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Stellenwert globaler Probleme im Leben und in der Lebensplanung deutscher Studentinnen und Studenten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 29 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhalt

1 Bedeutung globaler Probleme

2 Fragestellung

3 Hypothesen
3.1 Hypothese 1 über die Wichtigkeit, dass etwas gegen globale Probleme unternommen wird
3.2 Hypothese 2 über die Korrelation zwischen Informiertheit und Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme
3.3 Hypothese 3 über den Zusammenhang zwischen Medienpräsenz und Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme
3.4 Hypothese 4 über den Glauben an die eigene Beitragsfähigkeit
3.5 Hypothese 5 über die Korrelation zwischen Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme und aktuellem bzw. zukünftigem Engagement
3.6 Hypothese 6 über die Korrelation zwischen aktuellem und zukünftigem, berufsunabhängigem Engagement
3.7 Hypothese 7 über geschlechtsspezifische Betätigungsfelder
3.8 Hypothese 8 über die Verbindung zwischen Bedingungserfüllung und Engagement
3.9 Hypothese 9 über den Zusammenhang zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und selbstlosem Einsatz im weiteren Sinn
3.10 Hypothese 10 über die Korrelation zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und persönlichen Einbußen
3.11 Hypothese 11 über die Korrelation zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und Verantwortungsgefühl
3.12 Hypothese 12 über den Zusammenhang zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und eigener Betroffenheit
3.13 Hypothese 13 über die Korrelation zwischen Politik und dem Gefühl der Handlungsunfähigkeit

4 Analyse
4.1 Analyse der 1. Hypothese: Über die Wichtigkeit, dass etwas gegen globale Probleme unternommen wird
4.2 Analyse der 2. Hypothese: Über die Korrelation zwischen Informiertheit und Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme
4.3 Analyse der 3. Hypothese: Über die Korrelation zwischen Medienpräsenz und Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme
4.4 Analyse der 4. Hypothese: Über den Glauben an die eigene Beitragsfähigkeit
4.5 Analyse der 5. Hypothese: Über die Korrelation zwischen Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme und aktuellem bzw. zukünftigem Engagement
4.6 Analyse der 6. Hypothese: Über die Korrelation zwischen aktuellem und zukünftigem, berufsunabhängigem Engagement
4.7 Analyse der 7. Hypothese: Über geschlechtsspezifische Betätigungsfelder
4.8 Analyse der 8. Hypothese: Über die Korrelation zwischen Bedingungserfüllung und Engagement
4.9 Analyse der 9. Hypothese: Über den Zusammenhang zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und selbstlosem Einsatz im weiteren Sinn
4.10 Analyse der 10. Hypothese: Über die Korrelation zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und persönlichen Einbußen
4.11 Analyse der 11. Hypothese: Über die Korrelation zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und Verantwortungsgefühl
4.12 Analyse der 12. Hypothese: Über den Zusammenhang zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und eigener Betroffenheit
4.13 Analyse der 13. Hypothese: Über die Korrelation zwischen Politik und dem Gefühl der Handlungsunfähigkeit

5 Fazit und Konsequenzen

Literatur

Anhang: Fragebogen zu globalen Themen

1 Bedeutung globaler Probleme

Schon vor Jahrzehnten wurden Bücher über globale Probleme und zukünftige, weltweite Komplikationen veröffentlicht wie z.B. 1984 „Die drohende Katastrophe. Globale Probleme der Menschheit“ von Hermann Bömer. Inzwischen ist der Begriff „globale Proble-matik“ längst zum Schlagwort in der Öffentlichkeit geworden und der Büchermarkt überschwemmt von diversen Titeln zu diesem Thema. Was jedoch versteht man unter globalen Problemen und warum sollte man sich mit ihnen überhaupt befassen?

Das Wort „global“ selbst bedeutet zunächst einmal „Welt umfassend“ oder „allgemein“. (Müller 1996, 115) Snarr teilt globale Probleme in zwei Gruppen ein: Zum einen in die Gruppe der Probleme, “ [...] that are transnational, that is, they cross political boundaries (country borders). These issues affect individuals in more than one country.” (Snarr 2002, 1) Als Beispiel dafür führt er Luftverschmutzung durch Fabriken der USA an, die nach Kanada wandert.

Zum anderen nennt er die Gruppe der Probleme, “[…] that do not necessarily cross borders but affect a large number of individuals throughout the world.” (a.a.O.: 1f.) Zur Veranschaulichung nennt er ethnische Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen, die zwar in einem einzelnen Land auftreten mögen, jedoch eine um vieles weiter reichende Wirkung haben. Er definiert globale Probleme also entweder dadurch, dass sie Landesgrenzen überschreiten oder eine sehr große Anzahl von Menschen betreffen.

Eine andere Definition globaler Probleme als Probleme, die die soziale und physische Existenz der Menschheit auf derartige Weise bedrohen, dass sie auf Dauer nicht überlebensfähig ist (Bömer 1984, 52), greift allerdings zu kurz und bedarf einer humanistisch-philosophischen Erweiterung. So müssen Gesellschaften, die an ein Wertesystem glauben, das die Gleichheit, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen beinhaltet und den Anspruch aller auf zumindest primäre, essentielle Lebensgrundlagen anerkennt, zwangsläufig auch Geschehnisse und Zustände, die die eigene Existenz nicht direkt bedrohen oder betreffen, aber ein menschenwürdiges Leben anderer unmöglich machen, aus ethischer Sicht als globale Probleme betrachten.

Damit fallen sämtliche Aspekte ohne jeden Vollständigkeitsanspruch von Abfallentsorgung über AIDS, Alphabetisierung und Zugang zu Erziehung/Ausbildung, Arbeitsplätze, Armut, Bedrohung der biologischen Vielfalt, Bevölkerungsexplosion, Energieversorgung, Epidemien, Flüchtlinge, Friedenspolitik, Genozid, Gesundheitsversorgung, Hunger, Kinderarbeit, Klimawandel, Kriege und Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen, Nationalismusfrage, Probleme mit Luft-, Erdboden und Gewässer/Meeresverschmutzung, Rohstoffe, Terrorismus, Umweltprobleme im Pflanzen- und Tierbereich, ungleiche Einkommensverhältnisse und Un-

gleichbehandlung, Waffenpolitik und Wasserversorgung bis hin zur Weltwirtschaft unter den Begriff globaler Problematik.[1] Zieht man zudem Martha Nussbaums Konzeption eines guten menschlichen Lebens heran, die „[...] sowohl die gute Verfassung des Körpers als auch das gute soziale Miteinander umfasst [...]“ (Nussbaum 1999, 27), zudem ihre Konzeption politischer Herrschaft, die Ausbildung und Bedingungen für ein gutes Leben unterstützen soll bei gleichzeitiger Behandlung der „[...] Bürger als Freie und Gleichgestellte [...]“ (a.a.O.) und ihre Sichtweise des Privateigentums als etwas, „[...] das beim Geltendmachen von Bedürftigkeit zurückzutreten hat [...]“ (a.a.O.), so wird klar, dass das Ziel eines guten Lebens mit Gleichberechtigung aller Menschen weltweit längst nicht erreicht ist.

2 Fragestellung

Warum jedoch werden immense Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung für die Mehrheit der Menschheit, stetig voranschreitende Umweltzerstörung und politisch inhumane und fragwürdige Bedingungen für viele scheinbar mit solcher Selbstverständlichkeit hingenommen, zumindest solange keine eigene Betroffenheit vorliegt?

Liegt es daran, dass etliche der globalen Probleme schlichtweg als unwichtig empfunden werden und/oder keine ausreichende Informiertheit über sie existiert? Fehlen Ideen und verwirklichbare Programme zur Lösung oder Verbesserung aktueller problematischen Fragen oder wären die meisten Menschen ohnehin nicht bereit ihren eigenen Lebensstandard herunterzuschrauben zugunsten eines menschenwürdige(re)n Lebens anderer? Ist Aristoteles Aussage Ethik und Politik seien gleichbedeutend und individuelle Ziele sollten mit denen des Gemeinwesens übereinstimmen, heutzutage nicht mehr gültig? (Helferich 2002, 49) Engagieren sich die Menschen mehrheitlich aktuell im Bereich globaler Problematik und/oder spielt dieser Faktor eine Rolle bei ihren Zukunftsplänen?

Finden sich darüber hinaus Unterschiede in den Einstellungen zwischen Frauen und Männern?

Kurz: Welchen Stellenwert haben globale Probleme in der Lebenswirklichkeit der Menschen und in welche Richtung weist die augenblickliche Situation für die Zukunft?

3 Hypothesen

In Bezug auf folgende hypothetische Annahmen sollen die vorangegangenen Fragekomplexe mit der Zielgruppe deutsche Studentinnen und Studenten analysiert werden:

3.1 Hypothese 1 über die Wichtigkeit, dass etwas gegen globale Probleme unternommen wird

Die Bekämpfung globaler Probleme wird im Allgemeinen als sehr wichtig wahrgenommen, sowohl im politischen als auch ökologischen und sozialen Bereich.

3.2 Hypothese 2 über die Korrelation zwischen Informiertheit und Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme

Je informierter man über einen Themenkomplex globaler Problematik ist, desto wichtiger findet man es, dass etwas in dem Bereich dagegen unternommen wird.

3.3 Hypothese 3 über den Zusammenhang zwischen Medienpräsenz und Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme

In der Öffentlichkeit v. a. durch Medien wie z.B. Nachrichten häufig illustrierte oder von Hilfsorganisationen oft angesprochene globale Probleme, über die zum Teil bereits in der Schule informiert wird wie Flüchtlingshilfe, Genozid, Menschenrechte, Terrorismus und Friedenspolitik, werden für wichtiger gehalten als seltener behandelte und abstraktere, der Lebenswirklichkeit der hiesigen Bevölkerung fernere Probleme wie Nationalismus, Waffen-politik und Weltwirtschaft, deren komplexe Zusammenhänge tendenziell eher unbekannt sind.

3.4 Hypothese 4 über den Glauben an die eigene Beitragsfähigkeit

Der Glaube daran, auch mit kleinen Beiträgen als Individuum etwas zur Verringerung oder Lösung globaler Probleme beitragen zu können, ist gering.

3.5 Hypothese 5 über die Korrelation zwischen Wichtigkeitseinschätzung der Bekämpfung globaler Probleme und aktuellem bzw. zukünftigem Engagement

Im Verhältnis zum Wichtigkeitsempfinden der Bekämpfung globaler Probleme engagieren sich eher wenige Personen aktuell im ökologischen, sozialen oder politischen Bereich globaler Problematik oder haben es zukünftig vor. Dabei sind diejenigen, die sich aktuell engagieren oder es für die Zukunft vorhaben, mehrheitlich Frauen.

3.6 Hypothese 6 über die Korrelation zwischen aktuellem und zukünftigem, berufsunabhängigem Engagement

Wer sich aktuell engagiert, möchte dies auch später berufsunabhängig weiterführen.

3.7 Hypothese 7 über geschlechtsspezifische Betätigungsfelder

Die im Vergleich zu den Frauen geringe Zahl der im Feld globaler Probleme engagierten oder zukünftiges Engagement planenden Männer konzentriert sich vor allem in Hinsicht auf einen zukünftigen Beruf auf den politischen Sektor, wohingegen die Frauen vor allem soziale und ökologische Bereiche einbeziehen.

3.8 Hypothese 8 über die Verbindung zwischen Bedingungserfüllung und Engagement

Viele wollen sich erst dann engagieren, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, z.B. ein gewisser Lebensstandard erreicht ist oder man mehr Zeit/Informationen hat.

3.9 Hypothese 9 über den Zusammenhang zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und selbstlosem Einsatz im weiteren Sinn

Im Verhältnis zum Wichtigkeitsempfinden der Bekämpfung globaler Probleme besteht wenig Bereitschaft, sich ohne Vertretung eigener Interessen für eine Verbesserung der Lage anderer einzusetzen.

3.10 Hypothese 10 über die Korrelation zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und persönlichen Einbußen

Im Verhältnis zum Wichtigkeitsempfinden globaler Problematik besteht wenig Bereitschaft zugunsten einer Lösung oder Verbesserung der Probleme persönlich Einschnitte im Lebensstandard hinzunehmen.

3.11 Hypothese 11 über die Korrelation zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und Verantwortungsgefühl

Mit der Anerkennung der Wichtigkeit, dass etwas gegen das Anwachsen und den Status globaler Probleme unternommen wird, stimmt das Gefühl überein mitverantwortlich dafür zu sein, dass sie nicht weiter wachsen oder sogar gelöst werden.

3.12 Hypothese 12 über den Zusammenhang zwischen Wichtigkeit der Bekämpfung globaler Problematik und eigener Betroffenheit

Je betroffener man sich von einem globalen Problem fühlt, desto wichtiger findet man, dass es bekämpft wird.

3.13 Hypothese 13 über die Korrelation zwischen Politik und dem Gefühl der Handlungsunfähigkeit

Vor allem im politischen Bereich gibt es globale Probleme, bei welchen das Gefühl besteht, nicht handlungsfähig zu sein.

[...]


[1] Vgl. Congressional Quarterly (2002) World at risk: a global issues sourcebook. Washington, D.C.: CQ Press und Congressional Quarterly (2005) Global issues. Washington, D.C.: CQ Press

Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640994069
ISBN (Buch)
9783640995417
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177621
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,3
Schlagworte
Globale Probleme Globalisierung Menschenrechte Ethik Politik Empirische Studie moralisches Bewusstsein Lebensplanung Befragung

Autor

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