 verabschiedet wurden, hatten ein Gesamtvolumen von 2,5 Billionen US Dollar.4 Bundeskanzlerin Angela Merkel verglich die weltweite Rezession im März 2009 gar mit der Situation nach dem zwei- ten Weltkrieg.5

Die vorliegende Hausarbeit hat die Zielsetzung, die Entstehung, den Verlauf sowie den Einfluss der Subprime Krise auf die Finanz- und Wirtschaftswelt nachzuvollziehen.

2. Entstehung der Subprime Krise

Nach dem Zusammenbruch der New Economy und den Terroranschlägen vom 11.09.2001 bestand die Gefahr, dass die USA in eine tiefe und langanhaltende Rezession rutschen würde.

2.1. Rolle der Federal Reserve

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, entschied sich der damalige Vorsitzende der ame- rikanischen Notenbank, Alan Greenspann, zu einer drastischen Senkung des US Leitzins (sie- he Anhang, Abbildung 1). Von Januar 2001 bis Juli 2003 wurde der US Leitzins in mehreren Trippelschritten von ehemals 6,5 auf 1,0 Prozent abgesenkt.6 Der niedrige Leitzins sorgte dafür, dass sich Millionen Amerikaner in einen kreditfinanzierten Konsumrausch stürzen konnten.7 Auch die Hypothekenkredite wurden im Zuge der Leitzinssenkung günstiger und machten den Kauf von Wohneigentum für private Haushalte attraktiver.8 Dies führte zu einer erhöhten Nachfrage nach Wohneigentum und mündete in einer deutlichen Überbewertung von US- Immobilien. Diese Überbewertung lässt sich auch mit Hilfe des S&P/Case-Shiller Home Price Index nachvollziehen (siehe Anhang, Abbildung 2), der die Preisentwicklung am US- Immobilienmarkt grafisch wiedergibt. Dieser Index verzeichnete in einem Zeitraum von 1996 bis 2006 einen Wertzuwachs von annähernd 100 Prozent. Dies entspricht einer durch- schnittlichen Wertsteigerung pro Immobilie um ca. 10 Prozent pro Jahr. Dieser Preisanstieg verstärkte zunehmend das spekulative Interesse der privaten wie auch institutionellen Anle- ger, die nach lukrativen Investitionsmöglichkeiten suchten. So wurde im Jahre 2005 jeder fünfte Hauskauf in den USA ausschließlich in der Hoffnung auf Veräußerungsgewinne getä- tigt.9

2.2. Subprime Kredite

Die immer weiter steigenden Immobilienpreise sorgten dafür, dass jetzt auch Kredite an Kun- den vergeben wurden, die nur eine mäßige bzw. schlechte Bonität vorzuweisen hatten.10 Die- se Kredite werden als Subprime Kredite bezeichnet. Das Wort Subprime bedeutet in etwa soviel wie zweitklassig und bezieht sich auf die schlechte Bonität des Schuldners.11 Diese zweifelhafte Geschäftspolitik mündete letztlich in der Erschließung der sogenannten NINJA- Gruppe. Das Wort NINJA ist ein Akronym und steht für No Income, No Jobs, and Assets.12 Die kreditgewährenden Banken spekulierten darauf, dass im Falle eines Kreditausfalles die erworbene Immobilie zu einem relativ hohen Marktpreis weiterverkauft werden kann. Solan- ge die Immobilienpreise also stiegen oder zumindest nicht fielen waren die Hypothekenban- ken abgesichert.13

Erschwerend kam noch hinzu, dass einige Hypothekenbanken ihre Kunden massiv mit variablen Zinssätzen lockten. So zahlten die Kreditnehmer in den ersten zwei Jahren meist einen relativ geringen Zinssatz, der sich dann aber in den folgenden Perioden rapide erhöhte.14 Die Festzinskredite wurden zusehends von den variablen Modellen verdrängt. Im Jahre 2007 fiel der Anteil der Festzinskredite auf ein historisch niedriges Niveau.15

Vergleicht man die Daten zwischen den Jahren 2000 und 2005 zeigt sich die Überhitzung am Subprime Markt deutlich. Entfielen zwischen den Jahren 2000 und 2003 lediglich rund zehn Prozent der variablen Hypothekenkredite auf Hausprojekte mit weniger als fünf Prozent Eigenkapital, so waren es 2004 schon 17,7 und 2005 bereits 41,8 Prozent.16

2.3. Auslagerung der Kreditrisiken mittels Verbriefung

Parallel zu dieser Entwicklung geriet das Wachstum der Hypotheken an eine Grenze, da die Hypothekenbanken laut dem Baseler Eigenkapitalakkord dazu verpflichtet waren, mindestens acht Prozent ihrer ausgegebenen Kredite an Nichtbanken in Form von Eigenkapital vorzuhal- ten und zwar unabhängig von dem individuellen Ausfallrisiko des einzelnen Kreditnehmers.17 Das Ziel dieser Vorschrift war es, eventuelle Verluste durch den Ausfall von Krediten abzu- federn und die Zahlungsfähigkeit der Banken zu gewährleisten. Da es den Kreditinstituten aber missfiel, in Zeiten boomender Konjunktur ständig mehr Geld passiv im Tresor zu horten, suchten sie nach Wegen, die Basler Kreditsperre auszuhebeln, um frisches Kapital für neue Hypotheken zu generieren.18 Damit dieses Ziel erreicht werden konnte, wurden Hypotheken- forderungen und die damit verbundenen Kreditausfallrisiken in Wertpapiere, sogenannte Ver- briefungen umgewandelt und an Investoren verkauft. Die Hypothekenbanken bündelten dazu all ihre Einzelverträge, die mit guter Bonität genauso wie die mit mäßiger Bonität zu einem Paket und schnitten aus diesem Paket einzelne Teile so genannte Tranchen heraus, ließen die- se von externen Ratingagenturen bewerten und brachten sie letztendlich in Form von Aktien auf den internationalen Kapitalmarkt (siehe Anhang, Abbildung 3).19 Auf diese Weise wurden Kreditrisiken wie Streubomben rund um den Globus verteilt.20 Warren Buffet bezeichnete diese Form der Verbriefung im März 2003 gar als finanzielle Massenvernichtungswaffe.21

3. Rolle der Ratingagenturen

3.1. Allgemeine Definition

Ratingagenturen sind gewinnorientierte Unternehmen, welche die Kreditwürdigkeit bzw. Ausfallwahrscheinlichkeit von Staaten, Unternehmen und Finanztiteln bewerten. Am Ende eines Ratingverfahrens steht in der Regel eine Ratingendnote bzw. ein Ratingcode, der in den meisten Fällen von AAA (beste Qualität) bis D (zahlungsunfähig) reicht (siehe Anhang, Abbildung 4). Je höher die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Finanztitels eingeschätzt wird, desto schwieriger kann dieser am Markt platziert werden.22

Ratings dienen somit der Erhöhung der Entscheidungseffizienz23 und der Überwindung der Informationsasymmetrie24 innerhalb des Finanzsystems. Sie liefern mittels des Rating-Codes eine vereinfachte Darstellung der Ausfallwahrscheinlichkeit eines Schuldners und erübrigen somit eine genaue Analyse des Schuldners durch den Rating-Adressaten.

Der Markt für Ratingdienstleistungen wird von den drei großen US Unternehmen Standard & Poor´s, Moddy´s und Fitch Ratings dominiert. Allein diese drei Dienstleister halten einen Marktanteil von insgesamt 95 Prozent (siehe Anhang, Abbildung 5) und bilden damit ein für die Nachfrager äußerst ungünstiges Oligopol.

3.2. Unzulänglichkeiten der Rating Agenturen

Mit Beginn der Subprime Krise im Jahr 2007 gerieten die drei großen Ratingagenturen Moo- dy´s, S&P und Fitch massiv in die Kritik. Es wurde vor allem kritisiert, dass die Agenturen unvernünftig gute Ratings für verbriefte Kreditforderungen vergaben. Die Gründe hierfür la- gen in der mangelnden Erfahrung der Agenturen mit dieser Art von Finanzinstrumenten. Auch waren die bewerteten Finanzprodukte in ihrer Struktur viel zu komplex und zu ver- schachtelt, als das sie einer simplen Ausfallprognose hätten standhalten können.25

Neben den Unzulänglichkeiten der Bewertungsmodelle gab es auch erhebliche Schwachstel- len innerhalb der Entlohnungssysteme. So wurden die Agenturen durch den Emittenten der Finanztitel beauftragt und von diesem auch entlohnt. Zudem waren die externen Ratingagen- turen auch für die Beratung des Ratingauftraggebers verantwortlich. Dies könnte unter Um- ständen zu einem Interessenkonflikt geführt haben, der die Ratingendnote in unangemessener Weise positiv beeinflusste.26

Eine weitere Schwachstelle innerhalb des Vergütungssystems war der Umstand, dass ein Großteil des Umsatzes nach Abschluss des Ratingprozesses fällig war. Es war somit für die Agenturen wesentlich rentabler neue Kunden zu gewinnen, als die erteilten Ratings zu überwachen und gegebenenfalls den veränderten Marktbedingungen anzupassen.27

Auch gab diese Form der Vergütung dem Emittenten die Möglichkeit, die Rating Agentur so lange zu wechseln, bis die gewünschte Endnote erteilt wurde. Im Focus stand somit nicht mehr die Qualität des Ratings sondern die Zufriedenheit des Ratingauftraggebers.28

Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Ratingurteile der Agenturen in den USA durch das verfassungsmäßige Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt sind. Es ist somit relativ schwierig, die Ratingdienstleister für ihr Handeln zur Rechenschaft zu ziehen. Lediglich wenn es gelingt, der Rating Agentur Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen, ist sie für ihr Urteil haftbar zu machen.29

[...]


1 Vgl. Tishkin, Ina: Finanzmarktkrise und Corporate Governance steigende Anforderungen an Banken, Hamburg 2010, S. 6

2 Vgl. Internet- Recherche vom 06.05.2011,http://www.welt.de/dossiers/wachstum2010/article6559745/ Staatsverschuldung-laeuft-aus-dem-Ruder.html, Staatsverschuldung läuft aus dem Ruder

3 Vgl. Internet- Recherche vom 06.06.2011, http://www.faz.net/artikel/C30350/finanzkrise-iwf-schaetzt- verluste-auf-4-billionen-dollar-30064239.html, IWF schätzt Verluste auf 4 Billionen Dollar

4 Vgl. Internet- Recherche vom 06.06.2011,http://www.wiwo.de/finanzen/galerien/konjunkturprogramme- 416/1/usa.html, Konjunkturprogramme

5 Vgl. Internet- Recherche vom 07.06.2011,http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,612557,00. html, Merkel sieht schwerste Krise seit 1945

6 Vgl. Witkowski, Peter: Kreditvergabe während der Subprime-Krise in den USA - Empirische Evidenz, Studienarbeit München 2010, S. 3 f.

7 Vgl. Internet- Recherche vom 06.05.2011, http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/usa-kein- ende-der-kettenreaktion-in-sicht/2991922.html, USA: Kein Ende der Kettenreaktion in Sicht

8 Vgl. Busch, Annira: Das Verhalten von Europäischer Zentralbank und Federal Reserve System wäh rend der Subprime-Krise, Studienarbeit München 2008, S.3

9 Vgl. Ulm, Alexander: Ursachen und Ablauf der Subprime-Krise, Studienarbeit, München 2009, S.3

10 Vgl. Graf, Matthias: Ist die Wall Street noch zu retten? die Folgen der amerikanischen Immobilienkrise fur den Wirtschaftsstandort New York City, Diss. Leipzig 2009, S. 10

11 Vgl. Oppermann, Kordula: Wirtschaftswissenschaftliche Ausarbeitung, Sammelband I, Norderstedt 2009, S. 64

12 Vgl. Balzli, Beat; Hornig, Frank; Jung, Alexander; Pauly, Christoph; Reiermann, Christian; Reuter, Wolfgang; Sauga, Michael; Schlamp, Hans-Jürgen: Der Bankraub, in: Der Spiegel 43/ 2008, S. 44-80

13 Vgl. Findeisen, Marcus: Ursachen der aktuellen Finanzmarktkrise, Studienarbeit München 2008, S. 7

14 Vgl. Internet- Recherche vom 07. 06. 2011, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,472141,00.html, Kredit-Karussell außer Kontrolle

15 Vgl. Internet- Recherche vom 07. 06. 2011, http://www.faz.net/artikel/S31501/hypothekenkrise-das-problem- ist-nicht-der-subprime-sektor-30064005.html, Das Problem ist nicht der Subprime-Sektor

16 Vgl. Internet- Recherche vom 07. 06. 2011,http://www.faz.net/s/Rub48D1CBFB8D984684AF5F46CE 28AC585D/Doc~E70F2B3C65C0649C7A9B792270BB5D723~ATpl~Ecommon~Sspezial~Ap~ E1.html, Das Problem ist nicht der Subprime-Sektor

17 Vgl. Dähne, Ralf: Kredit- Rating Interne Ratingverfahren der Banken und Sparkassen als Basis boni- tätsabhängiger Bepreisung vom Krediten, Diss. Leipzig 2007, S.1

18 Vgl. Balzli, Beat; Hornig, Frank; Jung, Alexander; Pauly, Christoph; Reiermann, Christian; Reuter, Wolfgang; Sauga, Michael; Schlamp, Hans-Jürgen: Der Bankraub, in: Der Spiegel 43/ 2008, S. 44-80

19 Vgl. Heins; Christian: Verbriefung von Kreditrisiken Eine Analyse der Konstruktionsmerkmale unter Berucksichtigung der Erkenntnisse aus der Subprime-Krise, Studienarbeit München 2010, S. 1 f.

20 Vgl. Balzli, Beat; Hornig, Frank; Jung, Alexander; Pauly, Christoph; Reiermann, Christian; Reuter, Wolfgang; Sauga, Michael; Schlamp, Hans-Jürgen: Der Bankraub, in: Der Spiegel 43/ 2008, S. 44-80

21 Vgl. Balzli, Beat; Hornig, Frank; Jung, Alexander; Pauly, Christoph; Reiermann, Christian; Reuter, Wolfgang; Sauga, Michael; Schlamp, Hans-Jürgen: Der Bankraub, in: Der Spiegel 43/ 2008, S. 44-80

22 Vgl. Herfurth, Sebastian: Die Regulierung von Ratingagenturen unter Basel II, Köln 2009, S. 55

23 Vgl. Sönnichsen, Christoph: Versicherungsrating, in: Büschgen, Hans/Everling, Oliver (Hrsg): Handbuch Rating, 2. Aufl., Wiesbaden 2007, S. 325

24 Vgl. Morgenroth, Karl-Heinz: Ökonomische Analyse der Funktionen von Rating durch Ratingagen- turen im Rahmen einer Gläubiger-Schuldner-Beziehung, Diss. Göttingen 2008, S. 20

25 Vgl. Balzli, Beate/Schiessi, Michael/Schulz, Thomas, Trio Infernale, in: Der Spiegel, 47/2009, S. 72-78

26 Vgl. Internet- Recherche vom 08.06.2011 http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/0,2828, 672542,00.html, "Das ist ein klarer Interessenkonflikt"

27 Vgl. Balzli, Beate/Schiessi, Michael/Schulz, Thomas, Trio Infernale, in: Der Spiegel, 47/2009, S. 72-78

28 Vgl. Volk, Tobias: Interne Ratings im Firmenkundenkreditgeschaft einschließlich der damit verbundenen Haf- tungsfragen, Diss. Berlin 2007, S. 127 f.

29 Vgl. Wappenschmidt, Christian: Ratinganalyse durch internationale Ratingagenturen : empirische Untersuchung fur Deutschland, Osterreich und die Schweiz, Frankfurt am Main 2009, S. 40

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656000198
ISBN (Buch)
9783656009290
Dateigröße
875 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178178
Note
1,0
Schlagworte
subprime krise entstehung verlauf

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Titel: Subprime Krise in den USA