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Innovationsnetzwerke: Bedeutung und Funktionsweise

Seminararbeit 2001 22 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Innovationsnetzwerke, eine Begriffsdefinition
1.1.Innovation
1.2.Netzwerk
1.3.Subsumtion

2.Bedeutung von Innovationsnetzwerken
2.1.Neues technologisches Wissen
2.2.Innovationsnetzwerke als Lösung von Marktversagenstatbeständen
2.2.1.Öffentlicher Guts-Charakter von neuem technologischem Wissen
2.2.2.Externe Erträge der Forschung (Spillover Effekte)
2.2.3.Kapitalmarktversagen
2.3.Weitere Probleme: Patentrechtrennen & Doppelforschungen
2.4.Neue Möglichkeiten durch Innovationsnetzwerke
2.4.1.Privater Guts-Charakter von neuem technologischem Wissen
2.4.2. Inter- und intraindustrielle Interdependenzen
2.4.3.Cross-Fertilization-Effekte
2.5.Gründe für Innovationsnetzwerke

3.Funktionsweise
3.1.Ressourcen innerhalb des Netzwerks
3.1.1. Zugang zu komplementärem Vermögen
3.1.2. Die Kapazität zu lernen
3.2. Netzwerkmechanismus: Koordinationsinstrument Vertrauen
3.3. Netzwerktypologie

LITERATURVERZEICHNIS

1.Innovationsnetzwerke, eine Begriffsdefinition

Eine eindeutige Definition des Begriffs Innovationsnetzwerk zu liefern, impliziert eine vorherige Klärung der Begriffe Innovation und Netzwerk, um dann subsumtiv auf die Bedeutung des Terminus Innovationsnetzwerk schließen zu können.

1.1.Innovation

Bisher existiert noch keine einheitliche und allgemeingültige Definition des Innovationsbegriffs. Jedoch findet man in allen Definitionsansätzen die Verknüpfung des Begriffs Innovation mit den Merkmalen der Veränderung und der Neuheit eines Zustands oder Prozesses.[1] „Im ökonomischen Kontext, der sich mit individuellen Entscheidungen zwischen Handlungsalternativen beschäftigt, kann eine Innovation definiert werden als die Wahl einer Handlungsalternative, die zuvor noch niemals versucht worden ist. Einer solchen Handlung liegt also Neuigkeit zugrunde.“[2]

Im folgenden möchte ich mich auf die Beschreibung stützen, daß Innovation die „Durchsetzung neuer technischer, wirtschaftlicher, organisatorischer und sozialer Problemlösungen im Unternehmen“[3] sind, wobei Innovation auch immer gleichbedeutend mit der Entdeckung von neuem technologischem Wissen ist.

1.2.Netzwerk

Ebenso wie zum Begriff Innovation noch keine, allgemeingültige Definition existiert, läßt sich auch keine für den Begriff Netzwerk festlegen. Vielmehr herrscht in der wirtschaftswissenschaftlichen Netzwerkforschung ein Grundlagenstreit darüber, ob es sich bei einem Netzwerk um eine hybride Organisationsform als Mischform von Markt und Hierarchie[4], oder um eine Form der Koordination von Handlungen handelt, in der sich zwar Elemente marktförmiger wie organisierter Interaktion wiederfinden, diesem Typus allerdings eine eigenständige Qualität zuordnet.[5] Ich persönlich schließe mich der zweiten Denkweise an und beziehe mich auf folgende Beschreibung eines Netzwerks:

„An inter-firm network is a mode of regulating interdependence between firms which is different from the aggregation of these units within a single firm and from coordinating through market signals and which is based on a cooperative game with partner-specific coordination.“[6]

1.3.Subsumtion

Nach der vorangegangenen Herleitung der Begriffe Innovation, wie auch Netzwerk, versuche ich schlußfolgernd eine Definition für den Begriff Innovatiosnetzwerk zu liefern. Demnach versteht man unter einem Innovationsnetzwerk den Zusammenschluß verschiedener Institutionen, wie Unternehmen, Universitäten, Forschungseinrichtungen etc. zu dem Zweck die Innovationsrate zu erhöhen und neues technologisches Wissen zu verwerten. Forschungsgegenstand bilden hierbei die betrachteten Institutionen selber und die Art der institutionellen Interdependenzen.

2.Bedeutung von Innovationsnetzwerken

2.1.Neues technologisches Wissen

Um die Bedeutung von Innovationsnetzwerken adäquat ergründen zu können, muß zuvor geklärt werden was genau neues technologisches Wissen, als Ergebnis der Innovationsleistung, bedeutet. Darauf soll an dieser Stelle kurz eingegangen werden.

Auf der einen Seite läßt sich neues technologisches Wissen mit Informationen gleichsetzen, was dazu führt daß man es mit einem öffentlichen Gut zu tun hat. Diese Ansicht wurde vor allem in der neoklassischen Sichtweise technischen Fortschritts vertreten, allerdings gibt es einige Gründe die gegen so eine Verallgemeinerung sprechen und sich im modernen wissensbasierten Ansatz widerspiegeln. Andreas Pyka führt hierzu aus, daß das Verständnis von neuem technologischem Wissen in entscheidender Weise von den Fertigkeiten und Kompetenzen der empfangenden Akteure abhängt, und somit Know-how nicht mehr ausschließlich als öffentliches Gut zu charakterisieren sei. Er begründet dies mit dem globalen, lokalen und impliziten Charakter von Wissen, wobei globaler Charakter den Teil des Wissens darstellt, der auf allgemeine Prinzipien abzielt und somit in expliziter und artikulierbarer Form vorliegt. Aus dieser Eigenschaft läßt sich nach wie vor der Charakter eines öffentlichen Gutes für Wissen ableiten, allerdings läßt sich diese These nicht mehr aufrecht erhalten, wenn man den lokalen und impliziten Charakter ebenfalls berücksichtigt. Lokaler Charakter bezieht sich hier auf die technologischen Spezifitäten, impliziter Charakter hingegen auf die Untenehmensspezifitäten von Wissen. Beides mündet in der Tatsache, daß technologisches Wissen durchaus Eigenschaften eines privaten Gutes annehmen kann. Zusätzlich verstärkt wird diese Tatsache noch, wenn außerdem auf den Komplexitätsgrad technologischen Wissens hingewiesen wird, worunter in diesem Zusammenhang die Anzahl unterschiedlicher Wissensgebiete, Technologien und Fertigkeiten zu verstehen ist, die für eine Innovation erforderlich ist.[7]

2.2.Innovationsnetzwerke als Lösung von Marktversagenstatbeständen

2.2.1.Öffentlicher Guts-Charakter von neuem technologischem Wissen

Wie bereits oben erläutert weist technologisches Wissen in gewisser Weise Eigenschaften eines öffentlichen Gutes auf, wie Nicht-Rivalität in der Nutzung und Nicht-Ausschlußmöglichkeiten von der Nutzung.[8] Verwendet man, gemäß der neoklassischen Sichtweise den Wissensbegriff derart, ergeben sich für die innovierenden Unternehmen dadurch Probleme, als daß es ihnen nicht möglich ist für neues technologisches Wissen, daß einen hohen Grad eines öffentlichen Gutes aufweist, einen Preis zu verlangen, eben gerade aufgrund der Nicht-Ausschlußmöglichkeit in der Nutzung. Dort wo kein Preis zustande kommen kann versagt der Markt. Der Anreiz für die Unternehmen in Forschung und Entwicklung zu investieren würde drastisch sinken und damit auch die Innovationsrate und das wirtschaftliche Wachstum. Eine wirtschaftspolitische Implikation wäre, daß hier jetzt der Staat eingreifen müßte um zu gewährleisten, daß neues technologisches Wissen bereitgestellt werden würde, allerdings dürfte für die Nutzung des Wissens keine Gebühr erhoben werden, da es wegen der fehlenden Konsumrivalität nicht pareto-optimal wäre, irgendeinen potentiellen Nachfrage auszuschließen. Der Staat müßte die gesamte Forschung vollständig selbst finanzieren und allen Interessierten die unentgeltliche Nutzung der Forschungsergebnisse gestatten.[9] Eine kaum zu realisierende Aufgabe, so daß nach einer geeigneteren Lösung gesucht werden sollte.

Eine Lösungsmöglichkeit würde sich in der Existenz von Innovationsnetzwerken, genauer F&E Kooperationen bieten. Alle Beteiligten wären somit an der Nutzung von neuem technologischem Wissen, allerdings auch an der Entstehung (insbesondere den Kosten) beteiligt. Der Staat würde entlastet werden und die Gewährleistung der kontinuierlichen Bereitstellung von neuem technologischem Wissen würde privatwirtschaftlich organisiert werden.

2.2.2.Externe Erträge der Forschung (Spillover Effekte)

Eng mit dem Problem des öffentlichen Guts-Charakter verwandt ist das Problem der externen Erträge der Forschung. „Aus den Öffentlichen-Gut-Eigenschaften leitet sich die Existenz von technologischen Spillover-Effekten ab, jenen positiven externen Effekten, die dafür verantwortlich sind, daß das Wissen einer Innovation auch von konkurrierenden Unternehmen und/oder Unternehmen aus anderen Branchen zur Weiterentwicklung ihrer Technologien verwendet werden kann.“[10]

Da nach der Veröffentlichung von neuem Wissen die weitere Diffusion dieses Wissens für den eigentlichen Urheber nicht mehr kontrollierbar ist, sind die Probleme die sich daraus ergeben evident. Wenn es innovierenden Unternehmen nicht möglich ist andere Unternehmen von der Nutzung der neuen Technologie auszuschließen, kommt es zum klassischen free-rider Problem[11], d.h. imitierende Unternehmen tauchen auf und versuchen aus der Nutzung der neuen Technologie zu profitieren, ohne sich an den Kosten und Anstrengungen der Forschung und Entwicklung der Innovation beteiligt zu haben. Selbst wenn es den Unternehmen gelingen würde eine direkte Imitation zu unterbinden, bspw. durch Patentrechte, würde es trotzdem zu Nachbauten mit geringfügigen Änderungen kommen oder die Forschungsarbeiten eines anderen Unternehmen würden durch das gewonnene Wissen im innovierenden Unternehmen um ein vielfaches vereinfacht werden, so daß das Problem nach wie vor bestehen würde. Damit verbunden würde sich allgemein auch ein anreizreduzierender Effekt ergeben F&E zu betreiben, da die Unternehmen nicht mehr in der Lage wären eine angemessene Rentabilitätsrate zu erzielen.

Genau hier setzen Innovationsnetzwerke an, die Unternehmen könnten sich einerseits die Kosten, Anstrengungen und somit auch das Risiko der Forschungs- & Entwicklungstätigkeit teilen, und andererseits auch gemeinsam von der Nutzung des neuen technologischen Wissens profitieren.

2.2.3.Kapitalmarktversagen

Die Problematik ergibt sich aus der Tatsache, daß die Durchführung von Forschungsprojekten einer angemessenen Finanzierung bedürfen. Insbesondere F&E-Projekte zeichnen sich dadurch aus, daß sie viel Kapital benötigen und mit einem immens hohen Unsicherheits- und Risikofaktor gesegnet sind.

„Die Durchführung eines Forschungsprojekts ist gesamtwirtschaftlich sinnvoll, wenn die zu erwartende Rendite des eingesetzten Kapitals mindestens dem Marktzins entspricht. Die Chancen zu seiner Realisierung sollten unabhängig davon sein, ob das Projekt von einem kleinen oder einem großen Unternehmen geplant wird. Wenn das Projekt kreditfinanziert werden soll, sind die zu zahlenden Zinsen für Kleinunternehmen jedoch oftmals höher als für Großunternehmen, da den Kreditgebern weniger Sicherheiten geboten werden können. Je risikoreicher und je größer das Projekt im Vergleich zur Unternehmensgröße, desto eher ist damit zu rechnen, daß die Banken nicht nur einen Riskiozuschlag verlangen, sondern darüber hinaus auch den Umfang der insgesamt gewährten Kredite beschränkenDie Diskriminierung am Kapitalmarkt kann also dazu führen, daß hochrentable Projektvorhaben kleinerer Unternehmen an der Finanzierung scheitern und knappe Ressourcen in weniger rentable Projekte von Großunternehmen fließen.“[12]

Innovationsnetzwerke würden hier wieder eine Lösung des Marktversagenstatbestandes bieten. Verschiedene Möglichkeiten würden sich eröffnen. Wenn sich ein kleines ambitioniertes Unternehmen mit einem größeren Unternehmen kooperativ zusammenschließt, bewirkt dies zweierlei. Einerseits kann so die Kredibilität des kleineren Unternehmens erheblich gesteigert werden, indem eine Signalwirkung an die Banken abgegeben wird, insofern als daß nun ein etablierter, finanzkräftiger Partner hinter dem risikoreichen Projekt steht.[13] Andererseits würde evtl. der Fremdkapitalbedarf an sich erheblich sinken, wenn der Partner selbst davon überzeugt werde kann in das Projekt zu investieren. „The financial requirements associated with developing and commercialising new products and process can be accomplished with myriad organizational arrangements including research joint ventures, coproduction and comarketing arrangements. With such arrangements, there is the possibility that the capital requirements associated with a new project could be drastically reduced for the innovator.“[14]

[...]


[1] Vgl. Pleschak/Sabisch (1996), S.1

[2] Witt (1993), S.21

[3] Pleschak/Sabisch (1996), S.1

[4] Williamson (1991), S.280

[5] Powell (1991), S.268

[6] Grandori/Soda (1995), S.184

[7] Vgl. Pyka (1998), S.50-57

[8] Vgl. Pyka (1998), S.30

[9] Vgl. Klodt (1998), S.7

[10] Pyka (1998), S.30

[11] Vgl. Teece (1992), S.4

[12] Klodt (1998), S.18

[13] Vgl. Teece (1986), S.200

[14] Teece (1998), S.139

Details

Seiten
22
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638110945
ISBN (Buch)
9783638637442
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1781
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik
Note
2,3
Schlagworte
Innovation Netzwerk Spillover-Effekte Cross-Fertilization

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