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Das 4C/ID - Modell am Beispiel eines Lehrplanentwurfs für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Drogenhilfe

Hausarbeit 2011 21 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Anwendung des 4C/ID-Modells in der Praxis
2.1 Analyse der Kompetenz
2.2 Sequenzialisierung der Aufgabenklassen
2.3 Entwurf von Lernaufgaben
2.4 Unterstützende Informationen
2.5 Just-in-time Informationen

3 Mediendidaktische Überlegungen zum 4C/ID-Modell
3.1 Lerntheoretische Überlegungen
3.2 Situiertes Lernen
3.3 Didaktische Szenarien
3.4 Medien

4 Fazit und Reflexion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) belegen, ist sowohl der Konsum von Alkohol als auch von Tabak und Nikotin in den letzten Jahren gesunken (BZgA, 2011). Allerdings nehmen sogenannte „stoffungebundene Süchte“ zu. Vor allem die Nutzung elektronischer Medien spielt dabei eine große Rolle. Täglich verbringen 95,9 % der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren Zeit vor dem Fernseher, 76% vor dem Computer (Robert-Koch-Institut, 2008, S. 173). Die Suchtprävention wird damit immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Der Erfolg des Rückgangs von Nikotin- und Alkoholgebrauch steht zudem nicht für sich, sondern kann auf diverse Maßnahmen zurückgeführt werden, zum Beispiel die Rauchfrei-Kampagne sowie verschiedene Anti-Alkohol-Kampagnen für Jugendliche.

Ziel der vorliegenden Arbeit, die sich mit dem Thema „Bildungswissenschaftler im Bereich der Drogenhilfe“ bzw. aufgrund der oben geschilderten Bedingungen mit dem Bereich der schulischen Suchtprävention beschäftigt, ist die Darstellung des 1997 von van Merriënboer veröffentlichten Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell für komplexes Lernen (engl. four-component instructional design system, abgekürzt 4C/ID-model) in Theorie und Praxis. In Kapitel 2 wird das Modell mit seinen Komponenten mittels eines Lehrplanentwurfs für das Anwendungsbeispiel vorgestellt, der die Forderung einer authentischen Lernumgebung er- füllt. Diese ist im Rahmen dieser Arbeit definiert als komplexe Umgebung, innerhalb derer Aufgaben angeboten werden, die so lebensnah wie möglich und damit bedeutsam für den Lernenden sind. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass das erworbene Wissen in der Realität eingesetzt werden kann (Honebein, Duffy & Fishman, 1993, zitiert nach Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2011, S. 79).

Ein Grundwissen bezüglich des 4C/ID-Modells sowie anderer Instruktionsdesignmodelle und Grundsätzen der Lerntheorie wird dabei vorausgesetzt, da der Schwerpunkt auf der praktischen Umsetzung des Modells liegt.

Der theoretische Teil (Kapitel 3) bezieht lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situierten Lernens auf das Modell. Nach Überlegungen, welche didaktischen Szenarien und Medien sich für den Lehrplanentwurf eignen, folgt in Kapitel 4 ein persönliches Fazit sowie eine Reflexion der situierten, multimedialen Lernumgebung „Interaktive Whiteboards“. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Benennung von Personen ausschließlich die männliche Form verwendet.

2. Die Anwendung des 4C/ID-Modells in der Praxis

Das 4C/ID-Modell vereint die Grundlagen des Instruktionsdesigns und komplexen Lernens in sich. Die namensgebenden Komponenten des Modells sind:

1. Lernaufgaben (learning tasks)
2. Unterstützende Informationen (supportive information)
3. Just-in-time Informationen (procedural information)
4. Part-task Practice: Üben von Teilaufgaben zur Automatisierung von Fertigkeiten

Die ersten drei Komponenten werden gemäß der Anforderungen im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher betrachtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grüner Pfeil: Temporale Relation

Abbildung 1: Fertigkeitenhierarchie für den Bildungswissenschaftler im Bereich der Drogenhilfe (eigene Darstellung).

2.1 Analyse der Kompetenz

Jeroen van Merriënboer und Paul A. Kirschner beschreiben in “Ten Steps to Complex Lear- ning” einen Ablaufplan in Form von zehn Schritten, deren Reihenfolge sich in der aktuellen Veröffentlichung von der aus früheren Arbeiten unterscheidet. Wie die Autoren ausführen, beeinflusst jeder Schritt die anderen Schritte und umgekehrt, so dass die Reihenfolge der zehn Schritte nicht festgelegt ist (2009, S. 30). In der vorliegenden Arbeit, die sich auf aus- gewählte Schritte bezieht, beginnt der Lehrplanentwurf mit der Analyse der Kompetenz, die in die Erstellung einer Fertigkeitenhierarchie mündet. Dazu ist zunächst zu ermitteln, welche komplexe Fertigkeit nach Abschluss der Schulungsmaßnahme zu beobachten ist bzw. sein soll.

Diese Kompetenz bildet die oberste Ebene der Fertigkeitenhierarchie. Abbildung 2 zeigt die Hierarchie für den Bildungswissenschaftler im Bereich der Drogenhilfe bzw. die Spezialisierung auf die Arbeit in der schulischen Suchtprävention. Innerhalb der Hierarchie werden zwei Relationen zwischen den Teilfertigkeiten, die zusammen die komplexe Fertigkeit bilden, unterschieden (van Merriënboer & Kirschner, 2009, S. 81f):

Horizontale Relationen bedeuten, dass links stehende Fertigkeiten vor den weiter rechts ste- henden Fertigkeiten derselben Ebene ausgeführt werden (zeitliche/temporale Relation). So muss der Bildungswissenschaftler das Schulprojekt erst einmal vorbereiten und konkret aus- gestalten, bevor er das Projekt durchführen und dann nachbereiten kann. Vertikale Relationen sagen aus, dass weiter unten stehende Fertigkeiten die Voraussetzung für die jeweils darüber stehenden darstellen. So muss im genannten Beispiel erst das Schul- verzeichnis aufgerufen werden, um dann eine Schule auszuwählen und diese dann zu kon- taktieren.

2.2 Sequenzialisierung der Aufgabenklassen

Nach der Analyse der Kompetenz und der Erstellung einer Fertigkeitenhierarchie für die komplexe zu erlernende Tätigkeit werden sogenannte „vereinfachende Annahmen“ getroffen, die über mehrere Aufgabenklassen verteilt werden. Eine Aufgabenklasse besteht aus mehre- ren Lernaufgaben, die alle denselben Schwierigkeitsgrad haben und damit dasselbe Wissen erfordern. Die Aufgabenklassen definieren im 4C/ID-Modell die grundlegende Abfolge des Trainingsprogramms (van Merriënboer, Clark & de Croock, 2002, S.44). Die Unterstützung durch den Lehrer nimmt jedoch von der ersten bis zur letzten Lernaufgabe innerhalb einer Aufgabenklasse ab. Dieses Prinzip wird als „Scaffolding“ bezeichnet. Kapitel 2.3 greift dieses Prinzip detaillierter auf.

Es ist wichtig, dass keine Zerlegung der einzelnen Fertigkeiten erfolgt, sondern in jeder Lernaufgabe ganzheitliche Situationen geschaffen werden, in denen die komplexe Fähigkeit trainiert wird. Über die Aufgabenklassen hinweg ändern sich jedoch die Bedingungen, unter denen geübt wird. In der ersten Aufgabenklasse wird der Lernende mit den einfachsten, in der letzten Aufgabenklasse mit den schwierigsten Bedingungen konfrontiert (van Merriënboer & Kirschner, 2009, S. 63). Andernfalls würde der Lernende überfordert und das Erreichen des Lernziels verhindert.

Eine Möglichkeit zur Sequenzierung von Aufgabenklassen ist das Sequenzprinzip der verein- fachenden Annahmen. Die „vereinfachenden Annahmen“ bestehen aus Kriterien, die über alle Aufgabenklassen bestehen bleiben, jedoch in ihrer Schwierigkeit variieren, so dass die Ausübung der Kompetenz leichter oder schwerer wird. Für den Bildungswissenschaftler im Bereich der Drogenhilfe, respektive der schulischen Suchtprävention, können die in Tabelle 1 aufgeführten vereinfachenden Annahmen getroffen werden. Sie stellen einen möglichen Ausschnitt dar. Um die Lernaufgaben, die später zu entwickeln sind, möglichst realitätsnah zu gestalten, sollten so viele vereinfachende Annahmen wie möglich bedacht und ausgear- beitet werden. Um an dieser Stelle einen Einblick in die Vorgehensweise und die Umsetzung des 4C/ID-Modells zu geben, soll jedoch eine Beschränkung auf die genannten sieben An- nahmen ausreichen.

Tabelle 1: Vereinfachende Annahmen für „ als Bildungswissenschaftler im Bereich der Dro- genhilfe arbeiten “ (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anschließend werden diese auf die Aufgabenklassen (hier: drei) verteilt. Aufgabenklasse 1 stellt die einfachste, Aufgabenklasse 3 die schwierigste Ausführung dar.

Tabelle 2: Sequenz der Aufgabenklassen zu „ als Bildungswissenschaftler im Bereich der Drogenhilfe arbeiten “ (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgabenklasse 1:

Der Lernende trifft auf Schüler einer 6. Gymnasialklasse, die eine hohe Teilnahmebereit- schaft zeigen. Thematisiert werden Cannabis und legale Drogen wie Alkohol und Nikotin. Über diese kann sich der Lernende schnell einen Überblick verschaffen. Es existieren diver- se Konsum-Statistiken, wodurch die Vorbereitung vereinfacht wird. Zudem hat er ausrei- chend Zeit zur Vorbereitung (mehr als zwei Wochen). Die Klassengröße ist klein (< 20 Schü- ler) und der Bildungswissenschaftler wird durch einen Kollegen unterstützt, so dass die Gruppe noch einmal halbiert werden kann.

Aufgabenklasse 2:

In dieser Aufgabenklasse hat es der Lernende mit Schülern einer 7. Realschulklasse zu tun. Durch das höhere Alter der Schüler sind die Bedingungen schwerer. Die Teilnahmebereit- schaft bewegt sich im akzeptablen Bereich. Thematisiert werden stoffungebundene Süchte, die bei den Schülern einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Für den Lernenden bedeutet das eine schwierigere Vorbereitung, da seine eigenen Erfahrungen aufgrund der technischen Entwicklungen wahrscheinlich eher begrenzt sind und es noch wenige Statistiken zur Ent- wicklung der Internetnutzung mit all ihren Facetten gibt. Die Vorbereitungszeit von 1-2 Wo- chen ist dafür noch ausreichend. Die Klassengröße bewegt sich im mittleren Bereich (20-30 Schüler), aber da der Bildungswissenschaftler mit einem Kollegen zusammenarbeitet, ergibt sich nach Halbierung der Klasse eine Gruppengröße, in der noch recht produktiv gearbeitet werden kann.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656003304
ISBN (Buch)
9783656003502
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v178011
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Schlagworte
2B 2 B Bildungswissenschaft Drogenhilfe Blueprint

Autor

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