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Die Theorie der distinktiven Merkmale von Jakobson und Halle

Essay 2007 7 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Die Theorie der distinktiven Merkmale von Jakobson und Halle (Essay)

Ziel dieses Essays soll die Darstellung der Theorie der distinktiven Merkmale von Roman Jakobson und Morris Halle sein. Es stützt sich in erster Linie auf den Originaltext von Jakobson und Halle, also auf das Buch „Fundamentals of language“, das 1960 in deutscher Übersetzung erschien, sowie auf verschiedene Sekundärtexte, von denen hier vor allem das Buch „Gemeinslavisch und Slavisch im Vergleich“ von Charles Townsend und Laura Janda zu nennen ist.

Um das Phänomen Sprache im Allgemeinen oder eine bestimmte Sprache im Besonderen effektiv untersuchen zu können, muss man sie in Einheiten zerlegen. Die kleinste bedeutungstragende Einheit dabei ist das Morphem, das teilweise nur aus einem einzigen Laut (Phon) bestehen kann.

Um die einzelnen Phone voneinander unterscheiden zu können, müssen sie in noch kleinere Einheiten zerlegt werden. Und diese Einheiten nennt man die distinktiven Merkmale. Man muss also bei einem Phon zwei Ebenen unterscheiden: Zum einen die Bedeu- tungsebene, der als kleinste bedeutungstragende Einheit das Morphem zugeordnet ist, und zum anderen die Unterscheidungsebene, der das Phonem zugeordnet ist. Laut Jakobson und Hale sind nun Phoneme Bündel verschiedener distinktiver Merkmale. Diese Merkmale treten immer paarweise auf, wobei beide Teile des Paars zueinander in Opposition stehen, das heißt es kann nur jeweils ein Merkmal in einem Phonem verwirklicht sein. Ein Phonem kann also entweder gerundet oder ungerundet, entweder palatalisiert oder nicht palatalisiert sein.

Die verschiedenen distinktiven Merkmale werden in zwei Hauptgruppen unterteilt, und zwar in die prosodischen oder suprasegmentalen Merkmale und in die inhärenten oder segmentalen Merkmale.

Im Folgenden sollen die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen erläutert werden. Die distinktiven Merkmale sind in simultanen Bündeln angeordnet, die man als Phoneme bezeichnet. Die Phoneme wiederum werden in sukzessiven Phonemfolgen aneinandergereiht. Dabei ist die Silbe die elementare Struktureinheit, die einer Gruppierung von Phonemen zugrunde liegt.

Die Struktur jeder Silbe ist nach dem Prinzip des Kontrasts aufgebaut, nicht nach dem der Opposition wie die distinktiven Merkmale.

Der häufigste Kontrast dabei ist der zwischen Vokal und Konsonant.

Sowohl das vokalische als auch das konsonantische Element der Silbe kann mehr als ein Phonem enthalten, aber es gibt immer ein so genanntes Gipfel-Phonem (peak phoneme) oder silbisches Phonem, das den Ton der Silbe trägt. Sollte der vokalische Teil aus mehreren Phonemen bestehen, den so genannten kulminativen Phonemen (crest phonemes), so ist immer eines von ihnen durch den Kontrast kompakt/diffus oder Vokal/Sonorlaut herausgehoben.

Im russischen Wort война zum Beispiel ist das o kompakt und trägt deshalb den Ton der Silbe, wogegen das й diffus ist.

Umgekehrt wird ein Phonem aus dem nicht-kulminativen Silbenteil (ein slope phone- me) in seiner Lautstärke merklich reduziert, wenn es aus der Gruppe von Konsonanten hervortritt, da es an sich lauter ist als seine Nachbarphoneme. Ein Beispiel hierfür wäre das tschechische Wort jsem, in dem das j zugunsten des e reduziert wird. Zusammenfassend kann man also sagen, dass jede Silbe nur ein Gipfelphonem hat. Der Hauptunterschied zwischen prosodischen und inhärenten Merkmalen besteht nun darin, dass die prosodischen Merkmale nur bei den Phonemen auftreten, die den kulminativen Teil der Silbe bilden, während die inhärenten Merkmale bei allen Phone- men zu beobachten sind.

Es wurde schon erwähnt, dass der Kontrast der aufeinanderfolgenden Merkmale innerhalb der Silbe das Hauptprinzip der Silbenstruktur ist.

Dies gilt folglich auch für die prosodischen Merkmale.

Hier ist der zweite große Unterschied zwischen prosodischen und inhärenten Merkma- len. Die inhärenten Merkmale bilden eine Opposition, es kann also immer nur einer der beiden Teile eines Merkmalpaars vorhanden sein, ein Phonem ist entweder palata- lisiert oder nicht palatalisiert, entweder abrupt oder kontinuierlich. Das Prinzip der Opposition gilt natürlich ebenso für die prosodischen Merkmale, eine Silbe (bzw. ihr Gipfel-Phonem) ist entweder betont oder unbetont, ein Gipfel-Phonem ist entweder lang oder kurz.

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Details

Seiten
7
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656000297
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177943
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Jakobson Halle Phonem Phonetik distinktives Merkmal Sprachtheorie Prosodie Fundamentals of language distinctive features

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Titel: Die Theorie der distinktiven Merkmale von Jakobson und Halle