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Filme im Englischunterricht

Mit praktischen Beispielen für den Film „Reign over me“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 27 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B Hauptteil
I. Die Geschichte des Filmeinsatzes im Unterricht
II. Der neue Medienbegriff und die Einordnung des Filmes
III. Gründe für den Filmeinsatz im Englischunterricht
IV. Die Filmanalyse
V. Die Filmanalyse im handlungs- und produktionsorientierten Englischunterricht
1. Verschiedene Darbietungsformen des filmischen Materials
a) Die Blockpräsentation
b) Die Intervall-Präsentation
c) Die Sandwich-Präsentation
d) Die Segment-Präsentation
2. Der praktische Einsatz der Filmanalyse im Unterricht
a) „Reign over me“ als Beispiel für die Verarbeitung von Verlusten im Kontext einer amerikanischen Katastrophe
b) Die Pre-Viewing Phase
a. Die Aufgabe der Pre-Viewing Phase beim Filmeinsatz im Englischunterricht
b. Mögliche Aufgabenstellungen während der Pre-Viewing Phase
c. Konkrete Beispiele zum Film „Reign over me“
c) Die While-Viewing Phase
a. Aufgabe der While-Viewing Phase
b. Mögliche Aufgabenstellungen während der While-Viewing Phase
c. Konkrete Beispiele zum Film „Reign over me“
d) Die Post-Viewing Phase
a. Aufgabe der Post-Viewing Phase
b. Mögliche Aufgabenstellungen währen der Post-Viewing Phase
c. Konkrete Beispiele zum Film „Reign over me“
VI. Die Nachteile des Filmeinsatzes im Englischunterricht und mögliche Lösungen

C Schluss

Quellenverzeichnis

A Einleitung

„Ich denke, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. “. „Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zu tun.“. „Der beste Freund eines Mannes ist seine Mutter. “ „Ich bin der K ö nig der Welt!“.

Filme sind über die Jahre zu einem wichtigen Medium avanciert. Unterhaltungen werden nicht mehr mit Zitaten von großen Dichtern und Denkern gespickt, sondern gemeinschaftsstiftend mit Filmzitaten aufgefüllt und Filmliebhaber sprechen von sich selbst als Cineasten. Die bewegten Bilder haben einen Stellenwert erhalten, der über die bloße Unterhaltung hinausgeht. Filme sind omnipräsent. Sei es durch den Spielfilm am Abend, die Dokumentation am Nachmittag oder einfach durch den kurzen Clip im Internet. Durch diese Omnipräsenz ist zumindest der erste Zugang für Schüler leichter, als bei den für gewöhnlich im Unterricht behandelten Werken von Shakespeare, Wilde oder Dickens. Doch nur selten bedienen sich die Lehrkräfte der Arbeit mit Filmen. Zu stark sind die Vorbehalte über den Einsatz der Spielfilme. Bestenfalls als literarische Verfilmung finden sie ihren Weg in die Klassenzimmer. Dabei zeigen

[a]udiovisuelle Medien, die Alltagssituationen und ihre sprachliche Bewältigung authentisch kontextualisieren, […] auf, welche extraverbalen Elemente in der Zielkultur an routinemäßigen Sprachproduktionen beteiligt sind.1

Daher scheint es durchaus sinnvoll sich mit dem Film als Unterrichtsmedium auseinanderzusetzen. Im Folgenden wird neben der Geschichte des Filmeinsatzes im Unterricht allgemein, auch dessen didaktischer Nutzen theoretisch erörtert, sowie die praktische Umsetzung mit entsprechenden Beispielen aufgezeigt. Dabei steht die Behandlung von Filmen, wie sie im Abendprogramm und Kinos gezeigt werden, im Vordergrund.

B Hauptteil

I. Die Geschichte des Filmeinsatzes im Unterricht

In der audio-lingualen Methode mit dem Sprachlabor und in der audio-visuellen Methode mit der Kombination von Bild- und Tonträgern in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erlebte der Medieneinsatz im Englischunterricht seine erste Blütephase.2

Der Einsatz von Filmen im Unterricht ist demnach keine Modeerscheinung der aktuellen Didaktik, sondern ein Teilbereich, der schon mit den technischen Neuerungen im letzten Jahrtausend aufkam. Doch mit der kommunikativen Wende in den 1970ern ebbte die Begeisterung für den Medieneinsatz schnell wieder ab. Die mangelnde didaktische Aufarbeitung hatte zur Folge, dass der erwünschte positive Effekt bei Schülern ausblieb.3

Durch den erheblichen Mehrwert, den Medien für den Fremdsprachenunterricht bieten, ist diese medienfeindliche Haltung allerdings wieder immer weiter zurückgedrängt worden. Trotz neugewonnener Popularität war der Einzug des Filmes im Unterricht jedoch problematisch, denn „[i]n den ersten Jahrzehnten litt der Einsatz an einer starken quantitativen und technologischen Beschr ä nkung.4 Dies bedeutet, dass Filme aller Formate, von Super- 8 über VHS bis hin zu den neuen Formaten der DVDs und Blurays, spezielle Abspielgeräte erfordern. Die technische Ausstattung an Schulen wird allerdings erst langsam ausgebaut und modernisiert. Bis heute noch werden an manchen Schulen sogenannte Medienstationen, fahrbare Fernsehschränke mit DVD- und Videoabspielgeräten, von Klassenzimmer zu Klassenzimmer geschoben. Der Entschluss sich einen Film zu Nutzen zu machen, war und ist somit von der Verfügbarkeit solcher Abspielgeräte abhängig. Andererseits werden inzwischen ebenso auch immer öfter Klassenzimmer mit Beamern und anderen technischen Neuerungen ausgestattet, die für die einzelnen Lehrkräfte diesbezüglich eine Erleichterung bedeuten. Zumindest auf technischer Ebene wird der Einsatz des Mediums Film dadurch zunehmend vereinfacht. Neben der technischen Ausstattung in Klassenzimmern, erleichtert zudem das neue Trägermedium DVD den Medieneinsatz. Die Digital Versatile Discs erleichtern nämlich generell den Umgang mit den auf ihnen gespeicherten Filmen:

Die DVD liefert nicht nur eine ausgezeichnete Bild- und Tonqualität, sondern erleichtert auch den genauen Zugriff auf ausgewählte Filmsequenzen und ermöglicht die freie Sprachwahl sowie das zusätzliche Einblenden von z. B. englischsprachigen Untertiteln, was das Verstehen erleichtert und auch das Lernen neuer Wörter fördert.5

Die Vielseitigkeit der DVD beschränkt sich dabei nicht nur auf die Präsentation des Filmes selbst, sondern bezieht sich auch auf die zahlreichen Extras, die die Silberscheiben oftmals beinhalten. Zum Teil wird auf einer weiteren DVD eine Fülle an Zusatzmaterial geboten. Dies reicht von Making-ofs über Interviews und kleinen Dokumentationen weiter über die Entstehung von Spezialeffekten im Film bis hin zu vielen andere Features, die Hintergrundinformationen zur Filmentstehung oder der Besetzung bieten. Durch diese umfangreiche Ausstattung an Zusatzmaterialien wird nicht nur der Informationsgehalt für die Lerner erhöht, sondern auch neue Möglichkeiten der Analyse eröffnet. Dadurch sind Aufgabenstellungen möglich, die sich speziell mit der Entstehung eines Filmes befassen. Diese wiederum gehen über die Analyse, wie sie bei literarischen Texten möglich und etabliert ist, hinaus, wodurch

dem Kunstcharakter von Filmen mehr Rechnung getragen [wird], indem die Beschäftigung mit den dargestellten Inhalten und mit den Mitteln der filmischen Gestaltung ins Zentrum des Unterrichts rückt‘.6

II. Der neue Medienbegriff und die Einordnung des Filmes

„Lange Zeit verstand man unter Medien ‚ Informationstr ä ger oder Mittler, die den Lernenden mit dem Lernstoff konfrontieren“ 7. Diese Definition bleibt nicht ohne Auswirkung für die Einsatzmöglichkeiten von Medien im Unterricht. Ein Medium wird darauf reduziert, ein Hilfsmittel für den Unterricht zu sein, wie ein Lehrbuch oder ein begleitender Hörtext, nicht aber ein Faktum, dass als solches zur näheren Betrachtung im Unterricht gedacht ist. Die Auswahl beschränkt sich dadurch vor allem in der Unter- und Mittelstufe des gymnasialen Unterrichts auf didaktische Medien, wie sie im Kapitel über Medien im Unterricht bei Klippel und Doff beschrieben werden:

„[D]idaktische […] Unterrichtsmittel sind mit Blick auf die Englischlernenden entweder an einem ganz bestimmten Sprachniveau ausgerichtet, wie etwa die vereinfachten Texte und Lektüren, oder sie fokussieren bestimmte sprachliche Lernziele“8

Die didaktischen Medien weichen demnach vom heutigen, allgemein etablierten Medienverständnis ab. Die Medien, die hierbei beschrieben werden, dienen als begleitende Elemente des Unterrichts. Sie werden instrumentalisiert, nicht aber thematisiert.

„Unterdessen hat man sich auf einen offenen Medienbegriff verständigt, der alle Unterrichtsmittel einbezieht: ‚Das Wort Medium … umfasst Sprach-, Bild- und Sprach-Bild Medien“9

Diese neuere Definition von Medien deckt ein viel weiteres Feld ab, das auch diejenigen Medien einbezieht, die im Alltag der Schüler verankert sind, wie den Film. Ergänzend ist an dieser Stelle jedoch zu bemerken, dass auch multimediale Mittler durchaus dabei sind, ihren Platz in der Reihe der Unterrichtsmedien zu festigen. Teilweise werden Computer und entsprechende Programme oder Recherchen über das Internet häufiger im Rahmen von Projekten oder ähnlichem in den Unterricht eingebunden, als es mit Filmen der Fall ist.

Die mediale Einordnung nach Klippel und Doff weist das bewegte Bild den technischen Medien zu10. Bei dieser Kategorie wird zwischen auditiven, visuellen, audiovisuellen und multimedialen Medien unterschieden11. Ein Film spricht neben dem visuellen Kanal in Form des bewegten Bildes auch den auditiven Kanal durch die dem Bild unterlegte Tonspur an. Demzufolge ist er der dritten Medienart, den audiovisuellen Medien, zuzuordnen. Nach dieser Einordnung bieten Klippel und Doff eine letzte Kategorie für Medien im Allgemeinen. Sie unterscheiden zwischen den bereits erwähnten didaktischen und authentischen Medien. Beide Formen können in jeder der vier Medienarten auftreten. So sind auditive, didaktische Medien die ebenfalls bereits erwähnten Begleithörtexte zu dem jeweiligen Schulbuch. Authentisch würde selbiges werden, wenn es sich um ein altersgerechtes, im Zielland benutztes Hörbuch oder -spiel handelt. Doch nicht nur im Falle der Hörtexte, sondern auch bei den audiovisuellen Medien treten neben den üblichen Kinofilmen, didaktische Formen auf. Mit Schulfunksendungen kam „[e]ine neuartige Form der Fremdsprachenvermittlung [ … ] ab Mitte der 1950er Jahre auf“ 12. Jedoch ist nach der kommunikativen Wende von solchen Projekten abgelassen worden, weshalb derartige Formate nur noch selten zu sehen sind.

Ein weiterer Aspekt, der über die mediale Einordnung von Filmen hinausgeht, ist die Zuordnung von Filmen zu Texten.

Wenn wir von Texten sprechen, meinen wir mehr und anderes als der Alltagssprachgebrauch unter ihnen versteht. In einem neueren wissenschaftlichen Verständnis, das an Studien der Semiotik anschließt, gelten hingegen alle Korpora von Zeichen als ‚Texte‘, welche die Merkmale Kohäsion und Kohärenz aufweisen.13

Die Kategorisierung eines Filmes als Text beeinflusst die mögliche Herangehensweise an die Filmanalyse maßgeblich, wie in einem späteren Abschnitt gezeigt wird.

III. Gründe für den Filmeinsatz im Englischunterricht

Dass Filme Texte sind, definiert auch ihre Bedeutung für den Unterricht neu, denn für diese gilt im Allgemeinen, dass sie

„sozio-kommunikativ funktionierende, geäußerte Sprachzeichenmengen, also Texte-in-Funktion im Einbettungsrahmen kommunikativer Handlungsspiele [sind]. Als solche sind sie stets sprachlich und sozial bestimmt und definierbar, also keine rein sprachlichen Strukturen, die ausschließlich linguistisch definierbar wären.“14

Ein Text ist daher mehr als nur ein Informationsmittler. Er erfüllt viele weitere Aufgaben, die dem Unterricht zu Gute kommen. Da das Klassenzimmer an sich ein isolierter Raum ist, in dem kein interkultureller Kontakt im eigentlichen Sinne eines Gespräches mit Muttersprachlern stattfindet, muss dieser mangelnde interkulturelle Sprachkontakt so gut wie möglich ersetzt werden. Dabei schränken der Organisationsaufwand und die Möglichkeiten die Ausgestaltung des Englischunterrichts diesbezüglich spürbar ein. Die Aufgabe von Texten aller Art, vor allem aber authentischer Texte aller Art ist es, hierbei einen interkulturellen Kontaktpunkt dadurch zu stiften, dass ein Produkt des Zielsprachenlandes rezipiert wird. Dadurch erklärt sich die sozio-kommunikative Seite eines Textes. Durch das Zusammenspiel aus Inhalt und Verschriftlichung entsteht ein Informationsträger, der neben der bloßen Informationsvermittlung sozio-kulturelle Unterschiede sichtbar macht. Bei schriftlichen Texten, wie Zeitungsartikeln und literarischen Texten, ist diese sozio- kulturelle Vermittlung allerdings auf Inhalt und Schriftbild beschränkt. Im Gegensatz dazu steht das bewegte Bild, durch das Bild und Ton im Zusammenspiel Kultur repräsentieren:

[D]ie Konzepte von media literacy und intercultural learning [lassen] originalsprachliche Spielfilme mit ihren kinematografischen Techniken und der Darstellung fremder Lebenswelten verstärkt ins Blickfeld rücken.15

[...]


1 Gehring, Wolfgang. Englische Fachdidaktik: Eine Einf ü hrung. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2004². S.132.

2 Weskamp, Ralf. Fachdidaktik: Grundlagen und Konzepte. Berlin: Cornelsen, 2007. S. 144.

3 Vgl. Weskamp, S. 144.

4 Hallet, Wolfgang und Frank Königs (Hrsg.). Handbuch Fremdsprachendidaktik. Seelze-Velber: Kallmeyer und Klett, 2010. S. 142.

5 Surkamp, Carola. „Teaching Films: Von der Filmanalyse zu handlungs- und prozessorientierten Formen der filmischen Textarbeit“. Der Fremdsprachliche Unterricht Englisch. 56(2004). S. 3.

6 Surkamp, S. 3.

7 Gehring, S. 126.

8 Klippel, Friederike und Sabine Doff. Englischdidaktik: Praxishandbuch f ü r die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2007, S. 147.

9 Gehring, S. 127.

10 Vgl. Klippel, Doff, S. 145.

11 Vgl. Klippel, Doff, S. 146.

12 Gehring S. 126.

13 Decke-Cornill Helene und Lutz Küster. Fremdsprachendidaktik: Eine Einf ü hrung. Tübingen: Narr Verlag, 2010. S. 243.

14 Brusch, Wilfried und Daniela Caspari. „Verfahren der Textbegegnung Literarische und andere Texte“. In: Englisch lernen und lehren: Didaktik des Englischunterricht. Hrsg.: Timm, Johannes-Peter. Berlin: Cornelsen, 2007. S. 168.

15 Hallet, S. 142.

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656002055
ISBN (Buch)
9783656002437
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178161
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Schlagworte
Englischunterricht Filme Filmeinsatz Didaktik

Autor

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Titel: Filme im Englischunterricht