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Pro und Contra - Mindestlohn

Hausarbeit 2011 25 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung

II Betriebswirtschaftliche Grundlegung
2. Mindestlohn
2.1. Klassische Ansicht des Arbeitsmarktes und Einstellung zu Mindestlohn
2.2. Keynesianische Ansicht des Arbeitsmarkts und Einstellung zu Mindestlohn
3. Überblick über die aktuelle Lohnsituation
3.1. In Deutschland
3.2. In Europa
4. Mindestlohn Pro und Contra
4.1. Vorteile von Mindestlohn und ihre Verfechter aus Wirtschaft und Politik
4.2. Nachteile von Mindestlohn und ihre Verfechter aus Wirtschaft und Politik

III Lösungsansätze

IV Zusammenfassung

I Einleitung

1.1. Problemstellung

Seit Jahrzehnten wird über das Einführen von Mindestlohn diskutiert. Arbeitnehmerverbände, die SPD und die Linken setzen sich für einen Mindestlohn ein, während Arbeitgeberverbände wie die Deutsche Industrie und Handelskammer oder auch die Parteien CDU und FDP sich gegen einen Mindestlohn aussprechen und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit befürchten. Einer der Ursachen für die Diskussion ist, dass manche Erwerbstätige ihre Existenz nicht ohne staatliche Hilfe sichern könnten. Ein staatlich festgelegter Mindestlohn wäre demnach vor allem für Geringverdiener relevant.1

1.2. Gang der Untersuchung

Um das Pro und Contra in Bezug auf Mindestlohn besser einschätzen zu können, Arbeitsmarkt näher beleuchtet. Die Frage ist, ob der Arbeitsmarkt ähnlich wie der klassische Gütermarkt funktioniert und sich Angebot und Nachfrage ohne institutionelle Eingriffe selbst regulieren würde2 oder ob das Angebot an Arbeit eher starr ist und sich ein Mindestlohn tendenziell von selbst ergeben würde.3 Beide Positionen werden im ersten Teil zur klassischen2 und keynesianischen Theorie näher erläutert3. Folgend wird der deutsche Arbeitsmarkt auf Grundlage verschiedener Statistiken und Studien untersucht und Gesetzte, aus denen bereits ein Mindestlohn hervor geht und der sozialen Absicherung dienen, erläutert. Da die Mehrheit der Länder in Europa einen Mindestlohn hat, wird über die aktuelle Entwicklung dieser berichtet.1 Dabei wird kurz angesprochen wie internationale Gremien das „Fehlen“ eines deutschen Mindestlohns bewerten. Folgend werden Argumente verschiedener Verfechter für und gegen Mindestlohn aus Wirtschaft und Politik, sowie Ergebnisse erfolgter Studien zum Thema Mindestlohn gesammelt und abgewogen. Zum Schluss werden Lösungsvor- schläge gegeben, wie die Lohnsituation in Deutschland verbessert werden kann und ob das Einführen eines Mindestlohns zu befürworten oder abzulehnen ist.

II Betriebswirtschaftliche Grundlegung

1.Mindestlohn

1.1.Klassische Ansicht des Arbeitsmarktes und Einstellung zu Mindestlohn

Die Klassische Theorie zum Thema Unterbeschäftigung wird zum Teil auch als neuklassische-monetaristische Schule bezeichnet.4

Der Lohn, ergibt sich aus dem Angebot und der Nachfrage nach Arbeit. Die Arbeitgeber fragen Arbeit nach und die Arbeitnehmer bieten an. An dem Punkt, an dem sich Angebot (S) und Nachfrage (D) schneiden, ergibt sich der Preis bzw. Lohn (LGG) für die zu verrichtende Arbeit. (siehe Abbildung 1)5 Der Punkt an dem sich Angebot und Nachfrage treffen ist abhängig von der jeweiligen Branche.6 Wird ein Mindestlohn festgelegt, der Unterhalb des Gleichgewichtslohns liegt, verändert sich am Arbeitsmarkt überhaupt nichts, das Angebot und die Nachfrage von Arbeit bleibt gleich.5 Branchen in denen eher höhere Löhne üblich sind würden dem zu Folge von einem allgemeinen branchenübergreifenden Mindestlohn überhaupt nicht tangiert werden.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2

Quelle: econ4you.wordpress.com/2009/10/09/wie-mindestlohne-wirken/, vom 17.07.11

Von einem allgemeinen Mindestlohn wären also eher Branchen betroffen, in denen Niedriglöhne üblich sind, wie z.B. das Friseurgewerbe, das Bewachungsgewerbe oder das Hotel- und Gaststättengewerbe6 (siehe Abbildung 2) L1 Ein Mindestlohn hätte zur Folge, dass von den Arbeitnehmern L2 angeboten wird, hingegen aber nur L1 nachgefragt wird.4

Daraus ergibt sich dann ein Überangebot an Arbeit, also Arbeitslosigkeit.7 Nach der klassischen Theorie liegt die Ursache für Arbeitslosigkeit in den überhöhten Reallöhnen. Flexible Nominallöhne würden stets zu einem Beschäftigungsgleichgewicht führen. Das Angebot und die Nachfrage von Arbeit würden sich selbst Regulieren, wie es auch im klassischen Gütermarkt der Fall ist. Schuld an der Unterbeschäftigung sei das indexierte Lohnsystem, bei dem Nominallöhne mit dem Preisniveau verknüpft werden. Die Unterbeschäftigung ist die Folge des Wiederstandes von Gewerkschaften und Arbeitnehmern gegen die Anpassung an die Nachfrage der Arbeitgeber und kann deshalb nach der klassischen Theorie als „freiwillige Arbeitslosigkeit“ gewertet werden. Nach der klassischen Theorie wirken Regelungen in Kündigungsschutz, Arbeitslosen- versicherungen oder Sozialleistungen unterstützend gegen die erforderlichen Lohnanpassungen der Arbeitsanbieter.8

1.2. Keynesianische Ansicht des Arbeitsmarkts und Einstellung zu Mindestlohn

Nach Keynes können Nominallöhne nicht flexibel gesenkt werden. Er sieht die Nominallöhne als rigide an bzw. das Angebot der Arbeitnehmer als relativ starr. Löhne werden nach persönlichen Eigenschaften differenziert, beispielsweise nach Betriebserfahrungen. Arbeitgeber können nicht nach Belieben die Löhne senken, da sie Angst vor der Reaktion ihrer Arbeitnehmer haben. Sie befürchten Loyalitäts- und Identifikationsverluste bis hin zu Fluktuation. Eine Mehrzahl von Arbeitnehmern schafft ein höheres Produktionspotenzial, wird dieses nicht ausgelastet, belastet dies das Unternehmen. In Folge dessen verschlechtern sich die Angebotsbedingungen auf dem Gütermarkt. Das Güterangebot hängt nach Keynes also vom Reallohn ab, dies wird als Preis-Lohnkosten-Relation bezeichnet. Das Merkmal dieser Theorie ist, dass bei einem Mindestlohn- Modell der Reallohn aufgrund der schwankenden Güterpreise konjunkturabhängig variiert. Wenn die Preise steigen sinkt der Reallohn, im Umkehrschluss steigt der Reallohn bei fallenden Preisen. Im Fall einer Rezession ist die Nachfrage von Gütern sehr gering und das Produktionspotenzial muss verringert werden, Arbeitnehmer müssen entlassen werden. Es kommt zu einer Unterbeschäftigung.9

Diese Form wird als Mindestlohnarbeitslosigkeit bezeichnet. Der Grund dafür sind fixierte Nominallöhne. Nach keynesianischer Ansicht ist der Reallohn demnach auch kein entscheidender Faktor bei Unterbeschäftigung, sondern fehlende Nachfrage auf dem Gütermarkt und ein Überangebot an Arbeitskräften, die bereit sind zum Reallohn zu arbeiten. Dieser Fall von Unterbeschäftigung wird deshalb auch als „unfreiwillige Arbeitslosigkeit“ bezeichnet.10

2.Überblick über die aktuelle Lohnsituation

2.1. In Deutschland

Derzeit haben wir keinen allgemeingeltenden Mindestlohn in Deutschland.11 Dennoch wurden durch Tarifvertragsparteien für die Branchen des Bauhauptgewerbes und Teilen des Baunebengewerbes, der Gebäudereinigung, der Briefdienstleistungen, der Sicherheitsdienstleistungen, der Abfallwirtschaft einschließlich der Straßenreinigung und des Winterdienstes, sowie für Bergbauspezialarbeiten auf Steinkohlebergwerken, für Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft und teilweise für Ausbildungs- und Weiterbildungsdienstleistungen12 spezifische Mindestlöhne ausgehandelt und rechtlich durch das Arbeitnehmer-Entsendegetz (AEntg) auch für die, nicht an Tarifverträge gebundenen Unternehmen, festgesetzt. Lange Zeit wurden branchenspezifische Mindestlöhne durch Tarifverträge fast flächendeckend durchgesetzt, doch die Tarifbindung hat in Deutschland abgenommen und die Gewerkschaften haben dadurch an Einfluss verloren. So gibt es in Ostdeutschland z.B. tariflich ausgehandelte Verträge, die einen Stundenlohn von weniger als 5€ vereinbaren. Eine weitere Maßnahme zur Grundsicherung der Arbeitnehmer ist im Sozialgesetzbuch SGB II festgehalten. So haben Geringverdiener die Möglichkeit ihr Einkommen mit Arbeitslosengeld II (Alg II) aufzustocken, welches im Volksmund häufig als Harz IV bezeichnet wird.13 Um Aussagen über die Notwendigkeit eines Mindestlohns zu treffen, ist es wichtig, sich mit der aktuellen Einkommensverteilung auseinander zu setzten. In Deutschland gibt es aktuell 38,1 Millionen Erwerbstätige, abzüglich der Personen die von einem Mindestlohn überhaupt nicht betroffen wären, wie Auszubildende, Praktikanten, Ein-Euro-Jobber, Personen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Selbstständige und Wehrpflichtige. Demzufolge würden 31,7 Millionen Erwerbstätige* potenziell von einem Mindestlohn tangiert werden. Auf diesen Personenkreis beziehen sich die folgenden Statistiken. Die Abbildung 3 zeigt wie viel die 31,7 Millionen Erwerbstätigen pro Stunde verdienen.14 In aktuellen Diskussionen geht es meist um einen Mindestlohn von 7,50 € bis 8,50 € brutto.15 Aus der Statistik geht hervor, dass 3,6 Millionen Erwerbstätige von einem Mindestlohn von 7,50 € betroffen wären und sogar 5 Millionen Arbeitnehmer von einer Mindestlohnfestsetzung auf 8,50 €. Die restlichen 26,7 Millionen Erwerbstätigen wären von einer staatlichen Reglung also nicht direkt betroffen.14

Abbildung 3:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.fes.de/aktuell/documents2011/110429_Studie_Mindestlohn.pdf

Es ist auffällig das gerade Frauen von der Einführung eines Mindestlohns tangiert werden würden, denn diese verdienen wesentlich weniger pro Stunde als Männer, wie aus Abbildung 4 hervorgeht.16 Mehr als jede sechste Frau verdient weniger als 7,50 € pro Stunde. Also wären von Insgesamt 3,6 Millionen betroffenen Erwerbstätigen (siehe Abb. 3) circa 2,63 Millionen* Frauen, was einem Prozentsatz von 73,1* entspricht. Fast jede vierte Erwerbstätige verdient weniger als 8,50 € pro Stunde, also ca. 3,95* Millionen Frauen. Bei einem Mindestlohn von 8,50 wären 5 Millionen Erwerbstätige betroffen, von denen 79 Prozent* Frauen wären. Während hingegen nur ca. 9 Prozent der Männer weniger als 7,50 pro Stunde verdienen und nicht einmal jeder zehnte Mann weniger als 8,50 pro Stunde verdient. 16

Abbildung 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:www.fes.de/aktuell/documents2011/110429_Studie_Mindestlohn.pdf

Abbildung 5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.fes.de/aktuell/documents2011/110429_Studie_Mindestlohn.pdf

[...]


1 vgl. o.V.: Auswirkungen eines Mindestlohns auf kleine und mittlere Unternehmen, unter: library.fes.de/pdf-files/wiso/04965.pdf, vom 18.07.2011

2 vgl. Hardes, H.; Uhly, A.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 9. überarbeitete Auflage, München 2007, S. 517

3 vgl. Hardes, H.; Uhly, A.: a.a.O., S.524 ff

4 vgl. Hardes, H.; Uhly, A.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 9. überarbeitete Auflage, München 2007, S. 517

5 vgl. o.V.: econ4you.wordpress.com/2009/10/09/wie-mindestlohne-wirken/, vom 17.07.11

6 vgl. o.V.: Auswirkungen eines Mindestlohns auf kleine und mittlere Unternehmen, unter: library.fes.de/pdf-files/wiso/04965.pdf, vom 18.07.2011

7 vgl. o.V.: econ4you.wordpress.com/2009/10/09/wie-mindestlohne-wirken/, vom 17.07.11

8 vgl. Hardes, H.; Uhly, A.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 9. überarbeitete Auflage, München 2007, S. 517

9 vgl. Hardes, H.; Uhly, A.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 9. überarbeitete Auflage, München 2007, S. 524 ff.

10 vgl. Hardes, H.; Uhly, A.: a.a.O., S.524 ff.

11 vgl. o.V.: Auswirkungen eines Mindestlohns auf kleine und mittlere Unternehmen, unter: library.fes.de/pdf-files/wiso/04965.pdf, vom 18.07.2011

12 vgl. o.V.: AEntg§4, unter: www.gesetze-im-internet.de/aentg_2009/BJNR079900009.html#BJNR 079900009BJNG000100000, vom 18.07.2011

13 vgl.: o.V.: www.sozialleistungen.info/hartz-iv-4-alg-ii-2/, vom 18.07.11

14 vgl. o.V.: Fiskalische Effekte eines gesetzlichen Mindestlohns unter:

www.fes.de/aktuell/documents2011/110429_Studie_Mindestlohn.pdf, vom 18.07.11

15 vgl. o.V.: Auswirkungen eines Mindestlohns auf kleine und mittlere Unternehmen, unter: library.fes.de/pdf-files/wiso/04965.pdf, vom 18.07.2011 *Angaben anhand eigener Berechnungen auf Grundlage der Statistiken von Prognos unter, www.fes.de/aktuell/documents2011/110429_Studie_Mindestlohn.pdf

16 vgl. o.V.: Fiskalische Effekte eines gesetzlichen Mindestlohns unter: www.fes.de/aktuell/documents2011/110429_Studie_Mindestlohn.pdf, vom 18.07.11

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656001126
ISBN (Buch)
9783656000709
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177947
Note
Schlagworte
contra mindestlohn

Autor

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Titel: Pro und Contra - Mindestlohn