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Die Lehren und das Wirken der Waldenser

Eine größere Gefahr als die Katharer?

Seminararbeit 2010 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bewegung der Waldenser im 12./13. Jh
2.1. Die frühen Waldenser unter Valdes und Durandus von Huesca
2.3. Kurzer Überblick zu späteren Waldensern

3. Vergleich zu den Katharern
3.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entwicklung
3.2. Vergleich beider Lehren

4. Resümee

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das 12. Jahrhundert war ein Jahrhundert des Aufbruchs.1 So kann man zu jener Zeit die Ausgangssituation im französischen Languedoc beschreiben. Nicht nur kulturelle und politische Differenzen standen auf der Tagesordnung, sondern auch die Religionsansichten waren gespalten. Die römische Kirche versuchte ihre Macht zu festigen, das ihr im Norden Frankreichs auch gelang. Jedoch gaben diese Machtkonsolidierungsversuche ebenso Impulse für neue Bewegungen. Jene hatten allerdings andere Voraussetzungen, als vielleicht die Reformbewegungen der Gregorianer ein Jahrhundert zuvor. Für Bewohner im Süden Frankreichs war es nicht ungewöhnlich mit mehr als einer später genannten Häresie in Kontakt zu kommen2. In dieser Zeit entstanden vor allem zwei bedeutende Bewegungen, zum einen die der Katharer und zu anderen die der Waldenser. Die letztere ist durchaus weniger bekannt, jedoch existiert sie noch bis heute. Außerdem wird in vielen Aufsätzen immer wieder erwähnt, dass die Waldenserbewegung aus klerikaler Sicht weitaus gefährlicher schien als die radikale Bewegung der Katharer3. Daher soll in dieser Arbeit die Entwicklung und die Lehre von den Waldensern, besonders von den frühen unter Petrus Valdes, genauer betrachtet werden. Man könnte auch meinen, da beide Richtungen im selben Jahrhundert entstanden sind, dass diese sich im Grunde ähneln, wenn nicht sogar identisch sind4. Im Verlaufe der Arbeit soll dem aber widersprochen werden. Daher ist es notwendig, dass die Lehre der Katharer ebenfalls hinterfragt wird. Auch die eigenständige Entwicklung wird dabei eine Rolle spielen. Beim Vergleich beider Seiten werden zwar Gemeinsamkeiten vorkommen, jedoch überwiegen die Unterschiede. Dies werden auch Sichtweisen von anderen Autoren und Quellen belegen.In wie fern die Waldenser wirklich eine Bedrohung waren, soll hier aufgezeigt bzw. widerlegt werden. Beiden Bewegungen wurden jedoch vom selben Schicksal getroffen. Sie wurden von der Kirche als Ketzer bezeichnet und verurteilt.

2. Die Waldenserbewegung im 12./13. Jahrhundert

2.1. Die frühen Waldenser und Valdes und Durandus von Huesca

Um 1170 entwickelte sich die „ letzte und z ä heste Wanderpredigerbewegung des 12. Jahrhunderts “ 1 . Petrus Valdes, so besagt die Legende2, habe eines Tages das Lied des Heiligen Alexios gehört, in dem es darum geht, wie der Besagte ein Leben in Armut vollbringt und die Botschaften des Evangeliums predigt. Über Valdes genaue Herkunft weiß man nicht viel, jedoch war er entweder ein Kaufmann oder Bankier von Lyon und somit war er kein Außenseiter im Bürgertum. Von diesem Lied berührt, entschied er sich sein Leben zu verändern. Er gab all seine Besitze auf und versorgte seine Familie um letzten Endes Jünger Jesu zu werden. Wie viele Handelsleute in Frankreich konnte auch Valdes kein Latein, also ließ er sich die Bibel von zwei Klerikern übersetzen, um dann in Französisch zu Predigen. Dies fand im Bürgertum großen Anklang und so schlossen sich bereits die ersten Valdes an. In der Literatur tauchen sie auch öfters als die „Armen von Lyon“ oder „Armen Christi“ auf. Besonders für diese Bewegung war ihr Auftreten als ein Teil der Kirche. Sie kämpften nicht gegen die katholische Kirche selbst, sondern sie wollten sie verbessern und die Missstände beseitigen. Es war eine sehr charismatische Wanderbewegung, die auch Frauen als Predigerinnen hatten3. Sie wurden nicht umgehend verfolgt. Aus klerikaler Sicht gab es teilweise sogar Zuspruch für diese Bewegung, jedoch aber auch Abneigung. Die beste Überlieferung für diese Situation bieten Quellen zum 3. Laterankonzil im Jahre 1179 Papst Alexander III..

Es ist nicht ganz gewiss, ob Valdes persönlich auf diesem Konzil anwesend war.4 Jedoch kann an davon ausgehen, denn wiederum eine Legende besagt, dass am Ende der Papst Valdes persönlich umarmt habe und seine Forderung nach Erlaubnis der Wanderpredigt sogar nachvollziehen konnte. Dennoch gab es auf dem Konzil auch Kritik an den Waldensern. Walter Map überliefert in seinen Aufzeichnungen5, dass die Waldenser, die er auf dem Laterankonzil gesehen habe, ungebildete und dumme Menschen seien.

Zu dem wollten sie betonen, wie sachkundig sie sind, obwohl sie kaum des Lesens kundig waren. Außerdem kritisiert Map, dass die Predigen in Französisch gehalten werden und er sah auch eine Gefahr in den Waldensern, dass sie im Moment nur fromm erscheinen, sobald sie aber Macht haben, werden die die Kirche selbst verjagen. Jedoch muss man den Äußerungen Maps kritisch gegenüberstehen. Die Aussagen sind geprägt von Hochmut und es handelt sich hierbei um einen englischen Hofkleriker, der von vorne herein gegen jegliche Bewegungen, die etwas ändern wollte, war. Trotzdem war das Ergebnis des dritten Laterankonzils zunächst ein Erfolg für die Waldenser. Sie durften predigen, soweit sie von zuständigen Bischof die Zustimmung (missio) erhalten hatten. Die katholische Kirche war somit nicht von vorne herein gegen die Waldenser abgeneigt und glaubten sogar an die Rechtgläubigkeit Valdes. Zu dem ist auch das Glaubensbekenntnis Valdes überliefert, in dem er sich erneut zum christlichen Glauben bekennt1. Er würde im Auftrag von Gott handeln und den Weisungen des Evangeliums folgen2. Somit lehnt er auch den katharischen Dualismus ab.

Dennoch konnten die Waldenser nicht lange ihre Bewegung friedlich fortsetzten. Durch den Kompromiss, dass der jeweilige Bischof die „ missio “ erteilen muss, war eine dauerhafte Durchführung nicht gewährleistet. So kam es, dass 1184 der Bischof von Lyon die Predigt den Waldensern verbot. Jedoch predigten die Waldenser weiter und so kam es sogar zur Exkommunikation von Valdes und seinen Anhängern in Lyon. Ein Bulle von Lucius III., namens Ad Abolendam sorgte für ein weiteres Problem. Bis dato wurden die Waldenser nicht als Ketzer oder Häretiker bezeichnet. In diesem Edikt wurden sie aber mit Katharern und anderen Bewegungen gleich gestellt.3 Eine Unterscheidung gab es noch. Es gab zum einen die, „ die ohne Erlaubnis predigten, zum anderen die offensichtlich Irrlehren verk ü ndeten “4 Die Waldenser zählten mit zu den ersten, aber das änderte dennoch nichts daran, dass ihr Glauben in Frage gestellt wurde. Außerdem wurden sie mit einem Bann belegt (anathema).

Ein weiteres Problem kam hinzu, als die Waldenser innerlich zu zersplittern drohten. Mit der Ausbreitung nach Norditalien und später auch i österreichischen Gebiet, kam eine Sesshaftigkeit hervor, die nicht de Ideal der frühen Waldenser entsprach. So zu Beispiel in der Lombardei, wo viele Waldenser, die sogenannten Pauperes Lombardi, um zu überleben wieder kleine Tätigkeiten aufnahmen und kleine Dörfer errichteten.

Zwei weitere bedeutende Vertreter der Waldenser, Durandus von Huesca und Johannes Ronco, erscheinen mit der Expansion. Ersterer ist ein Befürworter Valdes und übernimmt nach seinem Tod um 12071 auch die Bewegung. Weiterhin bleibt die Abneigung gegen die Katharer bestehen. Huesca verfasst das Werk Liber Antiheretis, das die Lehre der Katharer kritisiert. Johannes von Ronco hingegen radikalisiert die Lehre von Valdes in dem er sich 1205 zum Anführer der Bewegung in Norditalien wählen lässt. Dies entspricht der Hierarchielosigkeit wie Valdes sich dies vorgestellt hatte.2

2.2. Kurzer Überblick zu den späteren Waldensern.

Die Waldenser waren ab dem 13. Jahrhundert innerlich zersplittert, dennoch kann man Grundzüge der frühen Bewegung erkennen. Ab dem 14. Jahrhundert tauchen vermehrt Waldenser in Österreich und in Böhmen auf, obwohl sie seit 1230 der Ketzerei beschuldigt und dem entsprechend verfolgt werden. Ein Inquisitionsbespiel bietet Jennifer Kolpacoff Deane in ihrem Aufsatz. Sie berichtet über die Hinrichtung von mehr als 30 Waldensern, die auf de Scheiterhaufen verbrannt wurden3. Dennoch sind die Waldenser nicht wie die Katharer ausgerottet wurden. Zu Zeiten der Reformation keimte die Bewegung erneut auf und konnte sich wieder, vor allem in Italien, verbreiten. Trotz weitere Inquisitionen und Hinrichtungen, man spricht von vier mal so viele Opfern als bei den Katharern, konnte die Bewegung überleben. Noch heute Leben etwa 47000 Waldenser allein in Italien. Die Anhänger leben heute nicht mehr getreu den Lehren unter Valdes, sondern es handelt sich dabei um eine radikalere christliche Lebensweise.

3. Vergleich zu den Katharern

3.1.Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entwicklung

Wenn man an den Vermerk in der Einleitung zurückdenkt, dass die Waldenser mit den Katharern identisch sind, so muss man anhand der Entwicklungsgeschichte der Katharer jene Aussagen kritisieren. Denn anders als die Waldenser entwickelten sich die Katharer bereits um 1100. Jedoch seien sie schon einige Zeit früher auf dem Balkan gewesen1 und somit von bogmilischen Religion beeinflusst worden. Die Anonymität war bei den Katharern äußerst hoch. So gab es keinen Anführer oder Begründer, wie Valdes bei den Waldensern. Den Namen erhielten sie durch ihre Lehre und durch das Ziel eine reine Elitekirche zu schaffen. Sie wurden die „Reinen“, im lateinischen Cathari genannt. Zunächst war es jedoch eine Sammelbezeichnung für eine klerikale Reformbewegung. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts entwickeln sich immer mehr katharische Hochburgen im Süden Frankreichs. Den Zulauf bekommt diese Bewegung zunächst vorwiegend aus dem Adel und Klerus selbst. In der Ausbreitung hatten sie mit den Waldensern jedoch etwas gemeinsam. Durch viel Zuspruch profitierten sie von einer sehr hohen Mobilität und konnten sich binnen kürzester Zeit über Flandern, Brabant, Norditalien und -frankreich verbreiten.2 1143 sprach man auch über den Katharer von Köln. Aber Languedoc galt wie bei den Waldensern als zentraler Ausgangspunkt der jeweiligen Bewegung.

Wenn man über die Entwicklung der Katharer spricht, so kann man diese in 3 Phasen3 einteilen. Die erste wurde bereits erwähnt und wird als Predigtmission genannt. Bei dieser kam es zur massiven Ausbreitung, bei der sich 6 Bistümer, unter anderem Montségur und Toulouse, in Südfrankreich gebildet hatten. Die 2. Phase wird durch den Albigenserkreuzzug eingeleitet. Zu diesem Zeitpunkt, als die Waldenser erst einige Zeit existierten, wurden die Katharer bereits als Ketzer verfolgt.

Bis 1229 wurde ein Krieg gegen die Katharer geführt und bracht bereits viele Opfer mit sich. Im Frieden von Paris musste sich der Adel von den Katharern lossagen. Sie verpflichteten sich die Bewegung nicht mehr zu unterstützen. Somit kommt es zur dritten Phase, die Zeit der Inquisition. Nicht nur die Katharer selbst, sondern auch Familienangehörige hatten darunter zu leiden. Das Gut eines hingerichteten Katharer wurde geplündert oder verwüstet ohne Rücksicht auf verbliebene. Bis 1300 gab es kaum noch Widerstand. Nur vereinzelt im Untergrund gab es noch einige Versuche die Katharer zu reorganisieren, jedoch kann man sagen, dass die Katharer ab dem 14 Jahrhundert ausgelöscht waren. Allerdings bleibt der Geist und das Gedankengut der Katharer bis heute erhalten.1 So sehr sich die Waldenser von den Katharern hinsichtlich ihrer Lehren unterscheiden, so haben sie dennoch einige Gemeinsamkeiten in der Erscheinung. Die Waldenser und Katharer waren jeweils Mitglieder einer Armutsbewegung. Der gemeinsame Lebensinhalt bestand in eine Leben als Bettler „ Die Kleidung der Prediger wurde zu einer Art Uniform, denn sie waren barfu ß , d ü rftig bekleidet und der Esel galt als Zeichen besonderer Demut. 2 Sie pflegten stets den Kontakt zur Stadtbevölkerung und sprachen alle Schichten an. Außerdem waren beide Bewegungen Opfer der Inquisition. Jörg Feuchter beschreibt die Geschehnisse sogar als „ Versuchslabor der Inquisition “2.

[...]


1 Auffahrt, Christoph, Die Ketzer, Katharer, Waldenser und andere religiöse Bewegungen, München, 2009 S.46

2 Siehe: Feuchter, Jörg, 2 Häresien in einer Stadt, Die Anhänger von Waldensern und Katharern in Montauban (Quercy) im 13. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte, Vol 119, 2008, S. 297

3 Zum Beispiel: Utz-Tremp, KathrinVon der Häresie zur Hexerei, „wirkliche“ und imaginäre Sekten im Spätmittelalter, MGH Schriften, Band 59, Hannover 2008 S. 134

4 Zitat Gretser: „ Between the Albigensians and the Waldesians there is a difference in the name, but not in reality.“ in: Emily Mc Caffrey, Memory and Collective Identity in Occitanie: The Cathars in History and Popular Culture, in : History &Memory, Vol 13, Nr. 1 2001, S.116

1 Lambert., Malcolm, Häresie im Mittelalter, Von den Katharern bis zu den Hussiten, Darmstadt 2001, S.64

2 u.a. Utz Tremp, Kathrin und Oberste, Jörg nehmen Bezug darauf, eine genaue Überlieferung lässt sich jedoch nicht finden.

3 Deane, Jennifer Kolpacoff:, Archiepiscopal Inquisitions in the Middle Rhine: Urban Anticlericalism and Waldensianism in Late Fourteenth-Century Mainz, in: The Catholic Historical Review, Vol. 9, Nr.3, 2006, S.207 „... early Waldesianism, a charismatic urban and Gospelbased movement, which allowed the participation of female preachers...“

4 Grundmann schreibt ebenfalls: „ Zwei Waldenser, vielleicht Valdes selbst, kommen auf das 3. Laterankonzil...“ Göttingen, 1978, S.29

5 Map, Walter, De nugis curialium: „ Vidimos... Valdesios, homines ydiotas,illiteratosa primate ipsorum Valde... lingua conscriptum Gallica, in quo textus et glosa Psalterii plurioruque legis utriusque librorum continebantur. “

1 Ebd „ Credo in unum deum “...

2 Ebd. „... et omnes frates mei, prepositis nobis sacrosanctis evangeliis...“

3 Jörg Oberste, Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, Darmstadt, 2007, S. 56

4 Malcolm Lambert, Häresie, S.70

1 Andere Literaturen sprechen auch von 1206 siehe Auffahrt, München 2006

2 Genauere Ausführung unter 3.2.

3 Deane,Inquisitions, S.198, „Within three years, at least thirty nine men and women were burned at the stake for heresy...“

1 Emily McCaffrey: „... which probably originated in the Balkans before appearing in Languedoc...“, 2001, S. 114 , Grundmann weist sogar darauf hin, dass die Bewegung ihren Ursprung in Griechenland habe

2 Daniela Müller, Häresie und Orthodoxie im mittelalterlichen Languedoc und die Entstehung des Ketzerprozesses, in: Europäischer Religions Geschichte Band 1, S. 222

3 Siehe hierzu Auffahrt, München, 2006

1 Emily McCaffrey: … the memories of the Cathars and the Albigensian Crusade still have their place.“ , 2001, S.126

2 Malcolm Lambert, Häresie, S.42

2 Jörg Feuchter, 2008

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656001119
ISBN (Buch)
9783656000686
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178018
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
Waldenser Petrus Valdes Katharer Lehren Walter Map

Autor

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Titel: Die Lehren und das Wirken der Waldenser