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Der parämiologische Schotte

Sprichwörter über Schotten und schottische Sprichwörter

Hausarbeit 2003 40 Seiten

Anglistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung

2. Schottland und die Schotten im Sprichwort anderer Kulturen
2.1. Erstellen des Korpus: Teil 1
2.2. Der parämiologische Schotte
2.2.1. Schottland und die Schotten aus Englischer Sicht
2.2.2. Andere Kulturen über Schottland und die Schotten

3. Sprichwörter auf Scots
3.1. Erstellen des Korpus : Teil II
3.2. Schottische Sprichwörter
3.2.1. Sparsamkeit, Geld und Besitz (Economy, Money & Possessions)
3.2.2. Arbeit (Work)
3.2.3. Alkohol (Drink & Whisky)
3.2.4. Freundschaft (Friendship)
3.2.5. Wetter (Weather)

4. Ergebnis

5. Korpus:

6. Bibliographie

1. Einführung

Ein Sprichwort wird im Allgemeinen angesehen als ,,[•••] a phrase, saying, sentence, statement or expression of the folk, which contains above all wisdom, truth, morals, experience, lessons and advice concerning life and which has been handed down generation to generation...”[1] oder auch “•a social phenomenon, a part of the oral tradition of a comunity.. .”[2].

Wenn ein Sprichwort also eine Volksweisheit ist, die von Generation zu Generation in einer Kultur weitergereicht wird, so müsste man auch durch die Analyse von Sprichwörtern eine Erkenntnis über die Völker gewinnen, die entweder in Sprichwörtern beschrieben werden, oder aber über die Völker von denen die Phrasen und Aussagen stammen.

Genau dieses soll nun hier versucht werden. Aus der Analyse von Sprichwörtern anderer Kulturen über die Schotten, sowie aus der Untersuchung schottischer Sprichwörter selber, sollen Erkenntnisse gewonnen und Aussagen über die ,typischen’ Eigenschaften der Schotten getroffen werden.

Einen wichtigen Beitrag hierzu haben vor allem einige hilfsbereite Schotten geleistet, die bei der Sammlung und Interpretation schottischer sowie englischer Sprichworte eine große Hilfe waren. Vor allem Mr. Lesley Neill und Ms.Victoria Wood beide aus Selkirk, Schottland sei hier nochmals ausdrücklich für Ihre Hilfe gedankt.

Der „typische Schotte“ und auch das „typische Schottland“ als Land und als Nation sollen durch den parämiologischen Schotten greifbar gemacht werden. Ob der typische Schotte dann auch dieser Bezeichnung standhält wenn man die Sichtweise der Schotten durch ihre eigenen Sprichwörter hinzufugt soll hier ebenso erforscht und untersucht werden.

Was sind typisch schottische Eigenschaften? Was macht den typischen Schotten aus? Und nicht zuletzt: Gibt es den typischen Schotten in der Parämiologie und in der Wirklichkeit? das sind allesamt Fragen die mit dieser Arbeit beantwortet werden sollen.

2. Schottland und die Schotten im Sprichwort anderer Kulturen

Die Untersuchung von Sprichwörtern fremder Völker und Kulturen kann sehr hilfreich sein um die kulturellen Merkmale und Eigenheiten eines Landes, in diesem Falle Schottlands, und seiner Einwohner kennen zu lernen und zu verstehen. Dabei wird hier besonderer Wert auf die Sprichwörter aus dem englischsprachigen Kulturraum, vor allem auf die englischen Sprichwörter über die Schotten gelegt. Als direkter Nachbar Schottlands und bedingt durch die gemeinsame und auch gegnerische Geschichte weist England einen großen Reichtum an Sprichwörtern über Schottland und die Schotten auf. Zunächst wird erklärt wie der Korpus zustande kam, danach werden die Sprichwörter Englands und anderer Kulturen bezüglich ihrer Aussage über den parämiologischen Schotten dargelegt.

2.1. Erstellen des Korpus: Teil 1

Verschiedene Quellen sind notwendig um eine größere Anzahl Sprichwörter über das Thema Schottland und die Schotten aus der Sicht anderer Kulturen zusammenzutragen.

Die reichste Sammlung englischer und englischsprachiger Sprichwörter sind das Dictionary of American Proverbs[3] [DAP] und das Oxford Dictionary ofEnglish Proverbs[4] [ODEP].

Sucht man jedoch nach Aussagen über Schottland und die Schotten erweist sich das DAP dabei als nur wenig hilfreich, da nur ein einziges Sprichwort unter der Kategorie scot (DAP. S.527) aufgelistet ist. Wenn es heißt „Every man must pay his scot“ (Ibid.) so hat da vielleicht etymologisch etwas mit den Schotten zu tun, jedoch steht in diesem Zusammenhang „...“scot“ means the tavern bill“ (Ibid.).

Etwas nützlicher in diesem Falle ist das ODEP. Hier sind fünfzehn Sprichwörter unter den Kategorien Scotland und Scotsmen (Beide ODEP. S.566 bzw. S. 567) und ein Sprichwort über die Schotten in der Kategorie English (ODEP S.173) aufgeführt (siehe hierzu Korpus Nummer 7). Jedoch sind die meisten der aufgelisteten Sprichwörter nicht besonders nützlich für die Kategorisierung schottischer Kultur. Sprichwörter wie “The Scotch ordinary“ (ODEP. 566. r.) oder „ To pay scot and lot“ (Ibid.) sagen nichts über Land und Leute aus.

In dem Dictionary of the Proverbs in England in the 16th and 17th Centuries von M.P. Tilley[5] [Tilley] findet man neun Sprichwörter unter der Kategorie Scotland von denen sechs schon im ODEP aufgelistet sind während die anderen drei zur Charakterisierung der Schotten nicht besonders dienlich erscheinen. Die Beschreibungen und verschiedenen Varianten der Phrasen die hier und in den anderen Quellen vorkommen sind jedoch nützlich für das Verständnis und somit wurde Tilley als zweite Quelle verwendet.

Die dritte Quelle für Sprichwörter über Schotten ist hier B. Stevenson The Macmillan (Home) Book of Proverbs, Maxims, and Familiar Phrases [6] [Stevenson].

Hierin sind unter der Kategorie Scotland (Stevenson S.2043) zehn, unter der Kategorie II - Scotland: The Scots (Stevenson S.2044) weitere fünfzehn Sprichwörter, meistens in verschiedenen Ausführungen oder mit Erklärungen, zu finden. Auch diese sind zum Teil eine Wiederholung der gleichen Sprichwörter wie in den beiden ersten Quellen. Siebzehn Sprichwörter jedoch sind hier aufgelistet, die weder im ODEP noch in Tilleys Buch zu finden sind. Davon wurden vier beiseite gelassen[7], da sie entweder aus Schottischen Liedern oder Schottischer Literatur stammen, und nicht eigentliche Sprichwörter sind und also nicht aus der Sicht einer fremden Kultur über Schottland sprechen .

Die meisten Sprichwörter die entweder in zwei oder aber in allen dreien dieser Quellen vorkommen, zeigen je nach Buch Verschiedenheiten auf. Solche formalen Abweichungen, die das Sprichwort zwar sprachlich aber nicht inhaltlich verändern wurden im Korpus nicht aufgelistet.

Es wurden zwei Kriterien für die Auswahl der Version des jeweiligen Sprichworts angewendet. Zum einen wurde nach dem Kriterium der Verständlichkeit ausgewählt. Ein gutes Beispiel ist das Sprichwort das nach ODEP und Macmillan / Home „Scotsmen aye reckon frae an ill hour“ (ODEP. 567 l. bzw. Stevenson 2044 r.) heißt und von Henderson von 1832. Tilleys Schreibweise desselben Sprichworts ist die im Korpus unter Nummer 19 aufgelistete „Scotsmen reckon aye from an ill hour“. Sie stammt von R.B. von 1668 und trotz der älteren Datierung ist diese Schreibweise sowohl Syntaktisch als auch Semantisch verständlicher, daher wurde sie in das Korpus übernommen.

Das zweite Kriterium ist, wie eben angedeutet, das der Datierung. Die Sprichwörter neueren Datums sollten fur das heutige Verständnis und dem heutigen Gebrauch der Sprache eindeutiger und unserer Sprache ähnlicher sein. Für dieses Kriterium kann folgende Phrase ein gutes Beispiel sein. Nach der älteren Version von Fuller von 1662 : "A rat, A Scot and a Newcastle grindstone travel all the world over“ (Stevenson S.2044.r.). Nach dem ODEP ist das Sprichwort „That’s like the old saying - in every quarter of the world you will find a Scot, a rat and a Newcastle grindstone“. von A. Cunningham aus dem Jahre 1821. Übernommen wurde die neuere Variante unter Nummer 23 des Korpus.

Vierte Quelle ist der Artikel von Nicolaisen "The proverbial Scot"[8]. Auch hier werden einige der bereits übernommenen Sprichwörter wiederholt. Etwas schwierig gestaltet sich die Auswahl geeigneter Sprichwörter aus diesem Artikel da viele der aufgelisteten Phrasen nicht wirkliche Sprichwörter sind. Sätze wie „The Kyng, conseyvyng weel that the Scottis were evir ontrewe and ful of gile“ und „False from the Scot, and from the Norman worse“(beide Nicolaisen S.199) sind nicht nur keinesfalls als Sprichwörter zu verstehen, sondern für den heutigen Leser wenig verständlich und veraltet. Für den Korpus übernommen wurden aus diesem Artikel also nur eindeutig als Sprichwörter zu identifizierende Phrasen.

Eine weitere Quelle ist die Internetseite “What’s under the Kilt” von Robin Mitchell[9] [Mitchell], die eine Zusammenfassung des gleichnamigen Buches dieses Autors ist. Die Phrasen und Sprüche dort werden nicht als Sprichwörter bezeichnet, daher wurden nur diejenigen übernommen die einerseits die Schotten sehr gut Charakterisieren und zum anderen von bekannten Persönlichkeiten stammen. So ist zum Beispiel der Ausspruch von Voltaire ,,We look to Scotland for all our ideas of civilization“ als die Nummer 35in das Korpus aufgenommen

2.2. Der parämiologische Schotte

Um Schottland, seine Kultur und seine Einwohner von außen betrachtet Charakterisieren zu können, muß man nun die gefundenen Sprichwörter analysieren. Eine Möglichkeit hierfür ist die Einordnung der Sprichwörter in bestimmte Eigenschaften und Kategorien. Da die meisten Sprichwörter neben ihrer wortwörtlichen Bedeutung (literal meaning [LIT]) außerdem und vor allem durch eine allgemeingültige Interpretation (standard proverbial interpretation [SPI]) gedeutet werden müssen, fällt die Kategorisierung bei einigen von Ihnen, vor allem bei den älteren Sprichwörtern, schwierig aus.

2.2.1. Schottland und die Schotten aus Englischer Sicht

Die meisten der im Korpus unter den Nummern 1 bis 36 aufgelisteten Sprichwörtern geben ein Bild des parämiologischen Schotten aus englischer Sicht wieder. Dabei fallen verschiedene Charakterzüge auf, die die Schotten nach Meinung der Engländer ausmachen.

Eindeutig zuzuordnen sind Sprichwörter die eine direkte Eigenschaft ausdrücken und den Schotten zusprechen. Die Nummern 10 und 33 des Korpus sind zum Beispiel eindeutig unter die Kategorie false/ untrue beziehungsweise falsch und unehrlich zu setzten. Dies ist eine Eigenschaft die den Schotten aus englischer Sicht auch in den Sprichwörtern Nummer 5, 24 und, unter anderem, auch in Nummer 9 des Korpus zuteil wird. Nicht nach dem LIT erkennbar aber doch unschwer nach SPI interpretierbar.

Was bei Sprichwort Nummer 9 weiter auffallt ist der Hinweis auf die historische Clan- und Sippenkultur der Schotten, die auch für die englische Geschichte zum Teil eine wichtige Rolle gespielt hat. Außerdem wird hier offensichtlich auf das, allseits bekannte, Verhältnis der Schotten zu Geld und Besitz angespielt. Nicht nur in Deutschland gelten die Schotten, wie in Teil 1 erwähnt, als Sparsam und Geizig, auch die Engländer schreiben diese Attribute eindeutig den Schotten zu. Verdeutlicht werden diese Charaktereigenschaften, die hier unter avaricious/ greedy also geizig und habgierig zusammengefasst sind, an den Sprichwörtern Nummer 1,11, 20, 25,31 und indirekt auch, wie schon erwähnt, die Nummern 9 und 35.

Wenn es in diesem letzten Sprichwort, Nummer 35 des Korpus, nach Thomas Fuller von 1662 heißt „We will not lose a Scot“(Stevenson S.2044.r.) wird darunter erklärt „Meaning nothing of importance“(Ibid.). Und als gleiches Sprichwort in einer anderen Äußerung wird genannt „We will not lose a Scot. That is anything, however inconsiderable, that we can possibly save or recover.“(Ibid.). In diesen beiden Versionen ein und desselben Sprichworts kann man gut die verschiedenen Konnotationen erkennen. Während letzterer Ausspruch auf den Geiz und die Habgier der Schotten anspielt („...however inconsiderable, that we can possibly save or recover.“) sagt die erste Version eher etwas über die Einstellung der Engländer zu den Schotten im allgemeinen aus (to lose a „Scot“ = to lose „nothing of importance“).

Diese abschätzige Haltung gegenüber den Schotten als minderwertig also inferior (to the English) wird auch deutlich in Sprichwörtern Nummer 7, 27 und, nur im historischen Kontext zu verstehen, Nummer 16 und 13.

[...]


[1] Taylor, A. 1931. TheProverb. HarvardUniversity Press: Cambridge. (reprinted 1962, Hatboro, Pa: Folklore Associates; reprinted 1985 with Introduction and Bibliography by W. Mieder, Bern: Peter Lang). Auch:

Mieder, W. (ed.) 1975. Selected Writings on Proverbs byArchie Taylor, Suomalainen Tiedeakatemia: Helsinki,.

[2] Murison, D.D. 1981. Scots Saws: From, theFolk-wisdom ofScotland. Edinburgh: Mercat Press.

[3] Mieder, W. Kingsbury S.A. & Harder K.B. (eds). 1992. A Dictionary of American Proverbs. NewYork & Oxford: Oxford University Press.

[4] Wilson, F.P. (ed.) 1970. The Oxford Dictionary of English Proverbs. Oxford: Oxford University Press.

[5] Tilley, M.P. 1950. A Dictionary of the Proverbs in England in the 16th and 17th Centuries. Ann Arbor, Mich.: University ofMichigan Press.

[6] Stevenson, B. TheMacmillan (Home) Bookof Proverbs, Maxims, andFamiliarPhrases. New York: Macmillan.

[7] “There grows a bonnie brier bush in our kailyard.” Und:
“We are bits o’ Glasgow bodies, if it please your honour”.
Beide: Stevenson. 2044 linke Spalte [l.]
“These are Clan-Alpine’s warriors true”. Und:
“It will be nonsense fining me,.. .that hasna a grey groat to pay a fine wi’ - it’s ill taking the breeks aff a Hielandman.”
Beide: Stevenson. 2044 rechte Splate [r.]

[8] Nicolaisen, W.F.H. 1994 „The proverbial Scot." Proverbium 11: 97-206.

[9] Mitchell, Robin. What’s under the Kilt?. 6. Juni 2003 >http://www.scotweb.co.uk/underthekilt/index.html<

Details

Seiten
40
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783656002147
ISBN (Buch)
9783656002505
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178062
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Anglistisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Sprichwörter Schottland Linguistik Anglistik Sprachwissenschaft Englische Sprachwissenschaft

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Titel: Der parämiologische Schotte