Lade Inhalt...

Jean-Jacques Rousseau: ‹‹Du Contrat Social›› – eine Interpretation

Referat / Aufsatz (Schule) 2009 4 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Interpretation von Tim Blume

Die Schrift ‹‹ Du Contrat Social ›› („Der Gesellschaftsvertrag“) ist eine Primärquelle und ein Dokument, das 1762 vom französischen Schriftsteller, Philosophen und Pädagogen Jean-Jacques Rousseau verfasst wurde. In diesem Text geht Rousseau der Frage nach, wie ein ideales Gemeinwesen beziehungsweise eine ideale Gesellschaftsform geschaffen werden kann. Die Quelle wurde 1762, das heißt 27 Jahre vor Beginn der Französischen Revolution verfasst, zu einer Zeit, in der der Absolutismus in Frankreich herrschte: Der König hatte die uneingeschränkte Macht und konnte losgelöst von allen Gesetzen han- deln. Der Text des Verfassers ist aufgrund seines philosophischen Gehaltes und der mangelnden Bildung der Landbevölkerung nicht für die breite Masse bestimmt, trotz der Tatsache, dass er recht einfach gehalten wurde.

In seiner Schrift vertritt Rousseau die Meinung, dass ein ideales Gemeinwesen aus einer Gesellschaftform bestehen müsse, die jedes Gesellschaftsmitglied schützt und verteidigt, „nur sich selbst gehorcht“, das heißt es solle niemanden anders geben, dem die Mitglie- der gehorchen müssen, beziehungsweise dem sie unterstellt sind, und frei bleibt. Ein Gesellschaftsvertrag löse diese Hauptfrage. Weiterhin sagt der Verfasser aus, dass jeder Mensch von Geburt aus frei und nur sich selbst unterstellt sei, deswegen könne dieser Mensch nicht ohne seine Einwilligung unterworfen werden. Auch der Sohn eines Skla- ven sei von Geburt an frei.

Die Meinung einer Person, die gegen den Gesellschaftvertrag ist, mache diesen nicht ungültig, vielmehr würde diese Person vom Vertrag ausgeschlossen werden. Sobald ein Saat gegründet wäre und die Person bliebe und in diesem lebe, würde dies eine Zustimmung zum Vertrag bedeuten, so Rousseau weiter.

Außer dem Vertrag sei zudem die Stimmenmehrheit für alle Bewohner des Staates ver- bindlich. Der stetig „in Kraft bleibende Wille des Volkes“ sei der allgemeine Wille, wel- cher die Staatsbürger frei mache und Einwilligung zu allen Gesetzen gebe, auch wenn ein Einzelner nicht in ein Gesetz einwillige. Allein der allgemeine Wille entscheide über Abstimmungen, nicht jedoch der Wille jedes Einzelnen. Sobald die Stimmenmehrheit schwindende „Kennzeichen des allgemeinen Willens an sich“ trüge, gebe es keine Frei- heit mehr.

Das „ideale Gemeinwesen“ welches Rousseau in seinem Text darstellt, entspricht der Demokratie. Man kann seine Darstellung mit der Darstellung Diderots und d’Alamberts in dem Artikel ‹‹ Societé ›› (dt.: Gesellschaft) aus der Diderot’schen ‹‹ Encyclopedie ››, ebenfalls circa in den Sechzigerjahren des 18. Jahrhunderts erschienen, vergleichen. Zentrale Inhalte, wie zum Beispiel die Aussage, dass jeder Mensch frei geboren worden sei, stimmen überein und auch der Wunsch nach Demokratie kommt in beiden Texten zum Ausdruck. Dieser Wunsch nach der Ablösung der absolutistischen durch eine de- mokratische Herrschaft beruht auf den Missständen im damaligen Frankreich: So laste- ten beinahe die gesamten Steuereinnahmen das Staates auf den Schultern des Dritten Standes, der rund 98 Prozent der Bevölkerung ausmachte. Der Adel hatte nur sehr ge- ringe Steuerleistungen zu erbringen, zum Beispiel die Kopfsteuer; der Klerus, der den geringsten Teil der Bevölkerung ausmachte, hatte keine Steuern zu bezahlen und ver- diente dabei auch zum Teil mehr als der Adel (circa 12 Millionen Livre gingen an den Erzbischof, aber nur etwa sieben Millionen Livre an hohe Adelige).

Das Volk war über die Ungerechtigkeit erbost, verärgert und wütend. Auch Voltaire ver- ärgerten diese Zustände, so sagt er beispielsweise aus, dass die, die schließlich nichts täten, das heißt die Männer der Kirche, auch keine Steuern zahlen müssten; die, die am meisten arbeiteten, das heißt der Dritte Stand, auch am meisten Steuern zahlen müssten; das dies ungerecht ist, steht außer Frage. Eine drastische Steuererhöhung und die Ver- teuerung von Grundnahrungsmitteln wie Brot im Jahre 1787/88 trugen noch einmal einen bedeutenden Teil zum Willen des Volkes, eine Revolution zu beginnen, bei, so dass es 1789 schließlich zum Ausbruch der Revolution kam, die bis 1799 andauerte.

Jean-Jaques Rousseau kritisiert den Absolutismus und die Herrschaft des Königs und stellt die Frage nach einer idealen Gesellschaftsform: Mit der „ganzen gemeinsamen Kraft“ müsse jedes Mitglied selbst und auch sein Vermögen geschützt und verteidigt werden; diesen Schutz kann man mit dem ersten Artikel des Deutschen Grundgesetzes vergleichen, worin es heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“. Auf den Punkt der Wür-de wird von Rousseau im weiteren Verlauf des Textes noch einmal eingegangen: Der Sohn eines Sklaven werde als freier Mensch geboren, nicht als Sklave. Wer etwas ande-res behaupten würde, nehme diesem Menschen einen Teil seiner Würde.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640999422
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178137
Note
2+
Schlagworte
jean-jacques rousseau contrat social›› interpretation

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Jean-Jacques Rousseau: ‹‹Du Contrat Social›› – eine Interpretation