Lade Inhalt...

Hollywood in der „High Atomic Culture”

Seminararbeit 2011 26 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Europa Nachkriegszeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Plots der Filme
2.1 Rocketship X-M
2.2 The Day the Earth Stood Still
2.3 The War of the Worlds
2.4 Them!
2.5 The Incredible Shrinking Man

3. Darstellung der Atombombe in den einzelnen Filmen
3.1 Rocketship X-M
3.2 The Day the Earth Stood Still
3.3 The War of the Worlds
3.4 Them!
3.5 The Incredible Shrinking Man

4. Vergleich der Darstellung

5. Schlusswort

Bibliographie
Quellen
Literatur
Internetquellen

Anhang
Produktionsdaten der Filme

1. Einleitung

In der Einleitung des Buches „Atomic Culture. How We Learned to Stop Worrying and Love the Bomb.“ von Scott Zeman und Michael Amundson, werden vier Perioden der „Atomic Culture“ vorgestellt, in denen die Atombombe auf kultureller Ebene unterschiedlich präsentiert und dargestellt wurde. Mit dem ersten Atombombentest der Sowjetunion im Jahre 1949 begann nach dieser Einteilung die sogenannte „High Atomic Culture“, welche bis 1963 andauerte. Während dieser Zeitspanne wurden die Menschen auf der Welt, speziell auch in den USA, mit zahlreichen Ereignissen konfrontiert, die im Zusammenhang mit der Atombombe oder nuklearer Energie standen.

„High Atomic Culture was fashioned by a variety of events including a uranium boom and bust in the American West, the threat of Soviet nuclear attack, the development of thermonuclear weapons and inter-continental ballistic missiles (ICBMs), the creation of Project Plowshare (to use atomic bombs for engineering purposes), Mutually Assured Destruction, the placement of a continental testing site in Nevada and its subsequent fallout, and the expansion of missile technology. American Culture of the period reflected these concerns and fears.”[1]

Ein Teil dieser „reflektierenden Kultur“ ist das Hollywoodkino. Während dieser Phase der „High Atomic Culture“, speziell in den 50er Jahren, entstanden zahlreiche Filme, in erster Linie aus dem Science-Fiction Genre, welche die Atombombenthematik direkt oder indirekt behandelten. Dabei stellt sich die Frage, wie die Filmemacher mit den Sorgen, Ängsten und Gefahren dieser Zeit umgegangen sind und wie sie all das in ihren Filmen präsentierten. Gab es in den Filmen direkte oder indirekte Kritik an der atomaren Bewaffnung? Konnte die Menschheit die Bedrohungen abwenden? Kam es zu einem Happy End? Oder waren die Filme eher dystopisch und zeigten die vernichtenden Auswirkungen der Atombombe, beziehungsweise ihrer Folgen? All das soll in dieser Arbeit untersucht werden. Ziel ist es, anhand einer Auswahl an Filmen aus dieser Zeit zu erarbeiten, ob es überhaupt ein einheitliches Bild der Atomwaffenproblematik und ihrer Lösungen in den Filmen gab oder ob zumindest gewisse Strukturen und Tendenzen erkennbar sind. Diese Untersuchung soll durch die Leitfrage gestützt werden: „Lässt sich die ‚High Atomic Culture’ in Hollywood durch spezifische Merkmale in Filmen definieren (Darstellung der Gefahr, Beseitigung der Gefahr, Wiederherstellung der Ordnung, Happy End) oder lassen sich zumindest Tendenzen erkennen?“. Folgendes sind die ausgewählten Filme: Rocketship X-M (Kurt Neumann, USA 1950), The Day the Earth Stood Still (Robert Wise, USA 1951), The War of the Worlds (Byron Haskin, USA 1953), Them! (Gordon Douglas, USA 1954), The Incredible Shrinking Man (Jack Arnold, USA 1957). Die Filme wurden anhand verschiedener Faktoren ausgewählt. Einerseits datiert kein Film aus dem selben Jahr und die Zeitspanne zwischen den fünf Werken beträgt sieben Jahre. So kann ersichtlich werden, ob es vielleicht Veränderungen in den Darstellungen im Laufe der Zeit gab. Andererseits sind auch die Themen der einzelnen Filme unterschiedlich und ein Grossteil der Inhalte der damaligen Science-Fiction Filme ist abgedeckt (die Atombombe als Waffe gegen Ausserirdische, Mutationen von Tieren und Menschen durch die Atombombe, Zerstörung der Welt). Zu guter Letzt sind besagte Filme im Bezug auf ihre Darstellung der Atombombe vergleichsweise gut erforscht. Allgemein ist dieser spezifische Bereich der Filmgeschichte gut erforscht, was sich auch aus den Buchtiteln wie „Atomic Bomb Cinema“ oder „Celluloid Mushroom Clouds“ herauslesen lässt.

In die Quellenkritik müssen sicherlich auch die Hintergründe der verschiedenen Filme einfliessen. Beispielsweise wer genau den Inhalt kreiert hat (Regisseur, Drehbuchautor), ob es eine Romanvorlage gab, wer der Autor dieser Vorlage war und ob es Abweichungen zwischen Film und Buch gibt. Kulturelle und politische Ereignisse der Entstehungsjahre der jeweiligen Filme werden ebenfalls in die Untersuchung einfliessen, sofern ein ersichtlicher Zusammenhang besteht.

Die Arbeit ist so aufgebaut, dass zunächst ein Überblick gegeben wird, worum es in den einzelnen Filmen geht. Danach wird die Darstellung der Atombombe für jeden Film einzeln untersucht um diese Ergebnisse anschliessend miteinander zu vergleichen.

2. Plots der Filme

Dieses Kapitel dient dazu einen kurzen Überblick über die Handlung der einzelnen Filme zu geben. Das dient als Basis für das Folgekapitel, in dem der Inhalt der Filme, auf die Darstellung der Atombombe untersucht wird. Die Reihenfolge, in der die Werke vorgestellt und später analysiert werden, ist chronologisch nach Entstehungsjahr der Filme.

2.1 Rocketship X-M

Fünf Astronauten sollen die ersten Menschen auf dem Mond werden. Ihr Start ist erfolgreich, doch im Verlauf der Reise treten Probleme auf. Das Raumschiff gerät in den Gravitationsbereich des Planeten Mars und muss auf diesem notlanden. Die Astronauten entdecken dort Überreste einer untergegangenen Zivilisation, welche hochentwickelt gewesen zu sein scheint, aber durch einen Atomkrieg zerstört wurde. Die Nachfahren der untergegangenen Zivilisation sind zwar menschenähnlich, sind jedoch in die Barbarei und Steinzeit zurückgefallen. Die Barbaren greifen die Astronauten an, wobei zwei von ihnen ums Leben kommen und ein weiterer verletzt wird. Die Überlebenden versuchen zur Erde zurückzukehren, müssen während der Rückreise aber feststellen, dass ihr Treibstoff nicht mehr ausreicht für eine Landung. Sie nehmen ein letztes Mal Kontakt mit der Bodenstation auf, um die Forschungsergebnisse mitzuteilen und die Menschen auf der Erde zu warnen, damit ihnen nicht das gleiche Schicksal widerfährt, wie den Marsbewohnern. Danach stürzt die Rakete zur Erde und explodiert.[2]

2.2 The Day the Earth Stood Still

Eine fliegende Untertasse nähert sich der Erde und landet in Washington. Die US Army umzingelt das Gefährt. Der Ausserirdische Klaatu erklärt, dass er in friedlicher Absicht kommt, wird aber von einem nervösen GI angeschossen, worauf der Roboter Gort – der Gefährte von Klaatu – aus dem Raumschiff tritt und die Waffen und Panzer der Soldaten mit einem Hitzestrahl vernichtet. Klaatu wird in ein Krankenhaus gebracht, wo er den Vorschlag unterbreitet, eine Konferenz aller irdischen Staatsoberhäupter einzuberufen, da er ihnen ein Ultimatum unterbreiten will. Dies misslingt aber, da sich die Vertreter des Ost- und Westblocks nicht über den Austragungsort der Konferenz einig werden können. Klaatu flüchtet aus dem Krankenhaus und mietet sich unter falschem Namen in einer Pension ein, wo er die Witwe Helen Benson und ihren Sohn Bobby kennenlernt. Der Junge, der ein Freund von Klaatu wird, besucht mit ihm den Physiker Barnhardt. Klaatu teilt diesem mit, dass er ein Abgesandter einer interstellaren Zivilisation ist, welche der Menschheit weit voraus ist und dass er auf die Erde kam, um den Menschen klarzumachen, dass sie zerstört werden würden, sofern sie mit ihren Atomwaffen einen anderen Planeten angreifen würden. Um seine Macht zu demonstrieren lässt er die gesamte Technik der Welt (ausser lebensnotwendigen Maschinen, wie etwa in Krankenhäusern) für eine halbe Stunde stillstehen. Bobby findet heraus wer sein Freund ist und informiert seine Mutter und ihren Verlobten Tom Stevens, welcher Klaatu dem Militär verrät. Eine Jagd beginnt, bei der Klaatu erschossen wird. Gort bringt die Leiche in das Raumschiff und erweckt Klaatu wieder zu leben, worauf dieser vor allen Regierungsvertretern der Welt eine Rede hält und einen Appell an sie richtet, dass die Erde ausgelöscht werden wird, sofern sich die Menscheit nicht ändert. Danach reist er wieder zurück in den Weltraum.[3]

2.3 The War of the Worlds

In der Nähe einer kalifornischen Kleinstadt stürzt ein Meteorit ab, der, wie sich herausstellt, ein ausserirdisches Raumschiff vom Planeten Mars ist. Einige Menschen, die sich dem Fahrzeug nähern, werden durch einen Todesstrahl eliminiert. Innerhalb kurzer Zeit landen auch weitere Meteoriten, welche allesamt auch kleinere Raumschiffe enthalten. Diese schwärmen aus und zerstören alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Armee ist machtlos. Als letzte Instanz versucht man die ausserirdischen Eindringlinge mit der Atombombe zu eliminieren, doch auch das misslingt. Der Atomphysiker Forrester und die junge Frau Sylvia van Buren versuchen mit einem Forscherteam eine Lösung zu finden, doch als sie das Labormaterial evakuieren müssen, werden ihre Fahrzeuge von flüchtenden Menschen geplündert. Forrester und Sylvia suchen in einer Kirche Unterschlupf und warten mit einigen wenigen Überlebenden auf das Ende, als die ausserirdischen Raumschiffe unerwartet zum Stillstand kommen und die Insassen dieser sterben. Das Immunsystem der Invasoren war auf die irdischen Bakterien und Viren nicht vorbereitet, was zu ihrem Tod führte.[4]

2.4 Them!

Zwei Polizisten entdecken 1954 in der Wüste von New Mexico ein kleines Mädchen, welches unter Schock steht. Als sie ihre Spuren zurückverfolgen, stossen sie auf ein Auto und die schlimm zugerichteten Leichen der Eltern, welche voller Ameisensäure sind. Als die Polizei bei den Ermittlungen nicht weiterkommt, werden das FBI und einige Wissenschaftler hinzugezogen, die herausfinden, dass in diesem Gebiet 1945 ein Atombombenversuch stattfand. welcher ein ganzes Ameisenvolk hat mutieren und auf Elefantengrösse heranwachsen lassen. Als man das unterirdische Nest der Ameisen entdeckt, räuchert man es mit Zyankalibomben aus, doch zwei junge Königinnen können fliehen. Da die Königinnen fliegen und dadurch riesige Entfernungen zurücklegen können, wird eine grossangelegte Suchaktion eingeleitet, weil man verhindern muss, dass die Königinnen sich irgendwo einnisten und ein neues Volk heranziehen. Man findet heraus, dass sich eine der beiden Königinnen im Laderaum eines Hochseefrachters eingenistet hat, dessen gesamte Mannschaft sie zuvor tötete. Nachdem das von Ameisen besetzte Schiff entdeckt wird, versenkt es die Navy. Die andere Königin nistet sich in den Abwasserkanälen von Los Angeles ein. Man verhängt den Ausnahmezustand und ruft die Armee zur Hilfe. Der Einsatz wird erschwert, da die Ameisen zwei kleine Jungen in die Kanäle entführt haben. Sergeant Peterson gelingt es, die beiden zu retten, wobei er selbst aber getötet wird. Die Armee rottet die Ameisen und die Königin daraufhin mit Flammenwerfern aus.[5]

2.5 The Incredible Shrinking Man

Scott Carey und seine Frau Louise liegen mit ihrem Boot vor der kalifornischen Küste. Während Louise unter Deck geht, kommt eine merkwürdige Wolke auf das Boot zu und hüllt Scott ein. Ein halbes Jahr später schrumpft er zusammen. Seine Kleider passen ihm nicht mehr. Er lässt sich untersuchen. Alles deutet darauf hin, dass die seltsame Wolke, welche wahrscheinlich radioaktiv geladen war, die Ursache für sein Schrumpfen ist. Die Presse erfährt von Scott Careys Fall und belagert daraufhin sein Haus, während die Ärzte alles versuchen, um ihm zu helfen. Als er nur noch einen Meter zwanzig gross ist und feststellt, dass er für seine Frau nicht mehr derselbe Mann ist, in den sie sich verliebt hat, wendet er sich in seiner Einsamkeit an die Liliputanerin Clarice. Doch der Schrumpfungsprozess hört nicht auf und Scott muss in ein Puppenhaus umziehen. In dieser Umgebung ist er zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Nach einem Angriff der Hauskatze landet Scott im Keller, welchen er nicht mehr verlassen kann. Louise findet einen blutigen Fetzen Stoff und glaubt, dass Scott tot ist. In der neuen Umgebung ist Scott weiteren Gefahren ausgesetzt. Er muss eine Mausefalle überlisten, um an etwas Essbares zu kommen, sich mit einer Stecknadel gegen eine Tarantel wehren und wird von den Fluten eines durchrosteten Wasserboilers weggespült. Als er noch kleiner wird, findet sich Scott mit seiner Situation ab, während er ins Nichts zu verschwinden scheint.[6]

3. Darstellung der Atombombe in den einzelnen Filmen

3.1 Rocketship X-M

Rocketship X-M wird erst richtig spannend, als das Raumschiff auf dem Mars landet. Die gesamte Handlung davor erscheint wie eine lange Einleitung in den Film und wirkt teilweise fast uninteressant. Auf dem vermeintlich toten Planeten selbst ist die Stimmung aber sehr unheimlich, wobei der Angriff der Marsbewohner den Höhepunkt der grusligen Atmosphäre darstellt.[7] Der Film steuert offensichtlich darauf hin, den Untergang dieser Zivilisation hervorzuheben und damit eine Warnung an die Menschheit zu senden, da ihr das gleiche Schicksal drohen könnte. Das wird vor allem auch dadurch gestützt, dass die Raumschiffbesatzung, zu einem Zeitpunkt, als es für sie selber längst keine Hoffnung mehr gibt, darum kämpft, zumindest ihre Forschungsergebnisse und damit auch eine Warnung an die Erde zu übermitteln. Der Film thematisiert auch die damalige Rolle der Frau und kritisiert sie zu einem Teil. Dr. Lisa van Horne, das einzige weibliche Mitglied der Besatzung wird während des Films häufig nicht ernst genommen, da sie entweder zu feminin, oder zu wenig feminin ist. Auch die Rolle von Floyd Graham als Beschützer und seine Annäherungsversuche gegenüber Dr. Van Horne sind sicherlich ein Element dieser Geschlechterrollenthematik.[8] Dennoch bleibt die Rolle der Frau eine Randnotiz und geht neben den Bildern auf dem Mars unter. Im Mittelpunkt steht in erster Linie diese untergegangene Zivilisation. Der Rolle der Bombe in Rocketship X-M lässt sich als „apokalyptisch“ beschreiben. Der Film zeigt eine deutlich antinukleare Haltung. Die Darstellung der mutierten Marsbewohner und des zerstörten Planeten stellen eine Umgebung nach einem nuklearen Holocaust dar.[9] Eine Zivilisation, die sich selber durch einen Atomkrieg zerstört hat, Überlebende, die durch die radioaktive Strahlung entstellt und blind sind und eine Landschaft, die übersät ist mit Ruinen und Artefakten, welchen man sich wegen ihrer Radioaktivität nicht nähern kann.[10] Der Leiter der Expedition auf dem Mars stellt nach der Ankunft fest: „from atomic age to stone age“. Die Marszivilisation hat sich durch ihren Umgang mit Atomwaffen um Tausende von Jahren in der eigenen Entwicklung zurückgeworfen. Ein Schicksal welches auch der Erde blühen könnte. Der Direktor des Weltraumprogramms, welcher sich in der Bodenstation befindet, sagt nach dem Absturz des Raumschiffes, dass der letzte Funkspruch Informationen beinhaltete, welche die Rettung der Welt bedeuten könnten.[11]

[...]


[1] Zeman/Amundson, Atomic Culture, S. 3–4.

[2] Vgl. Hahn, Lexikon des Science Fiction Films, S. 718.

[3] Vgl. Ebd., S. 878.

[4] Vgl. Hahn, Lexikon des Science Fiction Films, S. 498–499.

[5] Vgl. Hahn, Lexikon des Science Fiction Films, S. 311–312.

[6] Vgl. Ebd., S. 946.

[7] Vgl. Ebd., S. 718.

[8] Vgl. Shapiro, Atomic Bomb Cinema, S. 97.

[9] Vgl. Ebd., S. 95–96.

[10] Vgl. Evans, Celluloid Mushroom Clouds, S. 65.

[11] Vgl. Shapiro, Atomic Bomb Cinema, S. 96.

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640993468
ISBN (Buch)
9783640994892
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177578
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Historisches Seminar
Note
4.5 (Schweizer Note)
Schlagworte
hollywood atomic culture” note)

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Hollywood in der „High Atomic Culture”