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Der Einsatz von Kinder-, und Jugendliteratur zum Thema Sucht als präventive Maßnahme in der Sekundarstufe

Diplomarbeit 2010 48 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Denkanstoß zum Thema Sucht
1.2. Abhängigkeit und Sucht

2. Drogen – ein Überblick
2.1. Substanzen
2.1.1. Opiate
2.1.2. Kokain
2.1.3. Cannabis
2.1.4. Halluzinogene
2.1.5. Amphetamine
2.1.6. Alkohol
2.1.7. Nikotin
2.1.8. Tranquilizer

3. Suchtauslösende Essstörungen
3.1. Grundsätzliches zum Thema Essverhalten
3.2. Verschiedene Arten von Essstörungen
3.2.1. Anorexia Nervosa (Magersucht)
3.2.2. Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht)
3.2.3. Binge Eating Disorder (Unkontrollierte Essanfälle)

4. Jugend und Sucht – Suchtprävention mit Hauptaugenmerk auf den Deutschunterricht
4.1. Mögliche Auslöser einer Sucht
4.1.1. Lebenskrisen
4.1.2. Stress

5. Suchtprävention in Schulen
5.1. Psychologische Suchtprävention im Jugendalter
5.2. Ziele der Suchtprävention
5.3. Verschiedene Stufen der Suchtprävention
5.3.1. Berücksichtigung des Milieus
5.3.2. Förderung von Lebenskompetenzen
5.3.3. Genuss und Freude im Klassenverband
5.3.4. Erkenntnis ist wichtiger als Kenntnis

6. Der Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur für suchtpräventive Zwecke, gezeigt am Beispiel dreier Jugendbücher
6.1. Dann bin ich eben weg von Christine Fehér
6.1.1. Didaktische Umsetzung im Deutschunterricht
6.2. Alk. Außer Kontrolle von Wolfram Hänel
6.2.1. Didaktische Umsetzung im Deutschunterricht
6.3. Fragt mal Alice (Anonym)
6.3.1. Didaktische Umsetzung im Deutschunterricht

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe dieses Thema gewählt, da es mich im Zuge meines Berufes als Polizistin in Graz immer mehr beschäftigt, warum Menschen sich in Süchten verlieren und sich selbst oftmals gänzlich aufgeben. Ich wurde im Jahr 2009 für drei Wochen dem Kriminalreferat Graz, Fachbereich 03, Suchtmittelkriminalität, zugeteilt und durfte dort einen Einblick in das Verhalten und den Lebensalltag von Suchtmittelabhängigen gewinnen. Straftaten, welche der Beschaffungskriminalität im Suchtmittelmilieu zuzuordnen sind, werden nahezu täglich von Süchtigen in Graz verübt. Dahingehend war es mein Bestreben, mir Hintergrundwissen in Bezug auf Substanzen und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper und die Psyche, aber auch in Bezug auf nicht substanzbezogene Süchte anzueignen und dieses erworbene Wissen in meiner Diplomarbeit zusammenzufassen.

1.1. Denkanstoß zum Thema Sucht

Ladewig meinte: „(…) Nüchtern sein ist eine Qualität, die nicht einfach gegeben ist. (…) (…) Es ist eine Feststellung, dass jemand, der illegale Drogen konsumieren will, sich diese ohne weiteres beschaffen kann. Wie gehen wir mit dieser Tatsache um? Die Medien bringen fast täglich Beispiele. Wer ist nicht schon selber Zeuge irgendeines Ereignisses geworden, das eigene Emotionen in Gang setzte? Die Situation der Suchtszene, und hierzu gehören der schädliche Gebrauch von Drogen ebenso wie der übermäßige Genuss von alkoholischen Getränken oder der gesundheitsgefährdende Gebrauch von Medikamenten, erfordert Sachlichkeit, d.h. die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den Fakten. Darüber hinaus braucht es Ideen, vielleicht sogar Visionen. Wir haben gelernt, dass es für oder gegen das Drogenproblem keine dauerhaft gültigen Lösungen gibt. (…) Die Frage, ob wir mit oder ohne Betäubungsmittelgesetze überleben, ist spekulativ. Was aber bereits heute und morgen nötig schein, ist das Bemühen, Drogen so unattraktiv wie möglich zu machen.“ (LADEWIG, 2002, S. 7f)

Die Gründe, warum Menschen zu Drogen greifen, sind subjektiv. Was für den einen eine Partydroge ist, um die ganze Nacht im Rausch durchtanzen zu können, ist für den anderen ein Hilfsmittel, um einige Stunden fernab von der Realität zu sein und negative Gedanken für einen kurzen Zeitraum wegzuschieben. Wenn ich im Dienst Jugendliche gefragt habe, warum sie Marihuana konsumieren, erhielt ich meist dieselbe Antwort. Um ein paar Stunden bedingungslos ruhig, glücklich und problemlos zu sein wird ein Joint geraucht. Man denkt für ein paar Stunden nicht über Probleme mit den Eltern, Arbeitslosigkeit oder Liebeskummer nach. Die Jugendlichen bezeichnen sich dabei selbst nicht als süchtig, sondern bezeichnen die illegale Droge als Genussmittel für zwischendurch. Doch wann wird aus Genuss Sucht, durch die die positive Lebensplanung außer Kontrolle gerät? Wie beschreibt sich Sucht überhaupt? Was tun, wenn der „Dämon“ zugeschlagen hat? Ist jede Sucht heilbar, oder hat man bei keiner Sucht die Gewissheit, wieder „clean“ zu werden“? Wie kann man einer Sucht vorbeugen, ohne nicht Gefahr zu laufen, einer anderen Sucht zu verfallen?

Das sind einige wenige der Denkanstöße zum Thema Sucht, die wie ein roter Faden durch diese Diplomarbeit führen.

1.2. Abhängigkeit und Sucht

Den Satz: „Ich bin süchtig nach Schokolade.“, habe ich in meinem Freundes-, und Bekanntenkreis bereits unzählige Male gehört. Nach einem harten Arbeitstag, nach einem Streit mit dem Lebensabschnittspartner oder beim Spielfilm am Abend gönnt man sich gerne etwas, das im Körper Glückhormone freisetzt und der Seele etwas schmeichelt. Man belohnt mit einem Genuss. Doch wo hört Genuss auf, wo beginnt Abhängigkeit? Ein Heroinsüchtiger konsumiert Heroin nicht wie ein Nichtsüchtiger ein Stück Schokolade. Ein Nichtsüchtiger, der kein Stück Schokolade, das er genießen könnte, erhält, nimmt dies zur Kenntnis. Ein Heroinsüchtiger, der kein Heroin zur Hand hat, wenn er einen Schuss braucht, hat nur mehr einen Gedanken: Ich brauche es - jetzt sofort.

Ladewig beschreibt Abhängigkeit folgendermaßen : „Ein entscheidendes Charakteristikum der Abhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch oder das unstillbare Verlangen, Substanzen oder Medikamente, Alkohol oder Tabak zu konsumieren. Jeder Trieb oder jedes Interesse eines Menschen kann süchtige Dimensionen annehmen. So kennen wir z.B. die sexuellen Süchte, die Esssucht, die Spielsucht u.a. Bei allen diesen Süchten besteht ein unwiderstehliches Verlangen nach – wenigstens scheinbarer – Überwindung der dem Individuum in der sozialen Realität gesetzten Schranken mit Hilfe von Mitteln oder Handlungen, die dem Lustgewinn, der Unlustverminderung, der Verminderung sozialer Distanz, der Steigerung des Selbstwerterlebens und/oder der Leistungssteigerung dienen.

(…) Abhängigkeiten von einer Substanz sind ein Zustand psychischer oder psychischer und physischer Abhängigkeit von einer Substanz mit zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird. Die psychische Abhängigkeit äußert sich in dem starken Wunsch oder in einer Art Zwang, Substanzen oder Alkohol zu konsumieren.“ (LADEWIG, 2002, S. 30)

Im Dienst komme ich sehr häufig mit „Abhängigen“ in Berührung, sei es bei Amtshandlungen, sei es, weil Parteien mit jemandem reden wollen und die nächst gelegene Dienststelle aufsuchen. Für mich war es schon immer von Interesse zu hören, wie ein offensichtlich Abhängiger den Begriff Abhängigkeit definiert, beschreibt, beziehungsweise, ob er diesen Zustand überhaupt wahrnimmt. Ein junger österreichischer Mann, etwa in meinem Alter, welcher seinen ersten Drogenkonsum mit 14 Jahren hinter sich gebracht hatte und seitdem 24 Stunden am Tag „high“ ist, sagte im Zuge eines Gespräches zu mir : „Ob ich abhängig bin? Keine Ahnung, sagen Sie es mir! Wissen Sie, zum ersten Mal Drogen zu nehmen ist überwältigend, ein bis dato unerlebtes Gefühl. Beim zweiten und dritten Mal gehört man schon zu den Routinierten, zu den Lässigen. Ist es aber erst einmal so weit gekommen, so bist du bereits im Teufelskreis gefangen. Angefangen hab´ ich mit Cannabis, dann a bissl Koks probiert, und heute bin ich auf Heroin und Substitol. Es ist, als ob dich der Dämon in dir zwingen würde, dir die nächste Dosis zu geben. Du lebst nur mehr für eines, du brauchst es, du willst es, du kannst nichts anders. Das ganze Rundherum nimmst du nicht mehr wahr – Geld besorgen, etwas kaufen und es mir geben. Dafür lebe ich.“ Den jungen, bereits amtsbekannten Mann lernte ich im Zuge einer Amtshandlung kennen. Auf meiner damaligen Dienststelle gingen einige Anrufe von Autofahrern ein, welche angaben, dass ein verwirrt wirkender Mann den Straßenverkehr in unserem Rayon behindere. Beim Eintreffen an der Einsatzörtlichkeit sah ich das erste Mal einen so genannten Junkie im Delirium. Blitzblaue Lippen aufgrund Methadon-Gebrauches, Pupillen wie Stecknadelköpfe, desorientiert. Einerseits war er weinerlich und schwach, andererseits entwickelte er aus heiterem Himmel Aggressionen gegen meinen Kollegen und mich. Die Situation war für mich tragisch und aufregend zugleich. Für mich hatte es den Anschein, als sei bei diesem Mann lediglich nur mehr die Hülle eines Menschen vorhanden und sämtliches Leben dem Körper entzogen worden. Der „Bursche“ musste vom Österreichischen Roten Kreuz aufgrund von Selbst-, und Fremdgefährdung in ein Sonderkrankenhaus verbracht werden. Es war für ihn weder der erste, noch wird es der letzte Aufenthalt dort sein.

Das von mir angeführte Beispiel beschreibt keinen Einzelfall. Ich wage sogar zu behaupten, dass jeder von uns in seinem Leben bereits mindestens ein Mal mit einem Süchtigen in Kontakt gekommen ist. „Süchtige Abhängigkeit ist“, laut KUNTZ, „ein stark verbreitetes Phänomen. Doch viele Erfahrungen und Umstände müssen im Leben eines Menschen zusammenkommen, auf vielen verschlungenen Pfaden muss er sich verirren, bis er den Weg in die Sucht wählt. Sucht ist kein Schicksal, sondern eine Wahl, für die der Wählende mitverantwortlich ist.“ (KUNTZ, 2000, S. 17) Jeder von uns ist ein Individuum mit unterschiedlichen Vorlieben und Abneigungen. Auch wenn der Alltag oft den Eindruck vermittelt, dass jeder Tag dem anderen gleicht, so würde ein elementares Ereignis reichen, um jeden von uns aus der Bahn zu werfen. Unsere Reaktionen beziehungsweise unsere Aktionen wären dann ebenso individuell wie wir selbst und niemand kann diese voraussagen. Ein Beispiel: Zwei Männer aus meinem Bekanntenkreis, beide sind Studenten, wurden vor zirka einem halben Jahr fast gleichzeitig von ihren Lebensgefährtinnen verlassen. Reaktion des Mannes A: Merkbarer Kummer, Konzentration auf Freundeskreis und Sport, mittlerweile eine neue Lebensgefährtin. Reaktion des Mannes B: Merkbarer Kummer, übermäßiger Alkoholkonsum, um den Kummer wegzuschwemmen, Motivationslosigkeit und Abgrenzung vom Umfeld, keine neue Lebensgefährtin. Welcher der beiden den richtigen Weg gegangen ist, mag eine Streitfrage sein, doch ich für mich beantworte dies leicht – sollte mich jemals dieses Schicksal ereilen, so würde ich die Art der Problemlösung des Mannes A vorziehen. Ob ich dies in der Realität schaffen würde, dafür gibt es keine Garantie.

KUNTZ meint : „Die Suchtpersönlichkeit gibt es nicht. Ein süchtiger Mensch hat immer eine ganz individuelle Lebensgeschichte, die seinen Weg in die Sucht erklären mag. Wir können süchtige Abhängigkeit auch nicht monokausal erklären. Es gibt zahlreiche Theorien und Erklärungsansätze für die Psychogenese von Sucht. In der Fülle der Theorien finden wir kulturelle, soziologische, sozialpolitische, sozialpsychologische, lernpsychologische, triebpsychologische, ichpsychologische, selbstpsychologische, objektbeziehungs-psychologische oder systemische Ansätze zum Verständnis des schillernden Phänomens „Sucht“. Kein Erklärungsansatz kann Allgemeingültigkeit beanspruchen, kaum einer ist völlig zu verwerfen. Alle erklären sie lediglich Teilaspekte der vielen Gesichter von Sucht, je nachdem, aus welchem Blickwinkel sie das Phänomen betrachten.“ (KUNTZ, 2000, S. 17)

KUNZ beschreibt verschiedene Theorien zur Erklärung von Suchtverhalten:

„Für die Ich-Psychologie ist der süchtige Mensch ein ich-kranker Mensch, der verzweifelt versucht, mit seinem Suchtverhalten die Defekte in seiner Persönlichkeit zu kompensieren.“ (KUNTZ, 2000, S. 20)

„Die Selbstpsychologie baut auf den suchttheoretischen Konzepten der Ich- Psychologie auf. Sie versteht den Drogengebrauch als einen adaptiven Versuch des Abhängigen, einen strukturellen Defekt im Selbst auszugleichen.“ (KUNTZ, 2000, S. 25)

„Die Objektpsychologen greifen zur Erklärung süchtiger Lebensmuster einerseits Elemente auf, wie sie uns bereits in der Ich- und Selbst-Psychologie begegnet sind, fügen zusätzlich allerdings bisher vernachlässigte wichtige Aspekte des Suchtverhaltens hinzu. Für sie ist die Suchtkrankheit immer eine Beziehungskrankheit. Störungen im zwischenmenschlichen Feld sind ursächlich verantwortlich für die Störungen im Selbst. Die psychoanalytischen Theorien der Objektbeziehungen konzentrieren sich daher vor allem auf die frühen Wechselwirkungen zwischen dem Kind und seiner Umwelt.“ (KUNTZ, 2000, S. 27)

„Sucht entwickelt sich nach systemischer Sichtweise in gemeinsam gelebten Beziehungs- und Kommunikationsstrukturen. Sie ist das Ergebnis eines adaptiven Verhaltens im familiären oder sozialen Kontext. (…) Jeder Mensch ist der Konstrukteur seiner eigenen Wirklichkeit. Aufeinander bezogen, konstruieren wir indes auch gemeinsame Lebensgeschichten. (…) Nach systemischer Sichtweise sind Süchtige also einerseits für die Wahl ihres süchtigen Weges mit-verantwortlich, vermögen umgekehrt allerdings eine Entscheidung zu treffen, ihr Verhalten zu ändern. Andererseits steht nicht der Einzelne im Mittelpunkt systemischer Betrachtungsweisen, sondern ein Familiensystem, in dem sich ein bestimmtes Verhalten entwickelt.“

(KUNTZ, 2000, S. 30f)

Bezogen auf die Abhängigen, welche mir in meinem dienstlichen Dasein als Polizistin bereits begegnet sind, fließen meiner Meinung nach alle oder viele dieser Theorien und Ansätze ineinander. Es handelt sich in allen Fällen um Menschen, welche mit sich selbst beziehungsweise mit ihrem Umfeld unzufrieden sind, welche in einem suchtgeprägten Elternhaus aufgewachsen sind und nie gelernt haben, mit Problemen umzugehen, beziehungsweise nie Strategien für die Lösung von Problemen entwickeln mussten.

2. Drogen – ein Überblick

Das Wort Drogen ist im alltäglichen Gebrauch ein sehr umfassender Begriff. Um sich in diesem Bereich zurecht zu finden, ist es von Nöten, sich Grundkenntnisse über die verschiedenen illegalen und legalen Substanzen zu verschaffen, die ein Suchtverhalten auslösen können. Bemerkt wird, dass durch Versuche, das Suchtmittelgesetz zu umgehen, immer wieder neue Gemische von illegalen Substanzen auf den Markt gebracht werden.

2.1. Substanzen

2.1.1. Opiate

Opium ist der getrocknete Saft der unreifen Kapsel des Schlafmohns Es wird vorwiegend im Iran und in der Türkei angebaut. Opium wurde während Jahrtausenden in verschiedenen Kulturkreisen als Mittel gegen Schmerzen, zur Beruhigung, zur mystischen Versenkung und zum Erreichen von Euphorie benützt.

Morphin, eines der stärksten Schmerzmittel, ist eines von rund 90 verschiedenen Alkaloiden, die im Opium enthalten sind. Unter Alkaloiden versteht man stickstoffhaltige, meist kompliziert gebaute Stoffe, die in vielen tropischen und subtropischen Pflanzen gebildet werden. Opiate haben eine Wirkung auf Opiatrezeptoren im Gehirn. Es wird vermutet, dass es für die Schmerzregulation wie für die abhängigkeitsfördernde Wirkung verschiedene Rezeptoren im Gehirn gibt.

Heroin (Diacetylmorphin) ist ein Abkömmling des Morphins. Während Morphin, Methadon, Dolantin, Dicodid, Dilaudid u.a. als stark wirksame Schmerzmittel mit einem Betäubungsmittel ärztlich verordnet werden können, sieht das Betäubungsmittelgesetz eine ärztliche Verwendung von Heroin prinzipiell nicht vor.

Da Heroin auch illegal leicht herstellbar ist, als Schwarzmarktprodukt breite Verwendung findet und die Entwicklung internationaler Vereinbarungen zur Bekämpfung von illegalem Anbau und Handel von Betäubungsmitteln induziert, wird es als besonders gefährlicher Stoff eingestuft. Dies hat sich durch seine illegale Herstellung und Verwendung bis heute erhalten.

Heroin wird als weißes Pulver, zumeist in gestreckter Form gehandelt, wobei es im Straßenverkauf einen Reinheitsgrad von 10-20% aufweist. Höhere Konzentrationen kommen vor, sind in Österreich aber eher selten. Heroin kann, in Wasser aufgelöst, injiziert werden. Konsum durch Schnupfen oder Inhalation wird eher selten verübt.

(Vgl. LADEWIG, 2002, S. 47)

Die Gefährlichkeit von Opiaten

Opiate und Opioide stellen nicht nur die wirkungsvollsten schmerzstillenden Substanzen dar, ihnen wird auch gleichzeitig das stärkste suchterzeugende Potenzial nachgesagt, so dass die Gefahr der sich schnell einstellenden Abhängigkeit das größte Risiko einer missbräuchlichen Verwendung dieser Substanzen darstellt. Zu den möglichen akuten Nebenwirkungen gehören Übelkeit und Müdigkeit, jedoch klingen diese in der Regel schnell wieder ab. Bei atypischen Verläufen können sich nach Einnahme statt der euphorisierenden lustbetonten Effekte auch Angst, Unlust, Panik und motorische Erregung einstellen. Weiters besteht die Möglichkeit des Auftretens von unerwünschten Nebenwirkungen, wie Abfall der Atemtätigkeit, Übelkeit und Erbrechen, schwere Verstopfung, Koliken und Pupillenverengung. Bei unsachgemäßem Gebrauch der Substanzen kann es sehr leicht zu gefährlichen Überdosierungen kommen. So kann eine akute Morphinvergiftung zu einer Lähmung des Zentralnervensystems mit besonderer Beeinträchtigung des Atemzentrums bis hin zur Atemlähmung mit tödlichem Ausgang führen.

Folgeschäden

Während eine kontrollierte therapeutische Verabreichung von Opioiden in der Regel kaum zu anhaltenden Folgeschäden führt, kommt es bei einem dauerhaften missbräuchlichen Konsum zur chronischen Vergiftung, die - zum Teil bleibende - hirnorganische Schäden hervorrufen kann. Diese können zu individuell unterschiedlich ausgeprägten psychischen Veränderungen führen, wie zum Beispiel Wahnideen, verminderter Denkfähigkeit, mangelndem Selbstvertrauen bis hin zu akut auftretenden Psychosen. Mögliche körperliche Folgeschäden können unter anderem Magen- Darmstörungen, Hautausschläge, Potenzstörungen sowie Zeichen einer starken körperlichen Verwahrlosung sein. (Vgl. http://www.drogenberatung- rheine.de/_htm/_drugs/opiate.htm, 21.02.2009, 11.02 Uhr)

Nicht zu vergessen im Zusammenhang mit dem Opiatkonsum ist die so genannte Beschaffungskriminalität. Für die Abhängigen wird die Beschaffung und Finanzierung der Substanz zum Lebensmittelpunkt gemacht, alles dreht sich nur mehr darum. Stehlen, rauben, sich zu prostituieren und die damit verbundene Isolation und der Ausschluss aus der Gesellschaft lassen die Abhängigen in ein immer tiefer werdendes Loch fallen. Im Dienst konnte ich in den 18 Monaten Außendienst, die ich bis jetzt hinter mich gebracht habe, beobachten, dass man bei den Opiat-Abhängigen sowohl den körperlichen als auch den psychischen Verfall in sehr kurzen Zeitabständen voranschreiten sieht. Die Tatbegehungen bei den von diesen Personen begangenen Delikten werden immer brutaler, aber auch nicht durchdacht durchgeführt. Die abhängigen Personen entwickeln sich quasi zu wandelnden Menschenhüllen ohne Inhalt, ohne Seele, ohne Gefühle. Der Dämon lässt sie nicht los.

2.1.2. Kokain

Kokain ist ein weißes, flaumiges, kristallines Pulver, welches aus den Blättern des Kokastrauches gewonnen wird. Die Hauptanbauländer und -erzeuger von Kokain sind Peru, Bolivien, Kolumbien und Ecuador. Die Indianer des südamerikanischen Hochlandes haben die Wirkung der Kokapflanze beim Überqueren von Gebirgen durch ihre Lastentiere, die Kokablätter fraßen, kennen gelernt. Wegen der schnell einsetzenden Leistung steigernden und Hunger stillenden Effekte kauen diese auch heute noch Kokablätter. In den Industrieländern wird Kokain zumeist geschnupft.

Dem Bedürfnis nach einem stärkeren Euphoriegefühl kommt das Inhalieren bzw. Rauchen von Crack und Free Base entgegen.

Kokain wird dabei mit Backpulver, Ammoniak, Salmiak bzw. organischen Lösungsmitteln wie Äther oder Chloroform behandelt und umgewandelt. Möglich ist auch die intravenöse Anwendung von Kokain. Kokain wirkt ähnlich stimulierend wie z.B. Adrenalin. (Vgl. LADEWIG, 2002, S. 48)

Die Gefährlichkeit von Kokain

Kokain wird meist geschnupft, was die gesundheitlich am wenigsten riskante Konsumform darstellt. Wird die Droge jedoch gespritzt, erhöht sich nicht nur das Risiko einer Überdosierung, sondern auch die Nebenwirkungen können bei dieser Art der Anwendung durch hinzugefügte so genannte Streckmittel besonders unangenehm sein. Auch zu Crack verarbeitetes Kokain, das auf Folie oder in einer Pfeife geraucht wird, wirkt verstärkt gesundheitsschädigend.

Folgeschäden

Mögliche Kurzzeitfolgen des Kokainkonsums können erhöhte Reizbarkeit, Sprach- und Sehstörungen, sowie Schlaf- und Ruhelosigkeit sein. Weiters kann die Rückkehr vom Trip in die Alltagswelt von Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Depressionen (einem Crash) begleitet sein.

Mögliche Folgen bei Dauerkonsum:

Bei Dauerkoksern verstärken sich mit zunehmendem Kokainkonsum die Nebenwirkungen:

- Psychische Störungen wie Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Aggressionsausbrüche und unbegründete Ängste.
- Veränderung des Bewegungsverhaltens wie Hyperaktivität, nervöse Zuckungen und stereotype Bewegungen.
- Zerstörung der nasalen Membrane und Nasentrennwand durch häufiges
- Sniefen, beziehungsweise Schnupfen.
- Körperlicher Abbau wie Krampfanfälle, Zittern, Leberschäden, Herzrhythmusstörungen und im Extremfall Herzinfarkt oder Hirnschlag. Dauerhafter und intensiver Gebrauch begünstigt psychische Erkrankungen wie paranoide Psychosen.
- Dauerkokser werden häufig als unsensibel, aggressiv und unsozial erlebt: denn durch Kokain wird das Gehirn belohnt, ohne dass es sich der Konsument vorher verdienen musste. Darum besteht die Gefahr, dass bei häufiger Anwendung das Sozialverhalten verloren geht.
- Beim chronischen Kokaingebrauch kann sich sehr schnell eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Menschen mit Selbstwertproblemen tragen ein besonders großes psychisches Abhängigkeitsrisiko.
- Ob eine körperliche Abhängigkeit als Folge des Kokainkonsums auftreten kann, ist umstritten.
- Beim Entzug von Kokainabhängigen kommt es zu schweren Depressionen und der Unfähigkeit, aus eigenem Antrieb zu handeln.

Mögliche Langzeitschäden:

Funktionsstörungen im Gehirn, sowie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Eine Kokainvergiftung äußert sich in psychischen Symptomen wie Aufregung (Agitiertheit), Feindseligkeit und Wahnvorstellungen. Erste körperliche Anzeichen sind Kopfschmerzen, Fieber und Krämpfe sowie Übelkeit oder Erbrechen bis hin zu Körperzuckungen. Es kann auch zu einem Anstieg der Herz- und Atemfrequenz sowie des Blutdrucks, des Blutzuckerspiegels und der Körpertemperatur kommen. Eine extrem hohe Körpertemperatur kann zum Hitzeschlag führen, welcher unter Umständen tödlich verläuft. Anzeichen einer Überhitzung sind ein Ausfall des Schwitzens, Hitzekrämpfe in Armen, Beinen oder Rücken. Urinieren ist nicht möglich oder der Urin ist stark gefärbt. (Vgl. http://pages.jugendinfo.de/party- project/infos/kokain.html, 21.02.2009,11.34 Uhr)

2.1.3. Cannabis

Haschisch ist das Harz des indischen Hanfs. Das getrocknete und klein geschnittene Kraut wird Marihuana genannt. Hauptsächliches Vorkommen traditionsgemäß im Vorderen und Mittleren Orient, in Nordafrika, Indien und Mexiko. Die Hanfpflanze wächst aber auch in nördlichen Breitengraden, wobei deren Harzqualität schlechter ist. Die Wirksubstanzen derHanfpflanze sind Cannabinole und Cannabidole, insbesondere das Delta-8- und Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Cannabis und seine Wirkstoffe finden bei uns derzeit keine medizinische Verwendung. Die Verwendungsformen von Hanf sind kulturell sehr unterschiedlich.

THC verteilt sich nicht gleichmäßig im Organismus, wie das etwa beim Alkohol der Fall ist, sondern wird als fettlösliche Substanz vor allem in denjenigen Organen angereichert, die Lipoide (fettähnliche Substanzen) enthalten. Sowohl im Gehirn wie auch in der Leber wurde eine Anreicherung von THC beobachtet mit einer langsamen Ausscheidung, sodass ein Konsum noch bis zu drei Wochen nach Einnahme nachzuweisen ist. Zur Herbeiführung einer deutlichen Canabiswirkung sind 2-20mg Delta-9-THC nötig. Der Wirkstoffgehalt variiert dabei zwischen 1-10%.

(Vgl. LADEWIG, 2002, S. 48)

Die Gefährlichkeit von Cannabis:

Als erste Anzeichen von Cannabiskonsum treten der Anstieg von Herzschlag- und Pulsfrequenz, Rötungen der Augen durch die Erweiterung der Blutgefäße, sowie ein trockener Mund auf. Weitere negative Begleiterscheinungen wie Schwindelgefühle, Übelkeit und Erbrechen können vor allem bei erstmaligem Konsum bemerkt werden. Während des Einflusses von Cannabis kommt es zur Einschränkung der Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung. Beim Konsum von größeren Mengen kann es neben Kreislaufproblemen zu unangenehmen Intensivierungen emotionaler Reaktionen und leichten Veränderungen von Sinneseindrücken, im schlimmsten Fall zu Paranoia und depressiven Verstimmungen kommen.

Bei chronischem Cannabiskonsum kann das Resultat eine psychische Abhängigkeit sein. Langfristiger, täglicher Gebrauch kann Aktivitätsverminderung, Motivations- und Interessenverlust als Folgen nach sich ziehen. Eine leichte Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses kann noch sechs bis zwölf Wochen nach chronischem Cannabiskonsum beobachtet werden.

Durch das Rauchen kommt es bei chronischem Konsum, ähnlich wie bei Zigarettenrauchern, zu einer gesteigerten Anfälligkeit für Atemwegsbeschwerden. Beispiele sind Bronchitis, Luftröhren- und Lungenentzündung. Cannabisrauch wird meist tiefer inhaliert und auch länger in der Lunge gehalten als beim Konsum von Zigaretten. Aufgrund dessen entspricht die Schädlichkeit eines Joints (Kohlenmonoxid und Teer) in etwa der Schädlichkeit von drei bis fünf Zigaretten.

(Vgl. http://gesundesleben.at/seele-psyche/sucht-und-drogen/illegale-drogen/cannabis- gefahren-und-nebenwirkungen, 21.02.2009, 12.36 Uhr)

2.1.4. Halluzinogene

Halluzinogene sind Substanzen, die Traumbilder provozieren. Deren Konsum ist illegal. Im Rahmen seltener Formen von Psychotherapien, die bei sonst therapieresistenten Patienten Hoffnung versprechen, ist ihr Einsatz im Sinne eines medizinischen Versuches unter kontrollierten Bedingungen durch entsprechend autorisierte Ärzte möglich.

Zu den Halluzinogenen gehören Substanzen wie das Lysergsäurediäthylamin (LSD), Psilocybin, Dimethyltryptamin (DMT) und Meskalin; im weiteren auch Dimethoxymethylamphetamin (DMA und Extasy), Delta-9-Tetrahydrocanabinol (Haschisch) sowie Atropin enthaltende Stoffe.

Hallozinogene kommen in (selten auch einheimischen) Pilzen vor und finden insbesondere in den mittelamerikanischen Kulturen traditionell Verwendung.

Schamanen in Sibirien verwenden atropinhaltige Pflanzen (z.B. Tollkirsche) zu rituellen Zwecken. (Vgl. LADEWIG, 2002, S. 49)

Wirkung von Halluzinogenen

Bei LSD hängt die Art der Wirkung sowie die Dauer der Wirkung von der eingenommenen Dosis, der jeweiligen Person, ihrem psychischen Zustand und dem Umfeld ab. Schon sehr geringe Dosen von wenigen Mikrogramm erzeugen eine extrem hohe Wirksamkeit. Die Wirkung einer durchschnittlichen Dosis setzt nach 30 bis 90

Minuten ein, erreicht ihren Höhepunkt nach zirka zwei bis vier Stunden und dauert bis zu zwölf Stunden an. Halluzinogene bewirken eine Intensivierung und Verfremdung der optischen und akustischen Wahrnehmung. Weiters kann es zu Verschmelzungen und Überlagerungen einzelner Sinneswahrnehmungen kommen, zum Beispiel glaubt man, Töne zu schmecken oder Farben zu hören. Bei Pilzen setzt die Wirkung nach zirka 30 Minuten ein, erreicht nach etwa zwei Stunden ihren Höhepunkt und klingt nach vier bis sechs Stunden allmählich wieder ab. Das in einigen Pilzen enthaltene Psilocybin ruft Veränderungen des Bewusstseins und Halluzinationen hervor. Die Wirkung ist vergleichbar mit der von LSD, außer dass Pilze schneller wirken und die Wirkung kürzer anhält. Nur selten kommt es zu abrupten Stimmungsschwankungen und bad trips.

Die Risiken von Halluzinogenen

- Pulsbeschleunigung, und -verlangsamung, Anstieg, beziehungsweise Abfall des Blutdruckes, Pupillenerweiterung, Atemnot
- Kreislaufprobleme, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen
- Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen
- Tod möglich durch Überhitzung, Nieren-, Leber- und Herz-Kreislaufversagen Verwirrtheit, sowie Einschränkung der Merkfähigkeit, Konzentration, und der Aufmerksamkeit
- Verlust der Selbst- und Realitätskontrolle (Unfallgefahr)
- Angst, Aggressivität, Depressivität, und Wahnzustände ("Horror-Trips")
- Einige Zeit nach deem Konsum wiederkehrende Rauscherscheinungen
- ("Flashbacks")
- Psychische Abhängigkeit

Ein Konsum über längere Zeit führt zur so genannten Toleranzbildung, das heißt dass die Dosis erhöht werden muss, um ähnlich intensive Eindrücke wieder zu erleben. Die intensiven Wirkungen von LSD können zu bleibenden Änderungen der Selbstwahrnehmung und der Persönlichkeit führen. LSD kann auch psychiatrische Krankheiten wie Depressionen und Schizophrenie oder ähnliche Erkrankungen auslösen. Dies geschieht vor allem bei häufigem Konsum und entsprechender Veranlagung.

(Vgl. http://www.vivid.at/up2u/flyer/halluzinogene.htm, 21.02.2009, 13.23 Uhr)

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Details

Seiten
48
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656001096
ISBN (Buch)
9783656000662
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178025
Institution / Hochschule
Pädagogische Akademie des Bundes in der Steiermark
Note
Gut
Schlagworte
einsatz kinder- jugendliteratur thema sucht maßnahme sekundarstufe

Autor

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Titel: Der Einsatz von Kinder-, und Jugendliteratur zum Thema Sucht als präventive Maßnahme in der Sekundarstufe