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Eine Analyse des Mythos in Platons Politikos

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Politikos und seine Charakteristika

3. Der Mythos im Politikos
3.1. Die Einordnung des Mythos
3.2. Der Inhalt des Mythos
3.3. Der Zweck des Mythos im Politikos

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Platons Dialog Politikos gilt noch heute als eines der schwersten und komplexesten Werke des altgriechischen Philosophen. Im Dialog gehen die Beteiligten, beziehungsweise Platon, der Frage nach dem Wesen des Staatsmanns nach. Die Form und die verschiedenen Aspekte, die im Dialog Verwendung finden, machen diesen zu einem besonderen und komplexen Werk. Mit der wachsenden Komplexität des Werkes geht aber auch der Zugang zu der Schrift Platons verloren. Der Gedankengang ist schwerer nach zu empfinden und die verschiedenen im Dialog verwendeten Methoden sind schwer zugänglich. Zuweilen wird der Politikos auch als „spröde und literarisch unattraktiv“1 oder „langweilig, scholastisch, kompliziert und konfus“2 bezeichnet. Trotz dieser Hindernisse bleibt der Dialog ein interessantes Stück der Philosophie. Zum einen, weil sich die Entwicklung Platons am Politikos ablesen lässt, zum anderen aber, weil viele der Aspekte im Dialog für sich genommen, erhebliches Potenzial zur Diskussion bieten. Gerade weil der Politikos nicht zu der hohen Literatur Platons gezählt wird, ist er sehr interessant und lesenswert.

Einer der meistdiskutierten Aspekte im Politikos ist der Mythos, der im Werk Platons verwendet wird (269c - 274d). Der Mythos ist ein Einschub den Platon im vorderen Teil des Werkes vornimmt um einen Fehler beziehungsweise eine Ungenauigkeit in der vorherigen Argumentation aufzuzeigen.

In der folgenden Arbeit wird der Mythos aus dem Politikos im Mittelpunkt stehen. Die vordergründige Frage ist dabei, wozu der Mythos dient? Ist er ein reiner Exkurs um einen Fehler zu finden? Oder hat er einen anderen weitläufigeren Zweck? Warum muss es unbedingt ein Mythos sein, der in Platons Dialektik eingewoben wird? Dabei wird sich zunächst dem Politikos an sich gewidmet. Es werden einige Aspekte zum Werk Platons erläutert. Dann wird der Mythos im Mittelpunkt stehen. Dieser wird zunächst in den Kontext des Dialogs gerückt. Anschließend werden der Inhalt des Mythos und deren Kontroversen erläutert. Dazu werden verschiedene Argumentationen von Forschern über den Zweck des Mythos im Politikos erläutert. Abschließend werden die Leitfragen der Arbeit anhand der vorherigen Erkenntnisse in einem Fazit beantwortet. Um diesen Aspekt des Politikos zu erklären wird umfangreiche Literatur verwendet. Grundlage bilden die Übersetzung und der Kommentar von Friedo Ricken zum Politikos. Zudem wird die Aufsatzsammlung von Christopher Rowe als Basis benutzt, welche immer noch eine der umfangreichsten und wichtigsten Schriftsammlungen zum Politikos ist. Daneben werden einzelne Aufsätze zum Mythos im Politikos von Rowe und Christoph Horn verwendet. Zudem finden auch die Schrift von Hennig Ottmann und Margarita Kranz Eingang in die Arbeit. Die Literaturliste am Ende fasst die verwendete Literatur kurz zusammen.

2. Der Politikos und seine Charakteristika

Der Politikos war eines der späteren Werke Platons und entstand vermutlich zwischen 366 und 361 v. Chr.3 Bereits in der Zuordnung des Dialogs ergeben sich erste Schwierigkeiten. So ging man früher von einer Trilogie aus den Dialogen Theaitetos, Sophistes und dem Politikos aus.4 Mittlerweile geht die Forschung von einer Einteilung in die Dialoge Sophistes, Politikos und Philosophus aus.5 Der Philosophus jedoch wurde niemals geschrieben, weshalb diese Einteilung schwer fällt, dennoch Sinn macht.6

Der Politikos wurde lange Zeit von der Forschung weitestgehend ignoriert. Stattdessen wurden vornehmlich andere Dialoge von Platon analysiert. Beispielweise der thematisch ähnliche Dialog Politeia. Im ausgehenden 20. Jahrhundert emanzipierte sich der Politikos jedoch von seinem Schattendasein und rückte in eine breitere Forschungsdiskussion.7 Zwei Aspekte sind dabei besonders interessant für die Forschung. Zum einen wird der Dialog oft für die persönliche Entwicklung Platons, insbesondere durch den Vergleich mit der Politeia und Platons letzten Dialog, dem Nomoi, genutzt und zum anderen werden einzelne Aspekte und separate Gedankengänge aus dem Politikos herausgegriffen und analysiert.

Am Dialog nehmen vornehmlich Sokrates der Jüngere und ein Fremder teil, jedoch sind auch Sokrates der Ältere und Theodoros anwesend. Beide beteiligen sich am Anfang beziehungsweise am Ende des Werks am Gespräch und fungieren sonst nur als Aufsichtspersonen. Sokrates der Jüngere und der Fremde hingegen führen die philosophische Diskussion über den Dialog hinweg. Der Fremde ist dabei der Wortführende. Er gibt die Themen vor und leitet die Argumentation. Sokrates der Jüngere ist hingegen der bejahende Jüngling und steht intellektuell größtenteils unter dem Fremden.

Die Frage der Platon im Dialog nachgeht, ist die Frage nach dem wahren Wesen des Staatsmannes.8 Um diese Frage zu beantworten, werden von den Teilnehmern viele verschiedene Methoden verwendet. Beispielsweise die Dihairese, die auch in anderen Dialogen von Platon Verwendung findet, oder die Einführung von Beispielen zur genaueren Begriffdefinition. Was den Politikos zugleich interessant und schwerer zugänglich macht ist die Form. Die Argumentation verläuft nicht stringent in eine Richtung. Vielmehr werden Erkenntnisse verworfen und es wird zu früheren Punkten in der Argumentation zurückgekehrt. Außerdem finden sich im Argumentationsgang Einschübe und Exkurse um Fehler aufzeigen. Der bekannteste und am meisten diskutierte dieser Exkurse ist der Mythos, der in dem Absatz 268d - 274e benutzt wird. Dieser ist einer der bekanntesten Auszüge aus dem Politikos und zugleich eine der am schwersten zu interpretierenden Stellen.9

Vor dem Mythos findet sich ein längerer Absatz über die Dihairese, mit der Platon den Staatsmann definieren will. Die Dihairese führt aber in eine Sackgasse, sodass ein Einschub genutzt wird um herauszufinden, an welchem Punkt der Dihairese ein Fehler gemacht wurde.10 Dieser Einschub ist der „Mythos von göttlichen Hirten.“11 Die Dihairese definierte den Staatsmann als „Hirten der menschlichen Herde“. Anhand dieses Mythos wird der Fehler in der Dihairese aufgezeigt beziehungsweise, dass die aus der Dihairese gewonnen Definition anachronistisch ist.12 Anschließend kehren die Beteiligten an einen bestimmten Punkt in der Argumentation zurück, nämlich an dem Punkt bevor der Fehler unterlaufen ist.

3. Der Mythos im Politikos

Im Politikos nimmt der Mythos eine besondere Stellung ein. Er ist nicht der eigentliche Gegenstand des Dialogs, sondern hat Exkurscharakter um den Fehler in der Dihairese anzuzeigen. Der Mythos aus dem Politikos soll im folgenden Gegenstand sein. Zunächst wird der Mythos in den Kontext des Dialogs eingeordnet. Dann wird der Inhalt des Mythos dargestellt und anschließend wird die Frage nach dem Zweck des Mythos anhand von Forschungsliteratur untersucht. Ein abschließendes Fazit zum Mythos und auch zum Teil des Politikos bildet den Abschluss des Analyse und der Arbeit.

3.1. Die Einordnung des Mythos

Der Mythos beginnt im Abschnitt 269c und erstreckt sich bis zum Abschnitt 274d. Wie bereits erwähnt hat der Mythos einen Exkurs- beziehungsweise Einschubcharakter. Platons Ziel im Politikos ist nicht der Mythos oder dessen Inhalt, sondern die Definition des Staatsmanns. Der Mythos ist ein Mittel für dieses Ziel. Jedoch ist der Mythos nicht das eigentliche Mittel für die Definition des Staatsmanns.

Der erste Weg, den die Beteiligten und Platon nutzen um das Wesen des Staatsmann zu finden ist die Dihairese. In der Dihairese wird ein Oberbegriff zunächst in zwei Unterbegriffe geteilt. Danach wird einer dieser Unterbegriffe als Oberbegriff verwendet und daraufhin wieder geteilt. Diese Teilung wird solange gemacht, bis man den zu definierenden Begriff gefunden hat. Die Eigenschaften des Begriffs ergeben sich dann aus den vorherigen Teilungen. Möchte man beispielsweise das Wesen des Stiers definieren, so beginnt man mit der Menge aller Lebewesen. Den Begriff der Lebewesen teilt man daraufhin in Tiere und Pflanzen. Da der Stier ein Tier ist, wird der Begriff des Tieres als neuer Oberbegriff verwendet. Die Tiere teilt man dann beispielsweise in Pflanzenfresser und Fleischfresser auf. Der Stier ist ein Pflanzenfresser, wodurch dieser Begriff weitergeteilt wird. Mit dieser Teilung verfährt man solange, bis man eine genaue Beschreibung des Stieres hat. Diese Teilung muss aber für beide Unterbegriffe stets positiv sein. Beispielsweise kann man nicht in „Pflanzenfresser“ und „nicht Pflanzenfresser“ teilen.13 Im Politikos wird diese Dihairese genutzt um den Staatsmann zu definieren. Platons Dihairese führt zu folgendem Ergebnis: Der Staatsmann definiere sich als Künstler. Dabei hat er eine Kunst inne, die befiehlt und welche die Oberste, Souveräne und Selbstbefehlende ist. An dieser Definition wird eine weitere Dihairese angewandt. Man unterteilt diese souveräne Kunst in die, die für die Herden von Lebewesen sorgt. Somit wäre der Staatsmann der Hirte der menschlichen Herde. Diese Definition vom Staatsmann sei ein Fehler. Denn auch der Hirte von Schweinen träfe auf diese Definition zu. Es wurde somit eine Ungenauigkeit in der Dihairese begangen. Der Mythos wird nun verwendet um diese Ungenauigkeit aufzuzeigen.

[...]


1 Christoph Horn, „Warum zwei Epochen der Menschheitsgeschichte? Zum Mythos im Politikos“, in: Markus Janka / Christian Schäfer (Hg.), Platon als Mythologe. S. 137 - 159. Regensburg 2002. S. 137.

2 Friedo Ricken, Platons Politikos übersetzt und kommentiert von Friedo Ricken, Göttingen 2008. S. 1.

3 Zur Entstehung vgl. Hennig Ottman, Geschichte des politischen Denkens. Band 1: Die Griechen Teilband 2: Von Platon bis zum Hellenismus, Stuttgart 2001. S. 75.

4 Vgl: Margarita Kranz, Das Wissen des Philosophen. Platons Trilogie „Theaitet“ „Sophistes“ und „Politikos“, Tübingen 1986. S. 1.

5 Vgl. Ottman, PolitischesDenken. S. 75.

6 Zur weiteren Diskussion über die Zuordnung des Politikos vgl. Ebd. Sowie Kranz, Das Wissen. Oder Charles H. Kahn, “The Place of the Statesman in Plato 's later Work”. In: Christopher Rowe, Reading the Statesman. Proceeding ofthe IllSymposium Platonicum, Sankt Augustin 1995. S. 49 - 60.

7 Eine Auswahl an Forschungsliteratur und einen Stand der Forschung zum Politikos bietet die anhängende Literaturliste oder Rowe, Reading the Statesman sowie die Literaturliste in Rickens Kommentar zum Politikos.

8 Vgl. Platon, Politikos. 258b.

9 Vgl. Horn, „Epochen“. S. 137.

10 Vgl. Platon, Politikos. 268d.

11 Ottmann, PolitischesDenken. S. 77.

12 Michael Erler, „Kommentar zur Brisson und Dillon“, in: Christopher Rowe. Reading the Statsmann. Proceeding of the III Symposium Platonicum, S. 375 - 380. Sankt Augustin 1995. S. 375.

13 Für eine genauere und umfangreichere Beschreibung der Dihairese vgl. die entsprechenden Stellen in Rickens Kommentar zum Politikos sowie Ottmann, Politisches Denken.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640996278
ISBN (Buch)
9783640996636
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177785
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
Platon Politikos Mythos Antike Philosophie Mythologien Zeitalter

Autor

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Titel: Eine Analyse des Mythos in Platons Politikos