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Lohnt sich das berufsbegleitende Studium investitionsökonomisch?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 20 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Monetäre Betrachtung eines berufsbegleitenden Studiums
2.1. Investition eines berufsbegleitenden Studiums
2.2. Fördermittel und Finanzierungsmöglichkeiten
2.3. Monetäre Ermittlung der Gesamtinvestition eines berufsbegleitenden Studiums

3. Jahreseinkommen und Funktion im Vergleich
3.1. Amortisationsdauer
3.2. Arbeitsmarktsituation für Akademiker in Krisenzeiten
3.3. Investitionsökonomische Würdigung eines berufsbegleitenden Studiums

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Die nachfolgende Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Thema: Lohnt sich ein berufs- begleitendes Studium investitionsökonomisch? Von einer Investition kann immer dann gesprochen werden, wenn finanzielle Mittel in Finanz-, Sach- oder immaterielles Ver- mögen fließen, verbunden mit dem Ziel Gewinne bzw. Einnahmenüberschüsse in der Zukunft zu erzielen. Es handelt sich bei einer Investition also um eine zukunftsorientier- te Geldausgabe.1 In Anwendung auf die vorliegende Fragestellung ist der Marktwert des Arbeitnehmers ohne Studium im Vergleich zu einem Akademiker ausschlaggebend, ob sich eine Finanzierung eines Studiums lohnt. Der Marktwert liefert ein Kriterium für die Beurteilung einer Investitionsentscheidung, die zunächst mit Ausgaben verbunden sind, für die Zukunft aber positive Zahlungsüberschüsse erwarten lassen. Dies gilt für alle In- vestitionen, die der Schaffung von personellen Potentialen dienen. Eine Investition in ein Studium ist dann lohnenswert, wenn sich insgesamt der Marktwert eines Akademi- kers gegenüber einem unstudierten Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt erhöht und sich die Anfangsausgabe mit der Zeit amortisiert und darüber hinaus im Zeitverlauf mit Ein- nahmenüberschüssen gerechnet werden kann.2 Im Verlauf der Seminararbeit wird her- ausgearbeitet, welche Investitionen letztendlich im Zuge eines berufsbegleitenden Stu- diums getätigt werden müssen. Hierbei erfolgt die Betrachtung monetärer Größen sowie schwer in Geld auszudrückender Faktoren wie beispielsweise die in ein berufsbegleiten- des Studium fließende Zeit. Dabei wurde der monetäre Wert von Zeit anhand des Be- griffs der Opportunitätskosten näher erläutert. Eine Gegenüberstellung der Jahresein- kommen sowie des Gehaltsverlaufs von unstudierten Arbeitnehmern und Akademikern führt den Beweis, ob sich ein berufsbegleitendes Studium letztendlich lohnt oder nicht. Unter diesem Aspekt erfolgt die Auswertung der Amortisationsdauer. Die Amortisation ist in diesem Falle die Zeit des Rückflusses des investierten Kapitals durch positive Ge- haltsentwicklung. Um einen besseren Vergleich anstellen zu können, stützt sich die Se- minararbeit in den Betrachtung auf ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann mit einem Fachhochschulabschluss an diversen privaten Hochschulen.

2. Monetäre Betrachtung eines berufsbegleitenden Studiums

Ein berufsbegleitendes Studium ist ein Bildungsmodell, das es berufstätigen Menschen ermöglicht, neben einer Teil-/Vollzeitbeschäftigung oder einer Berufsausbildung einen Hochschulabschluss zu erlangen. Die Studienprogramme sind speziell auf die Bedürf- nisse der Berufstätigen zugeschnitten. Hier gibt es Möglichkeiten des Lernens via Stu- dienbriefen und speziellen E-Learning-Programmen, wodurch der Student räumlich un- gebunden ist und seine Zeit flexibel einteilen kann. Ferner finden in regelmäßigen Ab- ständen Präsenzphasen an den jeweiligen Studienorten statt.3 Ein Studium neben dem Beruf verlangt dem Studenten eine hohe Form von Selbstdisziplin ab, da Studium, Be- ruf und das soziale Leben in Einklang gebracht werden müssen. Hierbei ist ein straffes Zeitmanagement und Organisationstalent erforderlich, um den Anforderungen der Dop- pelbelastung entsprechen zu können. Welche Investitionen im Zuge eines berufsbeglei- tenden Studiums getätigt werden müssen, wird im Folgenden erläutert.

2.1. Investitionen eines berufsbegleitenden Studiums

Die Studiengebühren eines berufsbegleitenden Studiums richten sich zum einen nach der Hochschule und zum anderen nach dem angestrebten Studienabschluss (Fachrich- tung) und der Studienzeit. Zur vereinfachten Veranschaulichung wird nachfolgend eine investitionsökonomische Ausarbeitung eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums zum Diplom-Kaufmann (FH) vorgenommen. So berechnet beispielsweise die FOM Fachhochschule für Ökonomie und Management für ein berufsbegleitendes Studium ak- tuell monatliche Studiengebühren in Höhe von 295 Euro.4 Die Regelstudienzeit beträgt 42 Monate. Hinzuzurechnen ist eine einmalige Prüfungsgebühr in Höhe von 300 Euro, so dass sich für den Studierenden Fixkosten in Höhe von 12.690 Euro ergeben. Für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an den AKAD Hochschulen mit einer Studien- dauer von 48 Monaten und monatlichen Studiengebühren in Höhe von 260,25 Euro be- tragen die Kosten 12.492 Euro. Die AKAD Hochschulen bieten darüber hinaus eine so genannte Sprintvariante in nur 36 Monaten für 347 Euro monatlich, mithin insgesamt 12.492 Euro an.5 Ein Studium an der Europäischen Fernhochschule Hamburg kostet ins- gesamt 15.840 Euro (48 Monate á 330 Euro).6 So lassen sich die durchschnittlichen Fix- kosten für ein berufsbegleitendes wirtschaftswissenschaftliches Studium auf durch- schnittlich 13.674 Euro (Durchschnittswert: FOM 12.690 Euro + AKAD 12.492 Euro + Euro-FH Hamburg / 3) beziffern. Bei der Betrachtung ist zu erkennen, das die Studien- gebühren und -dauer von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich sind. Die Studien- dauer ist eine investitionsökonomische Größe. Ein Studium mit einer Regelstudienzeit von beispielsweise 36 Monaten bietet dem Absolvent schneller die Möglichkeit einen Gehaltssprung zu erzielen oder wertvolle Berufserfahrung zu sammeln, als einem Ab- solventen eines Studiums mit einer regulären Studienzeit von 48 Monaten.

Während eines berufsbegleitenden Studiums entstehen dem Studierenden ferner varia- ble Kosten für Arbeitsmaterialien wie beispielsweise Lehrbücher, Schreibwerkzeug, Schreibblöcke, Ordner, Internetnutzung etc. In einem Studium zur Diplom-Kaufmann/- frau (FH) werden der Autorin Kosten für Lernmaterial in Höhe von insgesamt 1.084,84 Euro entstehen. Die nachfolgende Tabelle stützt sich auf Erfahrungswerte. Die angege- benen Preise sind handelsüblich. Für die Schreibutensilien wurden Pauschalwerte einge- setzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gesamtkosten Lernmaterial

Wie hoch die Kosten für Lernmittel jedoch im Allgemeinen sind, hängt stark vom Studi- enfach ab. So sind Kosten zwischen 30 Euro und 77 Euro monatlich denkbar.7 Ermittelt man hieraus den Mittelwert und multipliziert diesen mit einer Regelstudienzeit von ca. 42 Monaten, so entstehen variable Kosten in Höhe von 2.247 Euro (53,50 Euro * 42 Monate) .

Zu den zu tätigenden Investitionen zählen ferner die Fahrtkosten. Im Laufe eines berufs- begleitenden Studiums fallen dem Studenten Fahrtkosten an, die durch die Wahrneh- mung von Präsenzveranstaltungen entstehen. Hierbei sind die Kosten proportional zur Wegstrecke. Pro gefahrenen Kilometer können 0,30 Euro gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG steuerlich geltend machen. Die FOM beispielsweise bietet den Studierenden drei Prä- senzveranstaltungen in der Woche an.8 Geht man von einem einfachen Anfahrtsweg von ca. 20 km zum Studienort aus so entstehen dem Studenten über den gesamten Studien- zeitraum Fahrtkosten in Höhe von ungefähr 6.048 Euro (40 km * 0,30 Euro * 3 (Veran- staltungen in der Woche) * 4 (Kosten pro Monat) * 42 (Kosten pro Regelstudienzeit). Einige Hochschulen bieten, wie eingangs erwähnt, auch die Möglichkeit des Studierens via Studienbriefen oder speziellen E-Learning-Programmen an. Dadurch entstehen dem Studierenden nur geringe bis gar keine Fahrtkosten.

Auch der Faktor Zeit ist eine Investition.9 Der durchschnittliche Lernaufwand für ein berufsbegleitendes Studium beträgt pro Woche in etwa 15 - 20 Stunden.10 Während die- ser Zeit hat der Student also nicht die Möglichkeit, diese anderweitig zu nutzen. Da- durch entstehen dem Studenten Opportunitätskosten (OK). Diese sind Kosten einer alternativen Verwendung eines knappen Faktors, also ein in Geld ausgedrückter entgangener Nutzen oder Ertrag, der durch eine alternative Verwendung eines Faktors oder Guts erzielbar gewesen wäre. Es entsteht dem Studenten also während des Stu- diums ein entgangener Grenznutzen der Handlungsmöglichkeit, auf den er zugunsten der durchgeführten Alternative (hier das Studium mit einem Zeitaufwand von etwa 20 Stunden in der Woche über einen Zeitraum von 42 Monaten) verzichtet hat. OK entste- hen immer dann, wenn Ressourcen lediglich einmal verwendet und nicht gleichzeitig anderen Zwecken zugeführt werden können.11 Zu den Opportunitätskosten eines Studi- ums zählen auch die Ausgaben für Fachbücher, Studiengebühren und alle Ausgaben, die man nur dann hat, wenn man studiert. Die höchsten Opportunitätskosten eines Studiums verursacht jedoch die Zeit, denn während der Studienzeit könnte man statt dessen die Freizeit genießen oder einer Nebenbeschäftigung nachgehen oder soziale Kontakte pfle- gen. Kann man durch eine gute Studienplanung seine Studiendauer verringern, und so- mit beispielsweise ein halbes Jahr früher arbeiten, so hat man Opportunitätskosten in Höhe des in diesem halben Jahr erzielten Einkommens eingespart.12 In der Volkswirt- schaftslehre versucht man, für den Faktor Freizeit eine monetäre Bewertung vorzuneh- men, deren Wert man nach dem Opportunitätskostenkonzept mit dem alternativen Stun- denverdienst bei Erwerbstätigkeit ansetzen könnte.13 Während des berufsbegleitenden Studiums entsteht dem Studierenden ein Freizeitverlust von etwa 20 Stunden in der Wo- che. Dies entspricht bezogen auf den gesamten Studienzeitraum von 42 Monaten einem Gesamtfreizeitverlust von ca. 3.360 Stunden. Um diesen Freizeitverlust einer monetären Betrachtung unterziehen zu können, wird im Folgenden der alternative Stundenver- dienst bei Erwerbstätigkeit ermittelt und auf den Freizeitverlust analog angewendet. So ergibt sich aus den in Tabelle 2 aufgelisteten Teilzeit-Jobs der 10 besten Teilzeitstellen ein Mittelwert des durchschnittlichen Stundenlohns in Höhe von 11,17 Euro. Bei einem Gesamtfreizeitverlust von 3.360 Stunden und einem Stundenlohn in Höhe von 11,17 Euro entspricht dies Opportunitätskosten für entgangene Freizeit in Höhe von brutto 37.531,20 Euro. Monatlich entspricht dies während des gesamten Studienzeitraums Opportunitätskosten im Wert von brutto 893,60 Euro, mithin jährlich 10.723,20 Euro.

Laut einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) wurden die 10 besten Teilzeitstellen in Bezug auf den durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn wie folgt definiert:

[...]


1 Vgl. Investition, o. V., URL: http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/investition/investition.htm, Abruf am 03.06.2009.

2 Vgl. Hax, Herbert (2005): Unternehmen und Unternehmer in der Marktwirtschaft, Göttingen 2005, S. 103 ff.

3 Vgl. Hartmann, Ulrike, Berufsbegleitendes Studium - wie funktioniert's?, URL: http://studieren.de/berufsbegleitendes-studium.0.html, Abruf am 15.05.2009.

4 Vgl. FOM Fachhochschule für Ökonomie und Management, Studiengebühren URL: http://www.fom.de/fom_bachelor_of_arts_business_administration.html#studiengebuehren_ und_ foerderungen, Deutschsprachiger Studiengang Business Adminitstration, Abruf am 22.05.2009.

5 Vgl. AKAD Hochschulen, Betriebswirtschaftslehre Diplom-Kaufmann (FH), URL: http://www.akad.de/Produkte.469+M5708c001265.0.html, Abruf am 22.05.2009.

6 Vgl. Europäische Fernhochschule Hamburg, Studiengebühren und kostenlose Downloads, URL: http://www.euro-fh.de/shared/oic/index.php?kurs_uid=, Abruf am 22.05.2009.

7 Vgl. Was kostet ein Studium (im Monat)?, o. V., URL: http://www.studis-online.de/StudInfo/ Studienfinanzierung/kosten.php, Abruf am 03.06.2009.

8 Vgl. FOM Fachhochschule für Ökonomie und Management, Vorlesungszeiten, URL: http://www.fom.de/fom_bachelor_of_arts_business_administration.html#vorlesungszeiten, Abruf am 03.06.2009.

9 Vgl. Debus-Spangenberg, Isolde (2004): Karriereführer für Biowissenschaftler: Beschäftigungsfelder- Arbeitgeberwünsche- Crashkurs bewerben, Hoboken, New Jersey, USA, 2004, S. 173.

10 Vgl. Fernstudium - Was man beachten sollte, o. V., URL: http://www.studieren-berufsbegleitend.de/weitere-informationen-zum-thema-nebenberufliches- studium/fernstudium-was-man-beachten-sollte/, Abruf am 22.05.2009.

11 Vgl. Wirtschaftslexikon, o. V., URL: http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/opportunitaetskosten/opportunitaetskosten.htm, Abruf am 22.05.2009.

12 Vgl. Sieg, Gernot (2007): Volkswirtschaftslehre: Mit aktuellen Fallstudien, München 2007, S. 5.

13 Vgl. Welfens, Paul, J.J. (2005): Grundlagen der Wirtschaftspolitik: Institutionen- Makrookonomik- Politikkonzepte, 2. Auflage, Heidelberg 2005, S. 6.

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