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Die Zukunftswerkstatt und die Möglichkeiten ihres Einsatzes im Schulunterrricht

Struktur, Beispiel, Bildungsziele und Kompetenzen

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Struktur einer Zukunftswerkstatt..
2.1 Rahmenbedingungen.
2.1.1 Zeitraum .
2.1.2 Ort / Raumausstattung:
2.1.3 Teilnehmerzahl
2.1.4 Arbeitsklima
2.2 Die drei Hauptphasen
2.2.1 Phase I: Bestandsaufnahme / Kritik
2.2.2 Phase II: Phantasie / Utopie
2.2.3 Phase III: Verwirklichung / Praxis
2.3 Nachbereitung
3. Beispiel einer Zukunftswerkstatt in der Schule

4. Bildungsziele und Kompetenzen

5. Fazit

6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Bei der Entwicklung der Zukunftswerkstatt hat mir ein Schlüsselerlebnis, das ich 1954 in Sizilien hatte, entscheidend geholfen. Und zwar bin ich damals nach Palermo gefahren, um den Sozialreformer Danilo Dolci zu interviewen. Der machte damals einen Hungerstreik, um auf die Unterdrückung der Bauern durch die Mafia in Sizilien hinzuweisen. (…) Und da habe ich zum ersten Mal erlebt, daß er diesen ganz einfachen Menschen gesagt hat: Jetzt sagt doch mal, wie ihr es eigentlich anders haben wollt! Wie müßte es eigentlich sein, wenn die Mafia Euch nicht unterdrücken würde? Und da habe ich zum ersten Mal erlebt, nur dadurch habe ich Vertrauen gewonnen, daß Menschen in einem so schnellen Prozeß überhaupt zum Reden kommen, daß sie es wagen zu reden, daß sie es wagen, etwas zu erfinden. Da habe ich gesehen, wenn das diese ganz einfachen sizilianischen Landarbeiter und Tagelöhner können, dann müßten es ja auch andere können. Ich dachte damals noch, daß sei mit anderen Menschen einfacher. Dann habe ich aber herausgefunden, daß der kulturell belastete Mensch es viel schwerer hat, zu seiner Phantasie zu kommen, als jemand, der nicht soviel Wissen besitzt (Auszug aus einem Interview mit Robert Jungk. In: Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S. 96f).

So begann die Arbeit Robert Jungks an der Zukunftswerkstatt, welche heute weit verbreitet zum Einsatz kommt. Er verstand sie als „Ort des demokratischen Diskurses“ (Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S. 14), als er die Zukunftswerkstatt in den 60er Jahren in Zusammenarbeit mit anderen Zukunftsforschern entwarf.

In den 70ern fand sie Anwendung in Betroffenenwerkstätten, bei brennenden Problemen, aber auch um Interessen von Einrichtungen, Gruppen und Initiativen zu vertreten. Dieses Jahrzehnt steht zudem für den Beginn der Dokumentation von Zukunftswerkstätten, was auch ein Grund dafür sein könnte, dass sie in den 80er Jahren stark an Bekanntheit hinzugewann und als Problemlösestrategie anerkannt wurde. In den 1990ern kam die Zukunftswerkstatt nun immer häufiger auch in Studien, wissenschaftlichen Arbeiten und in Bereichen, welche einen nur geringen politischen Anspruch hatten, zum Einsatz. Dies führte zu einer weiteren Professionalisierung der Werkstatt (vgl. Kuhnt, Müllert 2004, S. 24-33).

Das Anliegen Jungks und seiner Mitstreiter lag in der Einbeziehung möglichst vieler Menschen, aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen heraus, in politische und soziale Entscheidungen, was ihnen mit der Weiterentwicklung der Zukunftswerkstatt immer mehr gelang, wie ihre zügige Verbreitung deutlich macht. Ihr gelingt es, dass Menschen unabhängig von äußeren Zwängen den allgemeinen „Grundtyp menschlicher Problembewältigung (…) um eine entscheidende Akzentuierung, die Aufhebung des linearen Denkens, verändern“ (Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S. 18). Zudem sehen die Teilnehmer/innen von Zukunftswerkstätten, was sie unabhängig von Expertenwissen, auf Grund ihrer Phantasie, selbst leisten und verändern können. Eben dies kann auch Schüler/innen sehr motivieren, da sie nicht nur von anderen lernen müssen, sondern mit Hilfe ihrer eigenen Phantasie und Kreativität zu Neuem kommen können. Zudem fällt es Kindern und Jugendlichen meist leichter, in ihre Phantasie abzutauchen und sich gänzlich von Vorschriften zu befreien, als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Zudem bietet die Werkstattarbeit eine willkommene Abwechslung für Schüler/innen zu ihrem sonst manchmal recht eintönigen Schulalltag.

Aus diesen Gründen beschäftigt sich diese Arbeit nicht nur mit der Zukunftswerkstatt als solche, sondern auch immer wieder mit dem Blick auf die Möglichkeiten der Umsetzung im Schulunterricht, da sie in diesem Bereich noch sehr selten angewandt wird. In Kapitel 3 dieser Arbeit wird ein Beispiel einer Zukunftswerkstatt für den Haushalts-und- Ernährungs-Unterricht als Inselreise vorgestellt; zunächst wird jedoch ein Überblick über den Aufbau der Zukunftswerkstatt skizziert und im Ansatz mit Blick auf Umsetzung im Unterricht diskutiert, wobei hier noch zu erläutern ist, dass die Zukunftswerkstatt in Jungks Sinne keine Methode, sondern wie der Name schon sagt, eine Werkstatt ist, in deren Rahmen verschiedene Methoden zum Einsatz kommen können.

2. Die Struktur einer Zukunftswerkstatt

2.1 Rahmenbedingungen

Um das Gelingen einer Zukunftswerkstatt weitestgehend zu sichern, ist es sinnvoll gewisse Vorbereitungen zu treffen und Vorgaben zu beachten. Im Folgenden werde ich einzeln auf die verschiedenen Bereiche eingehen, im speziellen auch unter Beachtung schulischer Aspekte.

2.1.1 Zeitraum

Ideal für die Durchführung einer Zukunftswerkstatt ist die Dauer von drei Tagen bis zu einer Woche. Die drei Tage entsprechen hierbei genau den drei Hauptphasen, welche viel Zeit in Anspruch nehmen, die ihnen auch gewährt sein soll. Nimmt man sich eine ganze Woche Zeit, so können die verschiedenen Phasen je nach Bedarf ausgedehnt werden, wodurch die Teilnehmer die Möglichkeit haben auch ausgefallenere Arbeitsweisen einzubauen, die eventuell mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wird der Zeitraum auf ein Wochenende oder nur einen Tag reduziert, besteht die Gefahr, dass die einzelnen Phasen zu kurz geraten und aus Zeitmangel nur eine oberflächliche Materialsammlung entsteht. Es sollte bei einer Zukunftswerkstatt auf jeden Fall immer „gewährleistet sein, daß die drei Hauptphasen (Kritikphase, Phantasiephase und Verwirklichungsphase) in jedem Fall durchschritten werden“ (Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S. 27).

Wird die Zukunftswerkstatt nicht an aufeinander folgenden Tagen durchgeführt, sondern zum Beispiel in wöchentlichen Seminaren, so besteht die Gefahr, dass die Teilnehmer sich nicht wirklich kennen lernen, also nicht zu einer Gruppe werden. Zudem können die Alltagsereignisse jeden Teilnehmer in der dazwischen liegenden Zeit wieder aus ihrer Gedankenwelt herausreißen, sodass kein Ideenfluss entstehen kann.

Hier stehen wir wieder vor einem Problem, wenn wir versuchen, die Zukunftswerkstatt in der Schule einzuführen. Am besten eignen sich hierfür eine Projektwoche oder sogar ein Schullandheim (ggf. auf drei Tage begrenzt). Das in Kapitel 3 angeführte Beispiel einer Zukunftswerkstatt in der Schule zeigt jedoch eine Möglichkeit, durch geschickte Themenwahl und Rahmengebung wesentlich weniger Zeit zu benötigen.

2.1.2 Ort / Raumausstattung:

Um bei dem Aspekt der Durchführung einer Zukunftswerkstatt in der Schule zu bleiben, möchte ich zunächst auch auf die dort vorhandenen Räumlichkeiten eingehen. Für eine gelungene Durchführung der Zukunftswerkstatt sollten sich die Teilnehmer/innen in einem für sie möglichst nicht „vorbelasteten“ Raum auf die Reise in die Phantasie begeben, damit keine äußeren Einflüsse störend hinzukommen können. Um einen solchen Raum zu schaffen ist es wichtig, entweder einen anderen Raum als das gewohnte Klassenzimmer zu nutzen, oder das gewohnte Zimmer sehr stark umzugestalten, damit die Schüler/innen sich wohl fühlen können. Zudem müssen genügend Rückzugsmöglichkeiten für die einzelnen Gruppen zur Verfügung stehen, sowie genug Material für Plakate, Wandzeitungen, Stellwände, Arbeitsblätter, etc. Hilfreich für die Dokumentation sind auch „große Papierbögen (Packpapier) oder Druckerrollenpapier (…), dazu Klebeband und Filzstifte“ (Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S.27) und selbstverständlich der Zugang zu einem gut ausgestatteten Computerraum und Kopierern.

2.1.3 Teilnehmerzahl

Die ideale Gruppengröße, so Weinbrenner und Hecker, liege etwa bei 20 Personen (vgl. Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S. 27). Da dies in der Schule oft leider nicht einzuhalten und die Klassengröße nicht beeinflussbar ist, sollte nicht nur ein Moderator (Lehrer), sondern mindestens noch ein zweiter (weitere Aufsichtsperson, Schüler/in, usw.) zur Verfügung stehen. Die Kleingruppen für die Arbeitsphasen sollten aus drei bis sieben Personen zusammengesetzt werden, damit nicht zu wenige Ideen und Meinungen zu Tage gefördert werden, aber auch nicht zu viele unterschiedliche Ansichten die Arbeit schwierig und unnötig zeitintensiv machen.

2.1.4 Arbeitsklima

Um ein geeignetes Arbeitsklima zu schaffen, sollte zunächst eine Einstimmung der Teilnehmer/innen auf das Folgende stattfinden. Sich unbekannte Personen sollten sich gegenseitig vorstellen, was zum Beispiel in Form von Kennenlernspielen geschehen kann (vgl. Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S. 27). Dieser Punkt entfällt jedoch in einer Schulklasse, es sei denn, die Zukunftswerkstatt wird im Rahmen einer Projektwoche Klassen übergreifend durchgeführt. Auch finde ich die Empfehlung von Weinbrenner und Häcker, „Geschichte, Zielsetzung und Verfahren der Zukunftswerkstatt [sollten] erläutert werden“ (Burow, Neumann-Schönwetter 1995, S. 27) für eine Schulklasse nicht unbedingt angebracht. Eine solche Reflexion über Zukunftswerkstätten kann der Sekundarstufe 2 oder in der Erwachsenenbildung von Interesse sein.

Ein meines Erachtens gutes Beispiel für die Einstimmung auf eine Zukunftswerkstatt in der Schule geben Stange und Gnielczyk in der „Lernwerkstatt Ernährung“ (1999). Hier wird empfohlen, das Klassenzimmer noch vor dem Eintreffen der Schüler/innen in einen „hypermodernen >Schwebegleiter< mit dem Namen >Europa 11< (Zeppelin mit flugzeugähnlichen Qualitäten)“ (Stange, Gnielczyk 1999, S. 76) umzugestalten, wodurch der gewohnte Raum verschwindet und die Kinder sich ganz auf die Zukunftswerkstatt einlassen können, ohne von der Atmosphäre ihres eigentlichen Klassenraums abgelenkt zu werden. So sollte auf jeden Fall auch die feste Sitzordnung aufgelöst und ein Fahrgastraum geschaffen werden. Um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und die Kinder einzustimmen, kann zudem „entspannende Musik vom Kassettenrecorder“ (Stange, Gnielczyk 1999, S. 76) eingespielt und das Licht gedimmt werden. In Kapitel 3 werde ich noch genauer auf dieses Beispiel eingehen.

Eine weitere Möglichkeit, um die Atmosphäre auch während der Werkstatt immer wieder aufzulockern, bieten Spiele „zwischendurch und insbesondere (…) [zu] Beginn der Phantasie- und Utopiephase“ (Albers, Broux 1999, S. 30).

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Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640993697
ISBN (Buch)
9783640995066
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177681
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg – Institut für Alltags- und Bewegungskultur
Note
1,5
Schlagworte
Unterricht Mensch und Umwelt MuM

Autor

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Titel: Die Zukunftswerkstatt und die Möglichkeiten ihres Einsatzes im Schulunterrricht